Behinderte Schüler: Deutschland kommt bei Inklusion kaum voran

Vier von fünf behinderten oder lernschwachen Kindern werden auf Sonderschulen verbannt - und haben kaum eine Chance auf einen vernünftigen Abschluss. Das zeigt erneut eine aktuelle Analyse der Bertelsmann-Stiftung.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...783861,00.html
  1. #1

    Rollstuhl oder IQ <70

    Während Schwerhörige und Rollstuhlfahrer durchaus erfolgreich am normalen Unterricht teilnehmen können, ist es für geistig Behinderte eben weitaus schwieriger, wenn nicht gar unmöglich.

    Ob in anderen Ländern geistig Behinderte ihren Abschluss nach 9 Jahren schaffen, bleibt ebenfalls dahingestellt.
  2. #2

    Abgeschoben

    Ich bin der Meinung, dass es noch nicht mal im Vordergrund steht, dass geistig behinderte Kinder irgendwelche Schulabschlüsse machen, sondern dass sie mit "normalen" Kindern im normalen Leben miteinander und voneinander lernen. Auch die Toleranz gegenüber behinderter Menschen würde wachsen und Menschen mit handycap wären nicht mehr länger eine Randgruppe sondern ein Teil unserer Gesellschaft, dem Akzeptanz entgegengebracht wird.
    Für notleidende Banker ist in unserer Gesellschaft leider immer noch mehr Geld vorhanden, als für die Förderung von Menschen, die es wirklich brauchen!
    Ich bin Onkel von 2 geistig und körperlich behinderter Jungs und kann nur sagen: Sie sind eine Bereicherung in unserem Leben!!!
  3. #3

    Titel

    es geht eben auch darum, dass zum beispiel ein geistig behindertes Kind in einer Klasse bleiben darf, IND der geistig gesunde Kinder unterrichtet werden. Davon profitieren beide Seiten. Denn der "normale" soziale Umgang und das Umfeld, wie es alle anderen Kinder auch haben, tut dem behinderten Kind gut, auch wenn es nicht alle Lernziele erreicht. Auf der anderen Seite haben die anderen Kinder in der Klasse weniger berührungsängste, was behinderte Menschen angeht, wenn sie von früh auf damit konfrontiert werden, dass es eben auch behinderte Menschen gibt. Das fördert soziale Kompetenzen bei den nicht behinderten Kindern schon früh. So haben beide Seiten Vorteile. Wenn aber ein behindertes Kind schon sehr früh in eine Fördereinrichtung gesteckt wird, weil es im Unterricht nicht so mitkommt, wie die anderen, dann ist es isoliert. Dem Unterricht an sich würde es in den meißten Fällen nicht schaden. Und die anderen Kinder, die nicht schon früh mit der Tatsache konfrontiert werden, dass behinderte Menschen Teil unseres Alltags sein können und ebenso dazugehören, legen später viel eher eine abweisende Haltung behinderten gegenüber an den Tag oder verhalten sich gar beleidigend, weil sie die Unsicherheit im Umgang mit ihnen so überspielen.
    Deshalb ist die inklusion von körperlich und geistig behinderten Kindern in Schulen wichtig. Für beide Seiten.
    Abgesehen davon, hätte in den Aufzug unseres Gymnasiums nicht wirklich ein Rollstuhl gepasst... Und wir hatten seeehr viele Treppen!
  4. #4

    Wenn man schon ...

    ... geistig Behinderte am Gymnasium inkludiert, wie kann man dann noch Kinder an die Realschule, Stadtteilschule oder gar an die Hauptschule abschieben? Bei denen ist die Inklusion doch sogar einfacher!
  5. #5

    sin(x+y) = ...

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Während Schwerhörige und Rollstuhlfahrer durchaus erfolgreich am normalen Unterricht teilnehmen können, ist es für geistig Behinderte eben weitaus schwieriger, wenn nicht gar unmöglich.
    Das sehe ich auch so. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, wie ich einem geistig behinderten Menschen das Additionstheorem für den sinus oder die Zeitdilatation in der Relativitätstheorie vermitteln soll - das ist selbst für Normalbegabte schon nicht ganz einfach.

    Im übrigen ist es schon wieder die Bertelsmann-Stiftung, die hier "Studien"-Ergebnisse lanciert. Diese permanente Einmischung in Bildungs-Fragen und Schulangelegenheiten (Qualitätsanalyse...) nervt massiv.
  6. #6

    Inklusion komplett mißverstanden

    Sinn und Zweck des UN-Beschlusses zur Inklusion war einzig und allein, die Länder, in denen Behinderten überhaupt keine Betreuung, weder Schule, noch sonst irgendeine Förderung zuteil wird, dazu zu verpflichten, dieses einzurichten.

    Solche Länder findet man nicht nur in wenig entwickelten Regionen Afrikas oder Asiens, sondern durchaus auch im Kreis der EU-Mitglieder, besonders in der südlichen Hälfte.

    Deutschland zählte jedoch eindeutig nicht zu denen, die da Nachholbedarf hatten, sondern galt in den Diskussionen stets als gutes Beispiel.

    Des Englischen und der globalen Gegebenheiten nicht Kundige haben daraus blindwütig ein politisches Ziel geformt, das auf Kosten einer angemessenen, fachlich und von der Kompetenz der Betreuer her maßgeschneiderten Betreuung für behinderte Mitmenschen erreicht werden soll: Dem gesellschaftspolitischen Ziel der Gleichmacherei, wie sie u.a. von Peter Petersen, Maria Montessori und Margot Honecker im Sinne ihrer jeweils zeitgenössischen Machthaber betrieben wurde, wieder ein großes Stück näher zu kommen; es sind genau die gleichen Bildungs-Marktschreier, die die Einheitsschule predigen. Kommunitarismus pur, nur die Apparatschiks und Funktionäre sind am Ende darüber erhaben.

    Es verwundert ein ums andere Mal, wie und warum sich der Bertelsmann-Konzern immer wieder vor diesen Karren spannen läßt.
    Sind es nur geschäftliche Interessen einer umfassenden RTLisierung unserer Gesellschaft, die da den Ton bestimmen, oder wird da noch weiter funktionalisiert?

    Es ist jedenfalls keine Ausgrenzung, wenn man Lernbehinderten eine schützende Geborgenheit außerhalb einer leistungsfixierten Hochleistungsumgebung gönnt und sichert. Die Partizipation am allgemeinen Alltagsleben hatte sich für diese Gruppe in den letzten drei Jahrzehnten signifikant verbessert. Dieses wird jetzt einem Verständnis- und Übersetzungsfehler in Bezug auf die UN-Resolution geopfert.

    Die Betroffenen werden, ohne sich wehren zu können, funktionalisiert und fremdbestimmt. Und niemand schreit "Halt!". Traurig.
  7. #7

    Nicht

    Zitat von Pensionist66 Beitrag anzeigen
    ... geistig Behinderte am Gymnasium inkludiert, wie kann man dann noch Kinder an die Realschule, Stadtteilschule oder gar an die Hauptschule abschieben? Bei denen ist die Inklusion doch sogar einfacher!
    Ich habe von Rollstuhl gesprochen, sprich körperlich behinderte Menschen.

    Wenn es nichtmal bei denen klappt, sie auf normale Schulen gehen zu lassen, haben wir sehr wohl Nachholbedarf.
    Und auch wenn Deutschland schon anderen Ländern voraus ist, heißt das doch nicht, dass wir nicht trotzdem noch Potential zu Verbesserungen hätten, oder? Und es wäre nun einmal wünschenswert, aus den oben genannten gründen, auch geistig behinderte Menschen mit in den schuulalltag zu integrieren, und nochmal: nicht weil sie dann alles lernen, was andere Kinder auch lernen, sondern der Normalität auf beider Seiten wegen! Wenn sie dazu nicht fähig sind, müssen sie dazu noch nicht einmal lesen können, es reicht, so gut es geht den Alltag der anderen Kinder zu teilen. Denjenigen die hier über montessori etc wettern hätte ein engerer Kontakt mit behinderten vielleicht mal ganz gutgetan.
  8. #8

    Zitat von Langkieler Beitrag anzeigen
    Es verwundert ein ums andere Mal, wie und warum sich der Bertelsmann-Konzern immer wieder vor diesen Karren spannen läßt.
    Ich lach mir 'nen ast, die bertelsmann Stiftung lässt sich vor einen Karren spannen, ich glaub's nicht.

    Die B-Stiftung ist die treibende Kraft!
  9. #9

    ...

    Meine Mittlere besucht eine sog. Integrationsklasse. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, profitieren alle Schüler davon. Nur- wenn ich mir die Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts von lernbehinderten Schülern in der Regelgrundschule angucke, dann sehe ich für eine vernünftige Inklusion von geistig behinderten Kindern schwarz....