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BWL-Ranking: Fast 300 Professoren steigen aus

DPAWelcher BWL-Professor hat die längste Artikelliste? Die Antwort will das "Handelsblatt" mit einem Ranking geben. Weil darin nur der Forschungsoutput zählt, kritisieren es nun knapp 300 Hochschullehrer. Pikant: Ein junger Star-Professor des Rankings von 2009 soll seine Publikationslisten frisiert haben.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...853650,00.html
  1. #1

    Es ist unverständlich ...

    ... warum sich die zitierten 291 Professoren der BWL über die Kriterien des Rankings beschweren. Die Punkte 1-4 bilden die Hauptkriterien bei den allermeisten Berufungen im deutschen Hochschulsystem. Die Beschwerdeführer beklagen sich also de-facto darüber, dass sie nun selbst nach denselben Kriterien bewertet werden, die sie als Mitglieder in Berufungskommisionen auf den wissenschaftlichen Nachwuchs anwenden. Eine Art der Bewusstseinsspaltung.

    Die Kritik an der absoluten Gültigkeit der Kriterien für die Bewertung von Wissenschaft und Lehre ist jedoch durchaus gerechtfertigt.

    Das einzige Kriterium, das fehlt ist die Höhe der eingeworbenen Drittmittel. Hierbei Gewichten viele Professoren und Rektorate gerade an den klassischen "Voll-Universitäten" Drittmittel staatlicher Forscungsorganisationen (DFG etc.) höherwertig als solche aus der Industrie. Im ersten Fall handelt es sich schliesslich um die wahre, vollwertige Forschung, im zweiten Fall lediglich um Auftragsforschung, gleichzusetzen mit "höherem Handwerk". Diese Sichtweise ist weit verbreitet.
  2. #2

    Einseitige Darstellung

    Zitat von tschierva Beitrag anzeigen
    ... warum sich die zitierten 291 Professoren der BWL über die Kriterien des Rankings beschweren. Die Punkte 1-4 bilden die Hauptkriterien bei den allermeisten Berufungen im deutschen Hochschulsystem. Die Beschwerdeführer beklagen sich also de-facto darüber, dass sie nun selbst nach denselben Kriterien bewertet werden, die sie als Mitglieder in Berufungskommisionen auf den wissenschaftlichen Nachwuchs anwenden. Eine.....
    Es ist richtig, dass die Publikationen eine entscheidende Rolle spielen.
    Ich habe aber noch keine Berufungskommision erlebt, die versucht aus den Publikationslisten eine Punktewertung zu erstellen, um so den Besten zu ermitteln. Keiner der Unterzeichner wird der Aussage widersprechen, dass viele Publikationen wichtig sind.
  3. #3

    ... bewußtseinsspaltung

    Ist noch zu freundlich: Jeder der Herrschaften wirbt auf seiner Internetseite mit Publikationen, ist eifrig darum bemüht, möglichst viel zu publizieren und sich möglichst viel zuarbeiten zu lassen, das man unter eigenem Namen verwenden kann...

    Sie sind so wie Kinder, die man beim Griff in die Bonbondose erwischt, und die jetzt weinen, nur viel bösartiger, denn keiner von denen hätte ein schlechtes Gewissen, andere im Elend stehen zu lassen, nur weil sie keine Publikationsliste haben...
  4. #4

    Überhaupt nicht unverständlich ...

    denn alle Argumente der Professoren treffen voll zu. Und wenn Berufungskommissionen nach solch dünnen Kriterien arbeiten würden, könnte man sie getrost durch ein simples Java-App ersetzen. Tatsächlich - auch wenn es unbeteiligte nicht glauben - setzt man sich dort sehr ernsthaft mit den Bewerbern und ihren Arbeiten inhaltlich auseinander. Berufungen entscheiden maßgeblich über die Zukunft von Universitäten und derart flaches Vorgehen wäre mehr als fahrlässig. Statistiken wie die aus dem Handelsblatt schaden eher als dass sie nutzen, sie verbreiten nur flache Fehlinformation durch Vergleich von Äpfeln, Birnen, Kirschen, usw.
  5. #5

    BWL ist doch wohl kaum Wissenschaft, es bedeutet unkritisches Auswendiglernen von Dok

    Diese "Wissenschaft" schafft Probleme, statt Weiterkommen und Lösen von Problemen.
  6. #6

    Alternativen?

    Zitat von tschierva Beitrag anzeigen
    .Die Punkte 1-4 bilden die Hauptkriterien bei den allermeisten Berufungen im deutschen Hochschulsystem. Die Beschwerdeführer beklagen sich also de-facto darüber, dass sie nun selbst nach denselben Kriterien bewertet werden, die sie als Mitglieder in Berufungskommisionen auf den wissenschaftlichen Nachwuchs anwenden.
    Das ist doch kein Argument. Auch bei der Bewertung von Drittmittelanträgen (z.B. bei der DFG) oder generell bei der Bewertung der Expertise von Wissenschaftlern werden solche Kriterien angesetzt. Die Frage ist doch, ob diese Methode qualitativ gerechtfertigt ist und welche Alternativen es gibt.

    Die Antwort: Es gibt bis dato keine Alternative zu Rankings. Wie soll ein Drittmittelgeber entscheiden wer der Zuwendung qualitativ gerecht werden kann, als mit Hilfe von quantitativen Daten?

    Immerhin wurde hier nur innerhalb der BWL bewertet, muss dies fächerübergreifend getan werden (z.B. bei interdisziplinären Projekten), wird die Sache schon komplizierter und immer weniger vergleichbar.
  7. #7

    Diese Rankings sind nichts weiter als irrefuehrend.

    Uni Mannheim hat im Fall Lichtenthaler eine Untersuchungskommission einberufen, die eine "größere Anzahl" seiner Arbeiten prüft, wie eine Sprecherin der Uni mitteilte. Ergebnisse werden für Ende 2012 erwartet.
    Heisst das etwa das im Grunde niemand diese Arbeiten vorher gelesen hat? Wenn das aber so ist, wieso kann man sich dann mit sowas einen Ruf aufbauen?
    Scheint als wenn mittlerweile auch in der Wissenschaft der Schein mehr ist als das Sein. Es muss einfach nur "wissenschaftlich" aussehen, was wirklich im Detail in solchen Arbeiten steht interessiert keinen.
  8. #8

    Ein wirkliches Dilemma

    Ein paar Gedanken
    Ja und leider ist das Ranking häufig genau an den oben genannten Kriterien orientiert.

    Das der Impact factor einer Zeitschrift kein gutes vergleichendes Kriterium ist, ist hinlänglich bekannt.
    Was natürlich die Sache ein wenig entschärft, ist das alle Bewerteten aus mehr oder weniger dem gleichen Fachbereich stammen.
    Dennoch würden als logische Folge Professoren der Steuerlehre und des Rechnungswesens aussterben.

    Die schiere Menge an Artikeln ist meines Erachtens auch mehr als problematisch, da sie dazu verleitet, Wissenschaft wegen Zeitmangel oberflächlich zu betreiben.
    Die wirklich wichtigen Publikationen werden viel zitiert und dabei spielt weniger der Impactfactor eine Rolle als die Qualität der Veröffentlichung und ob das richtige Journal ausgewählt wurde, um die Leserschaft zu erreichen.

    Qualität ist meiner Meinung nach wesentlich wichtiger als Quantität:
    Weil, was nützen viele Veröffentlichungen, die nie gelesen oder zitiert werden.
    Es gibt immer die Option weniger Veröffentlichungen und dafür mit höherer Qualität zu produzieren. Und da unterscheiden sich die Forscher viel stärker:

    Jemand vermag eine grosse Menge an oberflächlichen Artikeln schreiben können. Jedoch, auch nur einen Artikel zu schreiben, der sagen wir mal 100 mal zitiert wird, ist eine Sache, zu der die wenigsten in der Lage sind.

    Und das wäre ein mehr korrekter Wettbewerb, ein Wettbewerb darum, zitiert zu werden.
    (Die Veröffentlichung wird "abgekauft" und ist ganz offenbar nützlich)

    Doch auch hier ist die Sache nicht ganz unproblematisch, denn...
    Eine kleine Sache kann sich zu einer großen entwickeln.

    "Die Punkte 1-4 bilden die Hauptkriterien bei den allermeisten Berufungen im deutschen Hochschulsystem. Die Beschwerdeführer beklagen sich also de-facto darüber, dass sie nun selbst nach denselben Kriterien bewertet werden, die sie als Mitglieder in Berufungskommisionen auf den wissenschaftlichen Nachwuchs anwenden."

    Das ist wirklich besorgniserregend, sollte es so sein.
    Wenn sie das Problem erkannt haben, warum in aller Welt wählen sie dann nicht bessere Kriterien aus?

    Eine mittelmäßige Anzahl von Veröffentlichungen mit hoher Qualität sollte meiner Meinung nach ein viel höheres Gewicht haben als eine hohe Anzahl mit niedriger Qualität. Und das die Artikel in High impact journals veröffentlicht werden ist leider keine wirkliche Garantie für gute Qualität, weil dafür ist auch eine hohe Qualität im peer review erforderlich ist.
    Etwas, für das keiner Geld bezahlen will, geschweige denn, dass sich Zeit dafür findet.

    Eine Bewertung der Qualität ist darüber hinaus sehr schwierig, weil sie ein enormes Fachwissen erfordert, und das aus jedem beliebigem Fachgebiet.

    Der Gesellschaft fordert viel ab von den Universitäten
    und vor allem zählt dazu auch der Irrglaube viele Veröffentlichungen seien ein Kriterium für den wissenschaftlichen Fortschritt.
    Zweiter Irrglaube: Derjenige, der möglichst viele Artikel mit seiner Gruppe produzieren kann, ist auch automatisch der beste Forscher.

    Ich weiß nicht, ob Professoren in Berufungskommissionen diese typischen genannten Kriterien ignorieren können, selbst wenn sie es wollten.

    Die Wissenschaft ist leider doch nicht so frei wie es in der Charta der Grundrechte der europäischen Union gefordert wird:
    "Artikel 13
    Freiheit von Kunst und Wissenschaft
    Kunst und Forschung sind frei. Die akademische Freiheit wird geachtet."

    Diese Freiheit ist leider ganz übel beschränkt durch die fortschreitende Reduzierung von Planstellen.
    Derjenige, der andauernd Projektmittel ein-werben muss, ist eben nicht so frei, wie man vielleicht denken mag. Sondern er ist eben sehr stark von den Interessen des Finanziers abhängig.
  9. #9

    Zitat von renoes Beitrag anzeigen
    Die wirklich wichtigen Publikationen werden viel zitiert und dabei spielt weniger der Impactfactor eine Rolle als die Qualität der Veröffentlichung und ob das richtige Journal ausgewählt wurde, um die Leserschaft zu erreichen.
    Sie wissen aber schon, dass bei der Berechnung des Impact Factor gezählt wird, wie oft man von anderen zitiert wird? Ein hoher impact factor ist also genau die Größe, welche die "wirklich wichtigen Publikationen" Ihrer Definition nach kennzeichnet.

    Der echte impact factor wird hingegen nach einer etwas komplizierteren Formel berechnet:
    Your (real) Impact Factor
    Vielleicht sollte man mal diese Bewertungsgrundlage für Wissenschaft einführen, sie wäre deutlich ehrlicher. ;-)








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