Zitat von
n.holgerson
Selbstreden muss Glauben immer interpretiert werden. Selbstredend kommt man immer wieder zur Ansicht, bestimmte Auslegungen waren falsch und man muss eine Position überdenken.
Aber der "Trick" am Glauben ist ja, dass die Werte eben nicht mit den gesellschaftlichen Werteverlusten einhergehen. Als Christ soll man z.B. nicht lügen. Das hat schon immer gegolten und wird immer gelten. Da der Mensch ein Sünder ist, wird selbst ein Christ immer wieder lügen. Das ist eine Sünde und ich bitte um Vergebung...
Die Gesellschaft sieht dies heute doch ganz anders. Es ist ja bewiesen, dass jeder Mensch x mal am Tag (ich glaube eine dreistellige Zahl) lügt. Es gibt dafür verschiedene Erklärungen. Deshalb sind ja bestimmte Lügen heutzutage auch überhaupt nicht mehr verwerflich....
Und das unterscheidet einen gläubigen Menschen ja gerade von einem Ungläubigen. Er hält an seinen Werten fest, auch wenn die Gesellschaft dies von ihm nicht mehr verlangt. Gerade dies ist ja die "Herausforderung" des Glaubens. Wenn Glaubensvorstellung und gesellschaftliche generelle Einstellung gleich sind, ist es ja gerade einfach (z.B. nicht töten). Aber sich hinzustellen und "mehr" zu machen, als die Gesellschaft fordert oder andersherum auf "Rechte" verzichten, weil es eben nicht mit dem Glaubensgrundsätzen zusammenpasst, dass ist die Herausforderung.
Und genau da irrt sich Wowereit nämlich. "den Papstbesuch benutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die katholische Kirche mit ihrer Lehre Thesen vertritt, die weit in die zurückliegenden Jahrtausende gehören, aber nicht in die Neuzeit". Nein, komplett falschen Ansatz. Es ist nicht relevant, ob die Gesellschaft sich von Werten verabschiedet hat und ob heute bestimmte Sachen "normal" sind. Das ist überhaupt nicht relevant! Relevant ist, ob die Auslegung falsch oder richtig ist. Weil wenn sie richtig ist und nur z.B. Herrn Wowereit nicht passt, dann trifft er ja die Entscheidung. Ist er bereit zurück zustecken oder verabschiedet er sich aus der Mitte der Gläubigen....
PS: Nein, ich habe nichts gegen Homosexuelle. Nein, ich bin nicht katholisch. Ich habe das nur geschrieben, weil dies mal wieder der typische Fall ist, bei dem jemand das Prinzip Glauben nicht verstanden hat. Es ist eben nicht so, dass sich der Glauben an die Moralvorstellungen der Gesellschaft anpassen muss. Auch nicht andersherum. Sondern, wer "Glaubt" der hat sich den entsprechenden Geboten zu unterwerfen. Wer dazu nicht willig ist, muss einen anderen Weg finden.