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Bologna-Reform: Bachelor-Studenten hetzen durchs Studium*

Zu viel, zu voll, zu stressig: Viele Nachwuchsakademiker klagen über ihr*Studium nach der Bologna-Reform. Der Wissenschaftsrat fand nun heraus: Viele schließen schneller ab, als sie müssten. Fix wollten es die Reformer haben - ob das gut ist, steht auf einem anderen Blatt.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...798631,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zu viel, zu voll, zu stressig: Viele Nachwuchsakademiker klagen über ihr*Studium nach der Bologna-Reform. Der Wissenschaftsrat fand nun heraus: Viele schließen schneller ab, als sie müssten. Fix wollten es die Reformer haben - ob das gut ist, steht auf einem anderen Blatt.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...798631,00.html
    Der Bachelor hat nichts mit der Idee des Studiums zu tun. Es geht nicht mehr um die kritische und selbstständige Auseinandersetzung mit einer Thematik, sondern nur um die Formung von willfähigen und basisgeschulten Humanmaterials. Wo bleibt die Möglichkeit Fächerübergreifend sich zu bilden? Wo bleibt dem Wiwi mal die Zeit in die Vorlesungen der Philo, Sozi oder Ethik zu gehen? Aber hier ist auch den meisten Studierenden ein Vorwurf zu machen: wer mit einer Einstellung aus der Schule kommt nur das Nötigste zu machen wird zwar durchs "Studium" kommen auch fristgerecht aber wird der Idee eines Studiums nicht gerecht. Es fehlt heute das Interesse bei den Studenten auch nur kritisch zu hinterfragen oder zu diskutieren es wird gefressen und am Ende des Semesters wird auf die Klausuren gekotzt.
  2. #2

    ...

    Zitat von heiko1977 Beitrag anzeigen
    Der Bachelor hat nichts mit der Idee des Studiums zu tun. Es geht nicht mehr um die kritische und selbstständige Auseinandersetzung mit einer Thematik, sondern nur um die Formung von willfähigen und basisgeschulten Humanmaterials. Wo bleibt die Möglichkeit Fächerübergreifend sich zu bilden? Wo bleibt dem Wiwi mal die Zeit in die Vorlesungen der Philo, Sozi oder Ethik zu gehen? Aber hier ist auch den meisten Studierenden ein Vorwurf zu machen: wer mit einer Einstellung aus der Schule kommt nur das Nötigste zu machen wird zwar durchs "Studium" kommen auch fristgerecht aber wird der Idee eines Studiums nicht gerecht. Es fehlt heute das Interesse bei den Studenten auch nur kritisch zu hinterfragen oder zu diskutieren es wird gefressen und am Ende des Semesters wird auf die Klausuren gekotzt.
    Richtig. Aber die lernen es ja schon in der Schule nicht anders. Immer mehr Zeug, das nur für die aktuell anstehende Arbeit gelernt wird. Kreuzeltests statt Aufsätze, Auskotzen statt Nachdenken. Wer will denn auch denkende, gebildete (im Sinne des Wortes, welches von "etwas bildet sich" kommt - nämlich der Verstand) Bürger haben? Billige, willige, beinflussbare junge Schafe braucht man, die nur an Geld und Konsum denken und jedem hinterherrennen, der ihnen drei Cent mehr verspricht. Nur große Leistungen vollbringt man so nicht, die verlangen Vorstellungsvermögen, eigenständiges Denken und Neugier.
  3. #3

    ....

    Zitat von heiko1977 Beitrag anzeigen
    Der Bachelor hat nichts mit der Idee des Studiums zu tun. Es geht nicht mehr um die kritische und selbstständige Auseinandersetzung mit einer Thematik, sondern nur um die Formung von willfähigen und basisgeschulten Humanmaterials. Wo bleibt die Möglichkeit Fächerübergreifend sich zu bilden? Wo bleibt dem Wiwi mal die Zeit in die Vorlesungen der Philo, Sozi oder Ethik zu gehen? Aber hier ist auch den meisten Studierenden ein Vorwurf zu machen: wer mit einer Einstellung aus der Schule kommt nur das Nötigste zu machen wird zwar durchs "Studium" kommen auch fristgerecht aber wird der Idee eines Studiums nicht gerecht. Es fehlt heute das Interesse bei den Studenten auch nur kritisch zu hinterfragen oder zu diskutieren es wird gefressen und am Ende des Semesters wird auf die Klausuren gekotzt.
    Auch wenn es wohl nicht dem Zeitgeist entspricht - all das Negative, das sie dem Bachelor zusprechen gab es auch früher schon. Lernen für Prüfungen und anschließendes Vergessen ist nun weiß Gott keine neue Erfindung sondern wurde über viele Generationen von Studenten schon immer genau so absolviert. ("4 gewinnt" ist schon seit Ewigkeiten ein beliebtes Motto bei einem nicht unbeträchtlichen Anteil von Studenten)
    Wer über den eigentlichen Fachbereich hinausschnuppern will, der kann dies auch nach wie vor noch tun. Die Zeit wird knapper? Vielleicht - aber dies ist meiner Meinung nach nur relativ zu sehen. Wenn man beabsichtigt, sich primär mit eigentlich studiengangfernen Themen zu beschäftigen, dann ist das definitiv knapper als früher... auf der anderen Seite - man sollte sich eben überlegen, was man wirklich will. Wenn man vier Sachen gleichzeitig verfolgt, so hat man zwangsläufig bei allen vieren Zeitnot und lediglich mittelmäßige Erfolge. (auch das ist aber nichts anderes als vorher)

    Studieren sollte auch kein trotziges Aufstampfen mit dem Fuß gefolgt von einem grimmigen "ich will aber" bedeuten, sondern eher ein möglichst gutes Nutzen der Möglichkeiten und Ressourcen, die einem zur Verfügung stehen. (...zumindest meiner Meinung nach)
  4. #4

    Nun ja

    nur 41 Prozent der Ingenieurwissenschaftsstudenten beendeten ihr Studium nach sechs Semestern.
    Nun ja...da an vielen FHs das Studium aufgrund des Praxissemesters immer noch 7 Semester dauert, ist das ja auch nicht weiter verwunderlich oder?
  5. #5

    ziemlicher Quark

    Rechnen Sie das mal um, das sind grob 3 und 6 Wochen. Ich habe also Leute gesehen, die sich zu Tode arbeiten und die werden dann 3 Wochen frueher fertig, nach 2 Jahren Versuch so schnell es geht zu lernen. Als "frueher als Sie muessten" mit impliziertem "selber Schuld" wuerde ich das nicht gerade sehen.

    Zumal meiner Erfahrung nach nicht der Student, sondern die langsam mahlende Verwaltung der Hochschulen und die Knappheit an Hochschulressourcen das Problem ist. 3 - 6 Wochen, haha, meine Hochschule hat deutlich laenger gebraucht mir mein Zeugnis zu schicken und mich zu exmatrikulieren. 3 Wochen sind nichts wenn man auf die Verwaltung warten muss mit irgendwas zu Rande zu kommen.

    Daneben gibt es noch folgenden Killermechanismus: Teilweise ist die Reihenfolge in der man Dinge belegt verpflichtend, also erst Modul 1, dann Modul 2, dann Modul 3. So und nicht anders. Die werden aber nicht immer alle angeboten, sondern halt nacheinander. Manchmal sind die ueberbelegt. Dann wird ausgelost. Das heisst entweder man hat Glueck, wird reingelost und besteht, oder man kann sein Studium definitiv um ein Jahr verlaengern, denn dieses Modul kommt erst dann wieder. Wenn es kein Praxismodul ist, hat man noch die Chance die Vorlesungsmaterialien zuhause zu bearbeiten und trotzdem zur Pruefung zu gehen, wenn es was praktisches ist, ist man eben gelackmeiert. Und da kann man ein Genie sein wie man will, halt Lospech dass man jetzt wie ein Bummelstudent aussieht, nach all der harten Arbeit alles im ersten Anlauf zu schaffen.
  6. #6

    ...

    Es passt sich an die heutigen Zeiten an:

    Schnell, stressig, vor einem Semester noch teuer, nur die Hälfte wenn überhaupt bleibt im Gedächtnis hängen, Quantität statt Qualität...

    Dieses Zeitalter widert mich an.
  7. #7

    Bolognese oder doch lieber Fettuccini

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zu viel, zu voll, zu stressig: Viele Nachwuchsakademiker klagen über ihr*Studium nach der Bologna-Reform. Der Wissenschaftsrat fand nun heraus: Viele schließen schneller ab, als sie müssten. Fix wollten es die Reformer haben - ob das gut ist, steht auf einem anderen Blatt.
    .....weiterhin.....
    Denn ein Ziel der Bologna-Reform war, dass Akademiker die Hochschulen früher verlassen. Schließlich sind sie im internationalen Vergleich ziemlich alt: So ist ein Student eines fünf- bis sechsjährigen Studiengangs zwischen 25 und 27 Jahre alt, wenn er die Hochschule verlässt. In den USA ist er im Schnitt 23 Jahre alt.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...798631,00.html
    Wundert das jemanden? Mich wundert im Wunderland Deutschland gar nichts mehr. Es kotz.. mich an zu sehen wie die Politiker mit der Wirtschaft verbandelt sind und auch bei der Bildung nur noch husch, husch, Pfusch, Pfusch den Shareholder-Value im Auge haben. Schöner hat es mal ein französischern Diplomat aus der Kultursparte auf den Punkt gebracht: Das haben wir doch fein hinbekommen, dass unser Bildungssystem den Firmen just on time die Arbeitskräfte zuführt, die gebraucht werden. Den Rest können wir uns alle denken und werden in ein paar Jahren die Resultate dieser Spaghetti und Pizza-Reformen sehen können.
    Mit den amerikanischen Fachidioten (oder waren es Sportstudenten?) wollen wir uns lieber nicht vergleichen wollen. Das steht auf einem andern Blatt ;-)
  8. #8

    Zahlen unglaubwürdig

    Ich studiere momentan selbst im 3. Semester Physik auf Bachelor und kann diese hier veröffentlichten Zahlen, zumindest bei den Naturwissenschaften, absolut nicht glauben.
    Ich habe 2 Semester in Köln studiert und nach dem zweiten Semester waren in Mathe schon 3/4 der Leute hinten dran.
    Klar viele von denen werden das Studium nicht beenden, aber einige werden einfach länger brauchen.
    Jetzt studiere ich in Karlsruhe und hier ist es zwar nicht ganz so krass, die meisten scheinen schon auf dem Stand des Studienplans zu sein, aber die genannten 96% in Regelstudienzeit ist immer noch völlig jenseits der Realität.
    Die Bachelorstudiengänge wurden meines wissens an vielen Unis erst 2007 eingeführt, also vor 4 Jahren. Wer 8 Semester für seinen Bachelor gebraucht hat, ist also gerade jetzt fertig, ein Jahr später sind gerade mal die Regelstudenten fertig.

    Was man nun von der Umstellung halten mag, keine Ahnung, ich weiß nicht, wie der Diplomstudiengsng war, im Moment habe ich meistens 70-80 Stunden in der Woche zu tun, was auch nötig ist um den Studienplan einzuhalten. Wissenschaftliches Denken und selbstständiges Arbeiten wird einem so nur bedingt vermittelt.
  9. #9

    Bologna-Absolventen

    Man sollte sich doch mal fragen, in wie weit das Ziel der Bologna-Reform überhaupt erstrebenswert ist. Hier meine ich zuerst einmal nur, dass Studenten früher die Uni verlassen sollen und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen sollen.

    Aber wozu brauch ich denn einen Bachelorabsolventen, der erst 22 Jahre alt ist? Nach der Schule hat dieser nämlich nur die Uni absolviert und hat keine große Ahnung vom eigentlichen Leben. Und als Akademiker sollte man nicht nur ausgebildet, sondern vor allem gebildet sein. Aber die Schule und die Uni bilden zunehmend nur noch aus; die eigentliche Bildung bleibt auf der Strecke. Man könnte zwar argumentieren, dass daran auch die Studenten Schuld hätten, sie sollten sich doch selbstständig um Bildung bemühen. Da ich aber selbst noch studiere, sehe ich, dass dies bei den allermeisten Studenten nicht möglich ist: Neben einem vollen Studenplan soll man sich auch noch adäquat zu Hause auf die Uni vorbereiten, und viele müssen nebenher noch arbeiten. Bei diesem Pensum über den Tellerrand zu blicke, ist für viele nicht so einfach möglich.

    Die Art und Weise aber, wie in der Uni heute Wissen vermittelt wird, ist gelinde gesagt grottenschlecht. Anstatt Reflexion und eigenständige Meinungsbildung zu fördern, wird oftmals nur Faktenwissen gelehrt und auch abgeprüft. Das liegt aber womöglich auch daran, dass heute fast jeder ein Abitur hinterhergeschmissen bekommt und glaubt an der Uni rumgammeln zu müssen. An diese eher leistungsschwachen Kommilitonen passt sich die Uni anscheinend mehr und mehr an, damit sie nicht über 80% ihrer Studenten wegen Nichtbestehens der Prüfungen exmatrikulieren muss.

    Das Niveau sinkt mit zunehmenden Studentenzahlen und alle Welt jubelt noch darüber, dass endlich so viele junge Leute studieren. Armes Deutschland, da kann es ja nur bergab gehen....








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