Forum


 

Bildungsstreik: "Die Studierenden wollen keinen neuen Rudi Dutschke"

Für nächste Woche planen Studenten und Schüler einen großen Bildungsstreik. Auch ein streit- und streikerfahrener Professor aus Berlin mischt mit: Politologe Peter Grottian, 67. Im Interview erklärt der altlinke Aktivist, warum ein bisschen Zunder schon sein muss.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...629811,00.html
  1. #1

    Der falsche Interviewpartner

    Bei allem Respekt für Herrn Grotian und aller Freude darüber, dass auch ältere Semester wie er den Streik unterstützen - wäre es nicht viel interessanter und aufschlussreicher einen der Streikorganisatoren zu interviewen?
    Hoffe das wird noch nachgeholt...
    http://www.bildungsstreik2009.de/
  2. #2

    Keine Zeit zum streiken

    Habe die Entstehung, bzw. die Planung dieses Streiks aus der Entfernung verfolgt, studiere selbst an der FU.
    Nun ist es aber zum Einen die Symbolik und Rhetorik der bekannten Anfifa-Organisationen auf Plakaten und Spukis, die mich ein wenig misstrauisch werden lässt (Rote Fahnen, inflationäre Verwendung des Imperativs, bzw. Gebrauch des Ausrufezeichens, Schriftart), ob es sich hier um einen Streik oder eine Werbeplattform für diverse Linksaußenorganisationen handelt - zum Anderen kann ich mir als Bachelor Student einen Streik rein zeitlich nun wirklich nicht erlauben.

    Die Logik dieses Streiks mag sich mir nicht wirklich erschließen. Natürlich ist es hart. Ich kenne es aber nicht anders, merke es immer nur an den bemitleidenden Kommentaren ehemaliger Studenten, die noch Magister studiert haben, daß wir es so schwer hätten.
    Jedoch würde niemand auf die Idee kommen, mit einem Hungerstreik auf seine Unterernährung aufmerksam zu machen.

    Es tut mir wirklich leid, ich habe keine Zeit zum Demonstrieren, gerade jetzt wo die Klausuren zum Semesterende immer näher rücken!
  3. #3

    Bildungsstreik

    Die Studenten von heute hetzen von Klausur zu Klausur und dneken nur an ihre spätere (Wunsch-)karriere. Die Studentenschaft, die sog. Elite ist ruhig geworden, zu ruhig und sehr gehorsam, sehr unkritisch. Das ist gefährlich. Demokratie lebt von Streit und nicht Jasagen. Erst dann wenn die künftige Elite merkt, dass sie keine Chance auf Karriere hat, wird sich das vielleicht ändern.
  4. #4

    das Thema einmal anders behandeln

    Ich frage mich immer, wer in der Wirtschaft jene Roboter haben will, die brav und schnell durchs Studium geflogen sind ohne ihre Grundlagen auszubauen oder schlimmer: überhaupt zu entdecken. Leute die keine Hoch- und Tiefs im Leben hatten, nicht mit Schwierigkeiten umgehen können, bei einem kurzen Scheitern im Job wahrscheinlich sofort aus allen Wolken fallen. Jene braven Klausurpauker kenne ich noch vom Gymnasium, keiner von denen hielt länger wie ein Semester an einer normalen Uni durch, für die war die FH die Rettung, für manche war die damals der Horror schlechthin, wurde man doch gezielt in Schulzeiten zurückkatapultiert, statt auf schon Vorhandenem aufzubauen. Diejenigen mögen die Bolognareform begrüßen, die schon in der Schule brav den Lehrplan in den Kopf brachten ohne jemals der Lehrkraft zu widersprechen.

    Erschreckend an dem Artikel ist allerdings genau die Negation, die sich durch alle Köpfe dieser jungen Generation zieht: Keinen neuen Rudi Dutschke, Mobilisierungsprobleme, Egoismus der Angepassten, bloß nicht auffallen, könnte später schließlich der Karriere schaden.

    Es ist ein Hauptproblem, dass sich die Leistungs- und "Rendite über alles"-Gesellschaft bis in die Jugend durchgesetzt hat. Eine Jugend die nicht aufbegehrt, bringt eine Gesellschaft nicht weiter, gerade jener Konflikt zwischen Alt und Jung, der heute schon bevor er losgehen könnte derart ins Negative geredet wird, ist jedoch notwendig, gehört zu unserer Natur. Mit was fällt die heutige Jugend, nicht nur die Studentenschaft, auf? Komasaufen und Killerspiele statt Vordenkertum, das ist ein Armutszeugnis, eine Kapitulation vor der Realität, wenn auch eine ziemlich bequeme.
  5. #5

    Bildungsstreik?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Für nächste Woche planen Studenten und Schüler einen großen Bildungsstreik. Auch ein streit- und streikerfahrener Professor aus Berlin mischt mit: Politologe Peter Grottian, 67. Im Interview erklärt der altlinke Aktivist, warum ein bisschen Zunder schon sein muss.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...629811,00.html
    Wozu brauchen wir einen Bildungsstreik? Der wird als Bologna-Prozess doch schon institutionell betrieben.
    Die Universität - früher ein Ort, an dem neues Wissen entstand und Menschen ausgebildet wurden, wie man neues Wissen generieren kann - ist heute zur verlängerten Werkbank der Industrie degradiert worden.
    Die ökonomisierung der Universitäten durch Neues Steuerungsmodel (NSM), Benchmarking (Drittmitteleinwerbung) und anwendungsorientierte Forschung führt in die geistige und technologische Stagnation. Da wird kein neues Wissen mehr generiert, sondern nur noch zusätzliche Anwendungen für schon bekanntes Wissen (ursprünglich Aufgabe der Industrie).

    Statt Akademiker auszubilden, die in der Lage sind das Grundlagenwissen der Menschheit zu erweitern, werden anakadmisierte Fachtechniker ausgebildet, die möglichst nahtlos in die bestehenden industriellen Strukturen passen sollen (Employability). Was aber, wenn die bestehenden industriellen Strukturen nicht mehr passen? Was aber, wenn neue Probleme sich mit neuen Anwendungen des alten Wissens nicht lösen lassen? Was aber, wenn andere Länder diesen Fehler nicht machen?

    Deutschland ist gerade dabei die Grundlagen seines Wohlstandes und seiner sozialen Sicherheit abzuschaffen.
  6. #6

    Bigger cages, longer chains!

    Naja, vom Vorwurf der Angepasstheit kann ich mich ruhigen Gewissens freisprechen, ohne jetzt auf meinen Lebens- und Leidensweg eingehen zu wollen ;) Bin aber keine 20 mehr, und habe nach dem Rauswurf vom Gymnasium einige Umwege einschlagen müssen, um doch noch studieren zu können.

    Aber der oben genannte Einwand ist natürlich schon berechtigt, ein roboterhaftes Studium ist (bei zumindest vielen Studiengängen)keine Garantie für eine Karriere (sofern man die denn auch will). Ein Hinterherheulen vergangener paradiesischer Zustände und und gebetsartigem Nachplappern flacher Parolen ist aber mindesten genau so kontraproduktiv.

    Für einen Kampf gegen Studiengebühren wäre ich sofort dabei, zum Glück haben wir sie hier nicht in Berlin. Aber dieser Protest hat irgendwie den bitteren Beigeschmack des Schaulaufens der Selbstdarsteller.

    Die vorher zitierte Demokratie ist mir leider noch nicht begegnet, falls sie jemand gesehen hat, würde ich mich freuen, zu erfahren, wo sie sich gerade aufhält.
  7. #7

    Dagegen

    Es gibt übrigens auch Studenten, die nicht aufgrund von Zeitproblemen diesem Streik fernbleiben, sondern weil sie ihn inhaltlich nicht unterstützen. Ich gehöre dazu.
    Da ist einmal die Tatsache, dass dieser Streik von Organisationen betrieben wird, die ich rundherum ablehne (SDS, Attac). Ich sehe überall nur Globalisierungskritiker, Sozialisten, Altlinke. Die Kritik an den Zuständen an der Uni teile ich auch, zumindest teilweise. Die Hochschulreform ist unzureichend, schlecht durchdacht und nicht ganzheitlich. Bspw. kann man im neuen Syystem die deutsche Trennung zwischen Unis und FHs getrost aufheben, die passt da nämlich nicht rein.
    Aber dann wird gegen Deregulierung demonstriert, gegen Leistungsförderung, gegen unser marktwirtschaftliches System an sich.
    Da kann ich einfach nicht bei mitmachen, tut mir leid.

    Die hier kritisierte angebliche Abschaffung des Denkens kann ich auch nicht nachvollziehen. Ich studiere noch auf Diplom und kenne genügend Kommilitonen, die nur Skripte auswendig lernen anstatt die gelehrten Themen zu hinterfragen. Das hat nichts mit dem Abschluss zu tun, sondern mit dem Mensch an sich.
  8. #8

    .

    Zitat von Iggy Rock Beitrag anzeigen
    Ich frage mich immer, wer in der Wirtschaft jene Roboter haben will, die brav und schnell durchs Studium geflogen sind ohne ihre Grundlagen auszubauen oder schlimmer: überhaupt zu entdecken.
    Das frage ich mich auch, ich kenne keinen Unternehmer, der das will. Daher geht die ganze Katastrophenrhetorik von wegen Vorgaben der Wirtschaft erfüllen völlig ins Leere. Hinter dem altbekannten Austausch solcher Worthülsen steckt vor allem eine altbekannte Haltung: Früher war alles besser. Die ach so kritischen Geister, die sich, so wird regelmäßig der Eindruck erweckt, durch ein vorgaben- und klausurenfreies Diplomstudiengang bewegen und dabei ganz intensiv Grundlagen studieren konnten, kommen eben auch langsam in die Jahre.

    Zitat von Iggy Rock Beitrag anzeigen
    Leute die keine Hoch- und Tiefs im Leben hatten, nicht mit Schwierigkeiten umgehen können, bei einem kurzen Scheitern im Job wahrscheinlich sofort aus allen Wolken fallen. Jene braven Klausurpauker kenne ich noch vom Gymnasium, keiner von denen hielt länger wie ein Semester an einer normalen Uni durch, [...]
    Dafür sind Sie jetzt ein richtiger Mann -- im Gegensatz zu Ihren übereifrigen, angepaßten Mitschülern können Sie nun gestählt dem rauhen Wind der Arbeitswelt trotzen.
  9. #9

    Die sprachlose Generation

    Diese "sensible" Generation will keinen Sprecher wie Rudi Dutschke oder Rudi Carell. Erklärt ein Tattergreis, der sich damit zum Sprecher der studentischen Jugend macht. Hat schon etwas absurdes in sich.


TOP



TOP