Bevor man über das intolerante, intellektuell bankrotte Vorgehen der israelischen Regierung urteilt, sollte man sich zuerst an Grass‘ Gedicht erinnern. Er degradierte Israel zu einem nuklearen Amokläufer, zur größten Gefahr für die Welt und spuckte damit der israelischen Demokratie, pluralistischen Gesellschaft und Existenzberechtigung ins Gesicht. Das tat er als ehemaliges Mitglied der Waffen-SS.
Warum reagiert man nicht gelassener, ignoriert den alten Mann? Grass ist ein alter Mann, leider ist er aber auch Nobelpreisträger und renommierter Schriftsteller mit weltweitem Bekanntheitsgrad.
Netanyahu und Kollegen geht es nicht darum, Grass‘ Hintern von den Stränden Tel Avivs und den Hummusiyas von Abu Gosh zu verbannen. Er stellt weder für das Nachtleben, noch für den Shabbat oder das (blutrünstige) Pessachfest eine Bedrohung dar. Es muss also etwas anderes sein.
Günter Grass reist nicht wie Sie und Ich. Erst recht nicht ins Heilige Land. Grass würde eine Reise nach Israel dazu nutzen, um seine Person zu rehabilitieren und gleichzeitig seine politischen Positionen zu bekräftigen.
Er würde sich mit Vertretern der israelischen „Friedensbewegung“ treffen und all seine jüdischen Alibi-Freunde einschalten, die vermutlich schon Schlange stehen, um seine Weste wieder weiß zu waschen. Grass würde wie ein Freund Israels durchs Land reisen, gleichgesinnte Irre mit Kippa auf dem Kopf treffen und sich somit seinen alten Status einverleiben. Es gäbe symbolische Fotos vor der Klagemauer, womöglich mit der Neturei Karta. Er könnte einen Zettel in die uralte Mauer stecken, vielleicht sein Gedicht? Natürlich würde Grass auch nach Yad Vashem gehen, der alte Antifaschist. Er würde das Denkmal für die Kinder besuchen und mit allen anderen trauern.
Danach ginge es in die Westbank, wo ihn noch bessere Freunde begrüßen würden. Abbas wäre glücklich, mit einem Nobelpreisträger abgelichtet zu werden. Grass wäre rehabilitiert, nach dem er Juden und Araber getroffen, mit ihnen gesprochen und sein Gewissen beruhigt hätte. Auch sein Gedicht wäre plötzlich in Ordnung, immerhin hätte der Alte bewiesen, wie gut er sich mit beiden Seiten versteht. Aus Grass, dem Antisemiten würde Grass, der Kritiker.
Ein Besuch in Yad Vashem wäre ein Schlag ins Gesicht des jüdischen Volkes.
Günter Grass darf nicht nach Israel, auf keinen Fall.



