Berechnung der Regelsätze: SPD bemängelt Unschärfen im Hartz-IV-Gesetz

Arbeitsministerin von der Leyen preist die Reform der Hartz-Regelsätze als transparent, monatelang habe ihr Ministerium gerechnet. Doch in der Opposition ist man skeptisch: Die SPD beklagt den Zahlen-Wirrwarr im Gesetzentwurf.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...720186,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Arbeitsministerin von der Leyen preist die Reform der Hartz-Regelsätze als transparent, monatelang habe ihr Ministerium gerechnet. Doch in der Opposition ist man skeptisch: Die SPD beklagt den Zahlen-Wirrwarr im Gesetzentwurf.

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...720186,00.html
    Auf gut Deutsch: Wir vertrauen Menschen, die zu doof sind, eine Summe zu ziehen, die Entscheidung darüber an, was ein "menschenwürdiges Leben innerhalb der deutschen Gesellschaft" im Sinne des BVG ist.

    Klingt fair.
  2. #2

    Häh?

    Ich gebe zu, keine H4-Expertin zu sein - abgesehen davon, dass die neuen Zahlen ganz objektiv Schmu zu sein scheinen. Allein das Zustandekommen ist schon beliebig angreifbar: die untersten 15% Einkommen abzüglich aller Posten, was die Herrschaften im Ministerium als "Luxus" ansehen. Ich wage zu bezweifeln, dass sich die untersten 15% Einkommen besonders viel "Luxus" werden leisten können. Aber das ist ein anderes Thema.

    Was mir bei diesem Artikel aufgestossen ist, ist zum Einen der Umstand, dass immernoch dem erhöhten Kleidungsbedarf von Kindern im Wachstum offenbar nicht Rechnung getragen wird. Ausserdem frage ich mich, wie man mit 14 Euro monatlichen Transportkosten für ein Kind hinkommen soll. Man stelle sich vor, ein Kind geht in einer Großstadt zur Schule, wo es Bus fahren muss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Monatskarte nicht mehr als 14 Euro kostet. Soll der Mehrbetrag dann durch Einsparungen beim Essen ausgeglichen werden oder bei den Winterstiefeln oder wie hat man sich sowas vorzustellen?

    Ich bin als Kind in Berlin eine halbe Stunde mit dem Bus zur Schule gefahren und das war nicht besonders exotisch weit. Nach meinen letzten Besuchen in Berlin zu urteilen, sind die Busverbindungen noch weit unkomfortabler geworden. Es mag in anderen Großstädten nicht besser sein. Und in dem Speckgürtel, wo wir jetzt leben, kommen leicht noch längere Wege zusammen. Wenn also H4 nicht für eine Monatskarte reicht, wie weit muss denn bitte ein Kind dann sommers wie winters zur Schule stapfen? Ist eine Stunde Fussweg zur Schule eingerechnet oder was stellt man sich da so vor?? Und wie kommt es zu den Freizeitaktivitäten (Nachhilfe, Sportverein etc.), die so generös über Karte zur Verfügung gestellt werden sollen? Wieder eine Stunde hin und eine Stunde zurück laufen??

    Das ist doch völlig weltfremd. Wenn ein Kind um 13 Uhr aus der Schule kommt, um 14 Uhr zuhause ist, um 15.30 gegessen und Hausaufgaben gemacht hat, wie soll es dann vor dem Abendessen nochmal zwei Stunden Weg plus Sport oder Musik schaffen können, wenn alles gelaufen werden soll? Unter den Bedingungen wird wohl kaum die Gefahr bestehen, dass das Angebot für Freizeitaktivitäten über Gebühr genutzt wird. Aber das spart dann wieder. So, und das ist nur mal der Punkt Transportkosten, der mich auf die Palme bringt. Wer weiss, was da noch für Schwachsinn drin ist.
  3. #3

    Intelligenz statt stupider Durchschnittsberechnung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Arbeitsministerin von der Leyen preist die Reform der Hartz-Regelsätze als transparent, monatelang habe ihr Ministerium gerechnet. Doch in der Opposition ist man skeptisch: Die SPD beklagt den Zahlen-Wirrwarr im Gesetzentwurf.

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...720186,00.html
    So zeigt sich die Deutsche Behördenmentalität wieder von ihrer furchtbarsten Seite: mit riesigem Verwaltungsaufwand wird ein gigantischer Zahlenfriedhof zusammengetragen, um die Armenversorgung verwaltbar zu machen, indem man nach Voodoo-Regeln irgendwelche Durchschnitte ermitelt, die dann angeblich "gerecht" sein sollen.

    So kommen 14 Euro jährlich für ein Fahrrad zusammen, eine Erkenntnis, die den Betroffenen überhaupt nichts nützt. Mentale Onanie für Statistiker und Controller.

    Dabei wäre ja gegen "Regelbedarfe" nichts einzuwenden, wenn man grundsätzlich konstatiert, dass dort obendrauf erhebliche, individuelle Zusatzbedarfe gehören. Weil sich Menschen nicht in eine Schablone aus Durchschnittswerten pressen lassen. Ich mag mich nicht darüber streiten, ob jemand seine privaten Kontakte zu Hause pflegen möchte, indem man Leute zu sich einlädt und dann gerne auch ein paar Blumen in der Wohnung hätte, oder ob man zum Skat in die Kneipe geht und dort sogar ein paar Bierchen trinkt, oder ob mn sich einen Hund hält und seine Kontakte auf der Straße pflegt. Leuten das von oben wegverordnen zu wollen im Glauben, sie damit zur Arbeitsaufnahme bewegen zu können, ist einfach nur idiotisch - nicht wahr, Frau von der Leyen?

    Und eine Opposition, die sich jetzt auf ein zähes Klein-Klein um die Sinnhaftigkeit von Einzelpositionen einlässt, oder den Rechenweg kritisiert, handelt ebenfalls schwach.
  4. #4

    Schule ist teuer!

    Zitat von nordschaf Beitrag anzeigen
    wird. Ausserdem frage ich mich, wie man mit 14 Euro monatlichen Transportkosten für ein Kind hinkommen soll. Man stelle sich vor, ein Kind geht in einer Großstadt zur Schule, wo es Bus fahren muss.
    Ist der Schulweg länger als 2Km, so bekommt jedes Kind die Buskarte umsonst bzw. es wird ein Schulbus eingesetzt, ist jedenfalls hier in NRW so. Wir wohnen nur 1,8Km von der Schule entfernt, da muss man dann selber zahlen oder zu Fuß gehen.

    Allerdings zahlt man pro Schuljahr ja nochmal Büchergeld, so um die 25@€ plus das was dann die Schule/Schulpflegschaft selbstherrlich als Kopier-, Klassenkasse, Stiftegeld etc. festlegt auch nochmal so um die 20€, hinzu kommen Klassenfahrten, Ausflüge, Theaterbesuche, dürfte sich dann je nach Schuljahr zwischen 10 und 50€ bewegen.

    Plus Schulessen, Milchgeld, extra Schluppen, Hefte etc. Dann die regelmässigen Bettelbriefe der Schule für Förderverein, Internet, neue Toiletten, zahlt ja nicht mehr die Stadt (die ist ja Pleite) sondern müssen alles die Eltern blechen, sonst wird nix gemacht. Das alles dann natürlich mal Anzahl der Kinder. Also ich kann nur sagen Schule kostet in D richtig Geld und das gerade für Leute die arbeiten gehen, die müssen nämlich alles selber bezahlen und man will sich ja auch nicht ausgrenzen.
  5. #5

    refernezentwurf

    ..ich les den gerade. irre ich mich da ist ein dicker patzer drin:

    es wird gesagt das die einzelnen posten (als durchschnittswerte) zur freien verwendung stehen und ergo
    im gesammtergebniss den bedarf abdecken. €XX internet mag der eine für internet verwenden, der andere fürs
    busfahren, dann stimmen unterm strich die summen.

    nur darf kann man dann natürlich alkohol und zigaretten nicht (!) rausschmeissen, denn dann stimmen weder die summen fürs internet noch die fürs busfahren
  6. #6

    Altes Thema, neu aufgewärmt

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Arbeitsministerin von der Leyen preist die Reform ... http://www.spiegel.de/politik/deutsc...720186,00.html
    Und deshalb muss gleich wieder ein neuer Fred aufgemacht werden? Kommen doch nur wieder die üblichen "reicht" oder "reicht nicht" Kommentare...

    Aber daran erkennt man, wie gut das Konzept der "Elite" funktioniert, das einfache Volk zu spalten und den Fokus auf die Armen zu lenken. Und die können oft nichts dafür.
    Die Industrie muss ja entlassen und Maschinen einstellen, um die Rendite für die Reichen (Aktionäre) bezahlen zu können. Warum bezahlt eigentlich kein Roboter Sozialbeiträge?
    Die Reichen können aber oft auch nichts dafür reich zu sein! Aber die könnten sichs leisten auf mehr zu verzichten.

    Bevor ein Hartz-IV-ler auf die Idee kommt, dass es im Gefängnis auch nicht so schlecht ist...
  7. #7

    Wer hat doch gleich Hartz eingeführt?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Arbeitsministerin von der Leyen preist die Reform der Hartz-Regelsätze als transparent, monatelang habe ihr Ministerium gerechnet. Doch in der Opposition ist man skeptisch: Die SPD beklagt den Zahlen-Wirrwarr im Gesetzentwurf.

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...720186,00.html
    Im Gegensatz zu Sarrazin wird der nicht rausgeworfen.
  8. #8

    Flickschusterei

    Ein Jahr Frist ist keine besonders lange Zeit. Das merkt sowohl der arbeitslos Gewordene, der gerade mal ein Jahr hat, bevor er in Hartz IV abrutscht, als auch aktuell unsere Politik, die dieses Jahr Zeit hatte, sich über Hartz-Bezüge neu Gedanken zu machen.

    Daß da nun wirklich alles neu durchgerechnet wurde, um zu einem (bedarfs)gerechten Regelsatz zu kommen, glaubt doch kein Mensch! Die Vorgaben sind klar: Es darf nicht wesentlich mehr kosten, also schieben wir mal ein wenig mit den Posten hin und her, bis es paßt. Wir müssen nur behaupten können, jetzt eine wasserdichte Begründung für alles zu haben. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, nichtgemachte Hausaufgaben so hinzuschludern, daß es bei der kritischen Durchsicht niemandem auffällt....

    Wer Menschen so zwingt, von Lücken zu leben und ihnen Bedarf ausrechnet, der vorne und hinten nicht paßt, legt ihnen nahe, warme Kleidung und Winterstiefel für die Kinder schwarz dazuzuverdienen. Aber das sind dann wieder "Hartz-Betrüger", die die volle Härte des Gesetzes trifft...daß sie auch Hartz-Betrogene sind, macht sich auf der Titelseite der Boulevardpresse nicht so gut.
  9. #9

    Der Pferdefuß

    Zitat von FetTerBender Beitrag anzeigen
    Auf gut Deutsch: Wir vertrauen Menschen, die zu doof sind, eine Summe zu ziehen, die Entscheidung darüber an, was ein "menschenwürdiges Leben innerhalb der deutschen Gesellschaft" im Sinne des BVG ist.

    Klingt fair.
    liegt mE auch nicht in irgendwelchen Sätzen, sondern dort, wo die untersten 15% statt 20% der Einkommen als Basis angenommen wurden. Das ist die Trickserei.

    Das ist in etwa vergleichbar: Wenn ein Schreiner zu seinem Gesellen sagt: Wir haben zuviel Verschnitt. Macht bitte, daß wir weniger wegwerfen müssen und der Geselle dann zum Meister geht und sagt, wir haben es geschafft, wir zählen 5 Werkstücke einfach nicht mit.