Zitat von
rudisander
Die Demokratie ist nun wirklich eine schöne Sache: auf der Ebene der politischen Institutionen kann ein jeder alles werden, bis hinauf zum Bundespräsidenten. Da wird nicht gefragt wo einer herkommt, alle sozialen und sonst bedingenden Randphänomene können ignoriert werden, wenn man sich einen Kerl anschaut und zufrieden feststellen kann, der hat das Zeug, die Form, das Wesen, den Charakter, der kann und soll es werden. Und so ist es ja auch schon mancher geworden, dem es an seiner Wiege nicht gesungen wurde.
Aber wenn es sie dann geworden sind, dann erst zeigt sich, was sie wert sind und ob ihre Wahl die richtige war. Plötzlich wollen sie auch privat überall dabei sin und überall mitmachen. Warum eigentlich? Kann sich denn keiner einer "armen" Bundespräsidenten vorstellen, einen ohne Maßanzüge, einen in einer Sechszimmermietwohnung, einen der keinen Champagner mag und ihn - als Zumutung - nur dienstlich trinkt, wenn die Umstände es von ihm verlangen, einen der Eintopf mag, einen der gerne auf den Fußballplatz geht, die Bildzeitung liest, lasst ihn doch, wenn er nur in seinem Amt integer ist.
Aber wenn sie dann etwas geworden sind, wenn sie die wirklich Grossen kennen gelernt haben, die mit den Millionen und Milliarden, die Beweger der ganz grossen Räder, dann fängt es an in ihnen zu kribbeln und zu vibrieren. Dann fragen sie sich plötzlich, warum denn ich nicht auch? Und genau dann entscheidet es sich, ob einer wirklich ein ganzer Kerl ist oder eben doch nur einer wie wir alle.
Wir müssen uns also alle fragen, was wir wirklich wollen auf dem Thron der Demokratie: einen Menschen mit all seinen Schwächen oder eben doch einen - wie auch immer gearteten - Ausnahmemenschen.