Während tausende friedlich demonstrierten und sich auch nicht zu Gewalttaten anstacheln liesen, gelang es einer Gruppierung vermumter, oft schwarz gekleideter und mit Gasmasken gegen das Tränengas der Polizei bereits ausgerüsteten Demonstranten, sich zu infiltrieren und Rom zu einem Kriegs-Schauplatz werden zu lassen. Höhepunkt war der Angriff auf einen Spezialtransporter der Carabinieri, aus dem die beiden Insassen gerade noch fliehen konnten, bevor dieser vollkommen ausbrannte.
Mich persönlich schmerzt es, wenn derartige Bilder aus meinem Land um die Welt gehen. Und Gewalt dieser art ist stets zu verurteilen, vor allem, da sie ja vollkommen willkürlich stattfand: Kirchen, Banken, das Verteidigungsministerium, einfache Ladengeschäfte und private Kleinwagen fielen der Gewaltwelle zum Opfer. Wo ist da der Zusammenhang?
Doch obwohl der friedliche Protest dem gewaltsamen immer den Vorrang haben sollte, komme ich um ein gewisses Verständnis für jugendliche, die buchstäblich die Schnauze voll haben von den leeren Worten und Versprechungen einer Politikerriege, und ihrer Wut freien Lauf lassen, nicht herum.
Und welches Ergebnis bringen schlussendlich die friedlichen Proteste in ganz Europa vom gestrigen Samstag?
Werden ein Berlusconi & Co umdenken und sich plötzlich um die belange derer, die sie gewählt haben und jetzt brauchen, kümmern?
Werden Währungsspekulanten, die das große, schnelle Geld um jeden Preis machen wollen, ob ein Land in den Ruin schlittert oder nicht, plötzlich weinen und sich eine vernünftige Arbeit suchen?
Was bewirkt ein friedlicher Protest voller schöner Worte und Spruchbänder bei ignoranten Firmenchefs und Aufsichtsratsvorsitzenden, die ihre Produktionen und somit Arbeitsplätze ins Ausland verlagern um höhere Profite zu erzielen, allerdings weiterhin auf hohe Verkaufszahlen in Europa bauen, weil sie das simple Prinzip eines Wirtschaftskreislaufes nicht verstehen?
Die Proteste in Italien gestern liefen unter dem Motto "Protest der erniedrigten". Wie schwer diese Worte wiegen, und warum soviele sich erniedrigt fühlen, sollte Grund für alle sein, nachzudenken. Jugendliche, die von Zeitarbeitsfirma zu Zeitarbeitsfirma tingeln müssen, obwohl hochqualifiziert, und sich am Ende eines Zeitvertrages nicht einmal ein Dankeschön mit dem letzten Gehaltszettel abholen dürfen. Oft werden sie nichteinmal darüber informiert bis zum letzten Tag, dass ihr Vertrag nicht weiterverlängert wird oder endlich in einen der ersehnten Festverträge umgewandelt wird.
DAS ist pure Erniedrigung! Sich dann anhören zu lassen, dass sie bis 30 bei Mutti wohnen, weil sie aber ohne einen Festvertrag nicht einmal einen Mietsvertrag bekommen, DAS ist Erniedrigung.
Und sich dann noch anhören zu müssen, dass sie für einen Job überqualifiziert sind, für einen anderen die Berufserfahrung allerdings noch fehlt, DAS ist pure Erniedrigung!
Es ist zu einfach, auf ein paar Krawallmacher mit dem Finger zu deuten und sie in den Begrif "Black Block" oder wie auch immer einzukesseln, um die eigentlichen Problemen unter den Tisch zu kehren.
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