China wird in den kommenden 10 Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach die USA in Bezug auf das BSP überholen. Die Wirtschaft ist sehr stark industriebasiert und zur Zeit verbraucht China noch deutlich weniger Energie pro Kopf als die USA. Zu erwarten ist, dass der Bedarf der chinesischen Wirtschaft an Erdöl und anderen Energieträgern stark wachsen wird und dass das potentielle chinesische Wirtschaftswachstum durch mangelnden Zugang an Energieträgern begrenzt werden könnte. Das wiederum könnte zu sozialen Unruhen führen, denn die grossen sozialen Unterschiede in China werden von der Bevölkerung auch deshalb toleriert, weil es so schnell aufwärts geht.
China hat derzeit zwar die grösste Armee (warum auch nicht, ausser Indien hat ja auch kein anderes Land annähernd eine so grosse Bevölkerung), aber im Vergleich zu den USA keine nennenswerte Marinemacht. Dadurch ist China in Bezug auf die Sicherheit seiner Import- und Exportrouten ziemlich weitgehend durch die USA erpressbar.
Auf der anderen Seite verliert die US-Wirtschaft seit den 1950er Jahren und insbesondere seit Mitte der 1970er Jahre immer mehr an Bedeutung gemessen an ihrem Anteil an der Weltwirtschaft. In gewissem Masse kann man sogar von Deindustrialisierung reden und von einem gewissen Verlust an Ingenieur- und Produktionskompetenz, ausser auf dem Gebiet von Waffen. Letztere Entwicklung hat Parallelen zum Niedergang der Sowjetunion.
Diese Lage ist potentiell gefährlich für China, möglicherweise auch für die restlichen entwickelten Wirtschaften. Die USA, die bei weitem die stärkste Militärmacht weltweit sind, werden ihre militärische Stärke (auch weiterhin, wie bisher) einsetzen, um ihre Interessen zu wahren. Nur werden diese Interessen immer weniger in Uebereinstimmung mit den Interessen der Staaten sein, die von Produktion und Welthandel leben.
Insofern sollten die europäischen Staaten sich gut überlegen, ob der einzigartige Supermachtstatus der USA wirklich auch in Zukunft in ihrem Interesse sein wird oder ob nicht vielmehr die Bildung eines signifikanten Gegengewichts, auch auf den Weltmeeren, der zukünftigen Stabilität des Weltfriedens zugute kommen könnte.

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