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Befristete Stellen: Zweck erfüllt, Job weg

Eine feste Anstellung*- für Berufsanfänger ist das oft ein Traum. Fast die Hälfte aller Arbeitsverträge wird*auf eine bestimmte Zeit begrenzt. Dabei ist die Befristung*in vielen Fällen gar nicht zulässig.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...798570,00.html
  1. #1

    ...

    Diese ganze Perversion der befristeten Einstellungen mag rechtlich ok sein, aber moralisch ist es ein Armutszeugnis für jeden Arbeitgeber. Zeigt es doch auf diese Weise, dass soziales Engagement/Verhalten fehlt.

    Ganz besonders schlimm ist es, wenn befristete Verträge nach Ablauf der Befristung beendet werden und dieselbe Stelle dann mit einem neuen, wiederum befristeten Arbeitnehmer besetzt wird. Oder wenn neue Kollegen direkt unbefristet eingestellt werden, obwohl es noch Mitarbeiter mit befristeten Verträgen gibt.
    (Begründungen dafür kann der Arbeitgeber immer finden, das ist klar, aber auch hier kommt das berühmte G'schmäckle dazu.)

    Arbeitnehmer brauchen Perspektiven, die sie mit befristeten Verträgen nicht haben. Sonst leidet irgendwann die Qualität der Arbeit, weil die Gedanken sich nur um eines drehen, die Vertragsverlängerung.
  2. #2

    Berufsverbot für Wissenschaftler

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eine feste Anstellung*- für Berufsanfänger ist das oft ein Traum. Fast die Hälfte aller Arbeitsverträge wird*auf eine bestimmte Zeit begrenzt. Dabei ist die Befristung*in vielen Fällen gar nicht zulässig.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...798570,00.html
    Das Berufsbild des Wissenschaftlers besteht darin, dass er Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit einer Laufzeit von jeweils wenigen Jahren (typischerweise 2 oder 3) abarbeitet. Wenn er das gar nicht sein ganzes Berufsleben darf, mit jeweils einem befristeten Arbeitsvertrag für jedes Projekt, haben wir also trotz Abschaffung des §57 HRG immer noch ein Berufsverbot für Wissenschaftler, getragen von der falschen Vorstellung, Forschungsprojekte seien ein Teil der Ausbildung und früher oder später müsse der Wissenschaftler damit aufhören, um seine Ergebnisse endlich in der Industrie anzuwenden. Diese Vorstellung und damit das Berufsverbot sind falsch, weil ja nicht der Wissenschaftler selbst, sondern andere seine Ergebnisse anwenden sollen, während er neue produziert. In anderen Worten: Solange Forschungsförderung immer nur befristet und projektgebunden läuft, können die Arbeitsverträge naturgemäß auch nur befristet sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch weitere Branchen oder Berufe gibt, wo das Verbot einer unbegrenzten Verkettung von Zeitverträgen einem Berufsverbot gleichkommt.
  3. #3

    ...

    Diverse Bekannte von mir hangeln sich ebenfalls seit Jahren duch befristete Verträge und trickreich konstruierte Zeitverträge, die auf Befristungen für ein Projekt beruhen.

    Die betroffenen Famlilien verharren in einer Art Lethargie, weil sie nie wissen können, ob in ein paar Monaten vielleicht kein neuer Vertrag für den Ernährer kommt. Es werden alte Autos gefahren, es wird in der an sich umzugsreifen, renovierungsbedüftigen Wohnung gehaust, Kinderplanungen werden rigoros zurückgestellt.

    Diese Zeitverträge als moderne Art der Planung des Kapitals Mensch, bzw. als Druckmittel, um die Angestellten zu wenig Krankentagen und erhöhter Einsatzbereitschaft (samt Konkurrenzdenken unter den Kollegen) zu bringen, müssen umgehend abgeschafft werden.

    Lebensbestimmende Zukunftsängste und sehr oft psychische Probleme sind die Folge solcher Verträge. Wenn das so weitergeht, erstarren die Leistungsträger, anstatt den Generationenmotor wieder zu starten.
  4. #4

    Und dazwischen sollen Kinder passieren?

    Das betrifft ja nicht nur Junge Frauen.

    Auch mit 50 muss man sich befristen lassen.

    Und bei der Gelegenheit

    möchte auch auf die Lächerlichkeit hinweisen,

    dass eine Frau mit 29 (!) grade anfängt zu arbeiten.

    In 10 Jahren gehört sie zum alten Eisen.

    Und dazwischen sollen Kinder passieren?
  5. #5

    Ausverkauf!

    Ich denke immer, dass so ein Vertrag eine zweiseitige Angelegenheit ist. Es profitiert doch nicht nur der Arbeitnehmer! Was ist das denn für ein Unternehmer, der seine neuen Mitarbeiter immer wieder neu anlernen muss? So kriegt man doch nur die Leute, die nicht begehrt sind. Denn die Anderen sind zum Ende der Vertragslaufzeit weg, weil sie abgeworben wurden. Und auch die Mittelmäßigen werden es nicht bei jemanden aushalten wollen, der sie so in der Luft hängen lässt, und sich frühzeitig neu verpflichten!
    ... und dann wird wieder über Fachkräftemangel gejammert, (und die Lohnuntergrenzen gesenkt, was die Absurdität BEWEIST).

    Dabei sind die Kündigungsfristen doch schon moderat. Jeder Unternehmer, der noch nicht mal einige Monate in die Zukunft planen kann, ist ein Idiot. Das mag es da und dort schon immer gegeben haben, aber in letzter Zeit scheint es breit um sich zu greifen.

    -- Armes Deutschland!
  6. #6

    Jaja, wie schlimm wenn ein anderer auch mal einen Arbeitsvertrag haben darf.

    Zitat von x3Ray Beitrag anzeigen
    Ganz besonders schlimm ist es, wenn befristete Verträge nach Ablauf der Befristung beendet werden und dieselbe Stelle dann mit einem neuen, wiederum befristeten Arbeitnehmer besetzt wird.
    Wenn der neue vorher langzeiterwerbslos war, ist es nach Deiner Meinung ganz besonders schlimm, wenn er auf einmal wenigstens vorübergehend wieder einen Arbeitsvertrag haben darf. Sollen Erwerbslose da bleiben, wo der Pfeffer wächst, damit die Kollegen, die das Glück eines Arbeitsvertrags haben, dieses Glück unbefristet genießen können (Familienplanung, Haus bauen, Kredite aufnehmen usw.). Solidarität muss sich nach Deiner Meinung auf diejenigen beschränken, die bereits Arbeit haben, und sich ggf. gegen diejenigen richten, die keine Arbeit haben - hab ich das richtig verstanden?
  7. #7

    Will ja keiner

    Die ganzen Probleme mit Zeitverträgen und Leiharbeitern ließen sich auf einen Schlag lösen, wenn man die Kündigungsregelungen im Arbeitsrecht flexibler gestaltet hätte...
    Aber das will ja auch keiner hören.
  8. #8

    ...

    Zitat von Hamberliner Beitrag anzeigen
    Wenn der neue vorher langzeiterwerbslos war, ist es nach Deiner Meinung ganz besonders schlimm, wenn er auf einmal wenigstens vorübergehend wieder einen Arbeitsvertrag haben darf. Sollen Erwerbslose da bleiben, wo der Pfeffer wächst, damit die Kollegen, die das Glück eines Arbeitsvertrags haben, dieses Glück unbefristet genießen können (Familienplanung, Haus bauen, Kredite aufnehmen usw.). Solidarität muss sich nach Deiner Meinung auf diejenigen beschränken, die bereits Arbeit haben, und sich ggf. gegen diejenigen richten, die keine Arbeit haben - hab ich das richtig verstanden?
    Eigentlich sogar sinnvoller Gedankengang, aber leider sehr realitätsfremd. AG, die ihre AN nach Fristende entlassen, um stattdessen wieder billigere neue Leute einzustellen, haben an Langzeitarbeitslosen leider auch herzlich kein Interesse. Wozu auch, denn jedes Jahr gibt es wieder jede Menge frisch ausgebildete und oft noch hochmotivierte Absolventen direkt aus der Ausbildung/Uni, für die alles mit besseren Konditionen als ein unbezahltes Praktikum schon Luxus ist. Die lassen sich dann zwei Jahre ausbeuten, in der Hoffnung, dass sie nur genügend Überstunden machen müssen und dazu abends noch ein paar Fachbücher lesen, um dann in zwei Jahren vielleicht auch eine "richtige" Stelle zu erhalten. Und nachdem deren Höchstleistung zwei Jahre lang abgeschöpft wurde, landen sie auf der Straße, während dann ja immer wieder "Frischfleisch nachwächst". Langzeitarbeitslose tauchen in dieser Formel gar nicht erst auf (es sei denn, dass bei denen auch "Frischfleisch nachwächst", indem so mancher der aussortierten Ex-Einsteiger dann gleich mit in diesen "Club" eintreten darf.)

    Dabei gäbe es vermutlich deutlich mehr Arbeitsplätze, wenn die Lohnnebenkosten (u.a. wegen der hohen Arbeitslosigkeit und sinnlosen Extrakosten wie ständiges Anlernen von Durchgangs-Arbeitern) nicht so hoch wäre. Aber dafür müsste ein AG länger denken als nur bis zum nächsten Quartalsbericht...
  9. #9

    ...

    Zitat von Andreas Rolfes Beitrag anzeigen
    Die ganzen Probleme mit Zeitverträgen und Leiharbeitern ließen sich auf einen Schlag lösen, wenn man die Kündigungsregelungen im Arbeitsrecht flexibler gestaltet hätte...
    Aber das will ja auch keiner hören.
    Doch, bin sofort dabei. Mir ist ein Arbeitsvertrag, von dem ich u.U. auch mal gekündigt werden könnte, wenn was nicht passen sollte, 1000mal lieber als ein Vertrag, der schon von Anfang an gekündigt ist, egal ob alles passt oder nicht.


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