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Betreuungsgeld: Madame oder Mütterchen?

CorbisEin Unsinn wie das Betreuungsgeld fiele in Frankreich niemand ein. Hier gehen Mütter bald nach der Geburt wieder zur Arbeit und nehmen am Leben teil - ohne dass dies den Kindern schadet. Blöde Sprüche müssen sich nur Frauen anhören, die sich Vollzeit um ihre Kleinen kümmern.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...829917,00.html
  1. #300

    Zitat von spitze_feder Beitrag anzeigen
    Kinder zu haben, um die man sich allein daheim kümmert, bedeutet auch, Macht zu haben. Macht über das Kind. Deshalb können sich meines Erachtens viele Frauen trotz bester Ausbildung bei uns noch gut damit arrangieren, sich aufs Projekt Kind zu konzentrieren. Spätestens in der Pubertät demonstriert der Nachwuchs dann, was es von dieser Art Machtausübung hält. Oder endet als ewig verzogenes, nie erwachsenes Muttersöhnchen.
    Ach, die Mutter betreut das Kind bis in die Pubertät ausschließlich alleine, damit sie Macht über das Kind hat? Sehr interessante Theorie.
    Was ist mit Kindergarten, Schule? in der Regel gibt es auch noch Freizeitaktivitäten wie Sport oder Musikuntericht etc.
    Es geht hier um Betreuung von u 3 Kindern!
  2. #301

    Wirtschaftshörigkeit

    Na ja. Soo traumhaft wie die Autorin gern hätte, sind in Frankreich die Verhältnisse auch nicht. Es ist schon ein Weilchen her, da habe ich als Au-Pair (französischer Begriff) in F gearbeitet. Ich war jung, unbedarft und sorglos. Ich hatte weder die Büronummern der Eltern, noch der üblichen Notdienste. Ich stellte schnell fest, dass das allgemeine Wohlbefinden anstieg, wenn ich die Glotze anmachte und Fritten in die Pfanne haute. Wenn die Eltern abends nach Hause kamen, hockten die Kinder meist frischgebadet vor der Glotze. Groß nach ihrem Tag gefragt wurden sie nicht. Auch meine Arbeit wurde nicht hinterfragt. Und alle Jahre wieder kam ein neues junges Ding, bestenfalls sorglos und kinderlieb, schlimmstenfalls eine echte Gefahr.

    Es gibt übrigens wenig, was kleinen Kindern schadet: Wenn man sie nicht ausreichend füttert, sie stundenlang in ihren Exkrementen liegen lässt, sie lange in dunkle Zimmer sperrt oder ihnen auf den Kopf haut. Und nein, Kita ist nicht schädlich. Wenn Sie aber eine weite Reise machen wollen und die Wahl zwischen einem Billigstflieger und einem gut ausgestatteten Privatjet haben, was nehmen Sie? Warum? Warum gönnen Sie dem wichtigsten Menschen in Ihrem Leben nicht soweit wie möglich das Gleiche auf seinem Weg ins bewusste Leben?

    Quality time ist nett. Es braucht aber bei aller Qualität auf jeden Fall ausreichend Quantität. Sonst fehlt die Identifikationsbasis. Das können ihnen Millionen Ex-Paare bescheinigen, die sich aus Zeitgründen auseinandergelebt haben.

    Geld verdienen ist ein Sachzwang. Aber mit einem kleinen Kind sollte man gut überlegen, ob man nicht auf den Teil des Geldes verzichten kann, der dazu dient, Dinge zu kaufen, die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht mag. Oder weil frau sich sonst nicht hip findet. Kinder werden so schnell groß!

    Ach übrigens: Ich habe auch noch heute jede Menge Kontakt zu Frankreich. Meine Erfahrung ist, dass viele Französinnen die Deutschen um die Möglichkeit der Teilzeitarbeit beneiden.

    Ich bin damals zwei Jahre zu Hause geblieben. Zwei wunderschöne Jahre, an die ich gern denke und die unserem Kind und mir gut getan haben. Ach, und verheiratet bin ich auch immer noch. Liegt vielleicht daran, dass ich darauf achte, mit meinen geliebten Menschen genug Zeit zu verbringen.
  3. #302

    Immer nur die Frauen ....

    Zitat von spon-facebook-10000042502 Beitrag anzeigen
    Und ich möchte mir nicht von anderen Frauen erzählen lassen, wie toll es ist, 8 Stunden zu arbeiten, im Berufsverkehr irgendwo hin zu eilen um das Kind abzuholen, das Essen am Abend zuzubereiten um dann, nach einem ganzen Tag Arbeitsalltag noch 1 Stunde mit meinem Kind zu verbringen, bevor es schlafen geht.
    Mal abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass sowohl das eine als auch das andere Modell ok ist und die Familien/Mütter/Väter selbst entscheiden sollten, welches sie (unter den jeweils gegebenen Umständen) für sich vorziehen: Es ist interessant, dass hier immer (zumindest soweit ich jetzt gelesen habe) nur von den Müttern die Rede ist, ob sie zu Hause bleiben oder arbeiten oder beides ... Wer kommt z.B. auf die Idee, obigen Kommentar einem Vater an den Kopf zu werfen? Wohl die wenigsten, einfach weil es der "Standard" ist ...

    Für mich wäre es wünschenswert, wenn sich unsere Arbeits- und Familienwelt dahingehend entwickelt, dass sowohl Männer als auch Frauen das Recht und die Möglichkeit haben, sich sowohl beruflich einzubringen als auch Erziehungsarbeit zu machen.

    Aber es wird wohl noch sehr lange dauern, bis Frauen, die trotz Kindern mehr als eine halbe Stelle haben, nicht mehr als Rabenmütter bezeichnet werden, und Männer, die mehr als 2 Monate Elternzeit nehmen oder ihre Arbeitszeit geringfügig reduzieren wollen, nicht mehr als berufsunfähige, nicht engagierte Weicheier abqualifiziert werden.
  4. #303

    alles nicht so einfach

    Die Kinderbetreuung in F ist besser geregelt, ich lebe als Deutsche in F. Allerdings hat vieles andere Ursachen als in D: 1. die Geburtenrate ist erheblich höher wegen der hohen Geburtenraten der ausländischen oder ursprünglich nicht französischen Frauen, die statistisch nicht ausgewiesen werden (dürfen) es ist also nicht der Luxus der Kinderbetreuung, die die Geburtenraten nach oben gehen läßt. 2. Die Löhne hier sind erheblich geringer (wegen der hohen Sozialkosten) trotz oder wegen Mindestlöhnen und die normal guten Schulen fast alle privat und teuer. D.h. Frauen müssen arbeiten, damit das Familieneinkommen reicht, zumal auch die Lebenshaltungskosten durch die "grande distribution" (Supermarktketten) viel höher sind als in D. (der Strom ist billiger!) 3. Die Altersversorgung von Frauen ist schon viel länger von denen der Ehemänner abgekoppelt, sodass Frauen schon früher gezwungen waren für ihre Alterversorgung zu "schaffen" 4. Schwarzarbeit ist hier gang und gäbe, sodass Kinderfrauen reichlich und preiswert existieren 5. Die Männer sind erheblich mehr bereit und gezwungen sich an der Versorgung der Kinder zu beteiligen 6. Die Belastung für die Familie ist enorm, da die Kinder seltsamerweise im Schnitt erheblich unselbständiger sind als in Deutschland 7. Wenn es die Situation so wie in Frankreich erforderlich macht, dass beide arbeiten gehen freundet man sich damit auch eher an , man könnte ja nicht zugeben, dass es Sinn macht seine Kinder selber zu erziehen
  5. #304

    Zitat von kezia_BT Beitrag anzeigen
    ...
    ab zwei Kindern müßten Mütter, die ihre Kinder selbst erziehen, ein anständiges Gehalt bekommen!
    Aber nur, wenn diese Mütter von der Gesellschaft damit beauftragt wurden, mindestens zwei Kinder zu erziehen, und die Gesellschaft ein Mitspracherecht bei der Erziehung hätte!
  6. #305

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Eindeutig ein Fortschritt in der Gesellschaft. Jetzt müssen sich Frauen blöde Sprüche anhören, die nicht so leben wollen wie man selbst.
    Blöde Sprüche mussten Frauen sich schon immer anhören. In den letzten (sehr vielen) Jahrzehnten mussten sich nahezu ausschließlich berufstätige Frauen blöde Rabenmutter-Sprüche anhören - in erster Linie von den nicht berufstätigen Frauen, weil die berufstätigen Frauen eben nicht so leben wollten wie sie selbst.

    Kaum werden die berufstätigen Frauen mehr und die blöden Rabenmutter-Sprüche werden entsprechend öfter treffend gekontert, beschweren sich die Austeilerinnen der blöden Rabenmutter-Sprüche darüber, dass sie sich "blöde Sprüche anhören müssen". Dabei natürlich unter den Tisch fallen lassend, dass sie immer noch selbst die meisten blöden Sprüche austeilen, in denen nur das Wort "Rabenmutter" inzwischen ersetzt wurde.

    Wer austeilt, muss auch einstecken können!
  7. #306

    Wo wir grad das Sandmännchen auf KiKa schauen.. fällt mir auf, dass die Vorschau-Jingles für das Vormittagsprogramm sich ausschliesslich an die jüngste Gruppe der KiKa-ZuschauerInnen richten. Nun ist das ja kein Wunder, schliesslich sind Schulkinder ja vormittags wo? Genau: in der Schule. Es gibt also offenbar eine Zielgruppe der jüngsten Zuschauer, die vormittags immerhin halbwegs vernünftig vor KiKa statt vor RTL oder Nickelodeon gesetzt werden. Nun ist der KiKa ja auch nicht völlig blöd, also wirds vormittags auch ein Publikum geben. Da Kindergartenkinder aber vormittags ebenfalls kein Fernsehen sehen können, fragt man sich doch, wer hier den Kleinsten vormittags die Glotze anstellt.. Es werden doch wohl nicht die sorgsam von den Mamas vor den bösen Verwahr-Kitas beschützten Herdprämien-Kinderlein sein?
  8. #307

    Zitat von Stef87 Beitrag anzeigen
    Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Eine alleinstehende Frau ist als Tagesmutter tätig, und kümmert sich um drei fremde Kinder, deren Mütter arbeiten gehen. Sie würden doch im Leben nicht auf die Idee kommen, zu behaupten, diese Frau würde fürs Nichtstun Geld bekommen?
    Wenn jetzt aber eine verheiratete Frau drei Kinder hat, und diese zuhause betreut während ihr Mann arbeiten geht, dann werfen Sie ihr vor, den ganzen Tag nur zu faulenzen?
    Gutes Argument. Sicherlich ist man mit drei Kindern vom Prinzip her ausgelastet, wobei es aber allerdings doch noch drauf ankommt, ob und was man mit denen macht. Ich würde hier die Tagesmutter meiner Cousine zum Vorbild nehmen, die Fortbildungen besucht und den Kindern ein pädagogisch durchdachtes Programm bietet. Das dürfte aber kaum der Durchschnitt sein.
  9. #308

    Zitat von p_salto Beitrag anzeigen
    ....ist das Ergebnis der französischen Familienpolitik.
    Nein. Das ist das Ergebnis der französischen Arbeits- und Wirtschaftspolitik!
  10. #309

    Zitat von by_the_way Beitrag anzeigen
    deswegen, damit wir in Ruhe frühstücken können und schonmal die stillen Haushaltsarbeiten verrichten.
    Um 7.00 geht es dann zur ersten Hochzeit, dann wird das Kind geweckt [...]
    Um diese Zeit fangen in diesem Thread die Antworten der WorkingMums (was für ein bescheuerter Begriff) an und zwar bis zum Mittag.
    Ziemlich produktiv, muß ich schon anerkennen.
    In der Zeit habe ich den Haushalt auf Spur gebracht, war einkaufen, habe gekocht - gut eine Tasse Kaffee und ein Plausch mit dem Mütterchen von gegenüber war auch drin. Jetzt kommt der Junior gleich aus der Schule. Ich werde heute abend nachsehen, was es sonst noch so von der berufstätigen Fraktion gab
    Das sind natürlich schon dramatische Verhältnisse, da kommt man als Working-Mom (40h) ja gar nicht mit: damit die Kinder um 7:50 in der Schule sind, ist bei uns Aufstehen um 5.30 angesagt. Von der Schule weiter zur Arbeit, an den quatschenden Free-Mom-Grüppchen vorbei und da ist dann endlich Zeit für ein Frühstück vor dem Monitor. Um 17 Uhr beginnt mit dem Abholen aus der Ganztagsschule das Nachmittagsprogramm, denn die Zeit bis zum Schlafengehen gehört den Kindern. Haushalt beginnt dann ca. ab 21 Uhr mit open end, seit wir zu der Überzeugung gekommen sind, dass die total motivierten Minijobber-Moms, die wir auf 400-Euro-Basis als Haushaltshilfe angestellt haben, eigentlich gar keinen Bock auf Haushalt haben und spätestens nach der Hälfte der vereinbarten Zeit befinden, fertig zu sein. Wenn ich aber dauernd nacharbeiten muss, in der Küche nichts mehr finde oder Elektrogeräte kaputtexperimentiert werden, wirds unterm Strich zu teuer. Mehr als 5 Stunden Schlaf gibts bei uns daher nur am Wochenende. Richtig lustig wirds, wenn die "Egotrip-Working-Mom" mal wieder auf Dienstreise geschickt wird. Allerdings kann sie sich da mal ausschlafen.. ist ja auch was.

    Ich finds eigentlich blöd, wenn hier die unterschiedlichen Lebensentwürfe gegeneinander gehetzt werden, aber ich mag mir weder vorwerfen lassen, dass ich meine Kinder aus lauter Selbstverwirklichungsegoismus in die Ganztagsbetreuung gebe, noch dass Arbeiten ja die reinste Erholung ist im Gegensatz zum harten Leben einer Hausfrau und Mutter.


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