Forum


 

Bayerische Höflichkeit: Passauer Schulleiterin verbannt "Tschüss"

Darf ein Bayer Tschüss sagen? Eine Passauer Rektorin löst die ewige Diskussion auf ihre Weise: Sie erklärt ihre Schule zur "Tschüss- und Hallo-freien Zone" - die beiden Wörter seien unhöflich. Recht so, meint ein Dialektpfleger, Tschüss tue in den Ohren weh.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...813418,00.html
  1. #330

    Merhaba

    Zitat von unifersahlscheni Beitrag anzeigen
    ...aber ich habe türkischstämmige/arabische Kunden, und wenn ich sie am Telefon mit "Grüß Gott" begrüße (weil ich nicht auf Anhieb sehe wer grad anruft) antworten sie sogar mit "Grüß Gott" zurück.

    Die sehen es locker und machen sich ein Spaß draus.
    Andere müssen wol verbissen und stocksteif durch`s Leben gehen...

    ...was solls?
    :-)
    Ich füge dann gelegentlich ein flottes "inch Allah" in die Kommunikation ein - kommt immer gut an!
  2. #331

    normaler Umgang

    Zitat von ogg00 Beitrag anzeigen
    ...Den Dialekt können die Leute ja gerne am Stammtisch oder auf dem Schützenfest pflegen, aber bitte nicht im normalen Umgang mit anderen Deutschen. Da gilt Hochdeutsch, wozu Grüßgott, Servus etc. sicher nicht gehören (selbst wenn sie als solches im Duden stehen).
    Offensichtlich verbringe ich mein Leben von Geburt an auf Stammtischen und Schützenfesten! Hicks!
  3. #332

    Hinterwald

    [QUOTE=Newspeak;9574532...Man fragt sich echt, wie hinterwäldlerisch die Bayern sind. Nur weil etwas eine angebliche "Tradition" besitzt, ist es noch nicht gut oder erstrebenswert.[/QUOTE]

    Unter uns: wir sind das nächste Griechenland, so hinterwäldlerisch wird hier gewirtschaftet... spannt schon mal den Rettungsschirm auf!
  4. #333

    Zitat von guteronkel Beitrag anzeigen
    Natürlich hat die Schule eine Aufgabe. Wie uns allen bekannt und bewußt ist, sind unsere Schulen dazu schon lange nicht mehr in der Lage. Es wird nur noch die Hirarchie gebildet. Wo waren denn die Schulen die letzten 20 Jahre? Sind die Ausfälle von Jugendlichen etwa das Zeichen für Erziehung?
    Die Frau Direktorin gehört rausgeworfen. Sie scheint in ihrer kleinen bayerischen Dorf-Welt zu leben. Also schickt sie wieder dahin, aber vertraut ihr nicht eure Kinder an.
    Kennen Sie die Dame, um die es hier geht?
    Sie haben einen die Wahrheit verzerrenden Artikel über eine Anordnung der Direktorin gelesen und sprechen ihr die Kompetenz ab?
    Wenn das ausreichen würde, dürfte kein Lehrer, den ich kenne, noch an einer Schule beschäftigt sein. Sogar, wenn die Entscheidung falsch wäre, wäre das noch lange kein Grund, dass die Frau ihren Beruf nicht ausüben dürfen sollte.

    Die letzten 20 Jahre? Das frage ich mich auch. Aus was für Elternhäusern und Umgebungen kommen diese Kinder, dass sie zuhause nicht lernen, wie man mit fremden Menschen umzugehen hat.
    Auch das Fremdschämen habe ich eher hier, wenn Kinder, Jugendliche und Heranwachsende keinerlei Umgangsformen gelernt haben.
  5. #334

    Grüße

    Derlei Diskussionen, in denen sich einige auf das "Grüß Gott" stürzen und versuchen, darin zwanghaft etwas rein Religiöses/Missionarisches zu sehen, verursachen bei mir meist Fremdschämen... Oft ist das auch nur der Aufhänger, um sich mal wieder gegenseitig die Vorurteile/einen billigen Regionalismus um die Ohren zu hauen - so kommt mir das vor.


    Zitat von stanislaw Beitrag anzeigen
    Solange man die Religion bei sich behält, ist mir das egal und ich sage nicht jedem "Ich glaube nicht an Gott" oder sowas. Sobald man aber auf mich zugeht und sagt "Ich glaube an Gott", dann sage ich eben meine Meinung dazu.
    Also ich meine ganz gewiss nicht "Ich glaube an Gott", wenn ich jemanden mit "Grüß Gott" begrüße. Ich bin selbst gebürtiger Bayer, Atheist, und benutze den Ausdruck ganz normal. Skandal!

    Es geht bei Sprache ja nicht darum, wo ein Begriff mal hergekommen ist, sondern darum, was damit heute gemeint ist. Und alle Begriffe sind da ganz normale Grüße (regional halt unterschiedlich verwendet). Wäre es nicht so, dann dürfte - wie jetzt schon so oft erwähnt - "Tschüss" auch von keinem mehr verwendet werden, da es auch was mit "Gott" zu tun hat. Was ist mit "Gott sei Dank", "Mein Gott!"/"Oh my god."/"Mon Dieu." etc? Alles verbieten, oder? Viel Spaß beim 'Säkularisieren' der Sprachen.

    Solche Aktionen/Zwangsmaßnahmen wie an dieser Schule sind natürlich immer etwas.. seltsam. Aber der Zweck dahinter - dass die Lehrer höflich begrüßt werden sollten - ist ja nicht verkehrt.
    In Bayern sind z.B. "Griasde" bzw. "Griasdi'God", "Pfiade", "Pfiadeich", "Pfiadi'God" usw. Duz-Formen. Und "Grias God" (Grüß Gott), "Grias eana God", "Pfiad eana God", "Auf Wiedaschaun" usw. Siez-Formen (erstmal egal ob mit Dialekt oder hochdeutsch ausgesprochen). "Guten Morgen" etc. ist auch hier neutral. (Wobei ich in Bayern "Guten Morgen" auch ganz normal verwende, mir ein "Guten Tag" aber schon schwerer über die Lippen kommt.) Das "Tschüss" hingegen wird hier wenn überhaupt mehr unter Gleichaltrigen verwendet; bei einem Lehrer hätte ich selbst das nicht verwendet bzw. würde es auch eher als Duz-Form ansehen. Die Verwendung der Wörter ist nun mal regional recht unterschiedlich (freilich auch innerhalb Bayerns recht unterschiedlich).
    Wer nun meint, das mit der Unterscheidung in höfliche und nicht-höfliche Anreden sei kompletter Quatsch, der kann ja mal den nächsten Lehrer/Professor mit "Servus, oida Zipfeklatscha" begrüßen.

    Wenn ich selbst länger in anderen Gegenden Deutschlands bin, dann vermeide ich jedenfalls meine regional gefärbten Ausdrücke auch eher und verwende Neutraleres. Man soll ja verstanden werden bzw. Begrüßungen sollen richtig aufgefasst werden.
  6. #335

    "Gesichtserker" wurde nie vorgeschlagen

    Zitat von rodelaax Beitrag anzeigen
    Sprachpuristen wollten auch viele Wörter, die keinen "germanisch Ursprung" hatten ersetzen.
    Berühmt ist ja das Wort "Nase", dass durch "Gesichtserker" ersetzt werden sollte.
    Die Nazis waren auch ganz fleißig auf diesem Gebiet.
    Das stimmt nicht, sondern es handelt sich dabei nur um ein altes und übles Gerücht, das in die Welt gesetzt wurde, und noch heute verbreitet wird, um die Verfechter eines gepflegten und bewussten Sprachgebrauchs zu diffamieren.

    Das steht sogar bei Wikipedia:

    Das Wort „Gesichtserker“ wird häufig als Musterbeispiel für eine misslungene Verdeutschung genannt. Man weiß jedoch von keinem Sprachpuristen, der ernsthaft vorgeschlagen hätte, „Nase“ durch „Gesichtserker“ zu ersetzen. (...)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gesichtserker

    Und auch die Nazis hatten sich mehr um Inhalte als die Reinheit der dt. Sprache selbst gekümmert.
  7. #336

    Zitat von stupamundi Beitrag anzeigen
    ...wenn die Schüler, diese Form selber wählen, wenn sie dazu gezwungen werden sollen- wird das Lächeln wohl eher wegfallen, und Szene 2, die Herrschende- und ehrlich, als Lehrer, würde mir Szene 1 eher schmeicheln.
    Natürlich wünscht man sich das Lächeln mehr, als die ernsten Gesichter der Kinder. Das streitet doch niemand ab.

    Sie tun so, was würde es sich hier um Entscheidung zwischen den beiden Möglichkeiten handeln. Und darum geht es nicht. Da die Anweisung aus dem Direktorat kommt, hat das noch nicht mal mit den Lehrern zu tun.

    Die Lehrer selbst haben sogar nocht die Möglichkeit, sich mit den Schülern zu solidarisieren, und den Schülern, das "Hallo" zu erlauben und damit ein noch vertrauteres Verhältnis zu schaffen. Die Schüler wüssten trotzdem, dass es sich eigentlich gehört, "Guten Tag" oder auch "Grüß Gott" zu sagen und alles ist in Ordnung.

    Glauben Sie, dass ein Akademiker einem Schüler einen Verweis gibt, weil er wohlwollend mit einem Lächeln auf den Lippen zu seinem Lehrer "Hallo" gesagt hat?
  8. #337

    Zitat von trafozsatsfm Beitrag anzeigen
    Nein, aber da in der heutigen Gesellschaft die eher informellen Grußformeln "Hallo" und "Tschüss" weit verbreitet sind, würden die Schüler den Hinweis, sie sollten lieber "Auf Wiedersehen, Herr X." sagen, als seltsame Kritik empfinden. Und in Zukunft würden sie dann lieber gar nicht mehr grüßen.

    Ich empfinde es als völlig normal, dass man sich mit "Hallo" begrüßt, wenn man sich gut kennt und einander wohlwollend gegenübersteht. Und das sollte zwischen Lehrern und Schülern ja hoffentlich der Fall sein.

    Letztlich ist es mir aber völlig egal, ob meine Schüler mich mit "Guten Tag", "Hallo", "Huhu" oder "Grüß Gott" begrüßen (wobei letzteres für Nichtbayern eher "schnurrig" klingt) - entscheidend ist ohnehin der Tonfall. Extrem ausgedrückt:

    Mir ist ein freundliches "Hallo, Herr X" weitaus lieber als ein ironisches "Guten Tag", bei dem man das unausgesprochene "..., du A*schloch" am Tonfall hört. ;)
    Ist es mir auch.
    Am besten gefallen würde es mir, wenn die Schüler zwischen den Lehrern unterscheiden könnten, zu denen sie "hallo" sagen können und denen" wo ein "Guten Tag, Herr X" angebracht wäre.
  9. #338

    Zitat von Oachkatzlschwoaf Beitrag anzeigen
    Ich füge dann gelegentlich ein flottes "inch Allah" in die Kommunikation ein - kommt immer gut an!
    Vorausgesetzt, man weiß, was es bedeutet. "Insha'Allah" ist nämlich keine Grußformel.
  10. #339

    Warum nicht

    wenn sowas so leicht ist, dann sollten Schulen auch Kopftücher verbieten. Das finde ich viel unhöflicher, denn in unserer Kultur herrscht eine gewissen Offenheit. Da nimmt man Kopfbedeckungen aus Respekt eigentlich ab!


TOP



TOP