Ich bin selbst mit einer Autistin zusammen und ich kann Hunderte große und kleine Geschichten von Verstehen und Missverstehen erzählen. Fakt ist: Es ist für einen „Normalo“ (sog. Neurotypischen, NT) sehr schwer auf Autisten angemessen zuzugehen. Das sollte meiner Meinung nach in Zusammenhang mit dem – guten – Artikel doch gesagt werden. Wenn jemand zum Beispiel im Rollstuhl sitzt, weiß ich auch als Laie recht schnell, wo und wie ich helfen und unterstützen kann. Bei Autis ist das nicht so einfach möglich. Sie erscheinen zwar „sonderbar“, dennoch kann man mit den meisten von Ihnen auf einer ich, sage mal Standardebene „normal“ kommunizieren, meist, weil sie sich das antrainiert haben. Schwieriger wird es dann, wenn man näheren Kontakt hat. Denn die sozialen Facetten, in denen sich die Behinderung zeigt – zum Beispiel: nicht oder selten anfassen lassen – empfinden wir NTler nach unseren „normalen“ Regeln sozialer Interaktion oftmals als Ablehnung. Und selbst wenn ich denn weiß, dass mein Gegenüber Autist ist und es „nicht so meint“ – wie soll ich damit umgehen? Dazu muss man in der sozialen Sprache komplett umdenken.. Das ist aber nicht jedem zuzumuten, finde ich. Soziale Integration kann deshalb nach meinem Verständnis nicht heißen, dass niemand in der Klasse einen Witz machen darf, weil einer Witze grundsätzlich nicht versteht und auch den Lehrern sollte der Anflug der Ironie gestattet bleiben. Der Auti ist hier gefordert, von sich aus etwas zu tun und seine meist überdurchschnittlichen geistigen Fähigkeiten so gut wie möglich zu nutzen und zu lernen. Zumal: In dem Artikel wird der Eindruck erweckt, alle Autisten hätten durchweg die gleichen Merkmale. Aber das ist falsch. Tatsächlich ist jeder in seiner Ausprägung anders.
Und was auch gerne in Artikeln, die über Autis berichten und damit indirekt für Verständnis werben wollen, vergessen wird: Ihnen fällt es mitunter nicht nur schwer Freude zu zeigen, wie im Artikel beschrieben, sondern auch „schlechte“ Empfindungen wie Launenhaftigkeit oder Gereiztheit. Dann kommt es schon mal scheinbar ohne Grund zu einem Temperamentsausbruch, der Menschen im Umfeld sehr verletzt. Den Grund kann man zwar später nachvollziehen, aber in der Situation selten rechtzeitig darauf reagieren, weil Autis kommunizieren eben nur wenig mit ihrer Umwelt.
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