Zitat von
marta-m
Und wer definiert die Behinderung ihres Erachtens? Behindern die Kinder, die durch ständiges Sprechen den Unterricht stören? Behindern die Kinder, die durch eine Lähmung aller Extremitäten eine Schulbegleitung benötigen? Behindern die Kinder die Klasse, die durch ein markenbewusstses Auftreten andere Kinder ins gesellschaftliche Abseits stellen?
Hier sei doch erst einmal bitte geklärt, welches Verständnis Sie von Behinderung haben.
Der Deutsche Staat definiert Behinderung zumindest teilweise, gleichzeitig bezieht er sich auf die Definition der WHO. Im Grundgesetz Artikel 3 steht geschrieben: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden". Die Wortwahl hat sich der Gesetzesgeber genau überlegt, es ist kein Diskriminierungsverbot, sondern ein Benachteiligungsverbot. Sprich: Behinderung ist kein unabänderbares Attribut eines Menschen sondern vielmehr eine Situation. Auch die WHO definiert Behinderung als eine Störung der "funktionalen Gesundheit" (siehe das ICF). Wobei diese "Funktionale Gesundheit" aus Komponenten wie "Partizipation und Aktivität" besteht. Komponenten, die beeinflussbar und nicht unabdingbar sind. Und Inklusion ziehlt genau auf diese Komponenten ab. Sehr wohl sind wir als Sozialstaat hier gefragt, entsprechende Schwellen abzubauen. Und eine Schwelle ist sehrwohl die Unterteilung zwischen Regel- und Sonderschule.
Und ja, anscheinend definieren Sie "Behinderung" an einem ziemlich veralteten Modell. Ich verstehe Ihre Aussage in Form "Kinder ohne Behinderun werden durch den Mehraufwand für Kinder mit Behinderung am lernen gehindert." Nun kommt natürlich auch die Frage auf, was "Profit" für die Gesellschaft bedeutet. Selbst Ihrer Argumentationslogik folgend, gebe ich Ihnen unrecht. Ich finde dass alle Kinder profitieren, wenn Sie lernen, dass jeder Mensch der Gesellschaft ein Recht auf Partizipation und Anerkennung hat. Diese Wertevermittlung (für Sie nenne ich es meinetwegen "Softskills") sind mir für meine Kinder bedeutend wichtiger als eine Klassenstruktur, die ausschließlich auf die möglichst schnelle und trockene Wissensvermittlung abziehlt und die Personen ausschließt, die nicht ganz Schritthalten können.
Übringens behaupte ich auch einfach, dass die "Negativfolgen" für die reine Wissensvermittlung bei guter Umsetzung nicht auftretten, ganz im Gegenteil. Beschäftigen Sie sich mal mit dem Big-fish–little-pond-Effekt.