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Bundespräsident: Gauck wirbt für Auslandseinsätze der Bundeswehr

DPAJoachim Gauck fordert von den Deutschen mehr Offenheit für Auslandseinsätze der Bundeswehr - und bemängelt eine gewisse Distanz der Bürger zu den Streitkräften: "Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen", sagt der Bundespräsident.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...838386,00.html
  1. #610

    Man kennt das...

    Zitat von Kalleblom Beitrag anzeigen
    Das ist zwar richtig, aber die Qualität ist eine andere! Ein Mensch, der unter Lebensgefahr in einem fremden Land seine Pflicht erfüllt, steht wohl etwas anders da als jemand der sich hier in Deutschland im Wohnzimmer belesen hat und zu dem Schluß gekommen ist, dass Krieg unmenschlich ist und eigentlich auch gar nicht notwendig für eine bessere Welt (entschuldigen Sie den Tonfall, aber ich meine eben genau diese Menschen und keine die die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erleben mussten). Lassen Sie diese beiden mal darüber diskutieren.
    Schade, dass ein Moral- oder Autoritätsgefälle hergestellt werden soll. Hier der in Lebensgefahr Befindliche, der obendrein seine Pflicht (Kunduz?) tut, dort der „Bequemling“, der sich im Wohnzimmer belesen hat, zu anderen Schlüssen kommt als der opferbereite Soldat und obendrein auch noch die "Frechheit" besitzt, die Schrecken des Krieges nicht am eigenen Leibe erfahren zu haben.

    Man kennt diese Methode. Es handelt sich, nüchtern betrachtet, um Scheinargumente, im Grunde sind es Worthülsen. Wer den Schrecken des Krieges gegenübersteht, ist noch lange nicht im Besitz der höheren Moral als jener, der zu Hause sitzt und kritisiert. (Der Pazifist, der pauschal die Soldaten Mörder nennt, kann sich seine vorgebliche höhere Moral auch „von der Backe streichen“.)

    Jeder ist für sein Tun oder Unterlassen verantwortlich, egal, wo er steht oder sitzt. Der Soldat kann in die Irre gehen, der rigorose Pazifist auch.
    Mündige Bürger gibt es weiß Gott nicht nur in Uniform sondern auch ohne. Denken lernt man nicht erst unterm Stahlhelm oder in Lebensgefahr. Ich muss z.B. auch nicht LKW-Fahrer sein, um die Risiken zu kennen und zu bewerten, würde ein solcher bei Rot über die Ampel oder alkoholisiert fahren. Da kann ich in jedem Sessel der Welt jede kritische Meinung zu einnehmen, bequem hin oder bequem her. Und wenn ich kritische Worte im Kopfstand unter der Dusche befindlich äußere, kommt es auch da auf Analyse, Inhalt und Bewertung an und nicht um kalte oder warme Dusche oder sonst was.

    Ihre Worte sollten nicht dazu verführen, Soldaten gewisse höhere Weihen zu verleihen. Die abkanzelnden berühmten Fragen „Hat er überhaupt gedient?“ oder „War er schon mal im Gefecht?“ vermitteln keine höhere intellektuelle oder moralische Warte und beeindrucken nicht.

    Auch sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass Kriege oft genug generalstabsmäßig ausgerechnet am Schreibtisch vorbereitet und geplant werden. Soldaten können auch Schreibtischtäter sein, dann aber auch im durch und durch grauenhaften Sinn des Wortes.

    Außerdem kommen hier evtl. unterschwellig sogar deutlich antidemokratische Momente zum Tragen. Krieg und Frieden gehen jeden an, präferiert man engagierte mündige Bürger. Da dürfen oder sollten besser eben nicht nur jene mitreden, welche im Felde stehen. Die sollen einem an der Front doch bitte nicht in den Rücken fallen? Gaucks Gerede von "Glückssüchtigkeit, nicht wissen wollen" usw. leistet genau solchen Mentalitäten Vorschub. Nicht gerade rühmlich für Pfarrer oder BP.

    Die zu Hause haben jedes Recht der Welt und auch die Pflicht, dazu Stellung zu nehmen und gegebenenfalls kriegerische Handlungen nicht als der Weisheit letzten Schluss zu betrachten und sie abzulehnen. Es gilt verfassungsmäßig der Primat der Politik und dann auch mal der Primat der Wähler. Kriegsgegner oder Kriegsskeptiker müssen/dürfen sich nicht an den Rand reden oder moralisieren lassen.
  2. #611

    Der beredte Bündespräsident hätte auch anders gekonnt ...

    Zitat von Kalleblom Beitrag anzeigen
    Ich glaube wir werden bezüglich "des gesprochenen Wortes" durch Herrn Gauck in seiner Rede nicht auf einen Nenner. Ich einige mich gerne mit Ihnen dahingehend, dass an sich Krieg vermieden werden sollte und gerade Deutschland sich zwar seiner Verantwortung, gleichzeitig sich aber auch seiner Vergangenheit bewusst sein sollte.
    Ich sehe in beiden Aussagen Übereinstimmung. Auf einen Nenner werden wir bezüglich Gaucks „gesprochener Worte“ wohl auf dem Hintergrund anderer Prämissen oder Gewichtungen nicht kommen.

    Ich sehe z.B. die Aussagen von Merkel 2003 währende der Kommandeurstagung in Deutschland im Vorfeld des Irakkrieges von GWB. Italien und andere hatte GWB in einem Brief signalisiert, sie würden dessen Kurs an sich stützen. Gezielt an Schröder vorbei war dieser Brief geschrieben worden. Auf besagter Tagung rief Merkel für alle Umstehenden den Briefschreibern zu, dass sie auch unterschrieben hätte, wäre sie in der entsprechenden Position gewesen. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass sie es nicht war und die Mehrheit der Deutschen ebenfalls.
    Nur scheinbar ohne Themenbezug Merkels Vorgehen an den Bürgern vorbei bezüglich des Ausstiegs aus dem Ausstieg der Kernenergie.
    Worauf ich hinaus will, ist der Vertrauensverlust, der mit solchem Handeln einhergeht. Dabei braucht Politik gerade auch im Kriegsfall das Vertrauen der Bürger, welches man mit solchem Vorgehen aber torpediert.

    Gleichberechtigt bereiten die deutlichen Tendenzen, die BW in eine allseits bereite Interventionsarmee umzuwandeln, berechtigte erhebliche Skepsis.
    GWB hat eindringlich unter Beweis gestellt, wie ein Unrechtskrieg herbeimanipuliert werden kann, in dem dann scheinbar zivilisierte Menschen eine Koalition der Willigen eingehen, die dann letztlich als Koalition der inzwischen Unwilligen vor dem Scherbenhaufen steht. Wobei die zuvor verhöhnten und attackierten „Unwilligen“ „die Nachtigall haben trapsen hören“ und die richtige Entscheidung gefällt.

    In z.B. eine solche Gemengelage passt ein Bundespräsident, der Kriegsgegner und Kriegsskeptiker ausgerechnet als glückssüchtig abkanzelt und verunglimpft nicht als Mahner zur Besonnenheit rein, sondern m.E. eher als jemand, der sich fast schon propagandistisch gibt.
    Was ein Stammtischler in Hintertupflingen murmelt, kommt an Bedeutung dem in China umfallenden Fahrrad gleich. Was aber hier von „höchster Stelle“ verlautbart wird, lässt aufhorchen und sehr aufmerksam werden.

    Tatsächlich hätte ich mir gewünscht, dass Gauck in seiner Rede wirklich auf Seitenhiebe verzichtet und ein ganzheitliches Bewusstsein der anstehenden Fragen und entsprechende Verantwortung unter Beweis gestellt hätte.
  3. #612

    Reden ohne Seitenhiebe

    Zitat von Kalleblom Beitrag anzeigen
    Realistisch betrachtet, wird in Zukunft auch Deutschland immer wieder in diesen Zwiespalt kommen und sich entscheiden müssen und wohl dann auch an Auslandseinsätzen teilnehmen wird.
    Ja, sehe ich auch so. Es werden immer wieder „Anfragen“ in diese Richtungen kommen. Man denke z.B. nur an mögliche Kriege um Rohstoffe. Und da sollten wir wissen, wo wir stehen, jedenfalls nicht eine Position unterstützen, welche ein amerikanischer Politiker allen Ernstes von sich gab mit der empörten Frage „Wie kommt unser Öl unter deren Sand?“
    Zitat von Kalleblom Beitrag anzeigen
    Unklar bleibt weiterhin, und hier ist die Frage ob mein Textverständnis zu wünschen übrig lässt oder Sie absichtlich eine konkrete Antwort darauf umschiffen, ob man überhaupt für beide Seiten zufriedenstellend und eben nicht diffamierend oder beleidigend, gar verachtend, die Realitäten benennen kann.
    Man wird beide Seiten spätestens dann nicht zufrieden stellen können, wenn eine oder beide Seiten hochgradig gerne beleidigt sein wollen. Da können sie sagen, was sie wollen.

    Aber man kann die eigene Einstellung begründet offenlegen und transparent machen, in diese wie in jede Richtung und dies, ohne andere ganz offensichtlich zu beleidigen und sich dem Vorwurf von Einseitigkeit, Kälte und mangelndem politischen wie historischen Bewusstseins auszusetzen.
    Man kann einfach nur sachlich nüchtern die eignen Sichtweise vortragen und zu erkennen geben, dass man die andere Seite verstehen möchte, ihr gegenüber zumindest Respekt erweisen. Wenn ein Bundespräsident oder ein Pfarrer das nicht kann, was soll er dann können?
  4. #613

    Klare Worte sind auch ohne Unterstellung möglich

    Zitat von Kalleblom Beitrag anzeigen
    Ich persönlich würde mir nicht zutrauen, einerseits Soldaten Mut zu machen, ihre Pflicht zu erfüllen und andererseits dabei die Sicht von Kriegsgegnern ausreichend zu berücksichtigen.
    Ich vermute, dass ein schlichtes „Danke für das, was Ihr tut!“ kaum für Aufregung gesorgt hätte. Und wenn, was soll’s. Das hätte man dann tatsächlich in Kauf nehmen müssen, denn es besteht immer noch Meinungsfreiheit.
    Die klare Zusage, dass staatlicherseits alles Mögliche getan wird, um z.B. traumatisierten Soldaten zu helfen und sie nicht im Regen stehen zu lassen, hätte m.E. auch nur „Vernunftallergiker“ irritieren können.
    Der Aufruf an die Bevölkerung, Soldaten nicht pauschal zu verunglimpfen, weil die eben „nur“ eine andere Auffassung zur Friedenssicherung haben als Pazifisten, wäre m.E. auch nicht kritikwürdig gewesen.
    Der Hinweis darauf, dass Militäreinsätze in einer Demokratie grundsätzlich immer auch Kritik hervorrufen, wäre auch nicht falsch gewesen, hätte aber vielleicht speziell vor dem Publikum nicht unbedingt sein müssen.

    Aber die Nummer mit der Diffamierung der Gesellschaft als glücksüchtig, die hätte man unterlassen sollen. Ich bin sicher, in dem Fall hätte es kein so breites Forum gegeben. Diese Stoßrichtung hat es m.E. vermasselt.
  5. #614

    Danke!

    Zitat von Juro vom Koselbruch Beitrag anzeigen
    Schade, dass ein Moral- oder Autoritätsgefälle hergestellt werden soll. Hier der in Lebensgefahr Befindliche, der obendrein seine Pflicht (Kunduz?) tut, dort der „Bequemling“, der sich im Wohnzimmer belesen hat, zu anderen Schlüssen kommt als der opferbereite Soldat und obendrein auch noch die "Frechheit" besitzt, die Schrecken des Krieges nicht am eigenen Leibe erfahren zu haben.
    ...

    ...
    Was Sie geschrieben haben möchte ich in keinster Weise widersprechen. Nebenbei sei bemerkt, dass ich selbst KDV war, ;)

    Aber die Vermutung liegt nahe, dass ich mich entweder nicht richtig ausgedrückt habe oder Sie mich nicht richtig verstanden haben. Sie sagen viel darüber was man nicht tun sollte und wie man es nicht sagen sollte, in den Punkten möchte ich Ihnen auch nicht kann man Ihnen wohl auch recht geben, doch mich interessiert wie sagt man es und was sagt man. Den Soldaten, die die Entscheidungen die "oft genug generalstabsmäßig ausgerechnet am Schreibtisch vorbereitet und geplant werden" ausführen müssen, sollten wissen das ihr Land, die Politik und natürlich auch die Bürger hinter dem stehen was er da befohlen bekommt. Wie sage ich denen das, ohne die "Kriegskritiker" zu beleidigen, gleichzeitig aber den Soldaten das Gefühl gebe hinter denen zu stehen. Eine wahrlich schwierige Aufgabe. Aber jemand, der sagen kann was nicht sein sollte, sollte zumindest Ansätze liefern können, wie es sein sollte. Und bitte nicht mit, "das ist ja nicht meine Aufgabe" kommen. Auf dieser Basis möchte ich nicht diskutieren. Bitte um Verständnis.
  6. #615

    Danke nochmals!

    Zitat von Juro vom Koselbruch Beitrag anzeigen
    Ich sehe in beiden Aussagen Übereinstimmung. Auf einen Nenner werden wir bezüglich Gaucks „gesprochener Worte“ wohl auf dem Hintergrund anderer Prämissen oder Gewichtungen nicht kommen.
    Das ist so und auch gut so, dass man nicht immer auf einen Nenner kommt. Denke jedoch, dass Sie mir durch Ihre Zeilen Ihre Prämissen und Gewichtungen näher gebracht haben.

    Auf jeden Fall bedanke ich mich bei Ihnen für die, aus meiner Sicht, angenehme Diskussion.

    Zitat von Juro vom Koselbruch Beitrag anzeigen
    Aber die Nummer mit der Diffamierung der Gesellschaft als glücksüchtig, die hätte man unterlassen sollen. Ich bin sicher, in dem Fall hätte es kein so breites Forum gegeben. Diese Stoßrichtung hat es m.E. vermasselt.
    Vielleicht kann ich mich zu wenig in scharfe Kritiker des Krieges hinein versetzen um die "Diffamierung" zu erkennen, ich akzeptiere aber, dass es für Sie und andere als eine solche verstanden wird. Daher kann ich eine Enttäuschung über die Rede erst durch unsere Unterhaltung empfinden, bin dennoch froh, dass Herr Gauck unser BP ist, was aber auch meiner Sympathie für die Freiheit geschuldet ist und ich mich, zumindest mit den "geschriebenen Worten" Herrn Gaucks identifizieren kann.

    Falls mein andere Post, in dem ich wiederholt auffordere mir zu sagen:wie dann?, veröffentlicht werden sollte, hat sich der nach lesen Ihrer darauf folgenden Posts erledigt.

    Schönen Abend noch

    Gruß Kalle
  7. #616

    optional

    Ich frage mich, warum ständig versucht wird, uns einzureden, dass die Arbeit/Leistung der Bundeswehr in Afghanistan verdiene unsere Anerkennung und Respekt.
    Jeder hat das Recht sich kritisch über Auslandseinsätze der BW zu äußern.
    Ich für meinen Teil kann sagen: DAS ist nicht mein Krieg! Ich befürworte ihn nicht, ich muss also folglich auch nicht gut heißen, was die Bundeswehr in Afghanistan leistet. Die Bundeswehr verdient in diesem Fall nicht meinen Rückhalt, weil ich gegen diesen Krieg bin.
    Wenn ich jetzt lese, wie der Bundespräsident versucht die Gesellschaft auf Auslandseinsätze einzuschwören wird mir schlecht! Ich finde, der kritische Umgang der deutschen Gesellschaft mit Militäreinsätzen der Bundeswehr ist äußerst sympathisch und etwas, worauf man stolz sein kann. Es zeigt doch, dass die Deutschen etwas gelernt haben aus ihrer Geschichte! Das heißt nicht, dass man sich der eigenen Verantwortung entziehen soll, aber muss doch erlaubt sein, Auslandseinsätze der Bundeswehr kritisch zu hinterfragen!


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