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Ausstellung über Paparazzo Ron Galella: "Gehen Sie weg! Gehen Sie weg!"

Er ließ*die schönsten Frauen der Welt hässlich aussehen, bekam von Marlon Brando einen Fausthieb und war einer der ersten und berühmtesten Paparazzi der Welt: Der US-Fotograf Ron Galella wird in Berlin mit einer bemerkenswert kritiklosen Ausstellung gefeiert. Wolfgang Höbel empört sich.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...806697,00.html
  1. #10

    Halb so wild

    Ich habe die Ausstellung gesehen. Die gehängten Fotos sind wirklich recht nett. Und aus der zeitlichen Distanz umso rührender. Und Jerry Hall zu sehen, wie sie das fotografiert werden geniesst, ist doch offensichtlich.
    Galella würde möglicherweise nie mein Freund gewesen sein, er ist aber eine historische Figur in dieser Sparte.
  2. #11

    Lach kaputt...

    Zitat von herrbianco Beitrag anzeigen
    Ich bin technischer Berater. Auch ich lebe von der Selbstdarstellung, weil ein großer Teil meiner Tätigkeit darin besteht, wichtigtuerischen Kaufleuten die Illusion von Bedeutung zu geben.
    Das sind meine Kunden und ich prostituiere mich für die in der Woche tagsüber. Wenn die mich aber nach Feierabend pesten, mich in der Stadt treffen und da auch den Macker raushängen lassen, trage ich meine Arbeits-Maske nicht und lasse die das auch spüren, daß ich sie lediglich gegen Geld toleriere...
    Witziger Vergleich... Als Berater sind Sie keine Person, die die öffentliche Aufmerksam braucht, um ihr Honorar zu vervielfachen. Sie leben von der Darstellung (und hoffentlich nicht nur dieser) Ihrer Kompetenz. Ihr Privatleben hat nix mit Ihrem Job zu tun.
    Ein "Star" hebt sein Ansehen, indem er sich als Person überhöht, und damit bewusst einen Teil seiner Privatsphäre inszeniert. Wer steigt mit wem ins Bett? Wer wurde mit wem wo gesehen? Wer hat das schönste und teuerste Haus? Wer bekommt das erste exclusive Foto von meinem Baby, etc. pp. Alles inszeniert.
    Das geht so lange gut, wie der Star meint, das Spiel zu seinen Gunsten steuern zu können. Wird das Interesse zu groß (geht also die Strategie auf), verliert er die Kontrolle und fängt an, herumzujammern.
    Das Meiste ist doch selbst verschuldet, da habe ich kein Mitleid.

    Natürlich gibt es Grenzen, z.B. wenn die Fotografen unerlaubt das Privatgrundstück betreten, oder im Straßenverkehr Verfolgungsjagden veranstalten, Personen gefährden.

    Und ob Paparazzi-Fotos Kunst sind? Keine Ahnung. Einige sind bestimmt ausgezeichnete Fotografen. Galella hat teilweise gute Fotos gemacht, sehr authentisch, interessant allein durch den zeitlichen Abstand. Ob das Kunst ist, muss jeder selbst entscheiden.
  3. #12

    ...

    Danke für diesen Beitrag. Er spricht mir aus der Seele, trotz dem (oder gerade weil) ich selbst Journalistin und Fotografin bin.

    Stalking ist keine Pressefreiheit!
  4. #13

    Gossen-Promotion unerwünscht

    Zitat von lustiger_leser Beitrag anzeigen
    ...Ein "Star" hebt sein Ansehen, indem er sich als Person überhöht, und damit bewusst einen Teil seiner Privatsphäre inszeniert. Wer steigt mit wem ins Bett? Wer wurde mit wem wo gesehen? Wer hat das schönste und teuerste Haus? Wer bekommt das erste exclusive Foto von meinem Baby, etc. pp. Alles inszeniert.
    Das geht so lange gut, wie der Star meint, das Spiel zu seinen Gunsten steuern zu können. Wird das Interesse zu groß (geht also die Strategie auf), verliert er die Kontrolle und fängt an, herumzujammern.
    Das Meiste ist doch selbst verschuldet, da habe ich kein Mitleid.

    .
    Eine ziemlich verschrobene Ansicht haben Sie da, was ein "Star" sein soll. Ihre Vorstellung entspricht mehr dem, was sich die BILD-Zeitung unter einem solchen vorstellt und die Sie durch ihre üble Machart beeinflussen wollen. Auch wenn das evtl. Ihren Horizont übersteigt: es gibt unter Leuten des darstellenden Gewerbes genug, die auf Ihre Vorstellung von "Promotion" liebend gern verzichten und privat in Ruhe gelassen werden wollen.
    Ich halte diese totale und zutieftst respektlose Vereinnahmung von öffentlichen Personen für faschistoid.
  5. #14

    Wie ungewöhnlich!

    Auffallend and diesem Artikel ist für mich, daß hier einmal kritisch mit dem Phänomen "Paparazzi" umgegangen wird. In der Regel stellen sich die Medien aus Eigeninteresse auf die Seite der Fotografen und Reporter, die den Promis auf den Leib rücken. Das wird dann mit "Pressefreiheit" und dem "Recht der Leser auf die Information" begründet. Und wenn ein Promi sein privates Leben nicht öffentlich ausbreiten will, wird schon mal gnadenlos auf ihn eingedroschen (medial, in der Regel noch nicht physisch ...) und das landet dann schon mal weit unter der Gürtellinie. (Als Beispiel fällt mir dazu die Fehde ein, die RTL und Frauke Ludowig gegen Roberto Blanco vom Zaune brachen, als der im Restaurant mit seiner neuen Frau zu Abend essen und nicht mit dem RTL-Reporter über seine alte Frau diskutieren wollte.)

    Pressefreiheit ist aber dafür erfunden worden, daß wir erfahren, ob ein Politiker oder ein sonstwie öffentlich Bestellter sich an die Gesetze hält oder nicht, und nicht, damit wir sehen können, wie Marlon Brando besoffen aussieht.
    Von daher bin ich dankbar für diesen Beitrag, der uns - zusammen mit dem Bundespräsidenten - vor Augen führt, wozu die Pressefreiheit da ist, und wozu nicht.
    Gut, man kann wohl davon ausgehen, daß die meisten Opfer die Paparazzo-Attacken weitgehend unbeschadet überstanden haben, und so argumentieren, daß es dabei um ein harmloses Vergnügen für die Massen geht - wäre da nicht Prinzessin Diana und, wer weiß, noch verschiedene andere, von deren Leiden uns nie berichtet wurde. Denn was zu wissen wir das Recht haben, das entscheiden die betreffenden Reporter letztlich, ohne uns zu fragen.
  6. #15

    Keine Kunst

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Er ließ*die schönsten Frauen der Welt hässlich aussehen, bekam von Marlon Brando einen Fausthieb und war einer der ersten und berühmtesten Paparazzi der Welt: Der US-Fotograf Ron Galella wird in Berlin mit einer bemerkenswert kritiklosen Ausstellung gefeiert. Wolfgang Höbel empört sich.

    Ausstellung über Paparazzo Ron Galella: "Gehen Sie weg! Gehen Sie weg!" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Ich war in dieser besagten Ausstellung. Aber nur deshalb, weil man mit einer Eintrittskarte gleich zwei Ausstellungen sehen konnte.

    Die Bilder von Galella haben mich enttäuscht. Aus fotografischer Sicht sind seine Ergebnisse maximal Mittelmaß. Promis hinterhältig oder dummdreist aus der Nähe abgeschossen, einfach draufgehalten und den Motor rattern lassen, keine Komposition (anhand der dazugehörigen Negative erkennt man, wie er gnadenlos Ausschnitte herausgezogen und geprintet hat. Crop ist keine Kunst. Da könnte man genauso gut mit einer HD-Filmkamera drauf halten und später die Personen raus vergrößern.

    Ein Großteil der Bilder wirkt denn auch seltsam unpersönlich und erlaubt dem Betrachter keinen Zugang zu den abgelichteten Menschen. Denn die Distanz zu seinen Opfern konnte Galella selbst aus nächster Nähe nicht überwinden. Auch die Pseudovertrautheit durch die Verwendung der Vornamen der Promis neben seinen Bildern hilft ihm da nicht.

    In meinen Augen ist Galella kein großer Fotograf, sondern ein Kopfgeldjäger, der sich des Könnens berühmter Personen parasitär bedient, indem er einen Teil ihres Glanzes zu seinem eigenen Vorteil einzufangen versucht. Für seine Opfer ist er lästig wie eine Schmeißfliege.

    Wer den Unterschied zwischen Knipserei und Fotokunst unmittelbar spüren will, dem empfehle ich die gleichzeitige Ausstellung eine Etage höher: Dort zeigt Gundula Schulze Eldowy einfühlsame Portraits, wie sie zu dem Machwerk von Gelella konträrer nicht sein könnten.
  7. #16

    Toller Beitrag

    Zitat von pietondelair Beitrag anzeigen
    Ich war in dieser besagten Ausstellung. Aber nur deshalb, weil man mit einer Eintrittskarte gleich zwei Ausstellungen sehen konnte.

    Die Bilder von Galella haben mich enttäuscht. Aus fotografischer Sicht sind seine Ergebnisse maximal Mittelmaß. Promis hinterhältig oder dummdreist aus der Nähe abgeschossen, einfach draufgehalten und den Motor rattern lassen, keine Komposition (anhand der dazugehörigen Negative erkennt man, wie er gnadenlos Ausschnitte herausgezogen und geprintet hat. Crop ist keine Kunst. Da könnte man......
    Danke für Ihren gut geschriebenen Beitrag. Aus Ihnen spricht der Fotograf.
  8. #17

    seltsam feindseliger Artikel..

    Obwohl gut recherchiert, wirkt der Artikel über die Ausstellung Galellas wie eine allzu emotional aufgeladene Abrechnung.
    Richtig ist, dass auch Prominenten eine Privatssphäre zusteht.
    Bei der alltäglichen und teilweise entblößenden Darstellung von sonst dauergrinsenden, dauergeschminkten und "perfekten" Schauspielern aber erhält das ganze für mich einen anderen Charakter.
    Bei dem Artikel wird völlig übergangen, dass es dem heutigen Schönheitsideal und dessen öffentlicher Wahrnehmung vielleicht gar nicht schaden würde, Sophia Loren (oder ein heutiges Pendant) als dralle Witzfigur zu sehen.
    Dass das Entblößen prominenter Personen nicht zur Hetzjagd ausarten darf (wie etwa bei den peinlichen Eskapaden Britney Spears') steht natürlich außer Frage, trotzdem wirkt das Herziehen über Galella, die Veranstalter der Ausstellung und sogar journalistische Kollegen nicht als Zeichen von Stärke oder moralischer Überlegenheit, sondern eher wie eine Verteidigung.
    Einen schönen Abend dennoch!


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