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Austauschschülerin in Russland: Der Schweinekopf muss mit aufs Foto

Fiorella RiccardiSchlendern durch eine Fleischhalle, findet Tanja, zeigt ihr das echte, wahre Russland. In ihrem Austauschjahr hat sie Luxus-Malls genauso besucht wie ärmliche Märkte. Ihr Fazit: Russen sind die größten aller Skeptiker - aber wenn man gut zuhören kann, lernt man was fürs ganze Leben.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...840209,00.html
  1. #1

    Vorurteile

    Ich bin mir sicher, daß diese Austauschprogramme zwischen unseren Ländern dazu beitragen, die leider in vielen deutschen Köpfen noch vorhandenen antirussischen Vorurteile etwas abzutragen. Über viele Jahrhunderte gab es sehr enge Bezoehungen und auch große gegenseitige Wertschätzung zwischen beiden Ländern und vor allem zwischen ihren Menschen.
  2. #2

    Schweinekopf...WOW!

    Es stellt sich mir die Frage ob die nette Austauschschülerin sowie der Autor jemals ihre Großstadtwohnung verlassen haben. Wenn doch, dann würden sie aus dem Schweinekopf und diversen toten Tieren nicht so eine Story machen...erinnert mich ein bisschen an Stadtkinder die sich wundern warum Kühe in Echt nicht lila sind.

    Zu ihrer Verteidigung: die kaufen sicher nicht das Fleisch von Tieren, sondern nur das aus dem Supermarkt.
  3. #3

    Lernen fürs Leben in D.

    Richtig, und weil man bei den Russen so viel fürs Leben lernen kann, weiß man nun dann auch, wieso sich die Russen hier in Deutschland mit allen Kniffen gut durch das Emmigrantenleben schlagen können, ist nicht rassistisch, sondern eigene Erfahrung.
  4. #4

    Zitat von suane Beitrag anzeigen
    Es stellt sich mir die Frage ob die nette Austauschschülerin sowie der Autor jemals ihre Großstadtwohnung verlassen haben. Wenn doch, dann würden sie aus dem Schweinekopf und diversen toten Tieren nicht so eine Story machen...erinnert mich ein bisschen an Stadtkinder die sich wundern warum Kühe in Echt nicht lila sind.
    Es ist aber in Deutschland auch außerhalb der Großstädte keineswegs mehr üblich, daß rohes Fleisch offen und unverarbeitet, z.B. in Form ganzer Schweineköpfe, auf Wochenmärkten u.dgl. verkauft wird. Selbst im Fleischerladen werden Sie wohl nicht einmal auf Nachfrage einen ganzen Kopf präsentiert bekommen.
    Und dann haben diese Basare doch einen ganz eigenen Charakter. Es geht dort keineswegs steril zu. Im Sommer ist es beim Fleisch oft wirklich unappetitlich, Fliegen und sowas inklusive.
    Außerdem ist Tanja ein junges Mädchen, und daß sie sich überhaupt so ein Abenteuer von 10 Monaten zugetraut hat, verdient Respekt. Ihr Kommentar hingegen zeugt von Ignoranz und Besserwisserei.
  5. #5

    Zitat von petruschka5 Beitrag anzeigen
    Richtig, und weil man bei den Russen so viel fürs Leben lernen kann, weiß man nun dann auch, wieso sich die Russen hier in Deutschland mit allen Kniffen gut durch das Emmigrantenleben schlagen können, ist nicht rassistisch, sondern eigene Erfahrung.
    Ich weiß nicht, wieviele "Russen" und welche Sie kennen, aber:

    1. So viele "russische" EMIGRANTEN (mit einem M, Emmi ist ein Elefant) gibt es in Deutschland garnicht. Die meisten Zuwanderer aus Russland oder früheren Sowjetrepubliken sind Russlanddeutsche, die unter Stalin in den vierziger Jahren in die unwirtlichsten Gebiete des Sowjetreiches deportiert wurden und sich dort unter härtesten Bedingungen, die auch viele Todesopfer forderten, eine neue Existenz aufbauen mußten.
    2. Die Russlanddeutschen, die ich kenne, sind fast ausnahmslos anständige Leute, die hart arbeiten und sich so zu kleinem Wohlstand gebracht haben. Viele können ihre angestammten Berufe aufgrund der Sprachbarriere und der Nichtanerkennung ihrer Abschlüsse nicht ausüben und arbeiten deshalb unter ihrer Qualifikation.
    3. Die Familien sind aber größtenteils, trotz teilweiser Beibehaltung gewisser Bräuche und Pflege auch der russischen Sprache, gut integriert. Die Kinder haben großteils normales bis überdurchschnittliches Bildungsniveau. Die in den meisten Fällen gegebene zweisprachige Sozialisation befähigt sie zudem, sich interessante Berufsfelder in Unternehmen zu erschließen, die mit den wirtschaftlich erstarkenden früheren Sowjetrepubliken Handel, Forschung und Entwicklung betreiben.
    4. Ich meine, ohne die russlanddeutschen Zuwanderer, die Kinder durchaus noch als Segen begreifen, sähe auch die Demographie Deutschlands noch bestürzender aus.
    5. Möglicherweise vermögen Sie all diese Vorzüge nicht zu erkennen, weil Ihre Vorurteile Ihnen den Blick verstellen. Es könnte aber auch sein, daß Sie sich einfach in den falschen gesellschaftlichen Kreisen bewegen. Eine Horizonterweiterung ist nichts Schlechtes.
  6. #6

    Zitat von damtschweli Beitrag anzeigen
    Ich weiß nicht, wieviele "Russen" und welche Sie kennen, aber:
    1. So viele "russische" EMIGRANTEN gibt es in Deutschland garnicht. Die meisten Zuwanderer aus Russland oder früheren Sowjetrepubliken sind Russlanddeutsche,
    ....
    5. Möglicherweise vermögen Sie all diese Vorzüge nicht zu erkennen, weil Ihre Vorurteile Ihnen den Blick verstellen. Es könnte aber auch sein, daß Sie sich einfach in den falschen gesellschaftlichen Kreisen bewegen. Eine Horizonterweiterung ist nichts Schlechtes.
    Möglicherweise lebt der Schreiber des Beitrags, auf den Sie sich beziehen, in einer der Städte, in denen Tausende Russlanddeutscher angesiedelt wurden. Ich kenne da mindestens eine Stadt, in der jeder 4. Einwohner Spätaussiedler ist (und eine weitere, bei der es etwa jeder 5. bis 6. ist). Bei einer so grossen Zahl von Emigranten ist es ziemlich egal, woher sie kommen - es wird darunter (wie unter den Einheimischen auch) immer neben ehrenwerten, bildungsbeflissenen und arbeitsamen Menschen auch bauernschlaue, faule, freche und bildungsunwillige geben.
    Und wie immer bei so grossen Gruppen, tendieren diese dazu in einem "Paralleluniversum" zu leben, in dem die Sprache des Landes, aus dem man kommt, sowie "alte" Sitten und Gebräuche gepflegt werden. Das kann bereichernd sein, aber auch schwierig. Das unterscheidet russlanddeutsche Gemeinschaften nicht von türkischen. Integration ist in beiden Fällen etwas, das von Seite der Neuankömmlige genauso gewollt werden muss, wie von Seiten der Einheimischen - sonst wird das nix.
  7. #7

    Zitat von cobaea Beitrag anzeigen
    Möglicherweise lebt der Schreiber des Beitrags, auf den Sie sich beziehen, in einer der Städte, in denen Tausende Russlanddeutscher angesiedelt wurden. Ich kenne da mindestens eine Stadt, in der jeder 4. Einwohner Spätaussiedler ist (und eine weitere, bei der es etwa jeder 5. bis 6. ist). Bei einer so grossen Zahl von Emigranten ist es ziemlich egal, woher sie kommen - es wird darunter (wie unter den Einheimischen auch) immer neben ehrenwerten, bildungsbeflissenen und arbeitsamen Menschen auch bauernschlaue, faule, freche und bildungsunwillige geben.
    Und wie immer bei so grossen Gruppen, tendieren diese dazu in einem "Paralleluniversum" zu leben, in dem die Sprache des Landes, aus dem man kommt, sowie "alte" Sitten und Gebräuche gepflegt werden. Das kann bereichernd sein, aber auch schwierig. Das unterscheidet russlanddeutsche Gemeinschaften nicht von türkischen. Integration ist in beiden Fällen etwas, das von Seite der Neuankömmlige genauso gewollt werden muss, wie von Seiten der Einheimischen - sonst wird das nix.
    Da haben Sie wohl völlig recht.

    Ich selbst lebe in Sachsen, und wahrscheinlich ist es doch so, daß die "arbeitsfaulen" Anteile der russlanddeutschen Zuwanderer sich vornehmlich, nachdem sie hier zunächst in Heimen untergebracht worden waren, in Richtung alte Bundesländer weiterbewegt hat. Hier im Osten sind wohl mehrheitlich die geblieben, die nicht so auf den Wohlfahrtsstaat schielen und auch bereit sind, erhebliche Anstrengungen auf sich zu nehmen, um beruflich wie privat fortzukommen.
    Auch gehe ich davon aus, daß die Russlanddeutschen hier im Osten deutlich stärkeren Anfeindungen aus der Mitte der Gesellschaft ausgesetzt sind. Diese gehen aber nach meiner Beobachtung in letzter Zeit deutlich zurück, wohl gerade wegen der guten Integrationsbereitschaft. Jüngeren Russlanddeutschen merkt man ihre Herkunft oft kaum noch an, und denen, die hier geboren sind, kann man ohnehin nur dann "auf die Schliche kommen", wenn der Name Rückschlüsse zuläßt.

    Sicher, die Bereitschaft zur Integration ist entscheidend, aber es muß eben auch ein entsprechender "Integrationsdruck" hinzutreten. Der fehlt natürlich dort, wo ganze Stadtteile "russisch" sind.

    Ich kenne allerdings auch einige Russlanddeutsche aus einer mittelgroßen Stadt in Niedersachsen, die auch alle arbeiten und anständig leben, gleichzeitig auch viele Kinder haben, die sämtlich anständig und ordentlich sind. Dort wirkt meines Erachtens gerade innerhalb der russlanddeutschen Gemeinde ein gewisser sozialer Druck, nicht als "schlampiger Russe", sondern als "ordentlicher Deutscher" dazustehen.
  8. #8

    Muss der Integrationsdruck wirklich sein?

    Zitat von damtschweli Beitrag anzeigen
    Sicher, die Bereitschaft zur Integration ist entscheidend, aber es muß eben auch ein entsprechender "Integrationsdruck" hinzutreten. Der fehlt natürlich dort, wo ganze Stadtteile "russisch" sind.

    Ich kenne allerdings auch einige Russlanddeutsche aus einer mittelgroßen Stadt in Niedersachsen, die auch alle arbeiten und anständig leben, gleichzeitig auch viele Kinder haben, die sämtlich anständig und ordentlich sind. Dort wirkt meines Erachtens gerade innerhalb der russlanddeutschen Gemeinde ein gewisser sozialer Druck, nicht als "schlampiger Russe", sondern als "ordentlicher Deutscher" dazustehen.
    Ich lebe in Düsseldorf und hier sind einige Stadtteile mehr oder weniger in japanischer Hand. Integriert sind sie nicht, müssen es auch nicht sein. Ähnliches erlebe ich von englischen Kollegen, die außerhalb der Firma fast ausschließlich einen englischsprachigen Freundeskreis pflegen, englischsprachige Fernsehsender schauen und englische Bücher lesen. Von ihnen erwartet auch keiner, dass sie sich anpassen.

    Ihr letzter Absatz lässt mich schmunzeln. Die Russlanddeutsche, die ich kenne, scheren sich nicht darum, ob sie als "ordentliche Deutsche" angesehen werden. Ohnehin wissen sie, dass sie in den Augen der einheimischen Bevölkerung Russen sind. Als Deutsche werden sie höchstens in Russland wahrgenommen. An manchen Orten scheinen den Russlanddeutschen fast schon ein Makel anzuhaften, was sehr schade ist. Wenn ich den Umgang der hiesigen Einheimischen mit dem Umgang mit Deutschen in Russland vergleiche, dann liegen Welten dazwischen. Dort hat man den WW2 und den kalten Krieg in den Köpfen längst begraben.


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