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Blick zurück im Zorn: "Viele Eltern haben Panik"

Der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz Erich Thies, 67, über schwindende Solidarität der Länder, den Wirrwarr der Schulformen in Deutschland und die Kumpanei zwischen Professoren und Doktoranden.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...787880,00.html
  1. #10

    Die Deutschen suchen ihr Glück im Zentralismus.

    Und finden im Zentralismus ihr Pech. Leute, wir hatten zwei zentralistische Staaten auf deutschem Boden und die waren alles andere als erfolgreich.

    Was die Bildung angeht: Auch wenn die Inhalte die gleichen sind (Mathematik, Deutsch etc.), so ist den Schülern nicht damit geholfen, wenn die konkreten Lehrpläne aus Berlin statt aus Schwerin, Saarbrücken oder Stuttgart kommen. Die Landespolizeien setzen im Großen und Ganzen auch gleiches Recht um, und niemand will eine einzige Bundespolizei. Es hilft auch nichts.

    Wettbewerb ist wichtig, Kreativität, Verantwortung muss möglichst weit unten angesiedelt werden. Alles in Berlin bestimmen, ist nicht besser als wenn alles in Schwerin oder Wiesbaden bestimmt wird. Die Direktoren brauchen Befugnisse, die Lehrer brauchen Freiraum. Engagierte Lehrer sind mehr wert als von Berliner Spitzenbeamten ausgetüftelte Lehrpläne. Engagierte Lehrer infizieren Kinder mit Bildung. Engagierte Lehrer ziehen engagierte Eltern an. Das(!) ist es doch, was Deutschland benötigt. Wir brauchen keine Vereinfachung.

    Jeder kennt doch das Phänomen aus der eigenen Schulzeit: Bei dem einen Lehrer war es total langweilig und beim anderen nicht. Der andere schaffte es, Begeisterung zu wecken und die Zensuren wurden besser. Warum also wider der eigenen Erfahrung für Zentralismus sein?

    Aristoteles: "Einen jungen Menschen unterrichten heißt nicht, einen Eimer füllen, sondern ein Feuer entzünden." - Das Gegenteil ist der Nürnberger Trichter.

    Und das mit dem Feuer stimmt wirklich. Ich selbst war ein schlechter Schüler, aber heute bin ich geil auf Bildung. Ich habe studiert, lese viel, bin politisch interessiert. In mir lodert ein Feuer.
  2. #11

    .

    Zitat von sethos_1 Beitrag anzeigen
    Mit ist nicht klar warum innerhalb der Bildung regionale Unterschiede eine Rolle spielen.
    Haben sie sich mal mit Regionalen Unterschieden beschäftigt?

    Zitat von sethos_1 Beitrag anzeigen
    Mathematik, Deutsch und andere Fächer sollen und müssen überall in Deutschland gleich gelernt werden.
    Warum? Weil in einem Kuhdorf in Bayern die gleichen Lebensbedingungen herrschen wie in Berlin?

    Zitat von sethos_1 Beitrag anzeigen
    Auch die Inhalte müssen gleich sein.
    Und warum genau sollte sich ein Schüler in Ba-Wü dessen Schule in einem Biosphärengebiet mit vielen Streuobstwiesen liegt oder ein Bayrischer dessen Schule an einen Wald angrenzt theoretisch mit der Nordsee beschäftigen? Ist es da nicht sinnvoller wenn ersterer das Ökosystem Streuobstwiese, der Bayer das Ökosystem Wald und ein Schüler aus Köln das Ökosystem Stadt mit Beobachtungen und Experimenten vor Ort durchführt?
    Warum sollten alle Schüler in der 10ten Klasse z.B. „Wilhelm Tell“ lesen egal was dort lokal auf der Bühne aufgeführt wird?

    Zitat von sethos_1 Beitrag anzeigen
    Ob in Bayern oder Bremen. Das Nievau muss überall gleich hoch sein und nicht gleich niedrig sein.
    Zustimmung. Aber wenn man alle zu theoretischem Unterricht zwingt weil man auf lokale oder aktuelle Begebenheiten keine Rücksicht nehmen hebt das nicht gerade das Niveau. Und es sorgt auch nicht für Gerechtigkeit wenn manche Schulen bevorzugt sind weil sie an ihrem Standort zufälligerweise zu den Inhalten passende Örtlichkeiten oder Firmen haben.
  3. #12

    Ohne Zweifel korrekt....

    Zitat von opar Beitrag anzeigen
    Toll ist das hessische Schulsystem aber wirklich nicht, aber nicht wegen links oder rechts, sondern weil wie überall in Deutschland das einzig wichtige, die Qualität der Lehrer, nicht gewährleistet ist.

    Pikanterweise die Uni-Frankfurt hat die Qualität der Lehramtsstudenten untersucht und gefunden: 30% Totalausfall, 30% mäßige Mittelmaß, und nur der Rest ist zu gebrauchen. So siehts auch an den Schulen aus und selbst der schlechteste Lehrer wird bis zur Pension auf die Schüler losgelassen. Nicht einer wird vorher aussortiert.
    ..., eine (!) Schlüsselstelle wird ohne Zweifel immer die Lehrkraft sein. Die Frage ist, was ist ein guter Lehrer? Fachwissen etc. kann man leicht überprüfen (Abitur, Examen, etc., fachliche Fehler im Unterricht), das mit der "Lehrerpersönlichkeit" ist eine andere Sache. Dafür gibt es an sich die Referendariatsausbildung. Erkenntnisse, die einen hier treffen, können leicht zu spät kommen - man macht halt trotzdem weiter.

    Das andere Problem ist eindeutig die Meinung über das Lehramt. Jeder war in der Schule, jeder weiß ja eigentlich wie's geht, man steht halt nur auf der anderen Seite. Dann macht man es halt...
    Andere, die tatsächlich für diesen Job geeignet wären, stellen sich mehr Aufstiegschancen vor, sagen wir mehr Einfluss (- nicht, dass man das beim Staat nicht auch hinbekommen könnte). Und dann ist da immer noch das leidige Thema - dass an allem, was einem Schüler passiert, in der heutigen Zeit gerne zunächst einmal der Lehrer schuld ist. Dieser Mensch da draußen, der am Nachmittag frei hat, nie gekündigt werden kann, elendslange Ferien hat und am Vormittag immer recht, der schafft es nicht, dass mein Kind sich ordentlich bildet. Ich hab's ja dort in der Schule abgegeben, also sollen sich die auch drum kümmern... - überspitzt :) Da ist Neid im Spiel (oft zu unrecht), Frust über den eigenen Stress mit Job, Kindererziehung und Freizeitvorstellungen (und vielleicht die heimlich Angst, selbst irgendwo vielleicht versagt zu haben in bestimmten Erziehungsdingen)- und dann denken viele, die sich überlegen, in den Lehrberuf zu gehen, doch, ob sie sich eine Arbeit suchen, die neben Politikern und seit neuestem Bankern der wohl am wenigsten geachteten Beruf ist.

    Also: Wie hebe ich die Attraktivität des Lehrberufs, damit junge Menschen, die womöglich tatsächlich engagiert, innovativ und entsprechende soziale Kompetenzen aufweisen, nicht doch lieber in die freie Wirtschaft gehen? Auswahlverfahren sind da ohne Zweifel wichtig, aber dreißig Prozent tatsächlich geeignete Leute (vgl. Zitat; woher die Zahl? :) ) reichen nicht aus. Würde da mehr Gehalt helfen? Fraglich. Wie hebe ich das Ansehen des Lehrberufs? Dann sind wir wieder oben... Nur viele Eltern suchen noch immer einen Schuldigen, haben selbst schlechte Erfahrungen in der Schule und mit Lehrern gemacht, und Anwälte gibt's auch...

    Und PS: ohne Studienräten an höheren Schulen ans Bein pinkeln zu wollen; das, was Grundschullehrerinnen weniger verdienen, ist meines erachtens nicht gerechtfertigt. Es wird immer von "Grundlagen legen in den jungen Jahren" geredet - das passiert in Kindergärten und Grundschulen - oder hoffentlich immer noch, zum guten Teil - oder? - bei den Eltern....
  4. #13

    KMK abschaffen

    bisher hat die KMK durch wenig durchdachte Reformen geglänzt: G8, Bologna Reform , usw. usw. und dann auch noch ein vorsitzender unter Plagiatsverdacht. Herr Thies ist ein kluger Mann, die KMK ein verantwortungsloser Haufen. Weg damit.
  5. #14

    Zu #13

    "... aber dreißig Prozent tatsächlich geeignete Leute ..."
    Korrektur: 100% - 30% - 30% = 40%
    " ... ohne Studienräten an höheren Schulen ans Bein pinkeln zu wollen; das, was Grundschullehrerinnen weniger verdienen, ist meines erachtens nicht gerechtfertigt."

    Das regelt sich durch Angebot und Nachfrage: Es gibt eben weniger junge Leute, die fähig sind, Mathematik, Physik, Chemie etc. zu studieren und die dann auch noch bereit sind, für ein Lehrergehalt zu arbeiten.
    Übrigens: Während des zweijährigen Referendariats haben die Ausbilder genug Zeit, ungeeignete Anwärter auszusortieren.
  6. #15

    Der böse Zentralismus!

    Zitat von hauptkommissartauber Beitrag anzeigen
    Und finden im Zentralismus ihr Pech. Leute, wir hatten zwei zentralistische Staaten auf deutschem Boden und die waren alles andere als erfolgreich.

    Jeder kennt doch das Phänomen aus der eigenen Schulzeit: Bei dem einen Lehrer war es total langweilig und beim anderen nicht. Der andere schaffte es, Begeisterung zu wecken und die Zensuren wurden besser. Warum also wider der eigenen Erfahrung für Zentralismus sein?

    Und das mit dem Feuer stimmt wirklich. Ich selbst war ein schlechter Schüler, aber heute bin ich geil auf Bildung. Ich habe studiert, lese viel, bin politisch interessiert. In mir lodert ein Feuer.
    Aber klar, kaum gäbe es ein einheitliches Schulsystem, stünde Adolf wieder vor der Tür. Wie es uns die Franzosen und viele andere europäische Länder ja immer wieder vormachen, diese braunen Zausel. Wie kommen Sie von der richtigen Feststellung, dass ein guter Lehrer auch mit miesem Lehrplan Begseisterung wecken könnte, zu dem Schluss, dass wir daher den Schwachsinn von 16 Schulsystemen brauchen?
    Und Wettbewerb erst: Überall das Paradies, wo der herrscht.
    Vor Allem im Schulsystem. Ein Kind aus Berlin wird natürlich auf ein sächsisches Gymnasium gehen, nur weil eine Wirtschaftsorganisation erklärt hat, das Schulsystem sei dort besser.
    Kinder gehen sicherlich in der Regel wohnortnah in die Schule und suchen sich ihr Schulsystem damit nicht aus. Was soll da das Gerede vom Wettbewerb? Den gibt es nicht.
    Und wieso sollte auf dem Rücken von Kinder ausgetragener Wettbewerb gut sein? Dass ein Kind, dessen Eltern in ein anderes Bundesland ziehen, neben dem Verlust des Umfeldes u.U. auch noch schulisch in eine Katastrophe gerät, kann ja wohl kein Mensch gut heißen.
    Föderalismus haben wir auf anderen Ebenen genug.


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