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Behinderte Schüler: Na bitte, es geht doch

Kinder wie Carl werden meist wegsortiert - auf Sonderschulen, zu anderen behinderten Schülern. Laut Gesetz dürfte das nicht sein. Eine vorbildliche Schule in Sachsen zeigt: Auch nicht-behinderte Mitschüler profitieren vom gemeinsamen Unterricht.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...769821,00.html
  1. #1

    Wozu dann teure Förderschulen?

    Als älteres, pädagogisch nicht belastetes Semester war ich bisher der Meinung, dass die Förderschulen die teuersten Schulen sind, da die behinderten Schüler in Kleingruppen von besonders dafür geschulten Lehrpersonen unterrichtet werden. Jetzt berichten immer wieder die Medien, dass die Regelschulen das genauso und besser können. Werden jetzt die Förderschulen zu Aufbewahrungsanstalten für Schwererziehbare und Lernunwillige?
  2. #2

    Und wer zahlt?

    Für jedes Kind braucht man eine zusätzliche Fachperson. Dafür ist in den Kommunen kein Geld da. Ende.

    In Privatschulen, wie in dem Beispiel, sieht das natürlich anders aus.
  3. #3

    Weiches Thema

    Hamburg wollte doch auch neulich die Förderschulen abschaffen, hat das dann aber doch gelassen. Der Gedanke, alle gemeinsam zu unterrichten, ist eigentlich löblich. Nur lässt sich nicht jede Art von Einschränkung optimal in einer "normalen" Schule betreuen, das wäre aber die Voraussetzung. Tatsächlich akzeptieren Schüler schnell das Anderssein. Und dann? Hat der Gehandicapte da auch am meisten von? Wären Klassen ohne Behinderte voller Vorurteile und Ausgrenzungen? Sicher nicht. Jedenfalls da nicht, wo üblicherweise I-Klassen eingerichtet werden. Frage ist also, was für den Betroffenen jeweils das Beste ist. In Hamburg jedenfalls muss noch geklärt werden, ob das Land nur die gut ausgestatteten Förderschulen sparen wollte und hier das soziale Argument dazu missbraucht wurde, oder ob doch verschiedene Möglichkeiten besser sind.
  4. #4

    egal

    Zitat von einervondenen Beitrag anzeigen
    Hamburg wollte doch auch neulich die Förderschulen abschaffen, hat das dann aber doch gelassen. Der Gedanke, alle gemeinsam zu unterrichten, ist eigentlich löblich. Nur lässt sich nicht jede Art von Einschränkung optimal in einer "normalen" Schule betreuen, das wäre aber die Voraussetzung. Tatsächlich akzeptieren Schüler schnell das Anderssein. Und dann? Hat der Gehandicapte da auch am meisten von? Wären Klassen ohne Behinderte voller Vorurteile und Ausgrenzungen? Sicher nicht. Jedenfalls da nicht, wo üblicherweise I-Klassen eingerichtet werden. Frage ist also, was für den Betroffenen jeweils das Beste ist. In Hamburg jedenfalls muss noch geklärt werden, ob das Land nur die gut ausgestatteten Förderschulen sparen wollte und hier das soziale Argument dazu missbraucht wurde, oder ob doch verschiedene Möglichkeiten besser sind.
    Ob HH sparen will oder nicht spielt keine rolle. Die Eltern der behinderten Kinder haben einen rechtsanspruch die nächstgelegene allgemeinbildende Schule zu besuchen. Dieser rechtsanspruch ist einklagbar.

    Einziger Grund aus dem heraus ein Schulleiter die Beschulung ablehnen kann ist, dass das Gebäude nicht geeignet ist (Behinderten gerechte Toilette, Aufzug etc.).

    Besonders gut im Zusammenhang mit Inklusion ist die Abschaffung des Zivildienstes. Vielen Behinderten fehlen seit Neuestem die Schulhelfer, so dass eine Fortsetzung der Inklusion nicht möglich ist. Aber das können die KLassenlehrer dann eben noch nebenbei erledigen ...
  5. #5

    Und wer zahlt das? Wir

    Zitat von fsiggi2 Beitrag anzeigen
    Und wer zahlt das?
    Ich hoffe, wir alle, denn so sollte es in einer sozialen Gesellschaft sein.
    Behinderten (und natürlich auch allen nichtbehinderten) Kindern steht es zu, dass sie ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert und gefordert werden. Hierzu gehört für mich auch unbedingt das gemeinsame Lernen.

    Wo wenn nicht in Kindergarten und Schule sollen die einen lernen mit den anderen umzugehen. Anstrengend ist das sicher für die beide Gruppen, aber allemal sinnvoller als manches Unterrichtsfach. Anstrengung trainiert.
    Und den Aufwand für die zusätzlichen Betreuer, Lehrer, Pfleger ... den müssen wir uns einfach leisten, wenn Integration nicht nur in Sonntagsreden existieren soll.
    Ich denke vielfach fehlt der Wille wirklich etwas an der faktischen Separierung von Behinderten und Nichtbehinderten zu ändern. So wie es ist funktioniert es doch, und es ist so schön bequem. Mit einem vernünftigen allgemeinen Konzept lassen sich auch solche sich teuren Einzellösungen wie im Beispiel vermeiden.
  6. #6

    -

    Zitat von littlegirl Beitrag anzeigen
    Werden jetzt die Förderschulen zu Aufbewahrungsanstalten für Schwererziehbare und Lernunwillige?
    Mir hat die Mutter eines Lernbehinderten (leicht inteligenzgeminderten) Mädchens mitgeteilt, dass dies schon so sei. Ihre Tochter orientiert sich glücklicher Weise an der 2 Jahre jüngeren Schwester und deren Freundinnen, die Mitschülerinnen mit ihrem Unterschichts-Gossen-Jargon wären kein geeigneter Umgang.
  7. #7

    Bravo

    ...und noch eine weitere ideologisch-verblendete Debatte, die in der bundesdeutschen Bildungspolitik stattfindet. Ich hoffe, man ist sich einig, dass körperlich behinderte Menschen genauso die Chance haben sollten, eine allgemeinbildene Schule zu besuchen; aber geistig Behinderte?

    Ich durfte meine Lehrerausbildung an einem Seminar absolvieren, das in Nähe einer Sonderschule lag: Dort merkrte man, wie professionell, liebevoll und sorgfältig die dortigen Lehrkräfte ihre Schüler individuell (!) auf das Leben vorbereiteten: Nach dem Unterricht gab es einen Essensverkauf, bei dem die Schüler lernten, mit ihren Mitmenschen richtig umzugehen (Sprachtrining!), Geld zu zählen etc.
    Solche Schüler in der normalen Schule? Manch einer konnte nicht einmal sprechen, schwere Fälle nicht einmal sanitäre Einrichtungen alleine verwenden. Personen, die fordern, geistig Behinderte in normale Schulen zu stecken, schaden diesen!
    Die Politik freut die Debatte: So lassen sich Kosten sparen, denn: Eine Schule für alle ist sehr viel Günstiger. Und die Lehrkraft, die in der 9./10. Klasse unterrichtet, die kann ja gerne parallel Sonderpädagoge sein. Personen, die vehement so eine Reform fordern, sollten lieber mal vor Ort schauen, was ein Sonderpädagoge alles zu leisten hat - und wie die Schülerschaft aussieht!
  8. #8

    Keine Inklusion ohne Strukturverbesserung

    Die Forderung nach Inklusion ist gut und schön. Allerdings reicht es dazu nicht (wie vielfach in Bayern üblich), behinderte Kinder aus Kostengründen einfach in die Regelschulen zu stecken und sie dort ohne jegliche Strukturverbesserungen mitlaufen zu lassen. Hier hat man den Eindruck, dass das Inklusionskonzept nicht zugunsten der Behinderten verfolgt wird, sondern ausschließlich um Kosten im Sonderschulbereich einzusparen.
    Erforderlich ist es
    1. die Lehrer/-innen auf die anspruchsvolle Aufgabe eines gemeinsamen Unterrichts von Behinderten und Nichtbehinderten im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen vorzubereiten und ihnen pädagogische Instrumente in die Hand zu geben,den zusätzlichen Aufgaben und neuen Anforderungen gerecht zu werden (geschieht bisher nicht! Motto ist: friss oder stirb!,
    2. Klassen, in denen behinderte Kinder sitzen, massiv durch sonderpädagogische Zusatzkräfte zu unterstützen (In Bayern wurde in solchen Fällen angeboten, dass eine sonderpädagogische Lehrkraft einmal pro Woche den Lehrer berät - das kann nicht gut gehen!),
    3. die Klassenschlüssel anzupassen (z.B. jedes behinderte Kind bei der Berechnung von Klassenbesatzzahlen doppelt zu zählen.
    So lange diese Forderungen nicht erfüllt sind, muss man sich nicht wundern, wenn sich die Begeisterung von Lehrer(inne)n in Regelschulen in engen Grenzen hält, sich im Hinblick auf Inklusion zu engagieren! Zudem ist zu berücksichtigen, dass sich die Lehrkräfte auch jetzt schon zunehmend mit Schüler/-innen beschäftigen müssen, die wegen Verhaltenauffälligkeiten, Lernschwächen und Sprachdefiziten Sonderförderbedarf haben. Mit dem differenzierten Unterricht dieser Jugendlichen (die durchaus 30 bis 50 % der Klasse ausmachen können) sind sie an sich schon mehr als ausgelastet.
    Wenn in dieser Hinsicht mit der Inklusionspraxis im Ausland verglichen wird, dann sollte man auch offen legen, wie dort die unterstützenden Strukturen aussehen. Vielfach werden dort 2 Lehrer in sehr kleinen Kalssen eingesetzt, die sich so tatsächlich angemessen um die behinderten Kinder kümmern können.
  9. #9

    Bravo

    ...und wieder eine ideoligisch-gefärbte Debatte um die Bildungsgerechtigkeit.
    Ich hatte die Chance, bei einer Einrichtung Seminare zu besuchen, an die eine Sonderschule angegliedert war: Die Sonderschulpädagogen förderten hier individuell(!) ihre Schüler und gaben beispielsweise mittags den Klassen die Chance, mithilfe eines Brötchenstandes ihre sozialen Fähigkeiten zu verbessern: Wir konnten an einem Brötchen. und Kuchenstand Essen kaufen, doch manches war erschreckend: Schüler, die nicht sprechen konnten, Schüler, die nicht in der Lage waren, ein Brötchen in die Hand zu nehmen und uns zu geben, Schüler, die nicht wussten, wie man eine Toilette benutzt.
    Solche Kinder, die wirklich gefördert(!) werden müssen, um halbwegs den Alltag zu bewerkstelligen, will man nun in normale Schulen stecken. Klar: In der Bildungsrepublik darf "Keiner zurück bleiben" und die Sonderschulen werden zum Tabuwort erklärt: finstere Kerker, die die Kinder nicht fördern. Da lob ich mir, kein Sonderschulpädagoge zu sein, dessen Beruf - dank Verweis auf die UN-Menschenrechtskonvention" zum Unding deklariert wird.

    Wer solche einen Unsinn fordert, sollte einmal selbst eine Sonderschule besucht haben (ohne Blitzlichtgewitter) und dort unterrichten!


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