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Behinderte Kinder an Regelschulen: Gemeinsamer Unterricht kostet hunderte Millionen

DPABehinderte und lernschwache Kinder sollen nicht länger auf Sonderschulen verbannt sein. Dazu hat sich Deutschland verpflichtet. Doch es wird teuer, alle Schüler gemeinsam zu unterrichten: Eine Studie beziffert die Kosten auf 660 Millionen Euro im Jahr - nur für zusätzliche Lehrer.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...823365,00.html
  1. #80

    Deutschland

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen

    Und in der Zwischenzeit hat man 'nen Prozess an der backe wegen Verletzung der Aufsichtspflicht, weil eine Schülergruppe eigenständig herausfinden wollte, was mit einem Rolli passiert, wenn man ihn die treppe runter schubst. Ey klasse doch.
    Wenn ich die verschiedenen Beitraege hier lese, muss ich sagen, dass ich doch sehr schockiert bin. Ich glaube, ich bin froh, dass meine Kinder in einem toleranteren Land aufgewachsen sind.
    Selbst hier ( Irland) koennen natuerlich nicht alle Behinderten in einer Regelschule unterrichtet werden, dafuer gibt es Behinderungen, die einfach zu stark sind. Aber ich habe es noch nicht erlebt, dass Kinder, die aus verschiedenen Gruenden im Rollstuhl sitzen oder Kinder mit Epilepsie und aehnlichen Problem Schwierigkeiten haben, in eine 'normale' Schule zu gehen.
    Das Schulsystem hier ist natuerlich anders. Die Sekundarschulen sind mit Gesamtschulen vergleichbar, wo alle Jugendlichen unterrichtet werden und verschiedene Kurse belegen koennen. Selbst Jugendliche in meiner Bekanntschaft mit Downsyndrom oder Asberger Syndrom haben es geschaff, einen ganz normalen Abschluss zu machen. Und als in unserer Dorfschule, das erste Mal ein Kind im Rollstuhl am Unterricht teilnahm, war es selbstverstaendlich, dass die Klassen so organisiert wurden, dass es moeglich war.
    So etwas nennt man Ruecksichtsnahme und Toleranz und es ist sehr wichtig, dass die anderen Schueler das auch lernen.
    Allerdings wird auch ein Unterrichtshelfer eingestellt, der fuer die behinderten Kinder zustaendig ist.
  2. #81

    Flexibilität

    Eine gelungene Integration / Inklusion von Schülern ist meiner Meinung nach von folgenden Faktoren abhängig:
    - genügend qualifizierte personelle Ausstattung;
    - Doppelsteckung und Teamarbeit;
    - wenige, konstante Bezugspersonen;
    - Unterricht im Klassenverband;
    - konstante Lerngruppe;
    - ausreichend finanzielle Resourcen für Material;
    - Erfahrung im Umgang mit Schülern mit Behinderungen;
    - gelungene Mischung der Schüler;
    - Phasen der offenen und gebundenen Arbeit im Wechsel;

    Ich sehe der Inklusion als Sparmodell mit Sorge entgegen, denn in den letzten 10 Jahren wurden mehr als 50% der sonderpädagogischen Förderstunden an der Grundschule gekürzt; Zwar werden einige Förderzentren in Berlin geschlossen, der benötigte Bedarf an Sonderpädagogen ist aber jetzt schon enorm; Unterstützung durch z.B. Schulhelfer zu erhalten ist von Jahr zu Jahr mit mehr Aufwand und Bürokratie verbunden, ohne dass deshalb mehr Stunden einem Kind zugeteilt würden;

    Um mehr Schüler zu integrieren / inkludieren, müssten erstmal mehr Sonderpädagogen ausgebildet werden (d.h. langfristig planen); Auch gibt es zunehmend mehr Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, da die medizinische Versorgung inzwischen viele Kinder überleben lässt, die vor einigen Jahren noch nicht überlebt hätten d.h. die veralteten Berechnungsgrundlagen müssten überarbeitet werden;

    Grundsätzlich halte ich eine Wahlmöglichkeiten für Eltern und Schüler zwischen Förderzentren und der Integration / Inklusion für sinnvoll. Jedes Kind, jeder Klassenverband, jedes Lehrerteam ist anders. Nicht jeder Schüler fühlt sich in der Integration wohl und ist dort gut aufgehoben. Manche Schüler leiden stark unter ihrem Handicap - egal wie gut man versucht sie zu unterstützen und ihre Stärken in den Vordergrund zu stellen. Es gibt Schüler, die sehnen sich danach mit anderen Kindern auf gleichem Niveau Zeit zu verbringen, einen wirklichen Freund finden zu können, nicht immer der oder die Schwächste zu sein.Daher denke ich, dass ausreichende Flexibilität in der Gestaltung der Schullaufbahn, der Hilfeplanung etc. sinnvoll wäre.

    Lehrer aus Förderzentren haben einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Sie haben Strukturen aufgebaut, mit Hilfe derer, ihre Schüler gut lernen können. Sie haben z.B. einen speziellen Werkstattbereich, in dem Schüler auf das spätere Berufsleben vorbereitet werden. Diese Art der langfristigen, praktischen Berufsvorbereitung kommt in der Integration in der SekI häufig zu kurz.

    Meiner Meinung nach sollte es daher darum gehen, bestehendes / sich bewährtes optimal zu nutzen und nicht aufgrund von Gleichmacherei zu zerstören, auch wenn das Geld kostet.

    Sinnvoll finde ich auch den Ansatz, dass sich die Schulen im Bezirk auf bestimmte Kategorien spezialisieren. So nehmen die Schulen mit Fahrstuhl vermehrt Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen auf, während Schulen mit Erfahrung in der Integration von Schülern mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung Schwerpunktschulen für diesen Förderbedarf werden. So findet eine Integration statt, die Schüler können aber doch auf "Gleichgesinnte" treffen und Freundschaften schließen, so sie gewünscht werden.
  3. #82

    Gegensatz

    Zitat von anna cotty Beitrag anzeigen
    Wenn ich die verschiedenen Beitraege hier lese, muss ich sagen, dass ich doch sehr schockiert bin. Ich glaube, ich bin froh, dass meine Kinder in einem toleranteren Land aufgewachsen sind.
    Selbst hier ( Irland) koennen natuerlich nicht alle Behinderten in einer Regelschule unterrichtet werden, dafuer gibt es Behinderungen, die einfach zu stark sind. Aber ich habe es noch nicht erlebt, dass Kinder, die aus verschiedenen Gruenden im Rollstuhl sitzen oder Kinder mit Epilepsie und aehnlichen Problem Schwierigkeiten haben, in eine 'normale' Schule zu gehen.
    Das Schulsystem hier ist natuerlich anders. Die Sekundarschulen sind mit Gesamtschulen vergleichbar, wo alle Jugendlichen unterrichtet werden und verschiedene Kurse belegen koennen. Selbst Jugendliche in meiner Bekanntschaft mit Downsyndrom oder Asberger Syndrom haben es geschaff, einen ganz normalen Abschluss zu machen. Und als in unserer Dorfschule, das erste Mal ein Kind im Rollstuhl am Unterricht teilnahm, war es selbstverstaendlich, dass die Klassen so organisiert wurden, dass es moeglich war.
    So etwas nennt man Ruecksichtsnahme und Toleranz und es ist sehr wichtig, dass die anderen Schueler das auch lernen.
    Allerdings wird auch ein Unterrichtshelfer eingestellt, der fuer die behinderten Kinder zustaendig ist.
    Sehen Sie, wir machen das ohne zusätzliches Personal in Klassen mit bis zu 34 Schülern. Der Rollstuhlfahrer sitzt entweder direkt beim Eingang, er hat überhaupt keine Chance einen anderen platz im Raum zu erreichen.

    Das Schöne ist doch das Gerechtigkeitsempfinden der Schüler, das lässt sich instrumentalisieren. Also wenn die Behinderten nur lange genug innerhalb der Klasse bevorzugt behandelt werden, dann werden die Benachteiligten sich ganz subtil wehren. Nennt sich Mobbing und ist an deutschen Schulen nur ganz schwer in den Griff zu bekommen. Alles hat eben sein Gutes.
  4. #83

    Wozu eigentlich?

    Gemeinsamer Unterricht kostet enorme Summen. Die Nichtbehinderten Schüler profitieren nicht davon, weil der Unterricht langsamer gehen muss und die behinderten Schüler profitieren nicht, weil sie keine individuelle Förderung erhalten an einer Regelschule.
  5. #84

    Liebe,

    Zitat von JaWeb Beitrag anzeigen
    Alle mit der Inklusion beschäftigten und für ihre Realisierung verantwortlichen PolitikerInnen (also praktisch alle Landtagsabgeordneten und Angehörige der Landesregierungen) sollten eine Selbstverpflichtung unterschreiben, dass ihre Kinder nur Bildungseinrichtungen besuchen, in denen Inklusion praktiziert wird, damit ihr Problembewusstsein gestärkt und ihr Problemlösungswille gefördert wird.
    ------------
    Glaube, Hoffnung! Mir ist ein Politiker bekannt, welcher sich lautstark für die Integrierte Gesamtschule stark gemacht hat, seine Kinder aber eine kath. Privatschule besucht haben!
  6. #85

    Die

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Behinderte und lernschwache Kinder sollen nicht länger auf Sonderschulen verbannt sein. Dazu hat sich Deutschland verpflichtet. Doch es wird teuer, alle Schüler gemeinsam zu unterrichten: Eine Studie beziffert die Kosten auf 660 Millionen Euro im Jahr - nur für zusätzliche Lehrer.

    Behinderte Kinder an Regelschulen: Gemeinsamer Unterricht kostet Hunderte Millionen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Kosten sind zu verantworten, da sie die nächste Schulreform zwingend notwendig machen und so die Arbeitsplätze bei den Betreffenden und Betroffenen sichern.
  7. #86

    Was

    mich irritiert ist die Tatsache, dass kaum jemand etwas dabei findet Kinder in intelligent (Gymnasium), schlau (Realschule) und weniger schlau (Hauptschule) einzuteilen. Ist alles ganz "normal", ganz selbstverständlich! Nur, ist dies nicht auch Ausgrenzung? Wie passt dies alles zusammen?
  8. #87

    Zitat von glasperlenspieler Beitrag anzeigen
    Gemeinsamer Unterricht kostet enorme Summen. Die Nichtbehinderten Schüler profitieren nicht davon, weil der Unterricht langsamer gehen muss und die behinderten Schüler profitieren nicht, weil sie keine individuelle Förderung erhalten an einer Regelschule.
    Und wer definiert die Behinderung ihres Erachtens? Behindern die Kinder, die durch ständiges Sprechen den Unterricht stören? Behindern die Kinder, die durch eine Lähmung aller Extremitäten eine Schulbegleitung benötigen? Behindern die Kinder die Klasse, die durch ein markenbewusstses Auftreten andere Kinder ins gesellschaftliche Abseits stellen?

    Hier sei doch erst einmal bitte geklärt, welches Verständnis Sie von Behinderung haben.

    Der Deutsche Staat definiert Behinderung zumindest teilweise, gleichzeitig bezieht er sich auf die Definition der WHO. Im Grundgesetz Artikel 3 steht geschrieben: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden". Die Wortwahl hat sich der Gesetzesgeber genau überlegt, es ist kein Diskriminierungsverbot, sondern ein Benachteiligungsverbot. Sprich: Behinderung ist kein unabänderbares Attribut eines Menschen sondern vielmehr eine Situation. Auch die WHO definiert Behinderung als eine Störung der "funktionalen Gesundheit" (siehe das ICF). Wobei diese "Funktionale Gesundheit" aus Komponenten wie "Partizipation und Aktivität" besteht. Komponenten, die beeinflussbar und nicht unabdingbar sind. Und Inklusion ziehlt genau auf diese Komponenten ab. Sehr wohl sind wir als Sozialstaat hier gefragt, entsprechende Schwellen abzubauen. Und eine Schwelle ist sehrwohl die Unterteilung zwischen Regel- und Sonderschule.

    Und ja, anscheinend definieren Sie "Behinderung" an einem ziemlich veralteten Modell. Ich verstehe Ihre Aussage in Form "Kinder ohne Behinderun werden durch den Mehraufwand für Kinder mit Behinderung am lernen gehindert." Nun kommt natürlich auch die Frage auf, was "Profit" für die Gesellschaft bedeutet. Selbst Ihrer Argumentationslogik folgend, gebe ich Ihnen unrecht. Ich finde dass alle Kinder profitieren, wenn Sie lernen, dass jeder Mensch der Gesellschaft ein Recht auf Partizipation und Anerkennung hat. Diese Wertevermittlung (für Sie nenne ich es meinetwegen "Softskills") sind mir für meine Kinder bedeutend wichtiger als eine Klassenstruktur, die ausschließlich auf die möglichst schnelle und trockene Wissensvermittlung abziehlt und die Personen ausschließt, die nicht ganz Schritthalten können.

    Übringens behaupte ich auch einfach, dass die "Negativfolgen" für die reine Wissensvermittlung bei guter Umsetzung nicht auftretten, ganz im Gegenteil. Beschäftigen Sie sich mal mit dem Big-fish–little-pond-Effekt.
  9. #88

    Hoffentlich

    Zitat von marta-m Beitrag anzeigen
    Und wer definiert die Behinderung ihres Erachtens? Behindern die Kinder, die durch ständiges Sprechen den Unterricht stören? Behindern die Kinder, die durch eine Lähmung aller Extremitäten eine Schulbegleitung benötigen? Behindern die Kinder die Klasse, die durch ein markenbewusstses Auftreten andere Kinder ins gesellschaftliche Abseits stellen?

    Hier sei doch erst einmal bitte geklärt, welches Verständnis Sie von Behinderung haben.

    Der Deutsche Staat definiert Behinderung zumindest teilweise, gleichzeitig bezieht er sich auf die Definition der WHO. Im Grundgesetz Artikel 3 steht geschrieben: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden". Die Wortwahl hat sich der Gesetzesgeber genau überlegt, es ist kein Diskriminierungsverbot, sondern ein Benachteiligungsverbot. Sprich: Behinderung ist kein unabänderbares Attribut eines Menschen sondern vielmehr eine Situation. Auch die WHO definiert Behinderung als eine Störung der "funktionalen Gesundheit" (siehe das ICF). Wobei diese "Funktionale Gesundheit" aus Komponenten wie "Partizipation und Aktivität" besteht. Komponenten, die beeinflussbar und nicht unabdingbar sind. Und Inklusion ziehlt genau auf diese Komponenten ab. Sehr wohl sind wir als Sozialstaat hier gefragt, entsprechende Schwellen abzubauen. Und eine Schwelle ist sehrwohl die Unterteilung zwischen Regel- und Sonderschule.

    Und ja, anscheinend definieren Sie "Behinderung" an einem ziemlich veralteten Modell. Ich verstehe Ihre Aussage in Form "Kinder ohne Behinderun werden durch den Mehraufwand für Kinder mit Behinderung am lernen gehindert." Nun kommt natürlich auch die Frage auf, was "Profit" für die Gesellschaft bedeutet. Selbst Ihrer Argumentationslogik folgend, gebe ich Ihnen unrecht. Ich finde dass alle Kinder profitieren, wenn Sie lernen, dass jeder Mensch der Gesellschaft ein Recht auf Partizipation und Anerkennung hat. Diese Wertevermittlung (für Sie nenne ich es meinetwegen "Softskills") sind mir für meine Kinder bedeutend wichtiger als eine Klassenstruktur, die ausschließlich auf die möglichst schnelle und trockene Wissensvermittlung abziehlt und die Personen ausschließt, die nicht ganz Schritthalten können.

    Übringens behaupte ich auch einfach, dass die "Negativfolgen" für die reine Wissensvermittlung bei guter Umsetzung nicht auftretten, ganz im Gegenteil. Beschäftigen Sie sich mal mit dem Big-fish–little-pond-Effekt.
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    meinen Sie es ernst. Aber das Gymnasium sollen Ihre Kinder, zwecks Studium und besseren Berufschancen, dann doch besuchen, losgelöst von den "nicht ganz schritthalten Könnenden".
  10. #89

    Zitat von westpfälzer Beitrag anzeigen
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    meinen Sie es ernst. Aber das Gymnasium sollen Ihre Kinder, zwecks Studium und besseren Berufschancen, dann doch besuchen, losgelöst von den "nicht ganz schritthalten Könnenden".
    Natürlich meine ich das ernst, ansonsten hätte ich es nicht verfasst. Und selbstverständlich sollen meine Kinder die bestmöglichen Bildungs- und Berufschancen erhalten. Allerdings bin ich kein Freund der Segregation von Kindern in die unterschiedlichen Schulformen. Ich bin davon überzeugt, dass Kinder an einer inklusiven Gesamtschule eine qualitativ wertvollere Bildung erfahren als auf dem klassischem Gymnasium. Und das sage ich Ihnen als Absolvent eines humanistischen Gymnasiums in Bayern (einem Bundesland, das ein sehr elitäres Verständnis dieser Schulform hat). Aber diese Diskussion würde ein ganz anderes Fass öffnen.


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