Weil bald Hunderttausende Lehrer in Pension gehen, rollen Schulen dem Nachwuchs jetzt schon den roten Teppich aus. Einer der hofierten Junglehrer ist Börris Klassen. An einem Hamburger Gymnasium hat er es im ersten Jahr recht gut - eine Kollegin, die Schulversager coacht, hadert mit ihrem Job.
http://www.spiegel.de/unispiegel/job...738758,00.html
Sie haben im ersten Teil so viel Gutes geschrieben, dass Sie diesem Beruf eigentlich nicht verloren gehen dürften. Aber:
Vor 50 Jahren kursierte bei uns Lehrerstudenten schon das "Gerücht", dass in gewissen (Ost)Berliner Stadtgebieten 2 Lehrer in manche Klassen mussten, um einigermaßen unterrichten zu können. Mag das ein Gerücht gewesen sein, kennzeichnete es doch die Situation. Und nachdem, was man alles so hört und liest, ist das nicht besser geworden. Was tun?
Für junge Lehrer daher folgender Tipp:
Gehen Sie aufs Land in die so von den Hauptstädtern verachtete Provinz. Dort können Sie mit Ihrem Beruf noch glücklich werden, obwohl es dort auch Probleme gibt. Lassen Sie sich nicht sagen, dass da hinten irgendwo an der Grenze dieses Landes ja nichts los ist und es keine Freizeitangebote gibt. Erstens werden Sie merken, dass Sie gar nicht so viel Freizeit haben. Und zweitens,wenn Sie dann mal nach Berlin ins Theater fahren, freuen Sie sich um so mehr darauf. Außerdem gibt es in vielen Orten auch ein Eigenleben. Der Vorteil des Sich-Einbringens für einen guten Lehrer, selbst wenn es "nur" in einen Fußballverein ist, dass Ihr Engagement immer noch geachtet wird.
Wollen Sie allerdings Hauptstadtbürger blieben, gibt es wieder mehrere Tipps:
1. einen vernünftigen Stadtbezirk anstreben
oder:
2. sich verheizen lassen
oder:
3. den Beruf wechseln, solange man jung ist. Es ist nicht
wahr, dass man in D keine andere Arbeit machen kann.
oder:
4. Tipp für Exoten
Fragen Sie mal beim Auswärtigen Amt an wegen einem Platz
an einer Botschaftsschule, aber Achtung: die
verlangen was, so zum Beispiel profunde Sprachkenntnisse.
So, nun nicht den Kopf in den Sand stecken! Verändern Sie sich!
einen lustigen nostalgischen DEFA-Film zur Verherrlichung der Neulehrer in der Ostzone. Das waren nach 1945 Junglehrer, die das Notabitur, aber keine Ausbildung hatten. Einer schrieb im Film "Bluhme" an die Tafel. Ab 1952 wurden dann entnazifizierte Lehrer wieder eingestellt, weil`s nötig war.
Gerade die Kinder derjenigen Eltern, die es "nicht bringen" oder "blockieren", brauchen die Schule! Und genau diese Kinder brauchen am allernötigsten Lehrer, die sich nicht entmutigen lassen!
Die Kinder haben sich ihre Eltern nicht ausgesucht. Und es gibt einen Haufen Eltern da draußen, die es mal besser machen wollten, aber die aus welchen Gründen auch immer die Kraft, Disziplin, geistigen oder körperlichen Fähigkeiten dafür nicht mitbringen.
Wer die Kinder solcher Eltern aufgibt, der zementiert das an anderer Stelle bemängelte "Kastenwesen".
Oder aber ich habe einfach andere Fächer als Sie. Ich habe zum Beispiel unter anderem die Portfolioarbeiten meiner 5er in Deutsch mit z. T. mehr als 80 Seiten zu korrigieren gehabt. Das Ganze dann mal 28 und dann noch als Berufsanfänger. Da sitzt man schon mal ein bisschen. Außerdem habe ich ja auch geschrieben, dass ich derzeit noch im Ref bin, daher zudem noch ein Schule-mitgestalten-Projekt ausarbeiten, den nächsten Unterrichtsbesuch vorbereiten und einen ausführlichen Entwurf dazu schreiben musste. Ach so, und ganz nebenbei habe ich dann noch knapp 80 Hefte meiner Politikklassen korrigiert... Und die nächsten Einheiten geplant... Hab ich noch was vergessen? Ich glaube schon...
Ich denke, hjm ging es hauptsächlich darum:
Drei Wochen, ob man nun arbeitet oder nicht, haben eben nur 21 Tage. ;-)By the way: Ich faule Socke hatte doch tatsächlich gerade wieder unverschämte drei Wochen Ferien. Und wenn ich Ihnen jetzt sage, dass ich davon exakt 25 Tage von morgens bis teilweise abends 23 Uhr an meinem Schreibtisch saß, dann bin ich sicher auch nur einer der ständig auf hohem Niveau jammernder "Leerkörper".
Ja, das Wort „Portfolio“ kam in meinem Referendariat auch mindestens fünfmal im Monat vor. Was das ist, konnte uns zwar niemand sagen, aber alle waren ganz begeistert davon und jeder musste eins haben.
Aber mal im Ernst: Mit „5er“ meinen Sie 5. Klasse? Was, bitte, kann man in der 5, Klasse produzieren, was 80 Seiten hat? Ich kann mir das so ungefähr vorstellen: Ein vorbildlicher Schüler hat ganz ganz viel „recherchiert“ und in seinem „Portfolio“ gesammelt. Auf Deutsch: Er hat 80 Seiten kritiklos aus dem Internet kopiert, ausgedruckt, in einen Schnellheft.. ähh, seine Projektmappe eingelegt und auf die Titelseite eine „Mindmap“ gemalt. Und Sie müssen das jetzt „korrigieren“.
Bitte nicht falsch verstehen: keine Kritik an Ihnen. Sie brauchen eine gute Note. Aber ich hoffe, Sie lernen auch, wie es nicht geht. Denn nicht nur Sie verschwenden Ihre Zeit. Die Schüler tun es genauso. Genau genommen sogar noch mehr. Denn Sie bekommen das Ihnen zustehende Gehalt auch auf diese Weise. Die Schüler aber nicht die ihnen zustehende Bildung.
Nun aber doch ein wenig Kritik. Berufsanfänger und „Schule-mitgestalten-Projekt“? Finden Sie nicht, es wäre besser, erstmal herauszufinden, wie der Laden eigentlich läuft, und dann sinnvolle Verbesserungsvorschläge zu machen? Sie wollen doch Lehrer werden und nicht Bildungsexperte. (Ihren Seminarleitern gegenüber, die es bestimmt gerne sehen, wenn Sie deren Ideen, die sie, als sie noch im aktiven Dienst waren, wegen Unausgegoren- oder -fähigkeit nicht umsetzen konnten, wieder in die Schulen tragen, können Sie ja was vorspielen, so wie in den Unterrichtsbesuchen.)Außerdem habe ich ja auch geschrieben, dass ich derzeit noch im Ref bin, daher zudem noch ein Schule-mitgestalten-Projekt ausarbeiten, den nächsten Unterrichtsbesuch vorbereiten und einen ausführlichen Entwurf dazu schreiben musste.
Nicht nur. Ich meine schon auch, dass ein Lehrer, der sich die Ferien komplett mich Arbiet zukleistert, etwas falsch macht. Wobei, wenn er alternativ die Nachmittage in der Schulzeit frei hat, auch gut. Aber im Ansatz haben die notorischen Lehrer-Basher leider recht, wenn Sie sagen, die allgegenwörtige Klage über die Arbeitsbelastung sei in Wahrheit nur das Eingeständnis der Unfähigkeit zur richtigen Organisation.
Ja. Aber auch da gibt es Strategien, die man sehr schnell mitkriegt. Beispiel: Sie sind an einer Schule, bei der Sie genau wissen, dass Sie dort nicht bleiben werden (wollen). Wenn dann mal wieder viel „ausbildungslastiges“ zu tun ist, lassen Sie einfach ihre regulären Klassen schleifen. Es wird niemandem auffallen. Ich kenne Kollegen (aus dem Referendariat), die haben grundsätzlich so gehandelt. Die hatten immer die tollsten Noten in ihren Unterrichtsbesuchen, die vor lauter pädagogischem Trallala überliefen, und die haben es nebenbei sogar noch geschafft, irgendein Schulprojekt anzuleiern (s.o.), mit dem sie dann auch noch eine gute Schulnote bekamen. Aber der kontinuierliche Unterricht in den Gruppen, die nicht vorgezeigt wurden, war schlicht für die Tonne.
Bei denen, bei denen es auf die Note ankommt, eine durchaus kluge Strategie. Der Nachteil ist, dass man dadurch die Gelegenheit verpasst, das zu lernen, was man eigentlich hinterher braucht. Das muss man dann eben im laufenden Betrieb nachholen.
Alternativ gibt es für die, bei denen Noten keine Rolle spielen (zu meiner Zeit Physik/Mathe/Latein), die umgekehrte Strategie. Den normalen Unterricht bei den alten Hasen abgucken, nachmachen und lernen, wie das geht, und nebenher den Seminarkram schleifen lassen. Wenn dann in der Prüfungsphase ständig die Schuldirektoren anrufen, nimmt einen das auch psychisch nicht so mit, wenn die Fachleiter mal wieder versuchen, die Selbst- und Fremdreflexionskompetenz im systemisch-sokratischen Gespräch dekonstruieren. Ich kam mir da immer vor wie im falschen Film, der sich aber als wirklich gute Komödie entpuppte. Man durfte halt nur erst lachen, wenn man aus dem Kino raus war.