Ich kann die Handwerker gut verstehen, die sich jetzt aufregen. Wieder einmal wird ihre Zunft arrogant von oben herab behandelt und herabgestuft.
Ein Schreinergeselle soll jetzt also weniger wert sein als ein Abiturient. Nicht nur werden hier weitere Gräben zwischen Bildungsbürgertum und Arbeitern ausgehoben, auch innerhalb der Ausbildungsberufe soll es jetzt "bessere" und "schlechtere" geben.
Was wird die Folge sein?
Noch mehr Kinder als jetzt schon werden von ihren Eltern um jeden Preis aufs Gymnasium gepresst. Ob sie da glücklich werden und ihren Begabungen entsprechend gefördert werden können, ist egal. Eine Realschulempfehlung wird ja heute schon als Totalversagen der Kinder und Kampfansage der Lehrer gewertet... Das macht nicht nur die Kinder auf Dauer kaputt. Wer ständig mit Misserfolgen konfrontiert wird, kann keinen Spaß mehr am Lernen empfinden. Andererseits gehen dem Staat dadurch auch vielfältige handwerkliche Begabungen verloren, was sich volkswirtschaftlich in einem noch weiter steigenden Facharbeitermangel auswirken wird.
Man muss nicht um jeden Preis aus einem Kind einen schlechten Mathematiker machen, wenn ein guter Schreiner oder Schlosser in ihm steckt. Diese fatale Entscheidung der KMK wird aber dazu führen, dass genau das immer häufiger passieren wird. Etwas mehr Wertschätzung für Ausbildungsberufe wäre also mehr als nur angebracht, statt dumpfes Standesdünkel in Punkteskalen zu zementieren.
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