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Bildungsunrecht: Notfallplan für Problemschulen

DPADeutschland hat zu viele schwache Schulen, Kinder von Reichen haben die besten Chancen - das zeigt eine neue Bertelsmann-Studie. Jetzt ist an der Zeit, endlich den immensen Wohlstand zu nutzen, um das Schulsystem zu reparieren. Bildungsgerechtigkeit ist möglich.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...820739,00.html
  1. #20

    Intelligenz

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutschland hat zu viele schwache Schulen, Kinder von Reichen haben die besten Chancen - das zeigt eine neue Bertelsmann-Studie. Jetzt ist an der Zeit, endlich den immensen Wohlstand zu nutzen, um das Schulsystem zu reparieren. Bildungsgerechtigkeit ist möglich.

    Bildungsunrecht: Notfallplan für Problemschulen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Diese lächerliche Bezeichnung "Bildungsarmut" für Dummheit ist vielleicht der Grund, dass an dem Problem immer herumgedoktert werden muss.
    Wenn man auf dem Standpunkt steht, dass Dummheit nichts mit fehlender Bildung zu tun hat, dann muss es wohl die Intelligenz sein. Wenn also "bildungsferne" Unterschichtler nicht dumm sondern nur ungebildet sind, dann sollte man Intelligenztests qualifizierend machen. Dies würde auch der Vorstellung entgegenkommen, dass Kinder als leeres Blatt zur Welt kommen. So hätten Kinder von Eltern, die nichts auf das Blatt schreiben dennoch über die Gene gleiche Chancen.
  2. #21

    Zitat von Hesekiel Beitrag anzeigen
    Für mich ist eher die Verdrängung auf dem Arbeits- und Azubistellenmarkt von oben ein Problem, da wird mittlerweile für viele Berufe ein Abitur erwartet, für die es vor einigen Jahren noch die mittlere Reife getan hätte. Für diese Konkurrenzsituation fehlt es schlicht noch an Lösungen, wie auch für die Frage was man mit wirklich gering Qualifizierten tun soll, für die es an einfachen, körperlichen Tätigkeiten mangelt und in Zukunft noch extremer mangeln wird.
    Diese "Verdrängung" der mittlere Reife-Abgänger durch Abiturienten kommt ja aber auch nicht ohne Grund daher. Bei Abiturienten ist zumindest die Chance größer, dass die jungen Leute mit mitteleuropäischen Umgangsformen vertraut sind, wie z.B. dass man "Guten Tag" sagt, wenn ein Kunde den Laden betritt oder dass wenigstes rudimentäre Grundkenntnisse des Ein-mal-Eins vorhanden sind, wovon man bei heutigen Real- oder gar Hauptschulabgängern nicht unbedingt mehr von aus gehen kann. Ausnahmen bestätigen hier natürlich auch die Regel.
  3. #22

    Familientraditionen

    Auch diese Studie zeigt wieder einmal, dass die Praktiker, die Lehrer, die vor den Klassen stehen, nicht zu Wort kommen. Gute Ratschläge sind wohlfeil, aber solange man Eltern und Kindern signalisiert (besonders in den Großstädten), ihr könnt machen was ihr wollt, ihr braucht nicht lernen, ihr könnt die Sau rauslassen, die Schule schwänzen, Hausaufgaben verweigern, die Lehrer anpöbeln, Klassen wiederholen, das macht alles nichts, egal was ihr tut, am Ende des Tages garantieren wir euren Lebensunterhalt, ihr erhaltet mindestens Hartz4! Eine Klasse, die einige solcher Schüler beherbergt, ist für jeden sinnvollen und effektiven Unterricht verloren.

    Meine Frau ist Lehrerin an einer Großstadthauptschule, meine Tochter an einer Großstadtgrundschule; die Erlebnisse, die ich über deren Erzählungen mitbekomme, sind teilweise so unfassbar, dass ich gut verstehen kann, dass bildungsinteressierte Eltern mit ihren Kindern nur noch die Flucht ergreifen.

    Welche Schulleistungen erwartet man von Kindern, die gebrochen deutsch sprechen, sich kaum schriftlich ausdrücken können und außerhalb der Schule kein deutsch sprechen. Und was macht eine deutsche Lehrerin gegen archaische Familientraditionen, wenn z.B. ein afghanischer Vater (seit 20! Jahren in Deutschland) meiner Frau bei einem Gespräch über das Schulverhalten seines Sohnes erklärt, dass sein Glaube ihm verbiete, mit einer unreinen Frau über seinen Sohn zu reden.

    Die Situation an deutschen öffentlichen Schulen ist so verfahren, dass man die Probleme mit wohlfeilen Ratschlägen der Bertelsmann-Stiftung oder der OECD nicht mehr lösen kann. Wir haben Schüler aus aller Welt mit den unterschiedlichsten Bildungstraditionen, und die hiesigen Schulerfolge müssen sich logischerweise bei einem Durchschnittswert einstellen, den die Familien auch in ihren Heimatländern erreicht hätten. Man muss schon sehr blauäugig sein wenn man glaubt, dass man in einer einzigen Generation aus den Kindern von eingewanderten bildungsfernen Familien Abiturienten machen kann, vielleicht in Ausnahmefällen, aber nicht in der großen Masse.
  4. #23

    Zitat von smashjack Beitrag anzeigen
    Jetzt kommen sie wieder, die "nach oben buckeln - nach unten treten"-
    Kommentare".
    Diese Foristen vergessen nur sehr schnell, das es leichter ist nach unten zu fallen als hochzukommen und sich wenn, auch dort zu halten.

    Es ist Fakt, das es genug Kinder aus "Geld und Bildungsarmen" Familien gibt, die können und wollen, aber aufgrund ihrer Herkunft nicht gefördert werden.
    Das hier kontinuierliche bedienen von Klischees, egal welches extrem ("oben, Mitte, unten") langweilt langsam.
    Welche Förderungen würden Sie denn gern implementiert sehen?
    An meiner alten Schule (NDS) gab es ab der siebten Klasse ein "Schüler helfen Schülern" Konzept ähnlich Tutorien, dazu haben viele der "Helfer" auch gruppenweise und zu Taschengeldpreisen Nachhilfe gegeben - wenn ich, jetzt im Studium, einen Dipl-Ing. zur Nachhilfe für 12 Euro pp finden kann (3-4er Gruppe) wird sich garantiert ein Sek-2-Schüler finden, der ähnliche Gruppen für 10-15 Euro Komplettpreis fix durchbringt, falls zusätzliche Förderung notwendig ist und vom Elternhaus nicht geleistet werden kann. Als Stundenlohn für Schüler ein guter Preis, für jedes Kind dann 3-4 Euro/Std - sollte machbar sein.
    Dazu kenne ich kein Gymnasium ohne Bibliothek, jede Stadt wird sowieso mindestens eine haben - auch da ist man nicht zwingend schlechter gestellt, und zumindest als Begleitung in die Bibo wird es auch die bildungsfernste Erziehungsperson schaffen wenn nur ein Fünkchen Wille da ist.

    So sollte man, wenn die Kinder es wie Sie sagen "wollen und können" durchaus zum Abi schaffen, und fürs Studium gibt es dann das Bafög, dazu kostenfreie Tutorien und Lerngruppen satt. Fertig.

    Aber falls Ihnen wirklich eine sinnvolle Fördermaßnahme einfällt die da noch dringend notwendig wäre, bitte.
  5. #24

    Zitat von SPiON_78 Beitrag anzeigen
    Diese "Verdrängung" der mittlere Reife-Abgänger durch Abiturienten kommt ja aber auch nicht ohne Grund daher. Bei Abiturienten ist zumindest die Chance größer, dass die jungen Leute mit mitteleuropäischen Umgangsformen vertraut sind, wie z.B. dass man "Guten Tag" sagt, wenn ein Kunde den Laden betritt oder dass wenigstes rudimentäre Grundkenntnisse des Ein-mal-Eins vorhanden sind, wovon man bei heutigen Real- oder gar Hauptschulabgängern nicht unbedingt mehr von aus gehen kann. Ausnahmen bestätigen hier natürlich auch die Regel.
    Ich sehe ihn schon vor mir, den Gymnasiasten der demnächst die Abflussrohre reinigt, das Brot backt, das Dach deckt....
  6. #25

    Zitat von Endlager Beitrag anzeigen
    Das ist kein Problem zwischen Arm und Reich, sondern eines der Elternhäuser als solcher. Niemand hindert arme Familien daran, statt RTL zu gucken, Bücher zu lesen, die man sich auch ausleihen, oder billig auf dem Flohmarkt erwerben kann. Das ist daher kein Problem des Geldmangels.
    Genau und niemand hindert hungernde in Afrika daran, endlich zum Wasserloch zu rennen und den Garten zu gießen....

    Es liegt wohl eher am ideologisch geprägten Bildungsplan. Dieser Plan ermöglicht nur den oberen zehntausend und darunter zumindest gleichgesinnten Anwärtern (die die am liebsten in diese Gesellschaftsschicht vorstoßen möchten und zwar mit allen Mitteln), die Möglichkeit auf begleitende Bildung durch Lehrkräfte die willens sind.

    Das geht los in der Grundschule wo Grundschullehrer Schicksal spielen und sich in dieser Rolle auch sehr gut gefallen. Vollkommen unabhängig von Talent oder Leistung, wird hier nur derjenige gefördert und zur Not schlechter benotet (falls er dann mal wieder Erwarten ein Buch zur Hand nimmt), der dem/der Lehrer/in gezeigt hat dass er ideologisch mit ihr auf einer Wellenlänge schwimmt und mit realen sozialen Netzwerken punkten kann, die bei bessergestellten eindrucksvoller sind als bei Sozialhilfeempfängern.

    So passiert es dann auch dass Nils-Torben-Hendrik-Julius-Malte-Jonas...etc., auf dem Gymnasium landet wo weitere ideologisch gefestigte Lehrkräfte auf ihn warten, aber auch solche die wirklich motiviert und talentiert sind und es schaffen so gut wie jedem das nötige Wissen zu vermitteln (auch hochgepushte!).

    Das Ergebnis sind dann Hochschulabsolventen mit ungenügendem Abschluss (im Falle der oberen Zehntausend, mit einem gekauften sehr guten bis guten), die dann z.b. in Arbeitsagenturen als Fallmanager arbeiten und ungefragt bei sich jeder bietenden Gelegenheit angeben, sie hätten Psychologie und dergleichen studiert und wüssten schon was sie tun, ergo hier selbst wieder Schicksal spielen, unfachmännisch und realwirtschaftlich inkompetent.

    Ich stimme zu, es geht nicht um arm oder reich. Es geht um eine Sorte Mensch, gegen die andre. Wenn es nur um arm und reich gehen würde, könnte man auch die kommunistische Lehre anwenden und alles wäre perfekt. Allerdings würde man dann auch unfreiwillig, viele der Unterstützer des Kastensystems die sich auch unten in der Gesellschaft tummeln hochpushen und angaschierte bessergestellte die oft als "Gutmenschen" beschimpft werden herunterziehen. Ich glaube es ist an der Zeit sich einer Fraktion anzuschließen und zwar jenseits von Rechts und Links.
  7. #26

    Zitat von Fricklerzzz Beitrag anzeigen
    Mein Sohn war auf einer Grundschule in Niedersachsen. So bescheuerter Unterricht das er in 2. Halbjahr in Deutsch auf 5 stand und kein einziges Wort schreiben konnte. Ich habe 3 Wochen Urlaub genommen und mit Ihm in den Herbstferien jeden Tag 5 h geübt: Weichnachten stand er auf 3 und geht heute aufs Gymnasium mit Realschulempfehlung mit gutem Stand......
    Welch Glück, dass Ihr Sohn Eltern hat, deren Deutsch besser ist, als das der Lehrerin.
  8. #27

    *

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kinder von Reichen haben die besten Chancen
    Was für eine Erkenntnis - dass Kinder von Reichen in jeder Hinsicht einen besseren Start in's Leben haben ist doch wohl eine Binsenweisheit...

    Wären meine Eltern reich gewesen, so wäre ich wohl kaum dem deutschen staatlichen Schulsystem ausgeliefert, sondern auf eine Elite Prep School (wie Andover, Choate, Exeter...) geschickt worden, von wo der Weg mich direkt nach Harvard, Princeton, Yale... geführt(und ich wichtige Kontakte geknüpft) hätte...
  9. #28

    Solange es Eltern gibt, die ihr Geld lieber für Solarium, Strähnchen und Kunstnägel ausgeben und sich beschweren, dass die Lektüre 5€ kostet, ist jede Bildungsreform überflüssig.
    Kinder die sich für nichts interessieren, die noch nie den Drang etwas Wissen zu wollen verspürt haben werden wir auch mit der 100. Schulreform nicht schlauer machen.
    Eltern müssen Kindern beibringen, dass es sich lohnt sich anzustrengen, dass es Spaß macht zu lernen und Erfolg zu haben.
    Die Kinder der "bildungsfernen" Familien haben alle die neuesten Handys, Spielkonsolen und Laptops. Sie können mit den Dingen auch umgehen, allerdings nur soweit bis sie einen Text mit Word schreiben sollen, oder etwas für ein Referat recherchieren.
    Die Mittel sind alle vorhanden, aber keiner der die Richtung und die Grenzen vorgeben kann oder will.
    Vielleicht sollten wir die Elternschule einführen??
  10. #29

    Zitat von smashjack Beitrag anzeigen
    Ich sehe ihn schon vor mir, den Gymnasiasten der demnächst die Abflussrohre reinigt, das Brot backt, das Dach deckt....
    So abwegig ist der Gedanke in der Tat nicht, wenn man Bewerbungen und die Bewerber für Ausbildungsplätze zu sehen bekommt.


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