Bericht über Euro-Hilfe: China will sechs Milliarden Euro in Spanien investieren

China macht Ernst mit seinen Ankündigungen zur Euro-Hilfe: Einem Zeitungsbericht zufolge will Peking spanische Staatsanleihen im Wert von sechs Milliarden Euro kaufen -*in Portugal und Griechenland hatte der Exportweltmeister zusammengerechnet nur halb so viel investiert.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,738135,00.html
  1. #20

    China in Spanien

    Zitat von glücklicher südtiroler Beitrag anzeigen
    China wird Europas Kurs ganz entschieden mitbestimmen...
    Aber es gibt noch ein paar andere Konsequenzen.....
    Naja, Investitionen in Spanien sind ein strategisch guter Griff, jedenfalls aus Sicht von China. Was Druck oder Diktate angeht: China hat einen langen Atem, und wer weiß, was die Zukunft bringt.
    Unsere Politkasper wären gut beraten, unter dieser Stütze jetzt die Lage in Griechenland, Irland und Portugal schnell(!) zu reparieren, sonst haben sie am Ende beides: Abhängigkeit von China UND maximale Kosten. Aber das passt besser unter Ihren nächsten Absatz:

    Zitat von glücklicher südtiroler Beitrag anzeigen
    Und die wichtigste Nachricht aus der EU gestern:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen...-auf;2724337;0
    Der €-Bond ist faktisch schon da.
    [...]
    Einen kleinen Unterschied gibt's (hoffentlich!) zwischen EURO-Bonds und der EFSF: Wenn der Bond draußen ist, hat der Garantiegeber keinen Einfluss mehr auf den Emittenten. Die EFSF dagegen kann mitreden, bis der Bond fällig ist, und wenn die Jungs da nicht völlig deppert sind, nutzen sie das auch.

    Meiner Meinung nach gehört zur erwähnten Reparatur:
    (1) Umschuldung in Griechenland, und zwar vorzugsweise per Abschlag auf den Wert, sonst wird das Problem nur in die Zukunft verschoben. Natürlich gibt's dabei neue Schieflagen bei Banken, aber dann fängt man die - oder zumindest deren Gläubiger - eben auf mit den Mitteln, die man stattdessen jetzt dort reinbuttert. Außerdem frage ich mich, wie sich ein Pleitier verhalten sollte, um möglichst schnell Vertrauen alter und/oder neuer Geldgeber zu gewinnen. Weiterlügen a la Madoff, bis alles weg ist? Oder FRÜH reinen Tisch machen, um die Verluste für die Gläubiger gering zu halten?

    (2) Die Wirtschaft in Spanien aufbauen. Dass China hier investiert, ist für mich die eigentlich gute Nachricht (und ein Indikator dafür, dass es denen nicht nur um politischen Einfluss geht). Mit den Staatsanleihen macht man bei den aktuellen Zinsen nochmal gute Gewinne, wenn man sie durch Stabilisierung der Wirtschaft absichert.

    (3) Irland? Fällt mir im Moment nichts sinnvolles zu ein, außer einer ehrlichen Trennung zwischen "insolvent" und "illiquide" und Eindämmen der Auswirkungen. Island hat's vorgemacht, nur müßte man hier mehr Geld in die Hand nehmen, um ein Überschwappen auf die Gläubiger der Gläubiger zu stoppen. Das dumme ist, dass Irland die Schulden insolventer Banken garantiert hat, aber nach dem hier wird das vielleicht wenigstens durch die Hintertür korrigiert: https://www.cortalconsors.de/euroWebDe/-?$part=financeinfosHome.Desks.Nachrichten.Desks.ho t-stocks.Desks.market-news.content.market&$event=pickContent&id=n.a.&id_ name=WKN&shortURLIdentifier=CNIDis10963847 (weiß nicht, wie lange das abrufbar bleibt, jedenfalls sollen den Banken evtl. neben faulen auch gesunde Kredite weggenommen werden).


    Gruß,
    Steve
  2. #21

    China bekommt keine finanzielle Entwicklungshilfe!

    Zitat von geishapunk Beitrag anzeigen
    Warum nochmal zahlen wir China Entwicklungshilfe?
    Immer diese alten Kamelen mit der Entwicklungshilfe. Nach BMZ bekommt China schon seit 2008 keine finanzielle Entwicklungshilfen mehr.

    http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/...ina/index.html
    Es ist jetzt nur noch eine Strategische Zusammenarbeit zwishen China und Deutschland in Sachen Umwelt und Effizienzsteigerung.
    Wann hören das Gejammer um die Entwicklungshilfen endlich mal auf.
  3. #22

    China und Japan

    Ich erinner mich noch gut an den Film Black Rain (1989 Michael Douglas als US-Cop in Japan)
    Zitat:

    "Ich wuchs mit euren Soldaten auf. Damals ward ihr weise.
    Jetzt taugt Amerika nur noch für Musik und Filme.
    Wir bauen die Maschinen, die Zukunft. Ihr gewannt den Krieg, wir gewannen den Frieden."
    Sorry, aber das ist nicht das erste mal, dass eine asiatische Macht im Aufstreben war. Wo sind die Japaner jetzt? In einer zähen und jahrelangen Rezession.
    Es ist auch nicht das erste mal, dass die USA totgesagt wurden. Pro Jahrzehnt, werden die USA doch mindestens einmal totgesagt. Am Ende stehen sie wieder oben auf und dominieren das Weltgeschehen. Das die USA sehr viele Feinde haben und aus deren Mündern düstere Wünsche bezüglich den Amis entfleuchen, verwundert nicht. Aber totgesagte Leben bekanntlich länger.

    Und was China angeht, tja. Im Prinzip die größte Bombe der Welt. Wäre möglich, dass die in 10 Jahren die Welt beherrschen, wäre aber auch genauso möglich, dass die in 10 Jahren am Boden liegen und nimmer hoch kommen. Soziologisch ist China doch eine tickende Zeitbombe. Wenn die Chinesen in der Breite erst mal auf den Geschmack kommen, mit Freiheit, Internet, Reisen und das soziale Gefälle mit dem großen Bauernheer sich erst mal zeigt, kann der Rote Drache auch recht schnell abstürzen. Man stelle sich den Wutbürger doch mal in China vor, da kommen zur Großdemo dann nicht 30.000 sondern eher 3 Millionen.
  4. #23

    ..."das muß man sich erklären!" ("Tegtmeier",Jürgen von Manger)

    Zitat von uh17 Beitrag anzeigen
    "Die Volksrepublik verstehe sich als verantwortungsbewusster, langfristiger Investor, hatte Li in einem Gastbeitrag für "El Pais" geschrieben."
    Man liest gar nichts über die wirklichen Onteressen Chinas.
    Die paar EUROs Zinsen werden es wohl nicht sein, oder?
    Ich bin da sehr skeptisch. Die eigentliche Rechnung wird sicher erst später präsentiert.
    ...die eigentliche Rechnung wie Sie es nennen, sind für mich stets die Machterhaltungs- oder bessser noch Macht-Vergrößerungsinteressen der undemokratischen Diktaturen, z.B.:
    a) Hitler: Beteiligung am Spanischen Bürgerkrieg um sich Francos Spanien gewogen zu machen und seine nagelneue Luftwaffe ausprobieren zu können.
    b) Sowjetunion: Unterstützung Indiens, Vietnams, Angolas zur Interessenwahrung in Asien und Afrika, mit China zunächst dicke befreundet, dann abgeblitzt, weil zwei Platzhirsche in der Natur immer Streit bekommen werden.
    c) DDR: "Brudervolk" von Angola, Kuba, Chile - nicht schlecht, unter Berücksichtigung der Mangelwirtschaft eines kleinen Landes,finde ich.
    d) Schah Resa Pahlevi von Persien/Iran:Unterstützung des Westens, mit eigenen hegemonialen Zielen, und Überforderung seiner Landesbevölkerung mit grausamen Gewaltmethoden, wenn auch in "guter Absicht".
    e) Saudiarabien: Kluge Unterstützung von Allem, was dem Königshaus Geld und eigene Stabilität bringt usw.usw....denke ich mir so!

    P.S.: vielleicht gelingt den klugen Chinesen ja tatsächlich, was dem auch klugen Gorbatschow ja versagt blieb:
    die kreisquadraturisch widersinnige sozialistische Marktwirtschaft...;-)
  5. #24

    ...

    Zitat von Walther Kempinski Beitrag anzeigen
    Wenn die Chinesen in der Breite erst mal auf den Geschmack kommen, mit Freiheit, Internet, Reisen und das soziale Gefälle mit dem großen Bauernheer sich erst mal zeigt, kann der Rote Drache auch recht schnell abstürzen.
    Reisen?
    Chinesen stürmen Deutschland:
    Sie reisen in alle Welt und kaufen ein, was das Zeug hält. Für Chinesen ist die Bundesrepublik ein Top-Reiseziel. Schon stellen Händler hierzulande ihr Warenangebot um. Deutsche Hotels und Restaurants sind indes weniger zufrieden mit den Gästen aus Fernost.
    Schätzungen der WTO rechnen bis 2020 damit, dass jährlich 100 Millionen Chinesen ins Ausland reisen werden – soviel wie heute aus ganz Asien. Im Jahre 2003 reisten 20,2 Millionen Chinesen ins Ausland, 2004 waren es 28,85 Millionen, was einem Plus von 42,8% gegenüber dem Vorjahr entspricht.

    http://www.ftd.de/unternehmen/handel.../50142766.html

    http://www.diplom.de/Diplomarbeit-94...n_kommen!.html

    http://www.zeit.de/2003/08/Bu_Yaling

    http://www.focus.de/reisen/urlaubsti...aid_50770.html
  6. #25

    .

    Zitat von c++ Beitrag anzeigen
    ...Entsprechend sinkt das Ansehen der politischen Klasse ins Bodenlose. Sie haben recht, es ist aber nur ein weiterer Beweis für die völlige unseriöse Politik. Was kann man da tun außer sich abzuwenden?
    Werden Sie Politiker und machen Sie es besser...
    ;-)
  7. #26

    ...

    Zitat von glücklicher südtiroler Beitrag anzeigen
    Dadurch, daß dank China bsw. Spanien liquider und gestützter ist als vorher, werden sich die Verhandlungsgewichte und -Trümpfe in den für das Frühjahr leicht vorhersehbaren "Matches" massiv verändern; vielleicht entscheidend?
    Das wissen wir heute noch nicht, aber auf jeden Fall wird es keine "Diktate" geben.
    Das würde ich eher umgekehrt sehen. "Diktate" gibt es so oder so keine, aber bisher hat es innerhalb Europas die Verhandlungsposition eher verbessert, mit den Konsequenzen der eigenen Pleite für die Gläubiger zu drohen. Solange sich Staaten wie Spanien mit chinesischer Hilfe refinanzieren können wird die Bundespolitik eher darauf hinweisen können, dass die bisherigen Maßnahmen doch offensichtlich ausreichen. Und wenn die möglichst stark von Frankfurt auf China umschulden, wird das mit der "Gläubigerbeteiligung" von deutscher Seite eventuell mehr als eine symbolische Forderung.

    Zitat von glücklicher südtiroler Beitrag anzeigen
    Und die wichtigste Nachricht aus der EU gestern:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen...-auf;2724337;0
    Der €-Bond ist faktisch schon da.
    Nur darf er sich nicht so nennen, weil er seit dem Luxemburgischen Vorschlag und Merkel's Njet in Deutschland zu einem Un- und Reizwort verkommen ist und die Perle aus der Uckermark ihr Gesicht verlieren würde.
    Bereits Dirk Müller hat die Kanzlerin schon darauf "hingewiesen", daß der €-Bond de facto bereits existiert...
    http://www.youtube.com/watch?v=-oLmi...eature=related
    Naja, ein wenig anders funktioniert das schon, auch wenn ich nicht genau weiß wie Junckers Idee denn nun im Detail funktionieren sollte. Der EFSF leiht das so aufgenommene Geld eben zu höheren Zinsen (ca. 6-8% laut britischer FT) an die Pleitestaaten weiter. Auch wenn sich letzten Endes alle Eurostaaten für die Kredite verbürgen, was ja auch allgemein bekannt war, handelt es sich also nicht wirklich um eine gemeinsame Anleihe für die alle die gleichen Zinsen zahlen. Dass man den Mechanismus hier kaum ordentlich erklärt sieht ist trotzdem ärgerlich.
  8. #27

    Steuerhinterziehung...

    Zitat von Schleswig Beitrag anzeigen
    Hallo Südtiroler,
    du fragst warum wohl? Vielleicht weil auf Italien sehr ungemütliche Jahre zukommen, und man den Euro Bond herbeisehnt aus den man sich weiter ungeniert auf anderer Staaten Kosten bedienen kann. Oder etwa nicht? Da ist immer noch die "Refinanzierung" von 170 Milliarden für 2011 die Italien stemmen muss. Da kommt der Euro Bond ganz gelegen,
    Weil andere zahlen müssen.
    PS
    Italien ist bestimmt nicht arm. Allein nur wenn ich mir die protzigen Yachten im jeden kleinsten Yachthafen längst der Adria und Riviera anschaue, die es zu tausenden gibt.
    Im Vergleich zur Ost und Nordseeküste ist das Hartz IX.
    Dann hatte ich das Gefühl wir sind in Deutschland der arme Mann im europäischen Vergleich, absolut Hartz IX, und bezahlen uns dumm und dämlich für Europa.
    Hallo Schleswig...
    Ja, Steuerhinterziehung ist in Italien ein großes Problem und manch reicher Italiener hat sein Geld längst in die Schweiz transferuert. An der Grenze in Chivasso ist der Finanzpolizei manch fette Beute in die Arme gelangt aber man kann getrost davon ausgehen, daß das Meiste ungestört das Land verlässt.
    Viel interessanter der Ansatz der Guardia di Finanza die Besitztümer mit dem deklarierten Einkommen zu vergleichen, da erlebt man so manch Überraschung... ;)

    Zur "Ungemütlichkeit"...
    Italien wird sparen müssen und FM Tremonti wird im Laufe des Jahres ein weiterer 25 Mia. Sparpaket auflegen.
    Derweil gehört Italien zur Dritten Kategorie...
    Nicht too big to fail, nicht too big to bail sondern too big to mention.
    Wenn Italien im worst case Fall zahlungsunfähig wird ist der € gegessen, zumal Italien ein mit Dutschland vergleichbaren Anleihenmarkt hat.
    Deswegen bekommt Italien auch international eine bessere Presse...
    http://www.ilsole24ore.com/art/econo...?uuid=AYR9uWxC
    ...und der sole24ore freut sich, daß Italien nicht zu den Problemländern gezählt wird.
    Aber Tremonti warnt...
    "Die Krise ist nicht zu Ende"
    "Wenn man der geopolitischen Zukunft entgegenblickt, ist es offenkundig, dass sich der Wettbewerb auf kontinentaler Ebene abspielt. Daher ist es notwendig, dass Europa vereint eine Rolle spielt..."
    http://www.wirtschaftsblatt.at/archi...53921/index.do

    Daher Vorsicht...

    Viele Grüße aus Südtirol...
  9. #28

    ...

    Zitat von glücklicher südtiroler Beitrag anzeigen
    Aus dem sole24ore-Artikel geht auch hervor, daß €-Bonds bereits zur Finanzierung einiger Osteuropäischer Länder, unter Anderem Ungarn, verwendet wurden.
    Die Deutschen sollten sich .....
    Kann ja gar nicht sein. Die sind doch gar nicht im Euro, und dann kann ja bekanntlich nichts schiefgehen ;-) Alles andere verbreitet hier die ketzerische Idee, man würde ohne den Euro einfach fröhlich weiterretten, nur eben dann ohne juristische Hürden.

    Zitat von glücklicher südtiroler Beitrag anzeigen
    Nur die Isländer haben das richtige gemacht und sind hart mit den Kreditgebern und zahm mit den eigenen Leuten umgegangen.
    Im Nachhinein war es die weitaus bessere Entscheidung und das war 2008 so nicht erkennbar; speziell im Vergleich zu Irland nicht.
    Coming in from the cold
    "Even so, that Iceland’s economy has done little worse than Ireland’s is still a triumph. It has been tough with its creditors and...."
    http://www.economist.com/node/17732935
    Diese Erkenntnis hingegen dürfte die Verhandlungsposition der Pleitekandidaten tatsächlich stärken und in Frankfurt Angst und Schrecken verbreiten (in China dann vielleicht irgendwann auch ein wenig Verärgerung).
  10. #29

    Italien...

    Zitat von Schleswig Beitrag anzeigen
    Hallo Südtiroler,
    du fragst warum wohl? Vielleicht weil auf Italien sehr ungemütliche Jahre zukommen, und man den Euro Bond herbeisehnt aus den man sich weiter ungeniert auf anderer Staaten Kosten bedienen kann. Oder etwa nicht? Da ist immer noch die "Refinanzierung" von 170 Milliarden für 2011 die Italien stemmen muss. Da kommt der Euro Bond ganz gelegen,
    Weil andere zahlen müssen.
    PS
    Italien ist bestimmt nicht arm. Allein nur wenn ich mir die protzigen Yachten im jeden kleinsten Yachthafen längst der Adria und Riviera anschaue, die es zu tausenden gibt.
    Im Vergleich zur Ost und Nordseeküste ist das Hartz IX.
    Dann hatte ich das Gefühl wir sind in Deutschland der arme Mann im europäischen Vergleich, absolut Hartz IX, und bezahlen uns dumm und dämlich für Europa.
    Nachtrag...
    Italien ist eben zu groß, damit die Anderen dafür zahlen...
    Das würde auch Deutschland in die Knie zwingen, es geht schlicht nicht mehr so weiter...
    Disziplinarische Reformen werden Alle treffen...
    Italien wird auch sein politisches Gewicht in die Waagschale werfen, um auf den "Markt" niedrigere Zinsen zu bekommen.
    http://forum.spiegel.de/showthread.p...76#post6768276

    Mit China hat ein neuer big player die Bühne betreten... ;)

    Mal sehen...

    Viele Grüße...