Es ist schon interessant, wie sich Eindrücke vollkommen voneinander unterscheiden können. Frage ich meine Studenten hier in Taiwan nach ihrer High School Zeit, so verdrehen die meisten einfach nur die Augen und möchten lieber über etwas anderes sprechen....
Für die allermeisten wäre es schön, sich um 17.10 Uhr auf dem Weg nach Hause zu machen. Wahrscheinlicher führt sie der Weg aber eher in eine der zahlreichen Nachhilfeschulen (buxiban), bei der sie dann zwischen 18 und 21 Uhr weiter für die Schule und die Eignungsprüfungen der Universitäten pauken. Und wenn sie dann später nach Hause kommen, so stehen dann noch Hausaufgaben und Lernen für die morgendlichen
Prüfungen an. Vor 1 oder 2 Uhr morgens kommt fast niemand zum schlafen.
Daher auch das für uns Deutsche ziemliche putzige Ritual, in der Mittagszeit auf den Tischen zu schlafen. Ohne diese Auszeit würden viele im weiteren Tagesverlauf im Unterricht ständig einnicken, denn dieser bietet als Frontalunterricht kaum Abwechslung, kaum individuelle Förderung, aber mit mehreren hundert bis mehreren tausend Euro Schulgeld pro Semester eine große finanzielle Belastung der Eltern.
Bleibt noch Taiwan als Paradies für Ordnungsfreunde. Durch Schülerlotsen gesicherter Schulweg klingt toll. Allerdings sind sie auch dringend notwendig, da Bürgersteige vor Schulen mehr die Ausnahme sind und Fußgänger in Taiwan von anderen Verkehrsteilnehmern eher als lästiges Ärgernis angesehen werden.
Das klingt jetzt alles ganz furchtbar. Ist es in Teilen auch, aber wird natürlich durch viele andere wunderbare Dinge in Taiwan wieder relativiert, wozu das Bildungssystem allerdings nicht gehört. Ich wünsche Tim, dass er in späteren Jahren nochmals die Gelegenheit haben wird, nach Taiwan zu kommen, denn auch nach 10 Jahren mache ich immer noch neue Erfahrungen und entdecke neue Sichtweisen, die den meisten Deutschen wohl für immer verborgen bleiben werden (z.B. dass das deutsche Schulsystem trotz allen Fehlern besser als das taiwanische ist).