Ein Vorstellungsgespräch ist auch ein Stresstest. Da kann so einiges schiefgehen. In einer Umfrage berichten Arbeitgeber aus ganz Europa über die kuriosesten Missgeschicke - von der "High Five"-Begrüßung bis zum Kandidaten mit dem "Ich hasse Arbeit"-T-Shirt.
http://www.spiegel.de/karriere/beruf...804367,00.html
Sie irren sich hier. Was höflich ist und was nicht, wie viel und welche Höflichkeit in einer Situation richtig ist und wem zukommt, das ist eine Frage der Kultur, letztlich eine Festsetzung, die genausogut hätte anders erfolgen können. Bezüglich des Respekts gilt meiner Meinung nach nichts anders.
Und wie sieht das aus, wenn ich für die Produktion einen Schichtmeister, der später die Verantwortung für 30 Leute hat, suche ? Muss ich dann alle 6 Kollegen einladen ? Vielleicht auch noch die Mitarbeiter ?
Sorry, um den von Ihnen kommentierten Vorredner zu verteidigen, aber das ist Blödsinn. Ich habe selbst genügend Vorstellungsgespräche geführt, um ruhigen Gewissens sagen zu können, es reichen für Führungspositionen 3 Leute (zwei abteilungsverantwortliche + ein Personaler). Für gewerbliche Mitarbeiter sollte ein 2:1 Gespräch sogar Pflicht sein, da alles andere den Bewerber nur unverhältnismäßig einschüchtert und damit das Ergebnis verfälscht. Die Personalabteilung gehört aber selbstverständlich immer mit an den Tisch.
Auch wenn ich mit ihnen einer Meinung bin, was den Kommentar des von Ihnen zitierten Foristen angeht, so halte ich es dennoch für ziemlich gewagt, nach einer Minute eine Entscheidung treffen zu wollen. Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit eine Bewerbungsrunde, bei dem es den Anschein hatte, dass keiner der Kanditaten der Richtige ist. Da die Zeit drängte, musste aber eine Entscheidung her. Letztlich haben wir uns für jemanden entschieden, der sich "inadäquat", nämlich arrogant im Bewerbungsgespräch geäußert hatte ("Ich habe mir diesen Job einfach vedient"). Wir waren uns sicher, dass diese Äußerung nur aufgrund des hohen Druckes der Situation geschuldet war. Diese Entscheidung hat bis heute niemand bereut und letztlich hat der Kollege auch im Nachhinein bestätigt, dass er sich übereifrig geäußert hat.
Das ist kein Ausnahmefall, sondern passiert tagtäglich. Wenn Sie sich zukünftig schon nach einer Minute eine Meinung bilden, denken Sie vielleicht mal an o.g. Geschichte.
Das hatte ich befürchtet.
Eine Person ist eben nicht wie die andere. Und alle Personaler, eigentlich alle Erwachsenen, werden das so beurteilen wie ich.
Und Empörung erzeugt das bei mir nicht, sondern Mitgefühl, schließlich handelt es sich um gravierende Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung.
Dazu der Kinderpsychiater M. Winterhoff:
VortragDie Ursache der weit verbreiteten Probleme sieht er in einer gravierenden Fehl- oder gar Nicht-Entwicklung im emotionalen Bereich. ...Er beobachtet
bei seiner Arbeit, dass Kinder im Gegensatz zu vor 20 Jahren
heute weniger begeisterungsfähig seien, langsamer reagie-
ren und meist nicht wissen, warum sie einen Termin bei ihm
haben. Die Konsequenzen für ihr Handeln ist ihnen nicht klar.
„Ich mache das seit 27 Jahren, und es wird immer verrückter“,
beschreibt Winterhoff die alarmierende Entwicklung. Kinder,
die zu ihm kommen, machen die Erfahrung: „Es knallt, es
knallt, es knallt – und wissen gar nicht, warum.“
BerufsorientierungEs fehlt ihnen an Empathie. Sie haben Schwierigkeiten, sich auf andere einzustellen, sie erkennen unterschiedliche Situationen nicht. Daraus ergeben sich in der Schule oder im Betrieb Probleme wie zum Beispiel Unpünktlichkeit und mangelnde Teamfähigkeit. ...
Die Jugendlichen sind nicht unerzogen. Das Problem liegt
tiefer: Sie verbleiben im Weltbild kleiner Kinder, die die Vorstellung haben, es gibt nur mich, ich kann alles bestimmen.
Das hängt natürlich von der Bewerbersituation ab. Einen solchen Kandidaten hätte ich direkt abgeschrieben. Die ausreichende Qualifikation haben die Bewerber in den unterlagen nachgewiesen. Ob sie menschlich dazu passen und den Anforderungen insofern gewachsen sind, hängt dann am Gespräch. Also geht es vielmehr um persönliches Auftreten als um fachliche Fähigkeiten. In Bewerbungsgesprächen hatte ich daher immer die Chance, die Fehler zu suchen und alle hinauszukicken. Sollte in einer Runde keiner dabei gewesen sein, so habe ich neu gesucht, weil wir genug Bewerber hatten.
Kleine Anekdoten am Rande:
Bewerber hat es im Bewerbungsgespräch geschafft, beim Öffnen der Wasserflasche deren Hals abzureissen udn sich den Finger aufzuschneiden.
Eine Bewerberin hat es geschafft, dass der Kollege ernsthafte Bedenken um seine Ehe hatte. Die Dame hatte sich derart einparfümiert, dass die Kleidung von uns 2 Gesprächsführern danach roch.
[...] bleibt doch ein mächtiges Gefälle: Die einen wollen etwas, die anderen haben es. [...]
genauso ist es eben nicht und genau deshalb kursiert auch so unglaublich viel Blödsinn zu diesem Thema gerade im Internet ... ich habe schon einige Bewerbungsgespräche gehabt und jedes Mal lief es (für mich) nach dem Motto: ich habe was und die haben was ... einigen wir uns (oder eben auch nicht). Der Bewerber ist eben gerade nicht (!) der Bittsteller als der er allenthalben hingestellt wird. Und wenn ein Unternehmen meint, dieses Bild von dem Bewerber zu malen, dann heisst es nur: auf Wiedersehen ...
Und wenn es garkeine Personalabteilung gibt? Sowas soll es ja auch geben. Da schreiben die Leute die Stellenausschreibungen die wirklich Fachwissen haben und somit schon klar wird, was fuer Kanditaten gesucht werden.
Aber jedes Unternehmen hat seine eigene Einstellungs-Mechanik, mir doch egal. Aber wenn Nieten in Nagelstreifen Nieten fuer mein Team einstellen, dann ist Schluss mit lustig. Daher gehoeren fuer mich immer die Leute aus dem Team (die sich fuer den neuen Kanditaten interessieren) mit an den Tisch.