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Bachelor-Studenten: Wo ist hier das Druckventil?

Verschult, verkopft, verkorkst - seit der Umstellung auf Bachelor und Master klagen Studenten über Stress. Oliver Kahns Lebensthema ist ihr Studienthema: dieser immense "Druuuck". Daran haben die Hochschulen ihren Anteil,*Unternehmen und*die Studenten selbst aber auch.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...811920,00.html
  1. #30

    Ich kanns ja schon gar nimma hören! Diese armen, armen kleinen Bachelors...

    Mein Bachelor war die reinste Sause, erst im Master habe ich wirklich richtig gelernt. Das einzig harte war mein Praxissemester in Ungarn, Mo-Sa 12 Std. pro Tag und Sonntag von 7-16 Uhr. Und trotzdem hab ich mich hingesetzt und Thermodynamik gebolzt, weil ich es im Semester davor vermasselt habe! Aber seitdem weiß ich warum ich studiert habe. Und diese arme, arme BWLerin muss 8-10 Std. arbeiten, armes Ding.

    Ich fand die Umstellung gut! Hätte ich mit Dipl.-Ing. (FH) abgeschlossen, wäre ich wohl nicht qualifiziert genug gewesen für meinen Traumjob. Mit dem Master war ich es!
  2. #31

    Gnothi seauton

    Zitat von wizzard74 Beitrag anzeigen
    Und was ich gerne noch hinzufügen würde, ist dass der "Reichtum" einer Gesellschaft eben NICHT alleine davon abhängt, wieviel Güter sie verkauft. Auch die menschliche (humanitäre) Bildung (nicht AUSbildung) ist da ein integraler Bestandteil, der das Leben in einer solchen Gesellschaft erst lebenswert macht.

    Das ist es, was der Herr "lorn order" bedauerlicherweise absolut nicht zu verstehen scheint. Solche Leute treiben mir die Sorgenfalten auf die Stirn ob des Zustandes unserer einseitig auf Profit ausgerichteten Gesellschaft.

    Nebenbei: Ich bin (erfolgreicher) MINT-Absolvent. Manche von denen schaffen es immer noch, über den Tellerrand zu schauen ;-)
    Was spricht dagegen, sich abseits seines Berufes mit geisteswissenschaftlichen Themen zu befassen?
    Ich wettere ja überhaupt nicht gegen die Geisteswissenschaften als solches.
    Ich sage nur, dass der materielle Wohlstand unseres Landes in erster Linie den hochwertigen Gütern zu verdanken ist, die bei uns hergestellt werden.
    Die hohen Gehälter und die sagenhaften Sozialleistungen können wir uns nur deshalb erlauben, weil Deutschland eine so erfolgreiche Industrienation ist.

    Und unsere Unternehmen benötigen viele viele MINTler und eher weniger Philosophen und Anthropologen, wenn das so bleiben soll.

    Und ich sage ausserdem, dass die Gesellschaft knappe Ressourcen wie die Bildungsressourcen zum Wohle aller besser regulieren sollte.

    Von 1995 bis 2006 ging die Zahl der Studienanfänger für Philosophie bereits von 8668 auf 4215 zurück. Die Anzahl der Abschlussprüfungen blieb dagegen relativ konstant bei ca 1000 pro Jahr.

    Haben wir in Deutschland wirklich Bedarf an einer Kohorte Philosophen pro Jahr?
    Was ist mit den vielen Tausend Möchtergernphilosophen, die das Studium dann doch lieber geschmissen haben?
    Ist das nicht Verschwendung von Ressourcen, hätte man das durch bessere Eingangskontrollen nicht verhindern können?

    Würde man meinem Vorschlag folgen, würde die von mir geforderte "Studien-Nützlichkeitskommission" z.B. festlegen, Deutschlanf habe einen Bedarf an sagen wir 300 Philosophen pro Jahr. So viele dürften kostenlos Philosophie studieren und all die anderen Wannabe-Platoniker müssten entweder tüchtig ablatzen oder was anderes studieren.
  3. #32

    ...

    Zitat von frankyboy040 Beitrag anzeigen
    Viel wichtiger als die Diskussion über die zunehmende Arbeitsbelastung der Studierenden ist doch, dass zunächst sinnvolle Bildungsziele definiert werden. Das Bulimie-Lernen führt letztlich nur zu Pseudo-Studienabschlüsse, die in der realen Arbeitswelt keinen Wert haben können. Eine der wichtigsten Aufgabe des Studiums war es schon immer, die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden entscheidend zu fördern.
    Ach Unfug... das ist wieder so ein Nachplappern, um was zu Meckern zu haben.

    Dieses Bulimie-Lernen ist absolut keine neue Erfindung des Bachelor/Master-Systems.... ob mans glaubt oder nicht - das war auch vor 20 Jahren mit dem gottgepriesenen alten Diplom schon nicht anders.
    Mancher lernt für die Prüfung, mancher versucht wirklich was mitzunehmen... und beständig wird drüber gespöttelt, dass jeder sowieso 95% von dem Kram aus dem Studium nie wieder brauchen wird.
    Alles wie eh und jeh.

    Btw - zur Persönlichkeitsentwicklung braucht man kein Studium. Das macht das Leben jeden einzelnen Tag. Egal ob man Schüler, Student, Berufstätiger oder gar Arbeitsloser ist....
    Und weder auf dem Diplom, noch auf dem Bachelor steht irgendwo ein Nachweis für gewonnene Lebenserfahrung. Sonst könnte man automatisch jedem 40-jährigen einen akademischen Grad geben.
  4. #33

    .

    Zitat von lorn order Beitrag anzeigen
    Was spricht dagegen, sich abseits seines Berufes mit geisteswissenschaftlichen Themen zu befassen? ...
    Ich sage nur, dass der materielle Wohlstand unseres Landes in erster Linie den hochwertigen Gütern zu verdanken ist, die bei uns hergestellt werden.
    ...
    Hmmmm... Mir ist das immer noch zu profitfokussiert. Außerdem erwähnen Sie so einige Dinge (explizit oder implizit), die ich gerne in Frage stellen würde.
    Der materielle Wohlstand unseres Landes beruht auf den hochwertigen Gütern, die wir herstellen? Könnte es nicht auch sein, dass er darauf beruht, dass wir (in Form global agierender Konzerne) es nach dem Krieg geschafft haben, u. a. Fernost auszubeuten? Eben das, was nun nicht mehr so gut funktioniert, weil dort Konkurrenz erwächst? Es klingt für mich zu simpel, unser Wohlergehen in Deutschland mit den phantastischen Leistungen der Landsleute zu erklären. Dafür kenne ich zu viele Menschen in anderen, ärmeren Ländern, die keineswegs dümmer oder leistungsunwilliger sind. Ich glaube, wir hatten in der Vergangenheit einfach viel Glück, auf der richtigen Seite im weltpolitischen und weltindustriellen Geschehen zu stehen.

    Sich nebenberuflich mit wirklich anspruchsvollen philosophischen oder sagen wir mal allgemeiner: gesellschaftswissenschaftlichen Themen zu befassen, halte ich für nahezu unmöglich. Ich schaffe das jedenfalls nicht auf einem Niveau, das die Menschheit weiterbringt.

    Ein anderer Forist hatte das nächste Problem anklingen lassen: Was bringen Deutschland die Leute, die bei ihrem Ansatz eben nicht das studieren können, wozu sie begabt sind, sondern dann beispielsweise eher lausige Programmierer werden, die am besten noch ihr Leben lang unglücklich sind? Sollen die Leute doch etwas machen, was ihnen gefällt. Die finanziere ich jedenfalls lieber mit meinen Sozialabgaben, als dass ich mit meinen Steuern ein Bankensystem am Leben halte, das der wertschöpfenden Industrie doch nicht hilft (es wird ja selbst geschenktes Geld der EZB lieber nicht an die Unternehmen verliehen).

    Vielleicht habe ich da auch ein etwas anderes Menschenbild als Sie, denn Ihr Beitrag klingt danach, dass die Leute aus purer Bequemlichkeit Gesellschaftswissenschaften studieren. Zumindest legt das Beispiel mit den Zahlen der Philosophiestudenten das nahe. Ich bin sehr vorsichtig, wenn ich solche Zahlen sehe - Quantität erklärt nicht Qualität. Wer weiß, was dahinter steckt?

    Bildungsressourcen sind knapp? Nur, weil das politisch so eingerichtet wurde. Es ist viel, viel Geld da, um alles mögliche zu tun (z. B. die Industrie zu subventionieren). Wir hätten jede Menge Geld zur Verfügung, jungen Menschen hervorragende Bildungsmöglichkeiten zu geben. Für dieses Politikum habe ich allerdings keine gute Erklärung, nur mehrere ziemlich dystopische, die ich lieber für mich behalte. Haben sie eine?

    Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte nicht alles komplett auseinander nehmen, was Sie sagen. Ich finde den Blickwinkel nur etwas extrem. Ich bin da auch ein wenig vom Hölzchen aufs Stöckchen gekommen, weil das Thema so viele Berührungspunkte mit anderen Themen hat. Da hat jemand bei der Schnittstellendefinition nicht gut nachgedacht ;-)

    P.S. ich meinte in meinem vorhergehenden Beitrag natürlich *humanistische* Bildung (und auch nicht nur das - ich hätte guten Gewissens auch einfach "gesellschaftswissenschaftlich" schreiben können). Der Tag war schon etwas lang...
  5. #34

    Zustimmung zu meinem Vorredner^

    Sie kenne etliche Kommilitonen, die das nur aushalten, indem "Cola und Energy Drinks, Ritalin und Zigaretten zum Treibstoff werden."
    DA könnte man z.b. grandios ansetzen:

    Wer sich mit Stressoren auskennt wird die "Kommilitonen" hier leider bemitleiden müssen. Diese beschriebenen Drinks und Mittelchen zur Steigerung der Leistung bzw. der Aufmerksamkeit führen AUCH zur Steigerung des - ich nenne es mal - Stresspegels.


    Damit der Körper gut in der Prüfungszeit funktioniert empfehle ich Ruhe, ein gutes Zeitmanagement und frische Luft.
  6. #35

    Zitat von felix_bach Beitrag anzeigen
    Meine Guete, ich wusste nicht, dass man so einfach einen Masters inm Bereich Wirtschaftwisssenschaften bekommen kann.
    falls Sie das als einfach ansehen...
    Die vier Stunden mittwochs am Abend, fünf Stunden am Freitag sowie der komplette Samstag reichen nicht (alles Vorlesungszeit).

    Ich für meinen Teil hab dn kompletten ReWe Teil in Eigenregie während des Semesters rekapituliert, das war nötig um den Stoff im Master überhaupt zu peilen.

    Dazu kommen Gruppenarbeiten, eine Präsentation (eine Woche jeden Tag ganztägig für Erstellung im Urlaub über Weihnachten) sowie 5 Klausuren.

    Das war dann ein Semester. Semesterferien gibts nicht, da man den gleichen Stoff wie ein Vollzeitstudent aufzuarbeiten hat.

    Rechtfertigt des MA Abschluss - Großteil der Studenten ist dazu noch sehr motiviert.








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