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Aufnahmetests für Medizin-Studenten: Künftige Ärzte treten zum Casting an

CorbisErfolgreich im Sport, Erfahrung als Masseur, Teilnahme bei "Jugend forscht": Mit kruden und oft nicht vergleichbaren Kriterien wählen viele Unis ihre Medizin-Studenten aus. In Hamburg müssen künftige Ärzte sich jetzt in kleinen Rollenspielen beweisen - und machen zugleich bei einem Experiment mit.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...855872,00.html
  1. #1

    1,0 folglich Medizin?

    Nur weil man ein gutes Abitur geschrieben hat, z.T. auch in den Gesellschaftswissenschaften, heißt das nicht, dass man sich verpflichtet fühlen muss, ein Medizinstudium zu beginnen. In Deutschland kann man aber genau ebendieses Gefühl bekommen.

    Es ist enttäuschend anzusehen, welchen Hampelmann angehende Studenten machen müssen, um ihr Wunschfach zu studieren. Man sieht wie viele Bewerber es gibt, aber die Zahl von 9000 Studienplätzen stagniert schon seit Jahren. Jeder klagt über zu wenig Ärzte. Denken sie ein mal über diesen Sachverhalt nach.
  2. #2

    optional

    Tja, als motivierte Studenten lässt man sich noch von der Reputation (Mediziner gehören zu den angesehensten Berufsgruppen) und von den Vorbildern - i.d.R. innerhalb der Familie - zur Berufswahl beeinflusen.

    Und später wird ihnen dann bewusst, dass man als Arzt nicht Milliardär, nichtmal Millionär werden kann... und dann geht wieder das öffentlichwirksame Geflenne von Montgomery und co. in die nächste Runde.

    Ist Schwedisch eigentlich schon Pflichtfach zu Beginn eines Medizinstudiums?
  3. #3

    Besser ein Casting...

    ... als nur über die Abinote auszuwählen. Ich studiere selbst Medizin, wegen meines 'schlechten' Abiturs (1,8) nicht an meiner Wunschuni. Aber ich darf zumindest studieren.
    Wenn ich allerdings sehe, was für Leute mit mir studieren, könnte ich mich jedes Mal wieder über die Auswahlverfahren in Deutschland aufregen. Gründe wie 'ich studier Medizin weil ich ein 1,0 Abi habe' oder 'ich studier Medizin weil meine Eltern Ärzte sind' sind keine Gründe Medizin anzufangen.
    Bevor ich meinen Studienplatz bekommen habe saß ich in einer Krankenpflegeklasse mit fast nur Schülern, die genau das gleiche Ziel hatten wie ich: Wartezeit bis zum Studium überbrücken. Ich hatte immer das Gefühl, ich würde jemandem den Ausbildungsplatz wegnehmen, was ich eigentlich auch getan habe, schließlich hätte ich nie in dem Beruf gearbeitet.
    Besser ein Auswahlverfahren wo es auf den Menschen ankommt und nicht auf die Abinote. Die Leute in meiner Krankenpflegeklasse wären 10 x bessere Ärzte als manche in meinem Studium mit ihrem 1,0 Abi.
  4. #4

    Zitat von musikermandel99 Beitrag anzeigen
    Nur weil man ein gutes Abitur geschrieben hat, z.T. auch in den Gesellschaftswissenschaften, heißt das nicht, dass man sich verpflichtet fühlen muss, ein Medizinstudium zu beginnen. In Deutschland kann man aber genau ebendieses Gefühl bekommen.
    Wie sollte man Ihrer Ansicht nach sonst "sieben", um adäquate Leute für den Arztberuf auszuwählen?

    Zitat von musikermandel99 Beitrag anzeigen
    Man sieht wie viele Bewerber es gibt, aber die Zahl von 9000 Studienplätzen stagniert schon seit Jahren. Jeder klagt über zu wenig Ärzte. Denken sie ein mal über diesen Sachverhalt nach.
    Und wenn man also mehr Studenten für die Medizin zulässt, hat man automatisch eine gleichbleibend hohe Qualität?
    Ich behaupte, es gibt genügend Ärzte, allerdings fehlt denen die Zeit für den Patienten. Ich schließe mich der These an: Ärztemangel
    Die Arbeitsbedingungen der Ärzte attraktiver gestaltet werden müssten (insbesondere angemessene Vergütung, weniger Regulierungen und Bürokratismus). Der Arztberuf müsse v. a. für Ärztinnen familienfreundlicher gestaltet werden und mehr Nachwuchsmediziner für den Beruf des Hausarztes gewonnen werden
    .
    Offenbar stimmt die Verteilung nicht. Wenn jeder Facharzt für plastische Chirurgie werden wollte, fehlt es an anderen Ecken und Enden.

    Das Problem ist nicht die Zahl der Ärztinnen/Ärzte.
  5. #5

    70 % Frauen dank NC

    Die Folgen der Auslese von Medizinbewerbern über den Abiturdurchschnitt hat als Folge, dass heute 70 % der Ärzte in Krankenhäusern weiblich sind, denn unter den 1er-Abiturienten sind vorwiegend Mädchen.

    Junge Medizinerinnen gehen aber nicht gerne aufs Land, wählen angeblich leichtere Fächer wie Kinderheilkunde und arbeiten zu einem großen Teil in Teilzeit. Chirurgische Fächer, die als besonders hart gelten, meiden Frauen fast gänzlich, sodass es zur Zeit einen eklatanten Mangel an Chirurgen gibt. Viele Medizinabsolventen scheuen zudem den harten Berufsalltag, den sie sich im Studium oft so nicht vorstellen und erwägen beruflich in andere Bereiche auszuweichen.

    Der Numerus Clausus trägt zum Ärztemangel in Deutschland maßgeblich teil. Fraglich ist auch, ob der NC wirklich die begabten Ärzte anzieht, oder eher die Überflieger, die den Arztberuf oft weges des hohes Status wählen.
  6. #6

    Lieber Spiegel......

    .....echt ein wichtiges Thema, zu dem ich auch schon öfter eine dizidierte Meinung geäußert habe. Aber muss denn wirklich fast täglich ein mehr oder weniger redundanter und noch dazu oberflächlicher Bericht zum Thema Medizinstudium (Curriculum, Auswahlkriterien o.ä.) erscheinen? Dazu Foren voller Battles zwischen Abi-Verehrern und Empathie-Profis. Stattdessen könnte man doch die spannende Frage der Studentenauswahl (auch generell, gibt ja auch andere stark umkämpfte Fächer) oder die Über-Deutung des Abiturs fundiert diskutieren. Oder tatsächlich die bereits von höchster Stelle angebahnte tiefgreifende Debatte über den Anspruch des Medizinstudiums führen. Dann käme man auch schnell zur Frage der Selbsterhaltung von Eliten. Diesen Aspekt aufzulösen bedeutete auch zu einem Gutteil den sog. Ärztemangel an der Wurzel zu beseitigen. Stattdessen Anekdoten über Bewerber, die das Bewerbungsverfahren selbst brauchen, um sich ihrer Wahl sicher zu werden und die als erste Alternative Architektur im Köcher haben.....
  7. #7

    Mich würde interessieren, wie die Leute immer auf die 200.000€ pro Medizinstudienplatz kommen. Ich hatte das Privileg, gleich zwei Studiengänge absolvieren zu können (Molekularbiologie und Medizin) und fand immer, dass im zuerst genannten die Kosten "gefühlt" (Betreuung und Labormaterialien) wesentlich höher lagen. Das Medizinstudium hingegen war eher eine Art Hilfsarztdasein, man griff dem Klinikpersonal aktiv unter die Arme und im Rahmen dieser Arbeit lernte man - oder eben zu Hause am Schreibtisch über den eigenen Büchern.

    Ich habe den Eindruck, dass hier den Fakultäten viel Geld gegeben wird, diese das Geld in Forschung und zur Querfinanzierung der Patientenversorgung einsetzen und der Einfachheit halber die Kosten eines Medizinstudiums einfach über die Anzahl der Studenten dieser Fakultät berechnet werden. Es wäre schön, wenn ein Journalist mal dieses Thema aufgreifen würde. Sollte sich zeigen, dass die tatsächlich für einen Medizinstudenten aufzuwendenen Mittel wesentlich geringer sind, wäre die Hürde für zusätzliche Plätze geringer.
  8. #8

    bei anderen Studienrichtungen...

    Zitat von musikermandel99 Beitrag anzeigen
    Nur weil man ein gutes Abitur geschrieben hat, z.T. auch in den Gesellschaftswissenschaften, heißt das nicht, dass man sich verpflichtet fühlen muss, ein Medizinstudium zu beginnen. In Deutschland kann man aber genau ebendieses Gefühl bekommen.

    Es ist enttäuschend anzusehen, welchen Hampelmann angehende Studenten machen müssen, um ihr Wunschfach zu studieren. Man sieht wie viele Bewerber es gibt, aber die Zahl von 9000 Studienplätzen stagniert schon seit Jahren. Jeder klagt über zu wenig Ärzte. Denken sie ein mal über diesen Sachverhalt nach.
    Bei anderen Studienrichtungen muss man den Hampelmann dann erst später machen, wenn man sich bei seinen ersten Bewerbungendurchsetzen muss.
    Einmal Hampelmann muss also mindestens jeder ein mal machen. Wenn schon subjektiv gesiebt werden muss, ist es wenigstens fairer das VOR dem Studium zu machen - als jemanden eine Ausbildung/Studium voller Hoffnung abschließen zu lassen, der in den gängigen Einstellungsverfahren nie eine Chance hätte.


    Außerdem trifft einen das nur, wenn man in einer bestimmten Stadt studieren möchte.
    Wenn jemand eine Idee für ein "Besseres" Auswahlverfahren hat, das nicht noch teurer ist - sollte die Idee den Unis und Arbeitgebern verkaufen - die Schwächen sind ja durchaus bewußt, aber aktuell das geringste Überl um aus der Masse die besseren herauszusieben (und dabei nicht nur auf die Schulnoten zu schauen).
  9. #9

    Meiner Meinung nach

    sollte man die Vergabe von Studienplätzen für Medizin komplett den ausbildenden Instituten überlassen.

    Das Medizinstudium ist keine Privatangelegenheit. Auch, wenn noch am Auswahlverfahren gefeilt wird, ist es gut, dass die Studienplätze nicht blind vergeben werden.

    Eine "blinde" Vergabe von Studienplätzen wie bei hochschulstart.de können wir uns nicht leisten. Und schon garnicht beim Medizinstudium.

    Von daher: Hut ab.


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