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Brian Eno: "Ich bin*ein Sklave der Vernetzung"

Musik machen per Community? Den Mann, der mit*U2 und Coldplay im Studio war,*überzeugt das nicht.*Auch die ständige Erreichbarkeit sieht Brian Eno kritisch:*Es sei heute schwierig,*ohne Unterbrechung nachdenken,*schreibt der Künstler - und trauert seinem Faxgerät nach.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...784496,00.html
  1. #1

    ...

    "Mir fällt auf, dass alles, was das Netz verdrängt, an einer anderen Stelle in modifizierter Form wieder auftaucht. Beispielsweise gingen Musiker gewöhnlich auf Tournee, um für ihre Schallplatten Werbung zu machen, aber seit Schallplatten oder CDs wegen illegaler Downloads nicht mehr viel Geld einbrachten, machen sie jetzt Schallplatten, um für ihre Tourneen zu werben. Buchhandlungen, deren Angestellte sich mit Büchern auskennen, und Plattenläden, deren Angestellte sich mit Musik auskennen, werden häufiger.

    Mir fällt auf, dass, je mehr das Netz kostenlose oder billige Versionen von etwas bereitstellt, die "authentische Erfahrung" - die einzigartige, unvermittelte Erfahrung - höher geschätzt wird. Mir fällt auf, dass die Urheber denjenigen Aspekten ihrer Arbeit mehr Aufmerksamkeit widmen, die nicht vervielfältigt werden können. Das "Authentische" hat das Reproduzierbare ersetzt."

    Das sollte mal die Plattenindustrie lesen UND verstehen.

    Insgesamt eine Fülle sehr interessanter Gedanken und Beobachtungen.
  2. #2

    Als Musiker...

    Möchte ich dem Kollegen Eno sagen.

    Es gibt schon noch Leute die das Netz und die Digitalisierung, die sich in der Musikbrache zu Lasten der Urheber breit macht, auch gelassen sehen. Es gibt schon noch Leute die Wissen, das ein MP3 nicht so gut klingt wie eine CD. Leute die Musik bewusst genießen und nicht auf ihrem I-Pod. Das sind auch die Leute die ihr Handy abschalten, wenn die Arbeit vorbei ist.

    Es ist richtig die Digitalisierung macht uns oft zu Sklaven der Arbeit, nicht wir bestimmen das Tempo, sondern wir werden bestimmt von I-Phone und Co-KG... Alles soll sofort geschehen.

    Wer aber einen bewussten Umgang damit pflegt, wer weiß das ein Mensch nicht alles sofort und am besten gestern erledigen kann, der kann die Vorteile der Digitalisierung nutzen.

    In der Musik ist es schon schade, das Musiker nicht mehr als Menschen zusammen kommen, oder Toningenieur und Komponist sich seltener persönlich sehen; gar ganze Alben in Homestudios entstehen, ohne eine gemeinsames Erlebnis gehabt zu haben. Dabei ist eigentlich der soziale Aspekt beim Musik machen der die Kreativität weckt, sie erst aufkommen lässt.

    Da gebe ich Herrn Eno vollkommen recht, was hat es noch mit Musik - MACHEN - zu tun wenn man sich nie persönlich gesehen hat? Da kann man nur aufrufen und sagen: Liebe Kollegen alleine im Bedroomstudio wird man einsam und versauert. Tut Euch wieder zusammen; macht es wie früher und es macht dann auch mehr Spaß.

    Dem Endprodukt Musik wird dieser menschliche Faktor nicht schaden, im Gegenteil es wird ihm echtes Leben eingehaucht.
  3. #3

    !

    Besser die Veränderungen in uns erkennen, als sie zu leugnen.
  4. #4

    Sehr angenehm

    Eno schreibt über seine persönlichen Erfahrungen mit dem internet und verallgemeinert kaum. "Mir fällt auf, dass ich..." bedeutet, eine individuelle Sicht zuzulassen, ohne in eine Netzideologie einzutauchen, der Allgemeingültigkeit zugesprochen wird.
    Auch dass hier nur marginal Bewertungen erfolgen, macht den Text deutlich angenehmer als so einige Passagen von "Netzexperten". Aber diese - so Brian Eno - sind ja heutzutage auch deshalb Experten, weil sie eine Bewertung vornehmen können.
    Investigative Personen brauchen wir trotzdem, denn ansonsten würde der Netzinhalt verkümmern.


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