Forum


 

Britischer Abhörskandal: Halten Sie durch, Mr. Murdoch!

Der Abhörskandal bei der britischen "News of the World" bestätigt viele in ihrem Vorurteil über die Boulevardpresse. Doch wer auf die bunten Blätter*herabschaut, verachtet in Wahrheit auch das Volk, das diese Medien groß und mächtig macht, meint Jan Fleischhauer.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...775067,00.html
  1. #110

    Um den Boulevardjornalismus

    geht es nur denen, die vom eigentlichen Skandal ablenken wollen. Die Machenschaften der NOTW sind nicht das Problem, denn sie sind schlicht und einfach kriminell und sollten staatsanwaltlich untersucht eines Tages vor Gericht landen, und da muss sich erst noch herausstellen, ob die anderen Blätter des Hauses - Sun, Times, Sunday Times, Wall Street Journal - nicht auch von der Informationspolitik des Skandalblättchens profitiert haben.

    Das Problem ist aber die politische Einflussnahme des Eigners, die dazu führte, dass ein schon begonnenes Ermittlungsverfahren eingestellt wurde (deswegen musste Yates nun zurück treten), dass die Met einen in diesem Ermittlungsverfahren belasteten ehemaligen Journalisten als Berater eingestellt hatte, der auch in diesem Fall beriet und über einen anderen seiner Kunden dem Comissioner von Scotland Yard einen privaten Kuraufenthalt im Wert von 12.000 £ vermittelte (deshalb trat Stephenson gestern zurück), dass Cameron den aus diesem Grund zurückgetretenen ehemaligen Herausgeber des Blattes auf den Rat seiner guten Freundin Rebekah Brooks als Pressesprecher einstellte, und mit dieser Frau, deren Blatt zugegebenermaßen Polizisten für Informationen bezahlt hatte, Weihnachten verbrachte, während die milliardenschwere Übernahme von BSkyB verhandelt wurde. Es geht hier schlicht und einfach um Korruption!

    Und selbst wenn David Cameron kein Geld genommen hat, hätte sein politischer Instinkt ihm sagen müssen, dass es unklug ist, sich in dieser Gesellschaft zu zeigen. Mit dem Druck seiner Zeitungen als Meinungsmachmaschine hat Murdoch, als nicht in England lebender Steuerexilant, die Politik der letzten Jahrzehnte entscheidend mitbestimmt. Politiker haben mit ihm zusammengearbeitet weil sie seine Macht fürchteten.

    Das ist der Skandal!
  2. #111

    .

    Zitat von Haspelbein Beitrag anzeigen
    Bei der Pressefreiheit schon. Man muss sie letztendlich daran messen, daß auch unschöne oder unbequeme Publikationen und Meinungen veröffentlich werden. Die Gesamtheit der individuellen Entscheidungen zum Medienkonsum bilden hierfür den Markt.
    Und unter was bucht man das Abhören von 9/11-Angehörigen? Ist das unschön oder unbequem?

    http://www.thedailyshow.com/watch/mo...england-s-here
  3. #112

    So sieht´s aus!

    Zitat von Haspelbein Beitrag anzeigen
    Davon gehe ich auch aus. Jedoch steckt wohl ein wenig mehr dahinter, wenn man die Reaktionen auf den Artikel betrachtet, die ihn auf eine erschreckende Weise bestätigen.
    So, und nicht anders. Die meisten sehen den Spiegel nicht mehr, der ihnen vorgehalten wird.
  4. #113

    Eklatanter moralischer Graben

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Abhörskandal bei der britischen "News of the World" bestätigt viele in ihrem Vorurteil über die Boulevardpresse. Doch wer auf die bunten Blätter*herabschaut, verachtet in Wahrheit auch das Volk, das diese Medien groß und mächtig macht, meint Jan Fleischhauer.

    http://www.spiegel.de/politik/auslan...775067,00.html
    "Nüchtern betrachtet zeigen die Vorgänge wieder einmal, zu welchen Mitteln manche Menschen im Geschäftsleben greifen, wenn ihnen niemand klar sagt, wo die Grenzen liegen. Das ist im Journalismus nicht anders als in jedem anderen Gewerbe."... sagt J. Fleischhauer.
    Abgesehen davon, dass ich keine Probleme damit habe, die Leser dieser Blätter für ihren naiven Stumpsinn zu verachten, gibt es sehr wohl einen Unterschied zwischen Boulevardblättern und "jedem anderen Gewerbe". Nämlich die hinlänglich bekannte, schmierige Zurschaustellung vermeintlicher Moral im Rahmen ihrer Kampagnen im Namen des Volkes bei gleichzeitiger Schrankenlosigkeit, genau diese Moral jederzeit per Fusstritt ad absurdum zu führen.
    Die Kampagne mit ihrer Schein-Moral ist hier aber das "Verkaufsgut".
    Zum Vergleich: wenn ich mir eine Praline kaufe, ist diese normalerweise nicht mit fauligem Schlamm gefüllt.
  5. #114

    weltklasse...

    Zitat von Meshada Beitrag anzeigen
    In obig zitiertem Beitrag ist die übliche radikal-konservative Idee zu finden, nach welcher Kritik an stark rechtem Gedankengut sofort Hitlersche Zensur darstellt.
    Offensichtlich sind viele konservative Forenteilnehmer völlig unfähig, zwischen Kritik und tatsächlicher Diktatur zu unterscheiden.

    Würde Fleischauer zum Beispiel hier nicht mehr schreiben dürfen, wäre er selbstverständlich nicht zensiert, da er in Deutschland massenhaft andere Blätter finden würde, in welchen er sein Gedankengut problemlos problemlos verbreiten könnte. Tatsächliche Zensur ist etwas VÖLLIG anderes. Allein das Gleichsetzen der Beiden zeugt von völliger Unkenntnis davon, wie es in wirklichen Diktaturen zuging.

    Nicht das ich den "Schwarzen Kanal" aus Spiegel online verbannen wollen würde: ich halte ihn für ziemlich amüsant, stellt er doch die obskuren Ideen der gedankenlosen Konservativen (im Gegensatz zu richtigen Konservativen, welche Murdoch derzeit für abscheulich halten) bloß.


    Mal im Ernst: Wer jemandem beispringt, der Eltern von einem potentiellen Mordopfer Hoffnung gemacht hat, in dem er auf dem Handy Daten löscht...jemand, der so etwas ernsthaft verteidigt und nicht für schlimm hält hat sie einfach nicht mehr Alle.

    Daran ist NICHTS konservativ. Konservative MEnschen stehen für Anstand und Moral. Und was zum Henker ist moralisch an diesem Unsinn? Was ist moralisch daran, die Familien zu belauschen, die nach dem 11en September Angehörige verloren haben? NICHTS.
    Das zu verteidigen ist nicht Konservativ, und so zu tun, als wäre es das, ist ein Schlag ins Gesicht jedes Konservativen.
    hihi, ich und radikal-konservativ. obwohl, stimmt, der buddy, mit dem ich früher am liebsten politisch diskutiert habe, war eben jener, der den vorwurf, er sei rechtsradikal, erzürnt mit "ich bin nicht rechts. ich bin kaisertreu!" zurückgewiesen hat. hat 100x mehr spaß gemacht als mit jedem anderen, der ohnehin schon meiner meinung war..

    und genau das meinte ich zum thema "verbannung eines autors von hier" -- ich will die abweichende meinung eben nicht woanders suchen müssen, sondern ich will, dass ich mit ihr konfrontiert werde. das funktioniert natürlich nur, wenn ich eine gewisse intellektuelle offenheit mitbringe. wenn alles andere per se als "volksschädigend" abgelehnt wird (gleichheit des vokabulars erwünscht), geht das natürlich nicht.

    nein, ich weiß zum glück nicht, wie es in richtigen diktaturen zuging / zugeht. aber dass ein mangel an toleranz dem andersdenkenden gegenüber ein erfolgsgeheimnis von diktaturen ist, da hab ich so ne sehr starke ahnung.

    und nochmal: *niemand* findet die "recherche"-methoden gut, oder will sie verteidigen. in der kolumne ging es nur darum, wie man mit meinungsjournalismus "aus der anderen ecke des spektrums" umgeht.
  6. #115

    BILDsatire

    Zitat von D.G. Beitrag anzeigen
    Meine Vermutung: Jan Fleischhauer ist ein trojanisches Pferd der Titanic. Satire in ihrer höchsten Güte!
    Genau.
    Und nach jeder seiner Kolumnen rennt er dann schnell in den Keller, um sich klammheimlich den Wolf zu lachen... darüber, wie ernst die Foristen ihn wieder mal genommen haben.

    Oder aber er genießt die (offensichtlich ersehnte) Kloppe, die seinen journalistischen Absonderungen zwangsläufig folgen muss.

    Oder aber, der meint wirklich, was er sagt.
    Dann wär´s ein echtes Armutszeugnis für SPON.
  7. #116

    xxx

    Zitat von zampanist Beitrag anzeigen
    Und du tust absolut nichts anderes, sondern verachtest ganz genauso die anderen Foristen, die die Leute fürs BILD-Lesen verachten.
    Das ist genau das gleiche in grün und macht dich kein bisschen besser. Im Gegenteil, du hast nicht mal inhaltliche Gründe, warum man sich nicht über den "Konsum" der BILD-Zeitung aufregen dürfte.

    Aber wie gesagt: was ist daran verwerflich, wenn man anprangert, dass zuviele Leute ein niveauloses und hetzerisches Blatt lesen?
    Ich nehme nicht an, dass du die BILD für eine ernstzunehmende Zeitung hältst, sondern dass es dir (nur aus Prinzip) darum geht, anderen vorhalten zu wollen, sie dürften sich nicht über BILD-Leser aufregen. Ohne dass du einen Grund nennen würdest.

    Durch euer "Spiegel-vorhalten" tut ihr nichts anderes, als in den Spiegel zu blicken.
    Der Forist Ostborn, den Sie offenbar gut kennen, weil Sie ihn duzen, hat eine gute Meinung von Fleischhauer, von "Verachtung" für diejenigen die seine Beiträge nicht mögen stand da nichts.

    Die Bild Zeitung bringt pointiert, in Kurzform Informationen unter und zwar im Rahmen der bestehenden Gesetze.
    Von "Hetze" kann wohl keine Rede sein, da vergreifen Sie sich im Ton. Es ist ja löblich, dass Sie offenbar niveauvollere Literatur bevorzugen.
    Was mag das wohl tolles sein?
  8. #117

    rechnung

    Zitat von RioTokio Beitrag anzeigen
    Der Auflagenrückgang wird nicht zuletzt dem Internet geschuldet sein und 3 Mio Leser ist ja nicht schlecht.
    Wieviel Leser hat denn so die TAZ oder das Neue Deutschland?
    3 von über 80 Mio. sind also "das Volk"...interessante Rechnung. Und so garnicht anmaßend.
  9. #118

    Erwerb der "Einstellung"

    Zitat von RioTokio Beitrag anzeigen
    Ach ist ja nett. Woher kommt denn Ihre Einstellung, welcher Medienapparat hat Sie denn manipuliert?
    In der heutigen Zeit kann sich jeder aus der Informationsflut das herauspicken was ihm gefällt. Geprägt werden wir darüber hinaus von Eltern, Freunden, Schule etc..
    Man soll es nicht glaube, aber es gibt tatsächlich auch heute noch Leute, die genau das studieren, sich selbst eine Meinung zu bilden (auch genannt Philosophie).
    Natürlich bleibt es nicht beim Meinungs-Bilden, sondern immer auch beim Meinungs-Hinterfragen, sodass feste dogmatische Weltbilder und Einstellungen, so wie sie viele Leute automatisch transportieren, in diesem Metier relativ selten sind.

    Schade, dass manche ihre letzten kritischen Einflüsse in der Schule mitgekriegt zu haben scheinen...
  10. #119

    Entschuldigen Sie, aber...

    [Auf SPON braucht er nicht mehr auftauchen. Hier fällt er unter die Zensur der Leser. Wir wollen ihn nicht mehr hier.]

    ... dem muss ich widersprechen. "Sie" wollen ihn hier nicht mehr, ich hingegen schon. Der ziemliche linke SPON hat Herrn Fleischhauer bitter nötig, um hier einigermaßen für einen Perspektivenwechsel und Meinungsvielfalt sorgen zu können. M.E. fehlen hier noch etwa zwei oder drei Fleischhauers, um ein Gleichgewicht herzustellen.

    Zwar mag der eine oder andere jetzt meinen, "such dir`n anderes Online-Magazin." Nun ja, das ist nicht der Punkt. Entscheidend ist, dass SPON der Leitwolf aller Medien ist. Mit so viel Macht geht auch viel Verantwortung einher. Ein "zu" linker SPON käme dem m.E. nicht recht.


TOP



TOP