Castingshow "Ich kann Kanzler": Die Bundes-Bambis

In der ZDF-Castingshow "Ich kann Kanzler" wurden thematisch heiße Eisen wie Bildung und Krippenversorgung diskutiert. Die waren so mehrheitsfähig wie Schokoladenpudding. Das Spektakel fand vor einer Jury statt, die aus gütiger Verständnis-Schmunzelei kaum herauskam.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...631537,00.html
  1. #90

    Model UN

    Die Sendung war mal ein Anfang. Allerdings fand ich die Themen der Kandidaten ziemlich einseitig. Ueber
    Aussenpolitik wurde ueberhaupt nicht geredet.
    Die meisten Kandidaten beschraenkten sich auf ein Thema. Ob das um Kanzler zu werden reicht? Rhetorisch war es alles etwas seicht, ohne Biss, ein gewisses Mass an Aggression waere nuetzlich.
    Aber ok, ein Anfang.
    Meine Kinder waren und sind noch bei Model UN aktiv, und ich finde, dass die da viel besser argumentieren lernen, ich denke kaum, dass einer der jungen Leute bei Model UN mitgemacht hat. Also ein Tipp: MItmachen bei Model UN, uebt kollossal, auch auf internationalem Parkett.
  2. #91

    .

    Zitat von fiorie Beitrag anzeigen
    Ich habe als Fernsehn-Autor in Holland, England, Amerika und Deutschland gearbeitet. Das Fernsehn das hier gemacht wird (nur die "Journalistische" Programme sind eine Ausnahme) ist meiner Ansicht nach wirklich zum Heulen. Vor allem junge Leute müssen hier leiden, wissen auch nicht was das Offentlich Rechtliche Fernsehn ist. (unter 50 schaut fast keiner sich das an)

    Jetzt versuchen die Fossilen vom ZDF mal was unterhaltsames für jüngere Leute und sofort wird es kaputt gemacht. Warum? Weil es wahrscheinlich nicht so langweilig ist wie immer.

    Das Konzept mag durchaus potenzial haben aber es ist im groben auch nur eine von vielen Castingshow`s und bei vielen Leuten löst allein dieser Begriff ekel aus.
    Da darf sich das ZDF bei den privaten bedanken.
    Die Jury ist jedenfalls die beste, die je in einer Castingshow anwesend war. Man kann auch sagen "die angenehmste Jury".

    Zu den Kandidaten:
    Spätestens im poltischen Alltag müssen Sie sich an den verstaubten Modus anpassen. Auch wenn die jetzt noch so spritzig wirken wird das System sie auf das vitalitätslevel eines Glos runterholen.

    Mein Fazit:
    Die Jury = 1+ mit *
    Die Kandidaten = 3 -
    Das Konzept = 6

    Fazit: Gibt spannendere Sendungen. Man hat ja immer noch Phoenix und co.
  3. #92

    War unter den letzten 40 Kandidaten

    Grüss Euch liebe Leser,
    da wurde ja nun von Presse und manchen Mitstreitern die Show bewertet, also möchte ich das auch mal tun.
    Ich kann Kanzler? Nein,”Ich könnt kotzen”
    So sehr mir klar war, daß Jacob oder Kalisch die Show für sich entscheiden werden, so sehr ich mir gewünscht habe, dass Antje das Rennen macht, so bitter und ätzend ist doch meine Einschätzung der Show. Und das wird nun sehr dreckig, direkt und subjektiv:
    Diese Sendung war eine angepasste Scheisse. Und dieser Vorwurf richtet sich nicht an die Kandidaten, das muss ja jede/-r für sich selber entscheiden, wer er/sie sich selber, seine Leistung und das Dargebotene zu bewerten.

    Das ZDF hat hier ein Glanzstück an angepasstem Rentner-TV geliefert, handwerklich bedenklich, keine Spur kontrovers und zusammengeschnitten wie ein englischer Rasen. Schon in der 45min. Doku, dann auch in dem 3h Marathon des Nachts und erst recht in der Livesendung. Von Rentnern für Rentner, abgekartet und voraussehbar. Alle systemkritischen und anstößigen Texte wurden rausgeschnitten. Der Zuschauer bekam dann eine Suppe der Beliebigkeit serviert und musste ja zwangsläufig den Eindruck bekommen, dass wir alle genausogut unsere bestehende Politikerkaste behalten können.

    Das entspricht aber keineswegs meinem Eindruck der Kandidaten. Hinter den Kulissen wurde sehr wohl kontrovers Diskutiert, wurden unangepasste Meinungen vertreten und auch mal hitzig Debattiert.

    Also stellt sich für mich schon die Frage, ob hier nun alle Gewinner sind, wie ich es von vielen Teilnehmern und ZDF-Leuten gehört habe.

    Das kann ich nur für mich bewerten: Nein. Es geht eben nicht um gewinnen oder verlieren! Für meinen Teil kann ich nur feststellen, dass ich zu angepasst war, zu brav, zu wenig Zähne gezeigt habe und diesesn Vorwurf muss ich mir gefallen lassen. Sobald eine Kamera auf einen greichtet ist, da vorne so ein paar bekannte Gesichter sitzten, bekommt man das Muffesausen. Habe ich doch in einer Show mitgewirkt, die zementiert was ich an dieser Gesellschaft kritisiere. Es glaubt doch nicht einer ernsthaft, dass sich nun ein paar junge Menschen auf die Beine stellen und sagen: Das kann ich auch.

    Teil 2 folgt:
  4. #93

    Teil 2 der Kritik

    Viel mehr ist der Effekt: Das kenn ich schon. Typisch ZDF Sernioren-TV. Alles ganz nett. Zum Einschlafen - so wurde die Sendung von allen meinen Bekannten bewertet, langweilig und zum einschlafen.

    Dem entsprechend sind ja auch die meisten Rezensionen in der Presse, nur die TAZ hat hier ein Lobgesang abgeliefert. Das befremdet und zeigt analogieen zur Show, wo alles austauschbar war.

    Das ZDF hatte aus meiner Sicht schon vor dem Casting das Finalistenteam(zumindest 4 der Finalisten) besetzt, es gibt einiges an Hinweisen auf dieses Vorgehen. Weiter wurden eben doch Kandidaten vorgeführt, ich erinnere nur an das weinende Mädchen im Rennwagen, und vieles an kontroversen Ideen für Deutschland unter den Tisch fallen gelassen.

    Und hier ist mein fundamentaler Kritikpunkt: Es ging nicht um die Idee. Von den Ideen hat man ja auch wenig bis nichts gesehen, es ging um gefällige Personen, zu zeigen wie sich unser durch alle finanziertes Florian-Silbereisen-TV den Politiknachwuchs vorstellt. Alles zu glatt, zu ölig, zu angepasst und deshalb zum kotzen. Das kann ich nur in aller Deutlichkeit feststellen.

    Die Jury:
    Da fällt mir nun wirklich nichts mehr dazu ein. Eine Frau Engelke die sich als jungen Hüpfer verkaufen wollte und dem Jacob ein “Kurt Cobain”-Poster wünscht, liebe Frau Engelke, das war so zu unserer Zeit. Herr Scherf gab den Old-Style Bürgernahen und Herr Jauch, naja ein wenig nahhaken ist nun auch nicht besonders mutig. Aber auch hier: Mit der Show müssen sie selber klar kommen. Schönreden kann da hilfreich sein.

    Die an die Kandidaten gestellten Fragen, vom Art.1 GG bis hin zur “Schätzkompetenz” war die Show ein einziges Geblubber, keine kritischen Töne einer Generation, die den größten Schuldenberg aller Zeiten überreicht bekommen hat, eine zerstörte Umwelt und eine Regierung, die sich anschickt das einzig freie Medium Internet zu zensieren.

    Fazit: Für mich persönlich war die Sendung sehr wohl ein Gewinn. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, habe einiges über unsere Medien erfahren, war euphorisch, niedergeschlagen, erheitert, wütend - man kann sagen ich habe mich gespührt, und zwar richtig. Die Idee Democratica wird weiterleben und darum geht es mir, die Idee und nicht die Person. Denn die können blenden.

    Doch war die Sendung ein Gewinn für Deutschland, wie es so manche Pressestimme konstatiert? Das vermag ich kaum zu bewerten, ich denke wohl nicht.

    Es bleibt nur zu hoffen, dass dem ein oder anderen auch noch ein selbstkritischer Gedanke in die Knochen fährt. Allen voran der ZDF-Crew und dieser sehr farblosen und unkritischen Jury.

    Den Kandidaten selber wünsche ich weiterhin alles Gute, auch vor der Sendung waren die Wege derer ein Stück weit vorgezeichnet und vielleicht hat man hier ja auch ein paar echte Freunde gefunden, das wird die Zeit zeigen. Doch lasse ich es mir nicht nehmen auch an dem Format Kritik zu üben, gerade wegen der sehr harmonischen Stimmung. Da mecker ich gerne, denn auch das gehört zum Pluralismus.

    Schöne Grüße
    Marc Antoine Schaut

    (Sollten sich hier Rechtschreibfehler finden, sie wissen ja, die Show hatte den Namen “ich kann Kanzler”)
  5. #94

    hätte besser werden können

    Interessantes Konzept, schlecht umgesetzt.
    Ich hätte mir etwas mehr lockeren Umgang gewünscht, und nicht so steif, pseudo-ernst und vor allem "parteienkompatibell", wie schließlich am Ende das Ganze geworden ist.
    Apropos parteienkompatibell...
    Die Kandidaten, die etwas aus dem Rahmen fielen (wie der Kerl mit Piercings und dem Bärtchen) und keiner Partei angehören, also Quereinsteiger wurden nicht durchgelassen. Dafür sorgte der alte Parteimensch Scherf und der konservative Günter Jauch, von dem ich mehr Lockerheit erwartet habe und nicht solche humorlose Todernsthaftigkeit.
    Tja, da kamen ins Finale allesamt, typische junge Parteistreber, die jetzt vielleicht noch den naiven Idealismus besitzen, den sie aber später, wenn sie mal im Bundestag oder Landestag sitzen, schnell ablegen werden.
    Der Kerl der gewonnen hat, so sagte man im ZDF, ist engagiert in 16!! verschiedenen Organisationen, von Amnesty International...bis was weiß ich....die Gesellschaft für Hamsterschutz..., oder so... Und er ist noch keine 20.

    Also am Ende, ist das Spiel wie die Realität geworden. Sprich; Du kannst in der Politik nach vorne kommen nur über die Parteien, sonst nicht. Und damit ist die Sendung für mich gescheitert. Denn wenigstens, in einem fiktiven Politspiel, hätte man sich mehr Alternative gewünscht, was in der realen langweiligen Politik-Realität gar nicht möglich ist.