Schon haarsträubend, was manche mit dem Begriff Berater verbinden. Das ist kein geschützter Begriff, jeder darf sich so nennen. Meistens wird dieser Begriff mit den abgehobenen Strategieberatern assoziiert (McKinsey, BCG, etc.). Das ist aber nur ein Teil des Marktes, wenn auch ein besonders umsatzstarker und gewollt glamouröser Teil.
Daneben gibt es sehr viele spezialisierte Beratungen, vor allem in der IT-Branche. Ich werde selber "Senior Consultant" genannt, bin aber bei nüchterner Betrachtung nur eine Art hochflexibler Leiharbeiter, der auch dann noch beim Kunden im Büro sitzt, wenn es draußen längst dunkel ist und die Stammbelegschaft schon lange vorm Fernseher hockt. Was soll man auch im Hotel machen?
Natürlich ist das Gehalt ganz gut, vor allem wenn man das lange genug aushält, aber lange nicht so gut wie hier oft behauptet. Und im Gegenzug opfert man sein privates Leben, seinen Freundeskreis und später noch die eigene Gesundheit. Bin jetzt selber an dem Punkt, wo ich nach 8 Jahren einen Schlussstrich ziehen muss, um mir wieder ein Leben aufzubauen. Ein geringeres Gehalt werde ich dabei wohl in Kauf nehmen müssen.
Was die extrem hohen Tagessätze angeht - bei IT-Beratungen liegen die irgendwo in dem Bereich was auch ein guter Handwerker berechnen würde. Bei Strategieberatern liegt der Satz höher, dafür ist aber auch oft die Auslastung geringer. Konzept erstellen,
präsentieren, auf Antwort des Kunden warten. Da braucht es schon mehrere Kunden gleichzeitig, um einen guten Schnitt zu machen.
Ist also so ähnlich wie bei einem Immobilienmakler. Einmal kurz die Wohnung gezeigt - 1.500 €. Wahnsinniger Stundensatz, aber auch zum Teil viel Vorarbeit und Leerlauf ohne Einnahmen.