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Bildung: "Ohne Üben geht nichts"

Die Kindheitsforscherin Donata Elschenbroich über die pädagogischen Ratschläge der Bestseller-Autorin Amy Chua und das gestörte Verhältnis deutscher Eltern zur Leistung

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,744032,00.html
  1. #1

    Titel

    Freut mich, dass das Amy-Chua-Buch ausnahmsweise nicht völlig zerrissen wird. Hört sich vielleicht komisch an, aber ich fand es ungemein rührend wegen seiner gnadenlosen Ehrlichkeit und ich muss zugeben, dass ich viele von Chuas Ansichten teile. Die vielleicht beste ist mMn, dass man seinen Kindern niemals gestatten darf aufzugeben. Auch bin ich der Meinung, dass sich Eltern nie zu viel um ihre Kinder kümmern können, nur zu wenig. Die Art des Kümmerns ist durchaus diskutabel. Da ist Chua bestimmt kein Vorbild in der Wahl ihrer Mittel und in der Auswahl ihrer Ziele. Dennoch bleibt ihre Hingabe an ihre Kinder, ihr Selbstanpruch an Pflichterfüllung, ihr vorausschauendes generationübergreifendes Denken in Bezug auf Bildung und Erziehung bewundernswert.
  2. #2

    ohne üben geht nichts

    Ich glaube wirklich, dass einige nicht mehr ganz bei Trost sind.
    Also zunächst das Wichtigste für Kinder:
    Liebe!
    Dann kommt: Erziehen ohne Angst!

    Dann kommt:
    Eigenes Denken fördern, Dinge und Regeln hinterfragen, und vieles mehr.
    Und dann erst kommt:
    Üben.
    Guten Abend noch.
  3. #3

    Au weia

    Was mich am meisten bei solchen Debatten nervt, ist das häufige "Entweder/Oder-Denken", das letzendlich recht dümmlich wirkt. Vielleicht vermuten manche "Experten", sie können sich selbst und ihre Meinungen besser verkaufen, wenn sie nur eine Extremposition vertreten. Es ist vermutlich für den eigenen Experternprofil nicht so gut, wenn man eine gesunde Mischung aus Liebe, Förderung, der nötigen Strenge, Grenzen, Raum fürs Träumen und Spielen, Spaß, Unterstützung und einem gelegentlichen (sinnbildlichen) Arschritt empfiehlt. Viel zu langweilig und unpolemisch... :-/

    Was diese Frau Elschenbroich betrifft: Bei mir lässt ihre Vermeidung und Verharmlosung von manch kritischen Aspekten ein übles Nachgeschmack hinter. Zum Beispiel:
    "SPON: Sie loben Frau Chua sehr. Aber beispielsweise die Drohung, Stofftiere zu verbrennen, wenn die Tochter nicht richtig übt, ist doch sehr drastisch.
    Elschenbroich: Ach, da praktiziert Chua doch bloßen Verbalradikalismus...."

    Da müsste ich fast lachen, wenn es nicht so schlimm wäre. Jeder, der ein einigermaßen sensibles (Klein)kind hat, und der selbst nicht völlig abgestumpft oder gefühlskalt ist, wird wissen, wie verstörend eine solche Drohung - von der eigenen Mutter oder eigenem Vater - wirkt. Und so was sollte in Konfliktsituationen wohl regelmäßig aus der Trickkiste geholt werden... (?)
    Danke, "Frau Expertin", für diese kompetente Einschätzung.
    Tut mir leid um dem Sarkasmus...

    Und ansonsten einen schönen Tag allerseits.
  4. #4

    Donata Elschenbroich - eine qualifizierte Kindheitsforscherin

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Kindheitsforscherin Donata Elschenbroich über die pädagogischen Ratschläge der Bestseller-Autorin Amy Chua und das gestörte Verhältnis deutscher Eltern zur Leistung

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,744032,00.html
    Aus Spiegel: Elschenbroich: Mir geht die Unterstellung auf die Nerven, dass Kinder es immer lustig haben wollen. So viel lachen Kinder gar nicht.
    Oh doch, nur nicht bei ihnen Frau Donata Elschenbroich.
    Überlegen sie mal warum.
    Wie wäre es mit Leistung und Lachen?
  5. #5

    ...

    Die goldene Mitte zwischen Drill und "Lob um jeden Preis" ist vermutlich der richtige Weg. Außerdem müssen die Eltern authentisch bleiben. Nur die Supermutti spielen bringt es nicht, da Kinder solch ein Schauspiel spätestens in der Pubertät durchschauen.
  6. #6

    Wer Stofftiere verbrennen will...

    ...droht nicht etwa, oder "praktiziert Verbalradikalismus", wie Frau Elschenbroich das so verharmlosend umschreibt.
    Es ist schlicht und einfach Erpressung, da Kleinkinder eine starke emotionale Bindung an ihr Lieblingstier haben und es als richtiges Lebewesen sehen.
    Niemand würde auf den Gedanken kommen, seinem Kind zu sagen: "Übe Geige, oder ich erschieße die Oma!" Vor eine solche Wahl wird das Kleinkind jedoch gestellt. Es mag gut sein für die Fähigkeit, Geige zu spielen. Ob es den Charakter so bildet, wie man sich als Erziehender das wünscht, wage ich einmal zu bezweifeln (Mafiabosse mögen anders denken).

    Diese Unfähigkeit, sich in die Gefühls- und Erlebniswelt eines Kleinkindes hineinversetzen zu können, ist es, die Frau Chans Buch als Erziehungsratgeber letztlich untauglich macht (was es, wenn ich die Diskussion richtig verfolgt habe, aber auch nicht sein sollte).

    Von einer Kindheitsforscherin hätte ich da allerdings etwas mehr erwartet, auch wenn ich ihrem Verweis auf das alte Sprichwort, wonach Übung den Meister macht, zustimme...
  7. #7

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Kindheitsforscherin Donata Elschenbroich über die pädagogischen Ratschläge der Bestseller-Autorin Amy Chua und das gestörte Verhältnis deutscher Eltern zur Leistung

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,744032,00.html
    Sie hätte besser sagen sollen : das gestörte Verhältnis vieler deutscher Eltern zu ihren Kinder!!!! Zur Frage, was ist schlimmer, dieser krankhafte Ehrgeiz dieser seltsamen Bestsellerautorin oder die egoistische Gleichgültigkeit vieler Eltern in diesem Land, die jedweilige Erziehung dem Fernseher überlässt. Letzendlich werden die Kinder der Bestsellerautorin im späteren Leben mit Sicherheit von dem Drill profitieren können, sich besser durch Leben schlagen, die besser bezahlten Jobs bekommen können, als die verzogenen Vollidiotenkinder, die ihre Erziehung nur durch den Fernseher genossen haben und wo ein H4 Karriere vorprogrammiert ist. Beide Erziehungsformen sind jedenfalls ziemlich krass und ich würde meinen Kindern weder das eine noch das andere Extrem zumuten!
  8. #8

    * Titel frei *

    Ich habe das Amy-Chua-Buch nicht gelesen, aus den Rezensionen stach aber das US-amerikanische "Winner takes all"-Prinzip hervor. Das missfällt mir zutief.
    Man verbrennt, wenn man überall den zweiten Platz mit Totalverlust gleichsetzt. In allen Fächern 1 geht nicht, es gibt eben auch harte Lehrer, die keine 1 vergeben, aber dafür bis zur 6. Hier eine 2 nach Hause zu tragen ist eine hervorragende Leistung! Wenn dann aber die Eltern eine 1 fordern werden die Kinder zerrieben.

    Eine strenge, leistungsorientierte Erziehung kann dann weiter bringen, wenn 2 eben "gut" ist. So bleibt dem leistungsstarken Schüler Raum in seinem Steckenpferd eben auch sehr gut zu werden. Überall 1 zu verlangen bedeutet nur noch an den Schwächen zu arbeiten statt die Stärken auszuprägen.
    Ja selbst eine 4 ist im Rahmen leistungsorientierter Erziehung akzeptabel, wenn es eben ein Randgebiet ist, dass - im Profil des Kindes - klar nicht zu dem späteren Berufsbild passen wird und auch in der Oberstufe abwählbar sein wird. Warum übermäßig Energie in das Ausmerzen einer 4 in "Geräteturnen" oder "Spanisch" stecken, wenn diese Fächer abwählbar sind und das Kind sonst bei 1 und 2 steht?

    Diesen Fehler sollte man nicht machen, sonst wird der Mensch der aus dem Kind entsteht später auch immer nur an den eigenen Fehlern herumdoktorn, weil er gelernt hat nur qualvolle Leistung ist richtige Leistung. Besser ist es doch die Stärken später auszuspielen und schon in der Schule zu fördern. Oder anders gesagt, besser ein Ingenieur, der in seinem Beruf aufgeht und Höchstleistungen bringt als ein Eiskunstläufer mit Bulimie.
  9. #9

    Erziehung und Bildung - Kinder brauchen Förderung und Grenzen

    Vielen Dank an Frau Elschenbroich. Sie stellt sehr nüchtern heraus, dass Kinder nicht die zerbrechlichen und schmusehungrigen Wesen sind, die uns die amerikanisch geprägte Sentimentalkultur vorgaukeln möchte. Wer das Interview aufmerksam liest, weiß, dass für Frau Elschenbroich die Liebe zu den Kindern als Prämisse jeder Erziehung keinesfalls in Frage gestellt wird. Dies war nur nicht Thema der Diskussion. Die Geringschätzung kultureller Werte, die permanente Unterforderung und damit einhergehend die Verwöhnung unserer Kinder hat einen hohen Preis. Ich zweifle daran, dass die Kritiker einer geerdeten Erziehung diesen zu zahlen bereit sind.


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