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Barmer Report: Studie moniert Ausgaben für Heilmittel ohne Nutzen

CorbisErgotherapie, Massagen, Prothesen oder Hörgeräte: Die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel sind in Deutschland in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dabei zeigt die aktuelle Studie der Barmer-Krankenkasse auch, dass ihr Einsatz den Patienten häufig nichts bringt.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...856476,00.html
  1. #1

    Zuerst sollte man mal die Verschreibungskompetenz in pflegerische Hände geben. Nahezu überall sind es die Pflegekräfte die Heilmittel auswählen. Wenn ich im Krankenhaus oder in der häuslichen Pflege eine spezielle Matratze für meinen Patienten brauche, brauch ich das gar nicht mit dem Arzt besprechen, weil er die verschiedenen Systeme überhaupt nicht kennt, geschweige denn bewerten kann, anhand welcher Kriterien man welches auswählt. Trotzdem ist er derjenige der, völlig ohne Sachkenntnis, das Rezept dafür ausstellt.
    Am Ende sollten diejenigen Berufsgruppen die den Bedarf an Hilfsmitteln einschätzen können, auch die Kompetenz haben, diese Hilfsmittel zu verschreiben.
  2. #2

    Adhs

    Lustig, als ich die Überschrift las, mußte ich sofort an die nette, aber leider wirkungslose Ergotherapie denken, die mein Sohn mit der Diagnose ADS für über ein Jahr erhielt. Laut Frau Glaeske gehört er also zu den glücklichen 20 %.
    Als ob Ritalin heutzutage noch "einfach so" verschrieben würde. Nachdem die Ergo keine erkennbare Verbesserung gebracht hatte, dafür Terminstress (die Kasse zahlt nur, wenn auch wirklich regelmäßig Ergo stattfindet, dadurch wurde jeder Urlaub zum Knobelspiel).

    Wie auch immer, im Nachhinein deutete die verschreibende Ärztin an, es müsse nun einmal ein Jahr lang mit nicht-medikamentösen "behandelt" werden, bevor Ritalin verschrieben werden dürfe. (Das ziemlich gut hilft.)

    Schade, daß zu diesem Zeitpunkt der Übertritt ins Gymnasium schon gelaufen und versäumt war.
    Aber die Ritalinhasser, die offenbar sämtliche Gremien außer Betroffenenvertretungen unter ihre Kontrolle gebracht haben, sind hoffentlich zufrieden.
    Tut mir jedenfalls geradezu leid für meine Kasse, daß sie diese nutzlose Veranstaltung zahlen "durfte". Der Therapeutin gönne ich das Geld schon... nur hoffentlich fehlt es nicht, wenn jemand schwer krank ist.
  3. #3

    Ohja

    Ohja und die Pflegekraft bekommt dann auch ein eigenes Budget und muss dann aber auch in Regress genommen werden, wenn sie das geiegnete Hilfsmittell/Heilmittel auswählt.
  4. #4

    Wahrheit

    Lustig der Artikel. Insbesondere auch das mit dem Tennisellenbogen. Ich habe gerade einen Heilmittelregress am Hals, weil ich zu viel verordnet habe. Wenn ich jetzt konsequent jeden mit Heilmittel versorge wie es medizinisch wäre, könnte ich die Praxis zu machen. Mir wird nämlich nicht vorgeworfen, dass ich etwas verordnet hätte das nicht medizinisch notwendig wäre, sondern nur zu viel. Aber nicht weil ein Patient zu viel bekommt, sondern eben die Masse. Das heißt wenn mein Budget zu 100 % ausgeschöpft ist und es kommt ein Patient zum Beispiel nach orthopädischer Therapie müßte ich ihm eigentlich sagen: Geht nicht. Wenn der Patient dann bei seiner Kasse anruft, sagt die: Ihr Arzt kann ihnen alles verordnen. Es gibt auch den Antrag auf Langfristverordnung, wenn zum Beispiel abzusehen ist, dass die Physiotherapie länger notwendig ist. Von geschriebenen 10 Anträgen erhalte ich vielleicht 1 Antwort zurück. Und wenn ich dem Pat. sage wechseln sie die Kasse bekomme ich Ärger. Sagt aber die Kasse wechslen sie den Hausarzt, weil er ihnen die Physiotherapie nicht aufschreibt passiert nichts. Die Kassen suggerieren dem Patienten, dass für alle alles da ist unbegrenzt. Wenn sie wenigstens so ehrlich wären und sagen würden, dass es reglementiert ist.
  5. #5

    alle leistungen müssen überprüft werden

    die gesetzlichen Kassen leisten viel Gutes und vermutlich auch eine ganze Menge Unnützes:
    * Haushaltshilfen sind eine gute Erfindung
    * Mutter-/Kind-Kuren finde ich gefühlt eher überflüssig.
    Die meisten Kuren, die ich im Bekanntenkreis erlebt habe, sind Urlaubsersatz und keine therapeutische Notwendigkeit ;(. Einer meiner entfernten Bekannten sagte mir ins Gesicht "ich kann nicht sechs Wochen Sommerferien mit Urlaub abdecken, also beantragen ich und meine Frau jedes Jahr abwechselnd eine Kur und fahren drei Wochen mit den Kindern auf Kassenkosten weg".

    Insbesondere ist aber eine Qualitätskontrolle wichtig. Nach Nutzen einer Leistung muss geprüft werden, ob diese Leistung sinnvoll war und tatsächlich geholfen hat und wenn nicht, warum nicht.
  6. #6

    Recherche = Fremdwort

    Lieber SPON,

    munter geht es weiter in der Diffamierung der Ärzte.

    Sie verordnen also zu wenig oder zu viel Heilmittel/Hilfsmittel.

    Bei einer wirklichen Recherche - und nicht dem bloßen Abschreiben von Krankenkassenmeldungen - hätten sie herausfinden können, dass Heilmittel einer Richtgrößenprüfung unterliegen - auf deutsch rationiert sind.
    So darf ein gemeiner Hausarzt in Nordrhein einem GK-Versicherten für 5,53 € (einem Rentner 16,42 €) Heilmittel pro Quartal aufschreiben.
    Man hätte dann ausrechenen können, dass das in einem Quartal ein Budget von ca. 9.000 € ausmacht. Eine "Serie" Ergotherpaie (18 x in 3 Monaten) für einen Altenheimbewohner wäre sicherlich wünschenswert, belastet das Budget aber mit 450 €. AUch sie hätten ausrechnen können, dass man dann 20 Rentnern was gutes tun kann, der Rest geht leer aus.

    Das perfide an dem ganzen System ist, dass patienten und Ärzte gegeneinander ausgespielt werden. So drohen Patienten gerne mal mit einem Arztwechsel, wenn sie nicht 6 Massagen für den näöchsten Wellness Urlaub auf Kasse aufgeschrieben bekommen.

    Die politisch gewollte Rationierung sollte auch so kommuniziert werden und der Disput nicht in die Behandlundlungszimmer verlagert werden.

    Wie nannte es der ach so unabhängige Schlichter Herr Prof. Wasem mal auf einem Symposium: "implizite Rationierung". Die Ärzte sind die Dummen, die die Rationierung durch Angst vor einem Regress beim Patienten durchsetzen müssen.

    Aber das waäre wohl zuviel der Recherche gewesen.
  7. #7

    Hörgeräte

    Bei Hörgeräten frage ich mich regelmäßig, was da genau abgeht. Jegliche Konsumerelektronik ist in den letzten Jahrzehnten extrem geschrumpft und kleiner geworden. Der Markt für Hörgeräte ist riesig. Normalerweise müßte es vernünftige Geräte für 100..200 EUR geben - die Anpassung an das Ohr mal weggelassen. Es müßte auch möglich sein, die Dinger mit Akkus zu betreiben.

    Ich bin selber seit Jahrzehnten in der Elektronik- und Signalverarbeitungsindustrie tätig und weiß, was so geht.

    Nur mal ein Beispiel - wieso gibt es keine Anschlüsse für ein Batteriepack am Gürtel ? Da könnte zumindest zu Hause eine Menge Geld für Batterien gespart werden. Statt dessen verdienen sich ein paar wenige Anbieter eine goldene Nase mit den Geräten und den Batterien. Vielleicht sollte man so ein Ding mal kostengünstig als Bausatz herausbringen :-) ?
  8. #8

    Zunächst einmal Nutzen von Medikamenten prüfen!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ergotherapie, Massagen, Prothesen oder Hörgeräte: Die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel sind in Deutschland in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dabei zeigt die aktuelle Studie der Barmer-Krankenkasse auch, dass ihr Einsatz den Patienten häufig nichts bringt.

    Barmer GEK Heilmittelreport 2012: Geschäft mit Massagen boomt - SPIEGEL ONLINE
    Ich bekam vor 7 Jahren die Diagnose ALS und auch gleich das einzige dafür in der EU zugelassene Medikament verschrieben, obwohl viele Neurologen an dessen Nutzen große Zweifel haben: "zusätzliche geschätzte Lebenserwartung 6 Monate".
    Die Tageskosten für die Barmer: 30 Euro, im Monat 900 Euro, im Jahr 10.000 Euro, in 7 Jahren 70.000 Euro.
    Mit mir ging es in 14 Tagen Einnahme jedoch rapide abwärts.
    Dann habe ich das Zeug in den Müll geworfen und nutze seither nur noch Physiotherapie: wöchentlich 1 x im Bewegungsbad und wöchentlich 1 x Dehnung und Streckung der Muskeln und Bänder.
    Dass ich noch einigermaßen stabil bin, verdanke ich also sicher nicht einem Medikament, sondern der Physiotherapie und die Barmer spart dabei auch noch eine Menge Geld.
  9. #9

    schiefe Darstellung

    natürlich steckt der Teufel im Detail: Massagen werden deshalb am häufigsten verordnet, weil sie die kostengünstigsten Heilmittel sind, nicht weil sie am besten helfen.
    Bei der Heilmittelverordnung sind die Ärzte unter extremem Regressdruck, so dass nicht das medizinisch notwendige und sinnvolle verordnet wird, sondern nach anderen Gesichtspunkten: Der Patient mit Rückenschmerz akut oder chronisch, bekommt Massagen (statt sinnvolleres), und das auch maximal 1x/Quartal (beim Orthopäden), oder (beim Hausarzt) nur wenn die gesamte Verordnungsmenge der Praxis noch im ungefährlichen Bereich ist.
    Viele Hausärzte verordnen fast keine Physiotherapie mehr, weil man auch mit wenigen Verordnungen schnell prüfrelevant über dem Fachgruppendurchschnitt liegt und einen Regress riskiert.
    Bei Hilfsmitteln ist das Hauptproblem anders, nämlich erstens der unübersichtliche und unzugängliche Hilfsmittelkatalog und zweitens die Genehmigungs- bzw. Ablehnungspraxis der Krankenkassen, der die meisten Patienten hilflos ausgeliefert sind.
    Viel Vergnügen für alle Pflegekräfte, die sich damit wirklich beschäftigen wollen (das ganz abgesehen vom "Budget" bzw. der "Wirtschaftlichkeitsverpflichtung").


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