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Bildungsstudie: Lehrer als Moralvermittler kaum gefragt
Eine neue Umfrage unter Lehrern offenbart ein ernüchterndes Bild: Jeder Zweite sagt, er hätte keinen Einfluss auf seine Schüler. Nur jeder Dritte meint, er könne Werte vermitteln. Entmutigen lassen sich die Pädagogen trotzdem nicht - die große Mehrheit bereut die eigene Jobwahl nicht.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...757765,00.html
- #1 19.04.2011 10:32 von
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Der einzige Lehrer, der mir jemals etwas an Werten vermitteln konnte, war ein 195 cm großer Kunstlehrer mit einem Holzfällerkreuz und langen Haaren, der nach seinem Lehramtstudium 2 Jahre durch Australien getrampt ist und dort von Ureinwohnern gelernt hat, wie man auf einem Didgeridoo spielt. Der Mann war der perfekte Lehrer. Er hatt das nötige Fachwissen und er konnte einem etwas vom Leben außerhalb des Schulgebäudes erzählen. Das fehlt einem Großteil der Lehrer. Ich konnte bis zur 10ten Klasse nur etwas besser Zeichnen als ein Grundschulkind. Dieser Lehrer hat es geschafft, dass mein Selbstbewusstsein gestiegen ist und ich keine Angst mehr vor schwierigen Zeichenaufgaben hatte. Der Vorteil war allerdings auch, dass die Klasse nur knapp 20 Schüler umfasste. Aber seine ruhige Art und seine natürliche Authorität haben auch dafür gesorgt, dass der Geräuschpegel der niedrigste war, den ich in knapp 15 Schuljahren miterlebt habe.
Lehrerinnen konnten bei mir noch nie etwas vermitteln. Die meisten waren entweder zickig oder total überarbeitet. Nur eine Chemie-Lehrerin, die durchgängig streng und konsequent war, haben wir respektiert. Der Rest der Lehrerinnen hat ihre Authorität durch ihr eigenes Verhalten sehr schnell verspielt. Ich kann mich an eine Lehrkraft erinnern, die in ihrer ersten Stunde ein Kennenlernspiel durchboxen wollte. Wir waren wohlgemerkt in der 11eten Klasse und die Dame hat sich ernsthaft gewundert, wieso das 90 % der Schüler boykottiert haben.
Es muss ja auch nicht unbedingt sein, dass Lehrer aus allen Fächer gewisse Werte vermitteln. Geschichtslehrer z. B. können basierend auf den aktuellen Themen gewisse Dinge ansprechen und auch die Vertrauenslehrer und Klassenlehrer sollten das gelegentlich und ungezwungen machen. Bei einem Physiklehrer, der erstmal nur den reinen Lehrstoff vermittelt, muss das nicht unbedingt sein. Wir haben damals z. B. ausgiebig über den 11/9 gesprochen. Der Amoklauf in Erfurt war auch eine Sache, die wir etwas intensiver besprochen haben aber ansonsten war ziemlich tote Hose. Das müsste es definitiv öfter geben. Bei uns auf der Montessori-Gesamtschule haben wir so viele Stunden mit unnützer "Freiarbeit" vebracht. Das hätte man durchaus auch mit außerschulischen Themen füllen können um eben gewisse Werte zu vermitteln. - #2 19.04.2011 11:39 von
Lehramtsstudium praktischer ausrichten
Wenn ich jetzt so meine Lehrer in Gedanken revue passieren lasse, kann ich mich auch nur an sehr wenige erinnern, die mich menschlich wirklich überzeugt oder außerhalb ihres Lehrstoffes etwas vermittelt haben.
Manche Pedanten legten viel Wert darauf, dass man in der Pause auf den Hof ging und bei Klausuren nicht über den Rand schrieb. Inhaltlich hatten sie häufig nicht so viel Ahnung und sind auch nicht zu den Leuten durchgedrungen.
Dann gab es natürlich auch Kumpeltypen, die vor den Ferien mit der Klasse einen trinken gingen. Im Grunde haben sie aber oft nur das Schleimertum gefördert.
Ich sehe es als ein Hauptproblem an, dass häufig Leute, denen ein reines Fachstudium in den Naturwissenschaften zu schwer oder in den Künsten zu riskant ist, dann alternativ eben dasselbe auf Lehramt studieren und oft schon frustriert an ihren Job herangehen. Das Lehramtsstudium müsste viel mehr Wert auf praktische pädagogische Fähigkeiten setzen und es müsste sehr früh im Studium schon längere Praxisphasen an Schulen geben.
Und das Klima an den Schulen müsste sich dahingehend verändern, dass die vermittelten Werte eben nicht nur Ordentlichkeit und braves Gehorchen sind, sondern vor allem Fairness, Ehrlichkeit und ein bisschen Lebensklugheit. - #3 19.04.2011 11:43 von
Welche Erwartungen waren das?
Lebend in einer respektlosen Ellbogen-Konsumwelt in der Raffgier ganz oben rausgehängt wird, was erwartet man da? Es wird scheinheilig so getan als ob man nicht wüsste wovon es kommt.
- #4 19.04.2011 11:46 von propaganda
da 99,99 % meiner lehrer
nie mit dem sog. wirklichen leben, sprich ua. mit dessen härten, in berührung gekommen sind, war ich stets froh, wenn sie mir ihre aus-zweiter-hand-moral ersparten.
- #5 19.04.2011 12:24 von
Verantwortung der Eltern
Wenn wir hier ernsthaft darüber diskutieren, daß Lehrer einer ganzen Klasse voll unterschiedlich vorbelasteter Kinder Werte und Moral beibringen sollen, dann sollte man erst darüber nachdenken, welche Vorarbeit die Eltern geleistet haben. Lehrer können nicht auffangen, was im Elternhaus versäumt wurde. Die Vermittlung von Werten fängt nicht in der Schule an sondern im Elternhaus. Das, was man Kindern vom ersten Tag an vorlebt prägt sie für ihr ganzes Leben. Wenn sie dann in die Schule kommen sind die Grundsteine gelegt. Einmal versäumtes können Lehrer nicht nachholen, der Versuch ehrt sie ja, aber die Erfolgsquote ist laut Artikel wohl vergleichsweise gering. Erziehung ist Sache der Eltern! In einer Zeit, in der viele Eltern Kindergärten, Schulen und Sportvereine als Aufbewahrungsanstalt für ihre Sprößlinge benutzen ist die Überforderung von Lehrern und Erziehern in vielen Bereichen doch kein Wunder!
- #6 19.04.2011 12:31 von
Watzlawik
Man kann nicht nicht kommunizieren. Und dass ausgerechnet Lehrer diese Tatsache ignorieren ist schon einigermaßen eigentümlich. Selbstverständlich nehmen sowohl sie als auch Eltern größtmöglichen Einfluss auf die Schüler. Mag sein, dass das nur durch Lustlosigkeit, Resignation und Gleichgültigkeit geschieht, aber es geschieht. Es gibt einen Unterschied zwischen "Einfluss nehmen" - ganz gleich ob gut oder schlecht - und "als Vorbild dienen".
- #7 19.04.2011 12:44 von
..
@propaganda: Was ist denn deiner Meinung nach das wirkliche Leben? Ist Lehrer nicht ein Beruf wie jeder anderer? Ist ja nicht so, dass jeder sofort nach der Schule studiert. Außerdem ist es ein schwerer Schritt von der Schule in die Schule aus einer anderen Sicht hinein zu kommen.
Der Ruf des Lehrers ist allgemein zur heutigen Zeit schlecht. Woran das genau liegt kann ich leider auch nicht sagen.
"Das Lehramtsstudium müsste viel mehr Wert auf praktische pädagogische Fähigkeiten setzen und es müsste sehr früh im Studium schon längere Praxisphasen an Schulen geben." (rabenfeder4)
- Es gibt Pädagogische Hochschulen in Baden-Württemberg, die sehr praxisbezogen arbeiten ab 1.Semester.
@frubi: Was macht man denn bitte 15 Jahre in der Schule? (Ich war schon froh als ich meine 12 Jahre fertig hatte.) Und wenn du auf einer Montessorischule warst war es wohl die falsche für dich. Freiarbeit hast du an staatlichen Schule nicht sehr ausführlich. Und 11te Klasse Kennenlernspiele- Was spricht dagegen? Ich selbst hab solche schon an einer Uni erlebt.
Meckert mal nicht immer an den Lehrern. Man muss auch bedenken, dass es eine ganz andere Generation von Kindern ist. Schon allein bei der Erziehung läuft heut zu Tage einiges schief. Zitat einer Mutter:"Ach, das Kind wird dann von der Schule erzogen,da mach ich nix." Und da fängt die Erziehung an!
Schaut euch mal die Lehrpläne an, da ist nicht immer viel Zeit für aktuelle Themen. - #8 19.04.2011 12:57 von
Gemeinschaftsaufgabe
Die Wertevermittlung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Elternhaus und Schule. Versagt das Elternhaus, scheitert die Allianz, und der Lehrer gibt auf.
Und nun lasst das mal in einer 30er Klasse bei 15 Schülern derart sich entwickeln. Diese geben dann die Spielregeln vor.
Kurz: In der Regel versagen die Eltern bei ihrem Erziehungsauftrag. Wer Kinder gut erzogen hat, weiss um die Mühe dieses Jobs. Ignorieren ist bequem. - #9 19.04.2011 12:59 vonIch hätte den Fragebogen gern mal gesehen - mir ist die Vorstellung schon fremd, das es Eltern gibt, die der Ansicht sein könnten, dass diese Werte in der Schule vermittelt werden sollen. Ist das nicht ureigenste Aufgabe des Elternhauses? Neben dem reinen Lernstoff hat die Schule reichlich weitere pädagogische Aufgaben (Toleranz der Mitschüler untereinander, Sensibilität gegen Mobbing, Lernen lernen, .....), aber ein paar Grundregeln vernünftigen Verhaltens sollte den Kindern mitgegeben werden. Klar - es wäre blauäugig, darauf heutzutage schlicht zu vertrauen, und allein der Umstand, dass ein nennenswerter Teil an Eltern von der Schule geradezu erwartet, diese Aufgabe zu übernehmen, könnte einen Schaudern lassen.Noch weniger Eltern trauen der Schule zu, ihren Kindern Höflichkeit und Manieren beizubringen: Nur ein Viertel meint, dass dies vermittelt wird.
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