Was die liebe Maren Keller hier ein bisschen konfus beschrieben hat, erinnert einem an die fiebrigen Diskussionen unter Künstlern auf den angesagtesten Partys der Stadt. Nicht dass es heiße Luft wäre, was da auf der Ausstellung verzapft werden soll, dies ist nicht Gegenstand der Betrachtung.
Zu bedenken ist, dass Berlin leider nicht mehr der Kunstort und Nabel der Welt ist, wofür es all die Künstler hierhin zieht. Es fehlt schlicht das Kapital in Berlin, die großen Sammler tummeln sich im Rheinland oder im Süddeutschen. Zum anderen werden die Aktivitäten mittelfristig nur dazu führen, dass die Preise für Wohnungen und Ateliers steigen.
Mit jeder dieser offiziellen administrativen Maßnahmen zur Künstlerförderung verliert die Stadt ein Stück seiner ursprünglichen und für Berlin typischen Suburbanität, ohne die Kunst nicht gedeihen kann. Gleichzeitig verliert es auch die Internationalität, die die Kunstler für die Stadt seit langem eifrig und auf eigene Kosten produzieren.
Unter diesem Blickwinkel gesehen, handelt es sich um einen Missbrauch der Kunst, vor allem, weil es um die Etablierung eines offiziellen Rankings geht, welches nur für Berlin als selbsternanntes Artodrom eine gewisse Geltung hat.
Künstler sein in Berlin bedeutet zu allererst am Markt vorbei zu produztieren. Das heißt, die nicht zu leugnende Kreativität der Berliner Künstler spiegelt sich auf außerregionalen Kunstmärkten nicht wieder. Nur ein Bruchteil von ihnen schafft den Sprung aus dem riesengroßen Kulturgefängnis Berlin heraus und wird überregional bekannt.
Vielleicht schnüffeln die hiesigen Künstler mit ihrem Hang nach grenzenloser Freiheit und Individualität einfach nur zu viel Berliner Luft, was ihnen die Sinne benebelt, und den Blick aus Berlin heraus verstellt.
Einen Rat geben kann ich allerdings auch nicht. Vielleicht ist es besser aus diesem fiebrigen Getümmel abzuhauen und Wowereit einfach Wowereit sein zu lassen. Gute und bessere Kunst wird auch anderswo gemacht.
Bruno Toussaint
Köln - Berlin - Moskau - St. ingbert / Saar
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