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Bokeh-Effekt in Fotos: Zerstreut und scharf

Tilo Gockel / DOCMA Scharf allein ist nicht schön: Räumlich wirken Fotos erst, wenn Schärfe und Unschärfe sich abwechseln. Wie gelingen kunstvoll verschwommene Elemente? Das Fachmagazin "Docma" erklärt, wie das mit entsprechenden Objektiven oder spezieller Software gelingt.

http://www.spiegel.de/netzwelt/gadge...820159,00.html
  1. #20

    Mal eine Frage an die Profis...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Scharf allein ist nicht schön: Räumlich wirken Fotos erst, wenn Schärfe und Unschärfe sich abwechseln. Wie gelingen kunstvoll verschwommene Elemente? Das Fachmagazin "Docma" erklärt, wie das mit entsprechenden Objektiven oder spezieller Software gelingt.

    Bokeh-Effekt in Fotos: Zerstreut und scharf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    ....warum werden die Wandlerchips immer besser und die Auflösungen immer größer (übertreffen ja inzwischen schon die Auflösungen eines analogen Dia-Filmes) wenn man dann den Hintergrund eines Bildes unscharf möchte ?

    Das macht doch dann alles keinen Sinn.
    Wenn ich Gebäude, Landschaften und Personen fotografiere, dann möchte ich es scharf und detailreich.
    Auch im Job müssen meine Fotos alles genauestens abbilden.
    Das ist sogar wichtig, weil wir es später als Dokument wieder benötigen.

    Der Bokeh-Effekt ist doch eher etwas für Foto-Künstler, oder ?
  2. #21

    So nun wieder auch nicht

    Zitat von hajoschneider Beitrag anzeigen
    Die Ästhetik in der Fotografie hat sich schon so oft gewandelt und wird sich weiterhin wandeln, warum also dem Leser jetzt was über den Bokeh-Effekt erzählen, wenn dieser morgen schon wieder vergessen werden kann.
    Also, Bokeh ist mitnichten ein Effekt. Es wird erst jetzt dazu hochstilisiert, weil man plötzlich feststellt, daß die ultra-tiefenscharfen Kompaktkameras von heute so etwas überhaupt nicht kennen.

    Ich finde diese Debatte über die Dinge, die den Fotografen von früher viel bedeuteten, sehr hilfreich.

    Wer noch mit einem der früher sehr weit verbreiteten 500mm-Spiegelobjektiven gearbeitet hat, der hat Bokeh am eigenen Leibe erlebt, auch wenn wir damals dafür noch kein japanisches Wort hatten. Die Unschärfe-Kringel dieser Objektive waren jedenfalls ein eklatanter Schwachpunkt und irritierten den Betrachter beträchtlich.

    (;-)

    Wie sehr oder wie wenig sich die Ästhetik über die Jahre gewandelt hat, erkennt man unschwer, wenn man die Bücher zu dem Thema von, zum Beispiel, Andreas Feininger liest. Die Technik hat sich verändert, die Ästhetik nur unwesentlich. Ja, es gibt Modetrends, aber im langjährigen Verlauf haben die wenig Bedeutung.

    Dabei will ich nicht in Abrede stellen, daß die Verfügbarkeit von kleinen Weitwinkel-Kameras den "Reportage-Stil" durchaus befördert hat. Das fing aber schon mit den kompakten 35mm-Kameras von Minox und Rollei an.

    Ein wenig traurig ist es aber schon, daß wir heute verzweifelt versuchen, die fotografischen Möglichkeiten einer vergangenen Epoche durch "Computer-Tricks" nachzuempfinden.

    Ich persönlich ziehe es vor, meine alten Objektive an einer Micro-Four-Thirds-Kamera weiterzunutzen und so wenigstens ein wenig die Bildgestaltung von einst in der Kamera nachzuvollziehen. An dem 2x Verlängerungsfaktor komme ich allerdings damit auch nicht vorbei.
  3. #22

    Zone System

    Zitat von tlatz Beitrag anzeigen
    Noch ein Nachtrag:

    Dieses Bild ist ein perfektes Beispiel:
    Bruce Barnbaum, Retrochoir, Wells Cathedral

    Im dunkelsten Bereich des Bildes (Im Deckengewölbe direkt über der Orgel) sieht man immer noch jede Menge Details. Die Gewölberippen sind alle klar erkennbar. Dunkel aber sichtbar. Nur ganz wenige Punkte sind wirklich schwarz.

    In den hellsten Bereichen (z.b. direkt über der Orgel) sieht man ebenfalls noch perfekt Details und nur ganz wenige Punkte sind reinweiß.

    ...

    ... auch eine moderne Nikon oder Canon hätte im Automatikmodus mit JPG-Datenspeicherung nur ein Bild erzeugt, in dem die Gewölbe schwarz und die Orgelspitze reinweiß geworden wären. Das Bild wäre so viel schlechter geworden ...
    Ich hätte gern Ihre gesamte Beschreibung hier zitiert, weil sie eine sehr gute Erklärung des von Ansel Adams entwickelten Zone Systems darstellt. Aber das Zeichenlimit ...

    Das Ziel ist ja, möglichst den gesamten Kontrastumfang einer Szene auf dem verfügbaren Ausgabemedium unterzubringen. Dazu werden Wahl des Films mit der optimalen Charakteristik, optimale Belichtung, auf den erforderlichen Kontrastumfang eingestellten Entwickler (den man manchmal selbst mixen muß) und schließlich die Wahl der Papiergradation aufeinander abgestimmt.

    Schon meine alte T90 konnte durch Multi-Spot-Messung die erforderlcihe Belichtungsmessung halbautomatisch erledigen. Den Rest mußte ich aber schon noch in der Dunkelkammer erledigen. Und das wurde immer eng, weil die Ausgabemedien eben den Kontrast oft nicht darstellen konnten.

    Heute versuchen manche Fotografen mit HDR-Technik (High Dynamic Range Image) die Unzulänglichkeiten der 8-Bit-Formate wie JPG, BMP, etc. zu überwinden. Die tatsächliche Antwort wird wohl aus deutlich höheren Bit-Tiefen in den RAW-Formaten und dann einer entsprechenden Vararbeitungskette kommen müssen. Dabei wird das letzte Glied - Printer und Papier bzw. Monitor oder Projektor - wohl die größte Herausforderung darstellen.
  4. #23

    Zitat von Jonny_C Beitrag anzeigen
    ....warum werden die Wandlerchips immer besser und die Auflösungen immer größer (übertreffen ja inzwischen schon die Auflösungen eines analogen Dia-Filmes) wenn man dann den Hintergrund eines Bildes unscharf möchte ?

    Das macht doch dann alles keinen Sinn.
    Wenn ich Gebäude, Landschaften und Personen fotografiere, dann möchte ich es scharf und detailreich.
    Auch im Job müssen meine Fotos alles genauestens abbilden.
    Das ist sogar wichtig, weil wir es später als Dokument wieder benötigen.

    Der Bokeh-Effekt ist doch eher etwas für Foto-Künstler, oder ?
    Ihnen könnte aber ein beliebiges Fotolehrbuch weiterhelfen, das nicht nur die Technik beschreibt sodern auch auf die Bildgestaltung eingeht.


    Zitat von Gerdd Beitrag anzeigen
    Ein wenig traurig ist es aber schon, daß wir heute verzweifelt versuchen, die fotografischen Möglichkeiten einer vergangenen Epoche durch "Computer-Tricks" nachzuempfinden.
    Hier sind wir wieder bei der schon früher im Thread geäußerten These "Geld macht keine guten Fotos", die nicht wirklich stimmt: DSLRs mit Sensoren im Kleinbildformat bieten bzgl. des Schärfentiefebereichs genau das, was früher beim Kleinbildformat möglich war. Solche Kameras kosten natürlich "ein bißchen" mehr als die berüchtigten 69-Euro-Knipsen.

    Zitat von Gerdd Beitrag anzeigen
    Ich persönlich ziehe es vor, meine alten Objektive an einer Micro-Four-Thirds-Kamera weiterzunutzen und so wenigstens ein wenig die Bildgestaltung von einst in der Kamera nachzuvollziehen. An dem 2x Verlängerungsfaktor komme ich allerdings damit auch nicht vorbei.
    Ihre alten Objektive werden Ihnen nicht wirklich helfen, da Ihnen der deutlich kleinere Sensor kräftig in die Suppe spuckt.
  5. #24

    das seh ich anders

    Zitat von Jonny_C Beitrag anzeigen
    ....warum werden die Wandlerchips immer besser und die Auflösungen immer größer (übertreffen ja inzwischen schon die Auflösungen eines analogen Dia-Filmes) wenn man dann den Hintergrund eines Bildes unscharf möchte ?

    Das macht doch dann alles keinen Sinn.
    Wenn ich Gebäude, Landschaften und Personen fotografiere, dann möchte ich es scharf und detailreich.
    Auch im Job müssen meine Fotos alles genauestens abbilden.
    Das ist sogar wichtig, weil wir es später als Dokument wieder benötigen.

    Der Bokeh-Effekt ist doch eher etwas für Foto-Künstler, oder ?
    Wenn Sie reiner Dokumentarfotograf sind, dann wollen Sie viel scharf haben. Wenn ich eine technische Anlage fotografiere für ein Dokument, dann will ich auch maximale Schärfentiefe um das Objekt herum. Aber selbst hier braucht man die Unschärfe.
    http://posterdrucken.com/wordpress/w...08/libelle.jpg
    Im Hintergrund dieses Bildes erkenne ich Grün (Pflanzen) und irgendwas dunkels. das ist aber vollkommen egal. Das Motiv ist die Libelle. Wenn Sie im Hintergrund einen Baum mit hunderten Blättern stehen sähen, dann würde das den Blick viel zu sehr von der Libelle ablenken, Sie würden die Details des eigentlichen Objektes garnicht aufnehmen können.

    Und zum Thema Personenfotografie:
    http://www.olegnovikov.com/gallery/k.../kashgar01.jpg
    Wenn Sie das Bild im Original sehen, dann werden Sie sicherlich die Runzeln im Gesicht des Mannes zählen können und wahrscheinlich könnten Sie sogar sehen ob er sich den Dreck unter den Fingernägeln weggemacht hat. Dafür braucht man moderne hochauflösende Digitalkameras. (Mit alten analogen geht es aber wohlgemerkt genau so). Dennoch ist der Hintergrund unscharf und das soll er auch sein! Hier sogar perfekt gemacht. Man erkennt die STadtszene noch, erkennt also die Situation in der das Foto entstanden ist, bleibt aber nicht zu lange dran haften sondern konzentriert sich wieder auf den Mann.


    Zitat von hajoschneider Beitrag anzeigen
    ...Die Ästhetik in der Fotografie hat sich schon so oft gewandelt und wird sich weiterhin wandeln, warum also dem Leser jetzt was über den Bokeh-Effekt erzählen, wenn dieser morgen schon wieder vergessen werden kann. Ein guter Fotograf entwickelt seinen eigenen Stil, alle anderen knipsen nur nach. Was dabei herauskommt, ist langweilig. ...
    100% richtig, dass die wenigen Künstler, die es gibt ihren eigenen Stil entwickeln und alle anderen nur nachmachen. Ich bin sicherlich auch nur Nachmacher und selbst das nichtmal besonders gut.

    Dennoch ist gerade das Foto des alten Mannes ein Beispiel dafür, dass man schon ein paar Grundregeln erstmal formulieren kann. Dieses Bild ist schon recht alt, bleibt aber weiterhin ein gutes Protrait. Peinlich wird es immer nur dann, wenn Menschen glauben, dass die Grundregeln der Fotografie (z.B. Horizont nie in der Mitte, Motiv immer im goldenen Schnitt) in Stein gemeißelte Gesetze sind.
  6. #25

    mal wieder ein schöner beleg ...

    womit bei der digitalknipsere alles gefakt wird. da ist fast nur lug und betrug im spiel und dies soll einem dann noch als kreativität verkauft werden. Da kann einem nur übel werden und die definition was bokeh ist, schreit zum himmel und daß man es angeblich auch digital erzeugen kann schlägt dem faß den boden aus.

    bokeh ist ausschließlich ein nebeprodukt des verwendeten objektivs und liegt in seiner konstruktion begründet und hat schon lange nichts mit photoshop oder sonst etwas zu tun.
    was heute schon an fotografischem wissen verloren ist, treibt einem nur noch das wasser in die augen und wenn ich mir vorstellt wie es in wenigen jahren aussieht, wende ich mich ab mit grausen.

    nicht umsonst gibt es schon kamerakonstruktionen bei der nachträglich bestimmt werden kann was scharf sein soll. nur noch ein bild und der knipser legt den schärfepunkt später am bildschirm fest. sich vor der aufnahme gedanken darüber zu machen scheint antiquiert und ist dem ewig gestrigen überlassen. das nennt man dann fortschritt, weia.
  7. #26

    DSLR Sensoren sind nicht Film!

    Digitale Sensoren belichten anders als auf Chemie beruhender Film. Dazu nutzt man das Histogramm zur Kontrolle der Helligkeitsverteilung. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, das digitale Sensoren wie Film belichtet werden sollen.
    Diese kann man eher auf die dunkleren Töne belichten und dann aufziehen. Das geht bei CMOS Sensoren nicht! Sie sollten möglichst weit rechts- ausgehend von den dunkelsten Bereichen - in die hellen Bereiche belichtet werden. Das dort viele mehr Helligkeitsabstufungen zur Verfügung stehen. In den dunklen Bereichen, links (von der Mitte des Histogramms) stehen ganze 256 Stufen für die dunkleren Töne zur Verfügung. In den hellen (rechts) sind es 4096 Abstufungen. Dann ist es einfach, weider auf die perfekte Belichtung der dunkleren Töne zu verschieben, gilt für RAW.

    Bei Film ist die Verteilung gleichmässig.
    Zur Zeit gibt es noch keine Sensoren, deren Helligkeitsverteilung (-Empfindlichkeit) gleichmassig ist.


    Zitat von tlatz Beitrag anzeigen
    Noch ein Nachtrag:



    Also auch hier: Belichtung vorher mit Bedacht wählen schadet nie, Lichter und Schatten mal genau antesten, eine mittlere Belichtung wählen, hinterher im RAW-Konverter die Schatten z.B. anheben, die Lichter reduzieren. All das ist auch bei digitaler Fotografie nötig um das Beispielbild zu erzeugen, denn auch eine moderne Nikon oder Canon hätte im Automatikmodus mit JPG-Datenspeicherung nur ein Bild erzeugt, in dem die Gewöble schwarz und die Orgelspitze reinweiß geworden wären. Das Bild wäre so viel schlechter geworden....
  8. #27

    Bokeh - bouquet

    Hat sich jemand (wer?) in Japan Gedanken gemacht, wie man bestimmte Objektiveigenschaften mit Hilfe von Zersteungskreisen bzw. deren numerische Darstellung beschreiben kann?
    Als ich das Wort "Bokeh" sah, dachte ich automatisch an Bouquet - und das passt wohl auch (im übrtagenen Sinn natürlich).


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