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Autismus: "Oft wünschte ich, die Menschen wären nummeriert"

CorbisSie haben Probleme, soziale Kontakte zu knüpfen, tun sich schwer, Mimiken zu erkennen und gelten oft als sonderbar. Doch eigentlich sind Asperger-Autisten nur eines: anders. Vier Betroffene erzählen über ihr Leben mit der Störung - und wie sie ihren Alltag damit meistern.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-877992.html
  1. #70

    Effizienz in der Wirtschaft

    Zitat von herr wal Beitrag anzeigen
    Treffen sich zwei Bundeswehrsoldaten am Hindukusch. Sagt der eine: „Hey, Kamerad, wie geht’s?“ Sagt der andere: „Heute relativ gut. Hab Post von zu Hause bekommen. – Magste ein Stück Schokolade?“ Sagt der erste: „Ja, gerne“. Und etwas später: „Magste ne Zigarette?“ Sagt der zweite: „Ja, gerne, danke.“ Und eine Zigarettenlänge später: „Ach übrigens, ich hab vorhin gesehen, da hinten kommen ein paar Taliban über den Hügel hoch auf uns zu. Meinste, die wollen zu uns?“
    Naja, und genau SO un-autistisch geht’s in der zivilen Wirtschaft ja wirklich manchmal zu, und das muß auch so sein. Denn wer sollte denn die zusätzlichen Produkte kaufen, die bei gesteigerter Effizienz alle hergestellt würden?
    LOL. Ja genau. Das ist wirklich zum Haaresträuben, was in der (privaten) Wirtschaft an Schildbürgerstreichen von NT's so "verbrochen" wird. Stundenlange Rumquatscherei (Besprechungen) mit Null Ergebnis. Aber schön gesellig wars.
  2. #71

    Ehrliche Antwort

    Zitat von schlaumonster Beitrag anzeigen
    Sind es irgendwelche neuronalen, hormonellen und /oder genetischen verhältnisse in unterschiedlicher Intensität oder hat das eine (Egoisten, Humorlose) nichts mit dem anderen (Autisten) zu tun?
    Ich würde es so sehen, daß das Eine nichts mit dem Anderen zu tun hat. Warum sollten Autisten humorlos sein ? Ist das irgendein Diagnosekriterium ? Hab ich noch nirgends gelesen. Und Egoisten ?
    Wenn Sie wüßten, wieviele NT-Egoisten mir täglich über den Weg laufen. Das ist auch kein Diagnosekriterium ! Was Sie meinen, sind vielleicht Narzissten. Das hat vorhin schonmal jemand verwechselt.
  3. #72

    Zitat von schlaumonster Beitrag anzeigen
    Was unterscheidet Autisten eigentlich von Egoisten und Humorlosen?
    Alle diese können sich in andere Menschen nicht hineinversetzten und leben in ihrer kompelett eigenen Welt.
    Asperger-Autisten sind nicht egoistisch. Es fehlt ihn nur die Fähigkeit, sich intuitiv in andere Menschen hinein zu versetzen. Deshalb können sie auch die Bedürfnisse anderer Menschen nur schwer erkennen und darauf eingehen. Autisten können sich zwar bis zu einem gewissen Grad die Fähigkeit antrainieren, sich in die Perspektive anderer Menschen zu versetzen, aber es wird immer mit willentlicher Anstrengung verbunden sein, es funktioniert nicht intuitiv.

    Wirkliche Egoisten können die Bedürfnisse anderer Menschen durchaus erkennen, setzen sich aber bewusst darüber hinweg. Oder sie haben es in ihrer Erziehung nicht lernen können, dass man als Individuum nicht der Nabel der Welt ist, sondern dass es Mitmenschen gibt, die auch ihre Rechte und Bedürfnisse haben. Bei Asperger-Autisten liegen dagegen primär keine Defizite in Erziehung und Sozialisation vor, sondern es fehlt die Fähigkeit, bestimmte zwischenmenschliche „Schwingungen“ intuitiv zu erkennen.

    Das ist zwar jetzt eine sehr oberflächliche und verkürzte Erklärung, aber vielleicht reicht das, um den Kern der Sache deutlich zu machen.
  4. #73

    Irgendwie macht es Spaß...

    Zitat von ein_weiterer_aspie Beitrag anzeigen
    LOL. Ja genau. Das ist wirklich zum Haaresträuben, was in der (privaten) Wirtschaft an Schildbürgerstreichen von NT's so "verbrochen" wird. Stundenlange Rumquatscherei (Besprechungen) mit Null Ergebnis. Aber schön gesellig wars.
    Irgendwie macht es Spaß, den NT'lern einmal den Spiegel vorzuhalten und ihnen ihr als normal empfundenes Verhalten als pathologisch zu beschreiben.
  5. #74

    Schwierieges Thema II

    Für ein Außenstehender klingt die Beschreibung harmlos. Eins oder mehrere Sympome würden die meisten in sich erkennen. Sind wir denn nicht alle etwas Autistisch?

    Wenn man im Leben einigermaßen ohne große/ständige Unterstutzung klar kommt, wohl kaum!

    Oder, man gehört zu den Menschen mit Autismus die als Kinder stärker betroffen wirkten, jedoch als Erwachsene ziemlich unauffälig ihren Weg gehen. (Es gibt mehr davon als man denkt.)

    Leider ist es so, dass manche nicht einfach aus der Sache "rauswachsen." Insbesonders ihre Eltern würden über diese "Autismus-light" Beispiele im Artikel nur traurig darüber lächeln...
  6. #75

    ...

    Zitat von ein_weiterer_aspie Beitrag anzeigen
    Wahrscheinlich fühlt man sich als Journalistin nicht so toll, wenn man mit Beschwerden beim Presserat überhäuft wird.
    Keine Ahnung, bei BILD gehört das scheinbar zum "guten Ton".

    Zitat von ein_weiterer_aspie Beitrag anzeigen
    Mir geht es aber nicht darum, daß sich andere Menschen schlecht fühlen. Und ich lasse ihnen die Chance, aus Fehlern zu lernen, ohne sie gleich dafür bestrafen zu wollen.
    Ihr wurden mehrere Brücken gebaut, den Unsinn wieder in Ordnung zu bringen. Es gab keinerlei Gesprächsbereitschaft. Stattdessen wurde seitens "der Redaktion" die Frechheit an das Ende des Artikels gesetzt, es täte ihnen leid, wenn Leute in dem Artikel etwas sähen, was angeblich nicht vorhanden wäre.

    Da einige das aber trotz der Beteuerungen weiterhin dort sahen, haben sie eben den Presserat darüber informiert und man wird bei dieser Institution sehen, ob sich all die Leute oder eben "die Redaktion" in diesem Punkt geirrt haben.

    Das hat nichts mit "bestrafen" zu tun (dazu ist der Presserat gar nicht in der Lage, da seine Beschlüsse nicht bindend sind), sondern mit "Klärung eines Sachverhaltes, bei dem eine Reihe von Personen einen unterschiedlichen Standpunkt vertreten".
  7. #76

    Gesprächsbereitschaft

    Zitat von asperix Beitrag anzeigen
    Ihr wurden mehrere Brücken gebaut, den Unsinn wieder in Ordnung zu bringen. Es gab keinerlei Gesprächsbereitschaft.
    Ja, mit der Gesprächsbereitschaft ist das so'ne Sache. Es gibt ja viele, die behaupten, NT's würden nicht so gern direkt kommunizieren oder hätten Probleme damit. Allerdings kann ich im Falle von Fr. Briseno nicht sagen, woran das liegt, daß man mit ihr fast gar nicht oder nur sehr sporadisch kommunizieren kann. Vielleicht liegt es einfach auch nur an Überlastung. Sie hat ja noch mehr zu tun bei SPON, als mit Autisten über Autismus zu reden.
  8. #77

    Zitat von fpa Beitrag anzeigen
    Ich frage mich, ob man es immer überhaupt soweit kommen lassen muss, dass seelische Not entsteht. Der erste Schritt muss m.E. sein, Menschen, die anders sind als andere, anders als man selbst, die vielleicht weder die gesellschaftlichen noch die eigenen Erwartungen und Wünsche erfüllen, dass man solche Menschen dennoch zuerst einmal einfach nur so respektiert und achten wie sie sind, ohne jegliche Wertung, und ohne gleich zu versuchen, sie nach dem eigenen Muster umbiegen zu wollen. Ich kann nur jeden dazu ermutigen. Statt "Angst vor dem Anders-sein" kann so leicht sogar "Liebe zum Anders-sein" daraus erwachsen.

    Und ob Labels oder Diagnosen etwas gutes oder eher etwas schlechtes sind, würde ich im Einzelfall daran messen, was sie bewirken. Sind sie ein Mittel, so wie Sie fordern, sinnvolle oder gar notwendige Hilfe zu erbringen oder möglich zu machen, dann ist das prima. Werden sie als Stigma zur Ausgrenzung oder gar Diskriminierung benutzt, dann werden sie zu regelrechten Waffen der anderen gegen die Betroffenen.

    Grundsätzlich finde ich Aufklärung wie durch diesen SPON Artikel oder Bücher wie diesem Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht. Leben mit dem Asperger-Syndrom.: Amazon.de: Liane H. Willey: Bücher sehr gut. Meine Berührung mit Asperger ist noch relativ jung. Aus den Erfahrungen um ADHS habe ich allerdings gelernt, dass derartige Aufklärung leider zwei Seiten hat. Wenn ich in Gymnasien Fortbildungen hielt, um Lehrern zu zeigen, wie man den Problemen in der Klasse mit solchen Kindern besser aus dem Weg gehen kann, gab ich damit auch immer die Information preis, wie man sie erst so richtig auf die Palme bringt, sie quasi dysfunktional macht. Und leider gab es ab und an auch einen, der das dann auf genau diese Weise ausgenutzt hat, in etwa nach dem Motto: "So ein Kind gehört eh nicht auf diese Schule, und damit basta! Je schneller man es davon verweisen kann, um so besser." ... und die Mehrheit der Eltern der anderen Kinder hatte er dabei hinter sich: "Die hindern unsere eigenen Kinder am effektiven Lernen, und damit am Schulerfolg."

    Eine persönliche Anmerkung an Sie zum Schluss: Sehen Sie, ich finde Ihre grundsätzliche Herangehensweise gar nicht so schlecht - so sehr wir uns im Einzelfall auch fetzen. Es muss auch Menschen geben, die (vielleicht träumerisch-) visionär an solche Probleme herangehen. Und wer eine (vielleicht unwissentlich eher buddhistisch geprägte) Ehrfurcht vor dem Leben hat, der ist für mich grundsätzlich erst einmal ein "Verbündeter" und kein "Gegner".
    Es freut mich,das sie diese offene Einstellung trotz aller Gegnsätze bewahrt haben.
    Ich selbst würde all dies auf den Respekt und das Verständnis vor dem anders-seienden beziehen,als es an einer Diagnose festmachen.Aber am Ende geht es auch ihnen wohl um das Verständnis für Menschen die nicht der "Norm" entsprechen.Was dies betrifft,haben wir wohl einiges gemeinsam.
  9. #78

    Zitat von nocheinautist Beitrag anzeigen
    ...Wie heißt es so schön:
    "Das neurotypische Syndrom ist eine neurobiologische Störung.
    Die Symptome sind:

    Übertrieben geselliges Verhalten, Überlegenheitswahn, und eine Fixierung auf Konformität.

    NTs können nicht gut alleine sein.
    NTs sind oft intolerant.

    In Gruppen agieren NTs zwanghaft und bestehen oft auf funktionsgestörten, destruktiven und sogar unmöglichen Ritualen, nur um die Gruppenidentität aufrecht zu erhalten.

    NTs haben ein Problem, direkt zu kommunizieren und lügen viel mehr als Personen aus dem autistischen Spektrum.

    Tragischerweise haben 9625 von 10.000 Menschen NT."
    Passende Lektüre zur Vertiefung des Gesagten:

    Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, dtv.
    Adornos Studien zum autoritären Charakter natürlich auch, sind aber weniger unterhaltsam, dafür etwas mühsamer durchzuackern.
  10. #79

    Leben in einer eigenen Welt

    "Asperger-Syndrom
    Menschen mit Asperger-Syndrom haben für gewöhnlich eine normale Sprachentwicklung. Dennoch haben sie Schwierigkeiten bei der Kommunikation: Sie haben Probleme beim Erkennen sowie beim Einsatz von Mimiken und Gestiken und eher eine monotone Sprechweise. Ihre Fähigkeit, durch Veränderung des Tonfalls, durch den Gesichtsausdruck oder durch Handbewegungen das Gesagte zu verdeutlichen, ist beeinträchtigt.
    Häufig sind Menschen mit Asperger-Syndrom motorisch ungeschickt. Die meisten von ihnen besitzen eine normale allgemeine Intelligenz; in Teilgebieten kann ihre Intelligenz besonders hoch sein. Oft wird die Diagnose Asperger-Syndrom erst im Jugend- oder Erwachsenenalter gestellt."

    Woher immer diese Charakterisierung auch stammt. Auf unseren Sohn mit von einer angesehenen Autismusexpertin gestellten Diagnose trifft sie so gut wie nicht zu. Er lebt weder in einer eigenen Welt, noch hat er irgendwelche Probleme mit Mimik oder Gestik oder Sprachmodulation. Das Obige sind zum größten Teil einfach nur Klischees und wenn es wirklich von Autismus Deutschland stammt, ist es sehr bedenklich.


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