REUTERSDrei Stunden träumen für 20 Cent: Seit mehr als 16 Jahren läuft der Bollywood-Klassiker "Wer zuerst kommt, kriegt die Braut" im Maratha-Mandir-Kino in Mumbai. Die Fans der Liebesschmonzette fiebern jeder Anekdote entgegen - auf dem Sitz hält es hier niemanden.
http://www.spiegel.de/reise/staedte/...841060,00.html
Wie zumeist stört mich die großspurige und gönnerhafte Überheblichkeit von Artikeln zum Hindifilm. Das Maratha Mandir Kino ist ein kostbares Relikt aus der indischen Kino-Geschichte, die sich rasant entwickelt und verändert. Es ist ein längst altmodisch gewordenes Großraumkino, von denen nur wenige die Konkurrenz der Multiplexe überstanden haben. Wer etwas über Kino-und Filmgeschichte lernen will, sollte sich DDLJ ansehen, über heutige Hindifilme ist da wenig bis nichts zu erfahren. Technisch gesehen sind nicht die modernen und stylish eingerichteten neuen Kinos in Mumbai hinter dem Mond, sondern die verschmutzten und verwahrlosten europäischen Kleinkinos des sogenannten Artfilms. DDLJ ist überholt, aber immer noch interessant, weil hier erstmals die NRIs (Non Resident Indians) berücksichtigt wurden und damit ein ganz neuer boomender Markt bis heute erschlossen ist. Viele indischen Filme werden in westlichen Städten gedreht und richten sich an die zahlungskräftigen Immigranten, werden allerdings auch in Indien gerne gesehen.Thema war in DDLJ erstmals das Verhältnis und die Entscheidungsproblematik von Tradition und Verwestlichung. Diese spezielle Thematik spielt gegenwärtig immer noch eine Rolle, steht aber nicht mehr so im Vordergrund (zugunsten von Action und Science Fiktion o.ä.).
Bollywoodfilme werden bei uns leider immer noch unterschätzt und "niedergemacht", nur weil sie in einer uns unbekannten Kultur spielen.
Wirklich schade nur, dass wir hier in Deutschland kaum Kinos haben, die Bollywood-Filme oder gar -Klassiker spielen!