Knapp ein Jahr danach hat Horst Köhler sein Schweigen gebrochen und sich erstmals zu seinem damaligen Entschluss geäußert: "Ich bin zurückgetreten, um Schaden vom Amt abzuwenden", sagte Köhler in einem Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit. "Die Angriffe auf mich im Zusammenhang mit meinen Äußerungen über sicherheitspolitische Interessen Deutschlands waren ungeheuerlich und durch nichts gerechtfertigt."
Köhler war im Vorfeld seines Rücktritts wegen seiner Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr scharf kritisiert worden. Auf dem Rückflug von einem Besuch in Afghanistan hatte das Staatsoberhaupt ein Hörfunk-Interview gegeben und darin gesagt, im Notfall sei auch "militärischer Einsatz notwendig (...), um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege". Dies hatte zu diesem Zeitpunkt einen Sturm der Entrüstung in Berlin ausgelöst: Köhler habe Bundeswehreinsätze in Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen gebracht, bemängelten Kritiker.