Darf ein Bayer Tschüss sagen? Eine Passauer Rektorin löst die ewige Diskussion auf ihre Weise: Sie erklärt ihre Schule zur "Tschüss- und Hallo-freien Zone" - die beiden Wörter seien unhöflich. Recht so, meint ein Dialektpfleger, Tschüss tue in den Ohren weh.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...813418,00.html
[QUOTE=Newspeak;9574532...Man fragt sich echt, wie hinterwäldlerisch die Bayern sind. Nur weil etwas eine angebliche "Tradition" besitzt, ist es noch nicht gut oder erstrebenswert.[/QUOTE]
Unter uns: wir sind das nächste Griechenland, so hinterwäldlerisch wird hier gewirtschaftet... spannt schon mal den Rettungsschirm auf!
Kennen Sie die Dame, um die es hier geht?
Sie haben einen die Wahrheit verzerrenden Artikel über eine Anordnung der Direktorin gelesen und sprechen ihr die Kompetenz ab?
Wenn das ausreichen würde, dürfte kein Lehrer, den ich kenne, noch an einer Schule beschäftigt sein. Sogar, wenn die Entscheidung falsch wäre, wäre das noch lange kein Grund, dass die Frau ihren Beruf nicht ausüben dürfen sollte.
Die letzten 20 Jahre? Das frage ich mich auch. Aus was für Elternhäusern und Umgebungen kommen diese Kinder, dass sie zuhause nicht lernen, wie man mit fremden Menschen umzugehen hat.
Auch das Fremdschämen habe ich eher hier, wenn Kinder, Jugendliche und Heranwachsende keinerlei Umgangsformen gelernt haben.
Derlei Diskussionen, in denen sich einige auf das "Grüß Gott" stürzen und versuchen, darin zwanghaft etwas rein Religiöses/Missionarisches zu sehen, verursachen bei mir meist Fremdschämen... Oft ist das auch nur der Aufhänger, um sich mal wieder gegenseitig die Vorurteile/einen billigen Regionalismus um die Ohren zu hauen - so kommt mir das vor.
Also ich meine ganz gewiss nicht "Ich glaube an Gott", wenn ich jemanden mit "Grüß Gott" begrüße. Ich bin selbst gebürtiger Bayer, Atheist, und benutze den Ausdruck ganz normal. Skandal!
Es geht bei Sprache ja nicht darum, wo ein Begriff mal hergekommen ist, sondern darum, was damit heute gemeint ist. Und alle Begriffe sind da ganz normale Grüße (regional halt unterschiedlich verwendet). Wäre es nicht so, dann dürfte - wie jetzt schon so oft erwähnt - "Tschüss" auch von keinem mehr verwendet werden, da es auch was mit "Gott" zu tun hat. Was ist mit "Gott sei Dank", "Mein Gott!"/"Oh my god."/"Mon Dieu." etc? Alles verbieten, oder? Viel Spaß beim 'Säkularisieren' der Sprachen.
Solche Aktionen/Zwangsmaßnahmen wie an dieser Schule sind natürlich immer etwas.. seltsam. Aber der Zweck dahinter - dass die Lehrer höflich begrüßt werden sollten - ist ja nicht verkehrt.
In Bayern sind z.B. "Griasde" bzw. "Griasdi'God", "Pfiade", "Pfiadeich", "Pfiadi'God" usw. Duz-Formen. Und "Grias God" (Grüß Gott), "Grias eana God", "Pfiad eana God", "Auf Wiedaschaun" usw. Siez-Formen (erstmal egal ob mit Dialekt oder hochdeutsch ausgesprochen). "Guten Morgen" etc. ist auch hier neutral. (Wobei ich in Bayern "Guten Morgen" auch ganz normal verwende, mir ein "Guten Tag" aber schon schwerer über die Lippen kommt.) Das "Tschüss" hingegen wird hier wenn überhaupt mehr unter Gleichaltrigen verwendet; bei einem Lehrer hätte ich selbst das nicht verwendet bzw. würde es auch eher als Duz-Form ansehen. Die Verwendung der Wörter ist nun mal regional recht unterschiedlich (freilich auch innerhalb Bayerns recht unterschiedlich).
Wer nun meint, das mit der Unterscheidung in höfliche und nicht-höfliche Anreden sei kompletter Quatsch, der kann ja mal den nächsten Lehrer/Professor mit "Servus, oida Zipfeklatscha" begrüßen.
Wenn ich selbst länger in anderen Gegenden Deutschlands bin, dann vermeide ich jedenfalls meine regional gefärbten Ausdrücke auch eher und verwende Neutraleres. Man soll ja verstanden werden bzw. Begrüßungen sollen richtig aufgefasst werden.
Das stimmt nicht, sondern es handelt sich dabei nur um ein altes und übles Gerücht, das in die Welt gesetzt wurde, und noch heute verbreitet wird, um die Verfechter eines gepflegten und bewussten Sprachgebrauchs zu diffamieren.
Das steht sogar bei Wikipedia:
Das Wort „Gesichtserker“ wird häufig als Musterbeispiel für eine misslungene Verdeutschung genannt. Man weiß jedoch von keinem Sprachpuristen, der ernsthaft vorgeschlagen hätte, „Nase“ durch „Gesichtserker“ zu ersetzen. (...)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gesichtserker
Und auch die Nazis hatten sich mehr um Inhalte als die Reinheit der dt. Sprache selbst gekümmert.
Natürlich wünscht man sich das Lächeln mehr, als die ernsten Gesichter der Kinder. Das streitet doch niemand ab.
Sie tun so, was würde es sich hier um Entscheidung zwischen den beiden Möglichkeiten handeln. Und darum geht es nicht. Da die Anweisung aus dem Direktorat kommt, hat das noch nicht mal mit den Lehrern zu tun.
Die Lehrer selbst haben sogar nocht die Möglichkeit, sich mit den Schülern zu solidarisieren, und den Schülern, das "Hallo" zu erlauben und damit ein noch vertrauteres Verhältnis zu schaffen. Die Schüler wüssten trotzdem, dass es sich eigentlich gehört, "Guten Tag" oder auch "Grüß Gott" zu sagen und alles ist in Ordnung.
Glauben Sie, dass ein Akademiker einem Schüler einen Verweis gibt, weil er wohlwollend mit einem Lächeln auf den Lippen zu seinem Lehrer "Hallo" gesagt hat?
wenn sowas so leicht ist, dann sollten Schulen auch Kopftücher verbieten. Das finde ich viel unhöflicher, denn in unserer Kultur herrscht eine gewissen Offenheit. Da nimmt man Kopfbedeckungen aus Respekt eigentlich ab!