Bürger: DGB will private Krankenversicherung abschaffen

Dieser Vorschlag hat es in sich: Der Deutsche Gewerkschaftsbund plädiert für die Auflösung privater Krankenkassen - um eine Bürgerversicherung einzuführen. Dies würde den gesetzlichen Beitrag deutlich verringern.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...734241,00.html
  1. #190

    Gutverdiener deutlich stärker belasten?

    Ich glaube, die spinnen. Ein Beschäftigter mit 4000€ brutto zählt zu den Gutverdienern. Mit diesem Gehalt zahlt man schon jetzt 580€ in die GKV. Ab 2011 sind nochmal bis zu 1% des Bruttolohns als Zuschlag möglich, also 40€.
    Netto bleibt schon jetzt wenig mehr als 2000€.

    Die PKV auflösen? Von mir aus. Ich war früher privat versichert und habe knapp 380€ im Monat für einen wesentlich besseren Schutz, ohne Zuzahlung von Zahnersatz und freier Arztwahl gezahlt. Das liegt an zwei wesentlichen Punkten: (1) Die Privaten bilden Rücklagen für junge und damit nicht so teure Versicherte. (2) Der Verwaltungsapparat ist wesentlich effizienter.

    Wenn die GKV diese Grundsätze einbeziehen würden, die vielen GKVs zusammengelegt werden und zusätzlich die bisher privat-versicherten in die GKV kämen, könnte der derzeitige Höchstsatz für "Gutverdiener" sogar noch sinken. Aber eine Bürgerversicherung durch eine zusätzliche Belastung dieser Leute wird der Abschied vom Sozialstaat endgültig zementiert. Denn Sozial ist der Staat nur, wenn auch die Geberseite nicht einseitigt und über die Maaßen beansprucht wird. Und davon sind wir eh nicht mehr weit entfernt!
  2. #191

    auf talentfreie Beiträge bitte verzichten

    Zitat von demokrit2000 Beitrag anzeigen
    Das private Krankenversicherungen, die es gut Verdienenden (und Beamten) ermöglichen sich aus dem sozialen System der GKV freizukaufen, im wahrsten Sinne des Wortes 'asozial' sind, braucht nicht viele Argumentationsschritte.

    ... daher ist meine Meinung:
    - PKV abschaffen
    - gleichzeitig das Zahlungsmodell der GKV überarbeiten. Da gibt es viele Möglichkeiten, die deutlich fairer wären.

    Und was spräche eigentlich dagegen, Ärzte zu Staatsdienern zu machen und mit einem festen tariflichen Gehalt zu bedenken, anstatt jede Behandlung einzeln abzurechnen?
    Na, Sie sind ja ein ganz großer Kenner der Szene!
    - das System der GKV ist nicht sozial
    - niemand "kauft sich frei"
    - in der PKV zu sein ist auch nicht asozial, sondern ist unter der Vorraussetzung eines demokratischen Rechtsstaates ein gesetzlich klar geregeltes Recht, das weder moralisch verwerflich noch sonstwas ist. Es ist der Rest an FREIHEIT, die demokratisch legitimiert gewährt wird. Das Wort "asozial" ist hier also sachlich völlig fehl am Platze und zeigt, wes Geistes Kind Sie sind.

    Vom Schwadronieren sozialistischer Parolen wird die Situation auch nicht besser. Nach Ihrer Lesart könnten wir doch einfach ALLE Menschen in Deutschland verbeamten, dann wäre plötzlich alles gut??? Solche Versuche hat es immer mal wieder gegeben, den Ländern hat es nie gutgetan. Oder wollen Sie dann auch gleich noch eine Mauer um das Land ziehen, damit sich niemand Ihrem Glücksmodel entziehen kann?

    Schauen Sie sich doch einfach mal um: z.B. wieviel deutsche Ärzte in Canada arbeiten. Keiner kommt mehr zurück. Wenn Sie diesen Effekt verstärken wollen -nur zu. Die Globalisierung ist auch im Arbeitsmarkt angekommen. Leistungsbereite und gut ausgebildetet Köpfe sind schnell verscheucht, aber nur schwer zurückzugewinnen. Genauso könnten Sie ja die Bundesliga verbeamten, die bekommen dann Einheitsgehalt 10.000 Euro im Monat. Das trostlose Gekicke (von der Konkurrenzfähigkeit bei EM und WM will ich gar nicht reden) können Sie sich ja dann gerne anschauen - ich nicht. Und so ähnlich ist es halt auch mit Ingenieuren und Ärzten.
    Richter und Juristen sind ein schlechtes Beispiel, weil das deutsche Recht halt nicht international gültig ist - die Medizin schon.

    Dem DGB in diesen Fragen irgendwelche Sachkompentenz zubilligen zu wollen, gleicht intellekutellem Selbstmord.
  3. #192

    Gute Idee

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Dieser Vorschlag hat es in sich: Der Deutsche Gewerkschaftsbund plädiert für die Auflösung privater Krankenkassen - um eine Bürgerversicherung einzuführen. Dies würde den gesetzlichen Beitrag deutlich verringern.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...734241,00.html
    Gute Idee. Wäre nur sicher zu stellen, dass diejenigen, welche sich bis heute aus der Solidargemeinschaft verp..... haben, dann auch zukünftig draußen bleiben.
  4. #193

    warum die planwirtschaftliche GKVs weiter füttern

    das deutsche System mit GKVs und PKVs für besser verdienende, Beamte, Selbstständige etc. ist sicherlich sehr merkwürdig und unsolidarisch. Auf der anderene Seite, ist es die Lösung mehr Beitragszahler in die planwirtschaftliche GKVs zu zwingen um deren Einkünfte zu verbessern damit uns das ganze dann 5-10 Jahre später auf die Füße fällt?
    Sorry, das sehe ich nicht. Das klingt jetzt vielleicht naiv und wird nie passieren aber die einzige Lösung wäre eine parteiübergreifende Initiative die, völlig losgelöst von den ganzen Lobbygruppen (ok, die FDP darf dann nicht dabei sein, weil das ja keine Partei sondern eine Lobbygruppe ist), das planwirtschaftlich organisierte GKV System in ein langfristig funktionsfähiges umwandelt. Dann gebe ich meine PKV auch gerne wieder auf. Ich habe aber vor allem von der GKV zu einer PKV gewechselt weil ich nicht weiter Geld in die Geldvernichtungsmaschine GKV werfen wollte. Alleine die Institution Kassenärztliche Vereinigung und die Funktion im System GKV zeigt doch den Irrsinn dieser ganzen Veranstaltung. Auch das PKV Modell hat eigentlich keine Zukunft.
  5. #194

    Immer PKV

    Zitat von Incubus6 Beitrag anzeigen
    selbst Schuld, es zwingt Sie keiner in die PKV. Und das defizit bei den Ärzten sei mal dahein gestellt. Hab noch keinen Arzt verhungern gesehen
    Glaube kaum, dass eine GKV seine Verlegung in die Schweiz bezahlt hat. Erst nachdenken dann posten
    Sehr gutes Beispiel. Autoversicherungen sind frei wählbar nur mal so als kleiner unterschied.
    Na, wie ist der Autohüpfer versichert? Erst beweisen, dann posten.

    Kfz-Versicherungsbeiträge sind nach Risiko gestaffelt; die freie Wählbarkeit spielt da keine Rolle. Fände ich bei Krankenversicherungen auch gut. Bei den PKV gibt es für so etwas die BRE.
  6. #195

    Einheitsversicherung

    Zitat von rodriguez b. bender Beitrag anzeigen
    Ein leicht dahergesagter Satz.
    Demzufolge müßte also ein Familienvater, der seine Frau und seine zwei Kinder mitversichert,
    also den vierfachen Betrag von einem Single bezahlen.
    Ja. Das würde das System zumindest "in sich" durchschaubar und (vielleicht) funktionierend machen.

    Wenn das Geld des Familienvaters dann nicht reicht, dann ist das ein Problem, das mit der KV erstmal nichts zu tun hat. Das fehlende Geld muss dann halt durch den Staat gedeckt werden (z.B. höheres Kindergeld oder KV-Zuschuss). Solche sozialen Zuschüsse haben aber mit dem KV-System nichts zu tun - und sollten darum auch dort herausgehalten werden.

    Es wäre doch schon mal ein guter Anfang, die angebliche "Konkurrenz" der Krankenkassen (Motto: Bei uns bekommen Sie mehr Gesundheit für weniger Geld.) zugunsten einer Einheitskasse aufzugeben. Es sind nicht die Kassen, die die Leistung erbringen. Sie verwalten nur das Geld. Und dies offenbar auch zum Unmut fast aller Beteiligten nicht immer effizient.
    Sowas wie eine "Solidarische Einheitskrankenversicherung Deutschlands" (SED)?
    Tja, die Erfahrung lehrt, dass mit solchen Mammut-Gesellschaften nichts Gutes entsteht. Meistens entsteht da nur ein gigantischer Verwaltungs-Wasserkopf, der immer größer und ineffizienter wird und sich immer mehr mit der eigenen Bürokratie beschäftigt, als mit seiner eigentlichen Aufgabe.

    Auch wenn es populistisch immer wieder hochgekocht wird: Die Verwaltungskosten der GKV sind auch nur "ein" Problem unter vielen.
  7. #196

    Grundproblem erkannt

    Zitat von dogs Beitrag anzeigen
    Das dürfte die RV sicher teurer kommen als der hälftige Beitrag für den kassenversicherten Rentner, dessen durchschnittliches Rentenniveau sehr niedrig ist. Die wenigsten Renten übersteigen 1500 Euro und die Höchstrente von über 2000 Euro wird nur von nullkommaetwas Prozent der Rentner erreicht.
    Na wenigstens haben Sie das Grundproblem erkannt, das die meisten Sozialromantiker und Umverteilungsfetischisten nicht wahrhaben wollen. Nämlich, dass bei einer Ausweitung der Beitragsbasis immer unweigerlich ein Anwachsen der Ausgaben in Form neuer bzw. höherer Leistungsansprüche gegenübersteht.
    Immerhin stehen diesen höheren Leistungsansprüchen ja auch jahrzehntelang entrichtete höhere Sozialversicherungsbeiträge gegenüber, so dass man hier schwerlich von Ungerechtigkeit sprechen kann.

    Warum wohl wehren sich die Sozialversicherungsträger mit am heftigsten, wenn es um die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze geht? Die gleichen Leute, die diesen Unfug permanent fordern, würden sich doch als erste über die "Skandalrenten" der Spitzenverdiener empören...
  8. #197

    Denkreflexe

    Zitat von Asirdahan Beitrag anzeigen
    Eine Bürgerversicherung, in der jeder nach seinem Geldbeutel einen Beitrag zahlt und der jeder beitreten muss, finde ich richtig. Wer sich an Zwang stört: es gibt auch andere Versicherungen, die aus guten Gründen vorgeschrieben sind.
    Warum? Weil .....
    Das ist der typische Reflex. Kaum wird in der Krankenversicherung nur der Begriff "Solidarität" in den Ring geworfen, schon ist klar, es muss eine Versicherung mit Umverteilung geben. Bei allen anderen - auch staatlich geführten - Versicherungen ist es natürlich anders. Bei der Renten- Arbeitslosen oder gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) sind selbstverständlich die Leistungen mit dem Beitrag verbunden. Niemand fordert ernsthaft die Einheitsrente, bei der ohne Rücksicht auf die erfolgten Einzahlungen die Rentenhöhe für alle gleich ist.

    Auch wenn der Staat vorschreibt, bestimmte Risiken zu versichern - wie die KFZ-Haftpflicht - erfolgt dies nicht zu einem Einheitsbetrag. Hier dürfen die Versicherungsunternehmen selbstverständlich auf die Risiken abstellen und unterschiedliche Beiträge erheben. Solidarität in der Form der Umverteilung, Fehlanzeige. Wieso soll der ältere Kraftfahrer das Risiko für den Fahranfänger mitbezahlen oder der Bewohner einer Höhenlage das Überschwemmungsrisiko?

    Was ist also an der Krankenversicherung anders als bei anderen Versicherungen. Oder greift da allein das vorgefundene Bild, es war schon immer so?

    Die Diskussion über Solidarität auf der Einnahmenseite dient aber auch noch aus einem anderen Grund dem jetzigen System. Die Ausgabenseite und die dafür gewährten Leistungen geraten aus dem Blick. Nicht diskutiert wird, weshalb die Gesundheitsversorgung in Deutschland so ineffektiv ist. Die Kosten sind weltweit betrachtet sehr hoch, nur die USA und die Schweiz geben mehr aus, die Leistungen sind aber nicht auf gleicher Höhe.
  9. #198

    ...verschieben, statt beheben

    Zitat von zweifler001 Beitrag anzeigen
    da muß man sehr vorsichtig sein. Erstens ist der Rest kein homogene Gruppe mit gleichartigem Risiko. Zweitens haben Akademiker im Schnitt eine höhere Lebenserwartung als der Rest. Aber wenn es zu Ende geht, können dann auch gewaltige Kosten auflaufen.
    ...genau darin sehe ich auch immer wieder diegleiche unausgegorene Milchmädchenrechnung, die immer wieder und unauslöschlich rülpserartig durch primär durchaus positiv denkende Sozial-Gehirne geistert:
    man kann ja die gut funktionierenden freien Altersversorgungswerke mit Gestzen tatsächlich ausräubern und den vermeintlich "armen" zufleißen lassen - aber wehe, wenn´s dann zum Zahlen kommmt, denn die Geplünderten haben natürlich genauso gesetzlich erhöhte Ansprüche als Besitzstandswahrung für einst privat erhöht gezahlte Beiträge anzumelden - dann kommt das Heulen und Zähneklappern, weil die Problematik nur schneeschieberartig vor sich hergeschoben und nicht BEHOBEN wurde...
    P.S.: ein Porsche muß doch einfach teurer sein als ein Golf, obwohl der doch auch Grundbedürfnisse eines durchschnittlichen Autofahrers gut befriedigt - generelle Unzufriedenheit ist heute irgenwie auch ein Ideologieziel geworden, denke ich mit Bedauern...
  10. #199

    kein Titel

    Zitat von rainer_d Beitrag anzeigen
    Gibt ja schliesslich auch bloss eine Arbeitslosenversicherung und eine gesetzliche Rentenversicherung.
    Da ist auch noch nie jemand auf die Idee gekommen, das Wettbewerb besser wäre.
    Stimmt nicht ganz bezüglich der Rentenversicherung.. für Angestellte gibt es in der Tat eine BfA, für Arbeiter aber mehrere LVAs (wahrscheinlich leistet sich jedes Land eine) und dann gibts noch Knappschaften und weiteres Gedöns..
    Hier ist auch noch viel Potential zum Besseren vorhanden