Forum


 

Bildung: Massen-Uni 2.0

Ein Deutscher unterrichtet an der Elite-Universität Stanford - und per Internet Zehntausende Studenten in der ganzen Welt. Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod?

http://www.spiegel.de/0,1518,805028,00.html
  1. #20

    Zitat von schuworld@online.de Beitrag anzeigen
    Eine online-Vorlesung ist bequem und einem digitalen Lehrbuch gleichzusetzen. Entgegen der weitverbreiteten Meinung wird die Hauptlernarbeit nicht in Vorlesungen geleistet, sondern in den angeschlossenen Seminaren und Praktika, in denen es eine direkte Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden gibt. Niemand kann sich ohne Kommunikation weiter entwickeln. Ich sage dies als erfahrener Studierender und Lehrender.
    Kann in anderen Fächern gut so sein. Für den bereits seit 30 Jahren völlig verschulten Studiengang Chemie trifft das sicher nicht zu. Da gibts in den Vorlesungen Frontalunterricht pur.
    Praktika sind natürlich eine andere Sache, die lassen sich nicht vom PC aus absolvieren. Aber Theorie ist fürs Internet ideal geeignet. Wenn es auch noch Mitschriften zu den Vorlesungen gibt, schafft man den doppelten Stoff. Auch für Prüfungsvorbereitungen ist die Verfügbarkeit aller Vorlesungen ideal.
    Für die Zeit nach dem Studium hat das Ganze noch mehr Vorteile. Man kann sich die Vorlesungen nach 5 oder 10 Jahren noch einmal im Schnelldurchgang reinziehen und ist wieder auf dem neuesten Stand. Oder man ergänzt das alte Wissen um eine neue Vorlesung. Schön im Sinne des lebenslangen Lernens.
    Es gibt sicher noch unzählige weitere Vorteile, z.B. Vorlesungen mit Simultanübersetzung, aber ich breche hier ab.
  2. #21

    Es wird Zeit für neue Lernformen

    Wir wissen doch, dass Vorlesungen keinen großen Lerneffekt haben. Aus meiner Sicht dienen sie dem Studierenden nur dazu, zu "scannen", was denn als Prüfungsfrage drankommen könnte. Das eigentliche Lernen erfolgt mit dem Vorlesungsscript, Büchern, mit Kollegen in selbstorganisierten Lerngruppen. Der Vorlesungsstoff kann daher gerne als Konserve (DVD), im Netz (youtube) oder als live stream erfolgen. Entscheidend ist, was daraus gemacht wird. Dabei gibt es den großen Unterschied, ob der Lernerfolg in erfolgreichen Prüfungen oder im nachhaltigen Kompetenzerwerb gesehen wird. Der Lernerfolg steigt mit der Neugier und dem wirklichen Interesse der Lernenden am Lerngegenstand. Wichtig ist dafür auch der kollegiale Austausch, die Diskussion mit realen Menschen. Bildung ist mehr als reiner Wissenserwerb, dazu gehört auch das Denken, die Kommunikation und letztendlich die Umsetzung in konkretes Handeln. Das leistet die Uni heute normalerweise nicht, könnte aber durch die Entwicklung neuer Lernformen deutlich verbessert werden. Die Zeit ist dafür reif und die neuen technischen Möglichkeiten könnten echte Erfolgsfaktoren werden. Auch hier gilt es, sie nicht nur einzusetzen, sondern sie intelligent einzusetzen.
  3. #22

    Bleibt doch in der Steinzeit

    Ich verstehe gar nicht warum ihr euch so wehrt. Wenn ihr weiterhin mit Bleistift und Kaestchenpapier arbeiten wollt haengt euch der Rest der Welt bald ab.

    Ich lebe seit 25 Jahren in Australien. Hier hat sich Informationstechnik auf Grund der Distanzen sehr schnell durchgesetzt. Unsere Bauern waren mit die ersten die online-banking benutzten. Wir haben e-Doktor und Krankenschwestern; die Funkgeraete der School of the Air wurden sehr schnell it Computern und Webcams ersetzt und viele Studiengaenge koennen komplett oder teilweise online abgefertigt werden. Zum Examen oder praktischem Blockunterricht muss man dann vielleicht einmal im Jahr zur regionalen Haupstadt. Das ist nicht nur positiv fuer Menschen die auf dem Land leben; auch Eltern oder Teilzeitstudierende koennen von dieser flexibilitaet profitieren.

    Waere das nicht toll wenn alle Studieren koennten? Wenn Demokratie in der Bildung herrschte; egal wo man wohnt oder wieviel Geld Papa/Mama verdienen?
    Der Prof. oder die Uni koennen doch noch gut Geld verdienen indem viele Leute kleine Gebuehren zahlen. Selbst Tutorien und one-on-ones gehen heutzutage kostenlos per skype. Ich sehe internationale Zusammenarbeit und Ideenaustausch als absolut positiv. Wenn Heidelberg und Oxford konkurrieren kann ist das doch nur gut fuer die Studenten.
  4. #23

    Wissen konsumieren?

    Die Vorlesung "Datenschutzrecht" hatte ich nicht regelmäßig besucht, allerdings passierte in einer der wenigen Stunden, in denen ich einmal physisch anwesend war, etwas erstaunliches:

    Die Dozentin reagierte auf mich! Auf meine fragenden Blicke, meine Gestik, meine Kommentare. In dieser Stunde habe ich mehr gelernt als in allen anderen Sessions, in denen ich zu Hause alleine vor dem PC saß.

    Es passt doch nicht zusammen, dass die klassischen Vorlesungen kritisiert, gleichzeitig aber in einem anderen Artikel ein Ingenieur bedauert wird, der Mangels zwischenmenschlicher Kompetenz und Fingerspitzengefühl seinen Job los geworden ist.
    Kann man Wissen wirklich alleine konsumieren, sich aneignen? Oder ist Wissen nicht das, was man an Werkzeugen, Tricks, Ressourcen in einer ganz bestimmten Umgebung, sei es ein eingespieltes Team, ein spezielles Projekt etc., benötigt, um eine Aufgabe zu erledigen? Und gehört dazu nicht auch die Fähigkeit, darüber kommunizieren zu können?

    Meiner Meinung nach müssen wir langsam einen weiteren Schritt vollziehen von der Informationsspeicherungsgesellschaft hin zur Wissensgesellschaft.
  5. #24

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Deutscher unterrichtet an der Elite-Universität Stanford - und per Internet Zehntausende Studenten in der ganzen Welt. Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod?

    http://www.spiegel.de/0,1518,805028,00.html
    Die Vorlesung war noch nie der Kern der universitären Ausbildung meiner Meinung ... die ganzen Vorlesungen waren so oder so freiwillig und für eine Prüfung ging es ohne Bücher eh nicht.
    Seminare, Vorträge, Kolloquien, Praktika und Prüfungen das ist der Kern der Ausbildung. Woher man das Wissen bekommt um zu bestehen spielt keine Rolle.
  6. #25

    Zensur - nein danke... (Was ist an dem Post denn jetzt wieder so unveröffentlichbar?)

    Typisch deutsch...

    Zitat von Björn Borg Beitrag anzeigen
    Schwachsinniger Einfall

    Kostenlose Bildung im Internet. Ich bin beeindruckt: Und wer bezahlt künftig und wovon die dazu notwendigen qualifizierten Hochschullehrer?
    Glückwunsch, gleich der erste Beitrag im Forum: Neue Ideen sind grundsätzlich erst einmal Schwachsinn und zu teuer. Findet zwar anscheinend weder der Prof., der es aus eigener Tasche bezahlt, noch die 10000e Studenten, die aktiv am Kurs teilnehmen, aber die haben natürlich nicht die nachhaltige Besonnenheit von uns Deutschen...

    Dass das in den nächsten Runden nicht mehr kostenlos sein wird, war ja im Artikel schon erwähnt. (Mit $20 pro ernsthaftem Student wäre diesmal bei 28000 durchgehend aktiven Teilnehmern eine halbe Million reingekommen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass es deutlich weniger Interessenten gibt, wenn sie blechen müssen - wobei das vermutlich schon im Schrumpfen von 160000 Teilnehmern am Anfang auf 28000 am Ende zum Ausdruck kam -, kommt da noch ein nettes Sümmchen zusammen.) Langfristig ist dieses Modell vermutlich sogar deutlich kostengünstiger, weil gute Vorlesungen mehrere Semester lang fast ohne Mehraufwand (beliefe sich wohl auf das Beantworten von Studentenfragen und Betreuung des Online-Übungssystems) wiederholt (und dabei evtl. auch leicht optimiert) werden können... Ich kann es mir insofern kaum vorstellen, dass sich diese Idee nicht recht bald verbreitet. (Außer nach D, wo sowas ja eben nur zu gerne als "Schwachsinn" abgetan und ignoriert wird, bis es mit jahrelanger Verspätung dann doch irgendwann schnell noch halbherzig, überteuert und so unpraktisch wie möglich umgesetzt wird.)
  7. #26

    In Deutschland sind Vorlesungsaufzeichnungen längst weit verbreitet

    Die Zahl von 160.000 Studierenden ist schon beeindrucken. Wie da wohl das Betreuungsverhältnis von Student zu Dozent/Tutor sein mag?

    Vorlesungaufzeichnungen und die Online-Betreuung mit Chat, Foren, Online-Aufgaben sind an vielen Hochschulen vor allem in technischen Studiengängen in Deutschland seit Jahren üblich. Z.B. am HPI, an der Uni Freiburg Electures-Portal, an der Uni Mainz etc. Dazu hätte man als Redakteur schon mal recherchieren können. Insbesondere da die Technik, die Stanford für die Aufzeichnung verwendet, veraltet ist und nicht dem State-of-the-Art entspricht. Inhaltlich ist die Vorlesung sicherlich top, die Technik, die zur Aufzeichnung verwendet wird, stammt jedoch aus dem letzten Jahrtausend und ist für die Studierende eher eine Zumutung. Da gibt es deutlich bessere und lernförderlichere Ansätze, die an deutschen Hochschulen entwickelt wurden.
    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Deutscher unterrichtet an der Elite-Universität Stanford - und per Internet Zehntausende Studenten in der ganzen Welt. Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod?

    http://www.spiegel.de/0,1518,805028,00.html
  8. #27

    Fehler

    a) Ivy League Unis kosten in der Regel kein Vermögen, sondern der Preis richtet sich nach dem Einkommen. Bei den Aufnahmekriterien spielt Geld garkeine Rolle.
    Ich kann beim besten Willen nicht mehr hören wie teuer angeblich Havard, Yale, Princeton ect. wären - ja, in der Theorie ist der maximalwert etwa 50.000$ im Jahr, Wohnung und Essen inklusive, in der Praxis zahlt das eine kleine Minderheit, und viele zahlen auch garnichts.

    b) "Massen Uni 2.0" ... sowohl beim MIT als auch bei Harvard sind Vorlesungen schon seit vielen Jahren online (bei etlichen anderen Unis auch, aber die kenn ich halt nicht) als Video, mit Begleitschrift, den Übungsaufgaben mit Lösungen, Examen mit Lösungen usw. teilweise für jedes Fach und jeden Kurs (nur halt nicht jedes Jahr dasselbe neu, aber wozu auch). Harvards CS 50 mal als das bekannteste Beispiel.

    c) Die Qualität der Jahrgänge und Kurse hängt doch in keiner Weise allein von den Vorlesungen ab, sondern vom Umfeld, dem Housing, den Kommilitonen, den Professoren usw. Die Vorlesungen kann man sich jetzt schon gratis mitsamt Übungsaufgaben von diesen Unis anschauen.

    Das ganze ist auch so nicht als Uniersatz geplant, sondern mehr als Zusatz... und das gibts wie gesagt schon seit Jahren wesentlich besser überall sonst.
  9. #28

    Besser spät als nie

    Schon vor Jahren habe ich mir Vorlesungen auf academicearth.org angesehen. Die Diskussion, wie sich dies auf die klassischen Universitäten auswirkt, wird in Internetforen und Blogs auch schon seit Jahren geführt.
  10. #29

    PCs statt Schokoriegel oder Gummibärchen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Deutscher unterrichtet an der Elite-Universität Stanford - und per Internet Zehntausende Studenten in der ganzen Welt. Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod?

    http://www.spiegel.de/0,1518,805028,00.html

    Statt 200 Studenten hatte er plötzlich 160.000. "Sie stammen aus 190 Staaten", sagt Thrun, "nur aus Nordkorea ist leider keiner dabei".
    wahrscheinlich werden auch nordkoreanische Studenten bald an solchen Vorlesungen teilnehmen können , denn auch dort wissen die Machthaber, dass sie ihr Land nicht mehr lange vom Rest der Welt abschotten können.
    Schlechte Aussichten für die bisherigen Eliten der Menschheit:
    Wenn allen der Zugang zum Wissen der Menscheit so ermöglicht wird, dann brächte es doch nur noch den PC mit Internet- Anschluß für jeden.

    Statt Nahrungsmittel also besser PCs nach Nordkorea verschenken.


TOP



TOP