Schade, dass ein Moral- oder Autoritätsgefälle hergestellt werden soll. Hier der in Lebensgefahr Befindliche, der obendrein seine Pflicht (Kunduz?) tut, dort der „Bequemling“, der sich im Wohnzimmer belesen hat, zu anderen Schlüssen kommt als der opferbereite Soldat und obendrein auch noch die "Frechheit" besitzt, die Schrecken des Krieges nicht am eigenen Leibe erfahren zu haben.
Man kennt diese Methode. Es handelt sich, nüchtern betrachtet, um Scheinargumente, im Grunde sind es Worthülsen. Wer den Schrecken des Krieges gegenübersteht, ist noch lange nicht im Besitz der höheren Moral als jener, der zu Hause sitzt und kritisiert. (Der Pazifist, der pauschal die Soldaten Mörder nennt, kann sich seine vorgebliche höhere Moral auch „von der Backe streichen“.)
Jeder ist für sein Tun oder Unterlassen verantwortlich, egal, wo er steht oder sitzt. Der Soldat kann in die Irre gehen, der rigorose Pazifist auch.
Mündige Bürger gibt es weiß Gott nicht nur in Uniform sondern auch ohne. Denken lernt man nicht erst unterm Stahlhelm oder in Lebensgefahr. Ich muss z.B. auch nicht LKW-Fahrer sein, um die Risiken zu kennen und zu bewerten, würde ein solcher bei Rot über die Ampel oder alkoholisiert fahren. Da kann ich in jedem Sessel der Welt jede kritische Meinung zu einnehmen, bequem hin oder bequem her. Und wenn ich kritische Worte im Kopfstand unter der Dusche befindlich äußere, kommt es auch da auf Analyse, Inhalt und Bewertung an und nicht um kalte oder warme Dusche oder sonst was.
Ihre Worte sollten nicht dazu verführen, Soldaten gewisse höhere Weihen zu verleihen. Die abkanzelnden berühmten Fragen „Hat er überhaupt gedient?“ oder „War er schon mal im Gefecht?“ vermitteln keine höhere intellektuelle oder moralische Warte und beeindrucken nicht.
Auch sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass Kriege oft genug generalstabsmäßig ausgerechnet am Schreibtisch vorbereitet und geplant werden. Soldaten können auch Schreibtischtäter sein, dann aber auch im durch und durch grauenhaften Sinn des Wortes.
Außerdem kommen hier evtl. unterschwellig sogar deutlich antidemokratische Momente zum Tragen. Krieg und Frieden gehen jeden an, präferiert man engagierte mündige Bürger. Da dürfen oder sollten besser eben nicht nur jene mitreden, welche im Felde stehen. Die sollen einem an der Front doch bitte nicht in den Rücken fallen? Gaucks Gerede von "Glückssüchtigkeit, nicht wissen wollen" usw. leistet genau solchen Mentalitäten Vorschub. Nicht gerade rühmlich für Pfarrer oder BP.
Die zu Hause haben jedes Recht der Welt und auch die Pflicht, dazu Stellung zu nehmen und gegebenenfalls kriegerische Handlungen nicht als der Weisheit letzten Schluss zu betrachten und sie abzulehnen. Es gilt verfassungsmäßig der Primat der Politik und dann auch mal der Primat der Wähler. Kriegsgegner oder Kriegsskeptiker müssen/dürfen sich nicht an den Rand reden oder moralisieren lassen.

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