Biopsychologe über Liebe: Botenstoffe und Beuteschema

CorbisDer Bauch kribbelt, das Herz klopft: Aber was genau macht die Liebe mit uns, mit dem Körper, mit dem Kopf? Ist sie himmlische Gabe oder neurologische Zwangsstörung? Wenn jemand Antworten geben kann, dann der Biopsychologe Peter Walschburger.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...829987,00.html
  1. #1

    Alle Jahre wieder

    ... müssen Journalisten und Wissenschaftler versuchen, unsere Regungen und unser Leben auf ein paar biochemische Prozesse zu reduzieren und dicke Sonderhefte dazu herausgeben. Dabei ist doch eigentlich jedem klar, dass die Beschreibung chemischer Funktionen menschlicher Prozesse nicht gleich auch deren Ursache ist.

    Interessanter wäre es zu untersuchen, was Menschen dazu bringt, sich immer wieder zu Maschinen zu degradieren. Diese Blindheit für sich selbst ... Sie verleugnen damit alles Wesentliche.
  2. #2

    Zitat von genx Beitrag anzeigen
    ... müssen Journalisten und Wissenschaftler versuchen, unsere Regungen und unser Leben auf ein paar biochemische Prozesse zu reduzieren
    Die biochemischen Prozesse von uns Menschen zu untersuchen, heißt nicht, den Menschen zu reduzieren oder zu degradieren. Die Effekte der biochemischen Prozesse sind erstaunlich und schön aber Schönheit gibt es auch in kleineren Dimensionen.

    Richard Feynman hat dies besten formuliert:
    THE FEYNMAN SERIES (part 1) - Beauty - YouTube
  3. #3

    Lustgreis-Poesie

    Zitat; „Professor Peter Walschburger nimmt mich mit auf eine Tour. Wenn jemand erklären kann, was die Liebe mit dem Körper macht und der Körper mit der Liebe, dann er.“

    Endlich – wurde auch höchste Zeit, dass die Liebe akademisch enträtselt wird, aber dass der professorale Amore-Messias ausgerechnet von Berlin aus seinen Weckruf über die Welt erschallen lässt, gibt andererseits zu denken... wie überhaupt der Gehalt des Artikel wenig Offenbarendes anbietet, man ist eher dazu geneigt, ihn als ironisch zu empfinden. Denn wie anders soll man die bittere Klage von Opa Goethe deuten, der bei der 17-jährigen Ulrike von Irgendwo nicht mehr landen kann, Zitat:
    „Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
    Von dieses Tages noch geschloßner Blüte?
    Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
    Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüte!“

    Mit dieser Art von Lustgreis-Poesie erschließt sich die Liebe in ihrer Totalität gewiss nicht, höchstens ansatzweise in ihrer geheimnisvollen Faszination, die sich durch alle Zeiten hindurch auf die Menschen ausübt, in ihrer Losgelöstheit von Wissenschaft und Empirie - was den guten Professor allerdings stutzig werden lassen sollte, außerdem welch eine Erkenntnis ob Goethes Reimereien, Zitat:
    "Hier kann ich klar die hormonell unterstützte Dynamik der Verliebtheit herauslesen."
    Das hätte meine Oma besser formuliert, vor allem griffiger, etwa: "Wo die Liebe hinfällt."
  4. #4

    Zitat von Hagenruck Beitrag anzeigen
    Die biochemischen Prozesse von uns Menschen zu untersuchen, heißt nicht, den Menschen zu reduzieren oder zu degradieren. Die Effekte der biochemischen Prozesse sind erstaunlich und schön aber Schönheit gibt es auch in kleineren Dimensionen.

    Richard Feynman hat dies besten formuliert:
    THE FEYNMAN SERIES (part 1) - Beauty - YouTube
    "I don't feel frightened by not knowing", sagt er. Solange die Wissenschaft so undogmatisch und offen bleibt - einverstanden! So sollte sie sein.

    Aber der Umkehrschluss ist nicht richtig: Wenn ich den chemischen Ablauf eines Prozesses beschreiben kann, weiß ich noch lange nichts über seine Ursache und seine Bedeutung. Zu sagen, er sei selbst die Ursache, führt zu neuem Dogmatismus.
  5. #5

    Bravo

    Zitat von Hagenruck Beitrag anzeigen
    Die biochemischen Prozesse von uns Menschen zu untersuchen, heißt nicht, den Menschen zu reduzieren oder zu degradieren. Die Effekte der biochemischen Prozesse sind erstaunlich und schön aber Schönheit gibt es auch in kleineren Dimensionen.

    Richard Feynman hat dies besten formuliert:
    THE FEYNMAN SERIES (part 1) - Beauty - YouTube
    Dem kann ich nur zustimmen und hätte es selbst nicht besser formulieren können. Außer vielleicht eine kleine Anmerkung - ich glaube an die ewige Liebe.
  6. #6

    zu behaupten, alles müssen eine ursache gar einen sinn haben außer dem selbstzweck, dass es existiert, ist aber genauso ein dogmatismus und typisch menschlicher kleingeist, der nicht akzeptieren kann, dass er nichts weiter als ein säuger in einer kette ist.
  7. #7

    Zitat von genx Beitrag anzeigen
    ... müssen Journalisten und Wissenschaftler versuchen, unsere Regungen und unser Leben auf ein paar biochemische Prozesse zu reduzieren und dicke Sonderhefte dazu herausgeben. Dabei ist doch eigentlich jedem klar, dass die Beschreibung chemischer Funktionen menschlicher Prozesse nicht gleich auch deren Ursache ist.

    Interessanter wäre es zu untersuchen, was Menschen dazu bringt, sich immer wieder zu Maschinen zu degradieren. Diese Blindheit für sich selbst ... Sie verleugnen damit alles Wesentliche.
    Nee, interessant wäre es höchstens zu untersuchen welche Hubris Menschen dazu bringt, die einfache Tatsache das auch der Mensch erst mal nichts anderes als ein weiteres Tier, eine biologische Machine, einfach nicht akzeptieren zu wollen.
  8. #8

    Zitat von Ylex Beitrag anzeigen
    Mit dieser Art von Lustgreis-Poesie erschließt sich die Liebe in ihrer Totalität gewiss nicht, höchstens ansatzweise in ihrer geheimnisvollen Faszination, die sich durch alle Zeiten hindurch auf die Menschen ausübt, in ihrer Losgelöstheit von Wissenschaft und Empirie - was den guten Professor allerdings stutzig werden lassen sollte, außerdem welch eine Erkenntnis ob Goethes Reimereien, Zitat:
    "Hier kann ich klar die hormonell unterstützte Dynamik der Verliebtheit herauslesen."
    90% der vermeintlichen Unerklaerbeit von "Liebe" ist bedingt durch Unwissen.

    Der Mensch will sich wohl etwas Unerklaerbares bewahren, damit er in die Liebe morglichst viel Phantasie hineinprojizieren kann, das ist so schoen emotional und kuschelig. :)
  9. #9

    Es ist was es ist ....

    sagt die Liebe, schrieb Erich Fried in seinem berühmten Gedicht über die selbige.
    Lassen wir es doch einfach dabei und hören wir nicht auf, darüber zu staunen und uns zu freuen