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Auffällige Jugendliche: Wohin mit wilden Schülern?

Nina BraunMichael, 12, gilt als auffällig. Er prügelt sich oft, hat eine lange Reise durch den Jugendhilfe-Dschungel hinter sich. Als er seinen Lehrern zu anstrengend wird, schließen sie ihn vom Unterricht aus. Dabei müssen in Deutschland alle Kinder gemeinsam lernen - doch viele Schulen sind überfordert.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...814149,00.html
  1. #60

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Und wie kommt es das der Junge in seiner Ganzen Umgebung: Grundschule, mehr als einem Gymnasium der einzige normale und anständige Junge ist.
    Entschuldigen Sie wenn ich angenommen habe das Sie die Übergeneralisierung erkennen.

    Natürlich sind die meisten dieser Personen einfache Mitläufer welche sich nach der (empfundenden) Mehrheit richten. Je mehr gemobbt wird desto mehr wird gemobbt weil die anderen es auch tun um nicht selbst als Außenseiter dazustehen und den Schutz der Gruppe zu verlieren.

    Das ein Kind welches gemobbt wird nicht in der lage ist / bzw. Probleme dabei hat altersgemäße Verhaltensweisen zu lernen dürfte jeglicher Person mit einem Fünkchen Einfühlungsvermögen klar sein, besonders wenn es von anfang an damit Schwierigkeiten hatte, sei es durch angeborene oder erworbene Defizite in diesem Bereich.
  2. #61

    Aha!

    Zitat von silke_w. Beitrag anzeigen
    Genau! ... Am besten, wir eröffnen die alten "Irrenanstalten" wieder, dort kann man derart nicht normgerechten Bevölkerungsbestandteil günstig und pragmatisch entsorgen. Dass darunter extrem wertvolle und leistungsfähige Geister sich tummeln, wird gern verdrängt. Schließlich muss dieses Potential erst gefördert werden, bis die Gesellschaft davon profitieren kann...
    Sehen Sie sich erst einmal die Sonderschulen a la Camphill an, in denen geistig und schwer körperlich behinderte Kinder ihren Abschluss in kleinen Klassen (ca. 6 Schüler) in einem sehr behüteten Umfeld machen können bevor sie von abschieben und vergessen sprechen.

    Interessierte Eltern werden ihre Kinder lieber dorthin bringen, wo sie weder gehänselt noch überfordert werden und sich die Lehrer auch noch genügend Zeit für sie nehmen können.
  3. #62

    Zitat von fpa Beitrag anzeigen
    Genau das ist der Punkt! Die "normalen" (Herden)-Menschen halten den Kauf von unterschiedlich aussehenden Konsumgütern (vor allem Kleidung/Mode, Elektronik, Autos) für hochgradige Individualität, während sie im Kopf einem jeden am liebsten den identisch gleichen Mao-Anzug verpassen möchen. Und ihre Phantiesen bestehen vor allem aus Anpassungszwängen, die sie jenen, die anders denken, ......

    Erkenne mich in ihre Artikel verblüffend stark wieder, meine Schulzeit (eine Eliteschule nach der anderen) war ein Alptraum, der mich noch heute jede Nacht verfolgt. Dort wurde selektiert, funktionierende Kinder wurden gefördert, ich wurde als nicht würdig betrachtet.
    Nach vielen Tests und Gesprächen mit Psychologen, wurde mir eine Hochbegabung attestiert. Meine Noten waren aufgrund von unzähligen Flüchtigkeitsfehlern misserabel, ADHS wurde mir erst mit 19 diagnostiziert, als es endlich erforscht und bekannt wurde. Die Unfähigkeit seine Intelligenz zu Papier zu bringen, in Schulen in denen in z.B Mathematik etc geringste Abweichungen oder um nanomillimeter verschobene Zeichnungen, schlechte Noten bedeuteten, führte zu einer inneren Zerrissenheit und selbstzweifel, welche mich wohl nie wieder verlassen. Normalität impliziert Andersartigkeit, Kinder die nur ihre funtkionierende leistungsstufe gewohnt sind, fehlt es an Empathie und wissen in ihrem späteren leben. Ich wurde Jahre lang gemobbt, da ich als dumm und auffällig galt, lustigerweise war der Typ opportunistischer Streber unser aller aufoktroyiertes Idol, von den Lehrern geliebt von Mitschülern respektiert. Meinen Eltern wurde in der 4 Klasse Gymnasium, nach einem endgültigen Leistungsabfall gesagt ich sei verhaltensgestört. Jetzt wo ich aus diesem unmenschlichen Rad ausgeschieden bin nach dem Rauswurf aus der dritten Schule (Lethargie, leichte Drogen ( hilft mir mein gedankenchaos in einem erträglich Maß zu halten) mache ich die Matura extern, alleine, lerne Jahre in wenigen Tagen und kassiere nur Einser und zweier gut ein paar dreier, wo mir nur wenige Stunden blieben um zu lernen. Ein inividueller Unterricht mit jeder Sorte Mensch wünsche ich der nächsten Generation.
    Die Emotion in meinem Text ist nicht Selbstmitleid eher Hass, auf mich selbst und alles andere.
  4. #63

    Hm...

    Zitat von Diskutierender Beitrag anzeigen
    Nun ja, das Stimmungsbild der grossen Mehrheit der Leserbeiträge in diesem Forum bestätigt den Eindruck, dass Mobbing in Deutschland akzeptiert wird, das sich Wehren gegen Mobbing jedoch nicht. Warum will die Mehrheit der Leser Michael vom Schulunterricht ausschliessen, statt zu fordern, dass den mobbenden Mitschülern das Handwerk gelegt wird? Nur wenige Leser haben hier Ursache und Wirkung korrekt einzuschätzen gewusst.
    Das liegt vielleicht daran, dass die "normalen Durchschnittsschüler" vielleicht erst so gereizt wurden, bis sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten als den Störenfried zu ärgern - so quasi als Stressabbau.

    Habe ich selbst so in der Oberstufe erlebt, als wir eine Epileptikerin in der Klasse mitbetreuen sollten, die schon nach relativ kurzer Zeit ihre Situation ausnutzte und mit Attacken und Anschwärzen drohte, wenn wir nicht nach ihrer Pfeife tanzen sollten. Nach 4 Monaten hatte sie auch ihren letzten Fürsprecher verloren.

    Jüngere Schüler wehren sich eben so wie sie es können und nicht so wie wir es als Erwachsene gerne hätten.
  5. #64

    Gesellschaftliches Umdenken

    Zitat von watermark71 Beitrag anzeigen
    ADS, AHDS und Co sind zweifelsohne Krankheiten. Aber welche, die Eltern befallen. Man könnte sie auch mit dem deutschen Wort ERZIEHUNGSÜBERFORDERUNG beschreiben. Klingt aber zugegeben nicht so gut und würde ja bedeuten, die Eltern müssten sich mal um ihre Kinder kümmern. Individuell vesteht sich. Und das wiederum ist natürlich zu viel verlangt. Also bekommt derjenige das Problem aufgedrückt, der dafür Kindergeld zahlt: die Gesellschaft. Übrigens mit der Folge Mittelmaß rules.
    So eine von ihnen geschilderte Sicht ist auch der Grund dafür, dass so viele Eltern von AD(H)S-Kindern verzweifelt sind, ausbrennen oder gar depressiv werden: Eine Gesellschaft, die nicht sehen will, dass die meisten Eltern alles dafür tun, dass ihre Kinder in der Gesellschaft funktionieren, wie es "die anderen" erwarten. Aber das Gros ist vergebens und wirkliche Hilfe erfolgt nur selten.

    Andererseits kann ich so eine Sichtweise in gewisser Weise nachvollziehen. AD(H)S ist als psychische Störung (oder "nur" Andersartigkeit?) schwer zu begreifen und ein Unterschied zwischen "er will nicht" und "er kann nicht" oder "er würde schon, wenn die Eltern nur..." kann nur durch Erfahrung und eine intensive Beschäftigung mit AD(H)S getroffen werden.

    AD(H)S-Kinder machen oft einen schlechten Schulabschluss (obwohl überdurchschnittlich intelligent), sind häufiger durch Sucht betroffen und auch deutlich häufiger kriminell. Viele haben nur ganz wenige oder gar keine Freunde und das über Jahre. Sie sind in vielen Bereichen immer die Außenseiter und die Problembereiter, mit denen man ständig meckern muss. Positives Feedback geht gegen Null. Viele entwickeln deshalb zusätzlich eine Depression oder eine Angststörung. Diese Aufzählung zeigt wohl deutlich, dass dies nicht auf Freiwilligkeit beruht und auch so ziemlich alle Eltern sich so eine Entwicklung für ihre Kinder nicht wünschen.

    Fazit: Es muss ein größeres gesellschaftliches Verständnis für diese Störung bzw. Andersartigkeit geschaffen werden, weswegen ich den Artikel sehr begrüße! und wir müssen für diese Kinder andere Rahmenbedingungen schaffen (kleinere Gruppen, mehr Betreuung, Stärkung des Selbstbewusstseins, adäquate Freizeitangebote) auch im Sinne der Lehrer und der anderen Schüler, denn in das herkömmliche System passen sie meist nicht. So können wir auch gewährleisten, dass diese Kinder später als Erwachsene durch ihre ausgesprochene Kreativität einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten und glückliche Menschen sein können (z.B. wie Einstein oder Bill Gates).
  6. #65

    Nichts für ungut,

    Zitat von salamicus Beitrag anzeigen
    Eben deshalb ist es sinnvoll, den Mitschülern "zu stecken", dass sie sich etwas rücksichtsvoller benehmen sollten. "Und bitte, Fritz ist blind, stellt ihm bitte nicht immer Stühle vor die Füße, sonst stolpert er darüber" leuchtet doch auch jedem ein, oder?
    aber hier haben wir leider einen Fall von "Zitat aus dem Zusammenhang gerissen". Unbedingt muss man an dem Verhalten der Mitschüler arbeiten! Nur weil ich es so nicht explizit geäußert habe, heißt das ja nicht, dass ich es ablehne, oder?
  7. #66

    Leistungsstarke soll man foerdern

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Michael, 12, gilt als auffällig. Er prügelt sich oft, hat eine lange Reise durch den Jugendhilfe-Dschungel hinter sich. Als er seinen Lehrern zu anstrengend wird, schließen sie ihn vom Unterricht aus. Dabei müssen in Deutschland alle Kinder gemeinsam lernen - doch viele Schulen sind überfordert.

    Auffällige Jugendliche: Wohin mit wilden Schülern? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Es ist Zeit die normalen Schulkinder zu schuetzen und dafuer zu sorgen das sie den bestmoeglichen Erfolg haben .... nicht der "auffaellige" Einzelfall! Ein Obstbauer sortiert auch die schlechten Fruechte aus! Wenn die Leistungsstarken so gefoerdert wuerden wie die auffaelligen, dann wuerde es unserer Gesellschaft besser gehen und wir koennten den "schwachen" besser helfen!
  8. #67

    Verdachtsmomente auf Grund des Artikels

    Zitat von salamicus Beitrag anzeigen
    ..Bipolar disorder (zu Bleulers Zeiten: manisch-depressives Irresein) oder wenn man nicht mehr weiterkommt :-) "personality disorder" sind heute sehr beliebte Diagnosen.
    Ich fürchte, da verwechseln Sie etwas. Bipolar ist eine knallharte physiologische Diagnose und keinesfalls eine Persönlichkeitsstörung.
    Zitat von salamicus Beitrag anzeigen
    .In dem hier präsentierten Fall wären auch T3/T4, TSH-Bestimmung womöglich indiziert.
    Schilddrüse? Menschen, wo so etwas mit reinspuckte (z.B. Hashimoto), habe ich eigentlich - vor allem auch in Reaktion auf Angst-Trigger - als eher weniger aggressiv erlebt. Und vor der Aggression von verhaltensauffälligen Kindern steht in den allermeisten Fällen Angst - ich meine zeitlich, die Sekunden oder Sekundenbruchteile vorher.

    Nichts desto trotz. Ihre Bemerkung halte ich dennoch für sehr sehr wichtig. Die Wechselwirkung von Psyche und Hormon+Immunsystem, und damit alles, was an Risiken UND Chancen damit zusammenhängt, wird heute noch viel zu sehr unter den Tisch fallen gelassen.

    Leider führten Einzelheiten hier zu weit, zumal man sich gerade im Feld der Psycho-Neuro-Immunologie hüten muss, Einzelheiten zu verallgemeinern. Dafür ist alles viel zu sehr vernetzt. Aber zumindest Vitamin D und Omega 3 Fettsäuren sind ja fast breitbandmäßig hilfreich ... und sollten dennoch nicht einfach mal so, quasi vorbeugend, eingeworfen werden.

    Zurück zur Aggression. Natürlich kann die auch durch hypoglykämishe Zustände (also Bauchspeicheldrüse statt Schilddrüse) beeinflußt werden. Aber wo ist der Anfang? Ein deregulierter Blutzuckerspiegel führt zu Heißhungerattacken auf Kohlehydrate, und eine Nahrung, die fast nur noch aus Kohlehydraten besteht, hilft wieder den Blutzuckerspiegel zu destabilisieren.

    Entscheidender für Aggressionsbereitschaft scheinen mir aber die Nebennierenhormone zu sein. Und die sind leider nicht so einfach gezielt zu beeinflussen. Ich denke, es gilt zunächst für die anderen zu akzeptieren, dass Menschen hier durch geringe Trigger in existenzielle Ängste (also ernsthafte Bedrohung bis Todesangst) geraten, die für einen selbst vielleicht so nichtig sind, dass man sie nicht einmal bewußt registriert. Stellt man sich jedoch vor, dass sie sich nicht etwa einem anderem Kind, sondern einem wilden Löwen gegenüber sehen, begreift man sehr schnell, warum sie sich so und nicht anders verhalten.
    Zitat von salamicus Beitrag anzeigen
    Gegen autistoide erkrankungen sprechen die fehlende Auto-, aber fulminante Fremdaggression.
    Stimmt. ich hatte das ja auch im Grunde in meinem Beitrag ausgeklamment. Bei denen geht der Weg zu Fremdaggressionen zwar meist auch über Angst. Aber sie fühlen sich zunächst weniger von anderen angegriffen als generell bedroht, weil sie das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren.
    Zitat von salamicus Beitrag anzeigen
    Und natürlich ein IQ-Test, der die adäquate Förderung, aber auch Unter- oder Überforderung beurteilen kann.
    Das natürlich sowieso. Allerdings hilft das nur bedingt. Meist ist das Auffällige bei solchen Kindern ja weniger der Gesamt-IQ als extreme Differenzen zwischen den einzelnen Bestandteilen (W-Form). Denn auf die Kombinationen Spezialbegabungen + Spezialdefizite sowie intellektueller Entwicklungsvorsprung + emotionaler Entwicklungsrückstand ist unser heutiges Schulsystem einfach nicht gut genug vorbereitet.
  9. #68

    Nun...

    Zitat von 2wwk Beitrag anzeigen
    Es ist Zeit die normalen Schulkinder zu schuetzen und dafuer zu sorgen das sie den bestmoeglichen Erfolg haben .... nicht der "auffaellige" Einzelfall! Ein Obstbauer sortiert auch die schlechten Fruechte aus! Wenn die Leistungsstarken so gefoerdert wuerden wie die auffaelligen, dann wuerde es unserer Gesellschaft besser gehen und wir koennten den "schwachen" besser helfen!
    Jedes Kind sollte seinen Möglichkeiten entsprechend bestmöglich unterstützt und ausgebildet werden.
    Leider, so hat man das Gefühl, ist die staatliche Schule damit überfordert, weil es an Ressourcen, seien es finanzielle oder humane, mangelt.
    Hier greift die UN-Konvention, weil sie den Staat verpflichten will, kostenfreien Unterricht für alle anzubieten.
    Sie besagt nicht, dass dieser am selben Ort zur selben Zeit stattfinden muss.
  10. #69

    Zitat von blossomy Beitrag anzeigen
    Vielleicht möchten Sie sich weiterbilden und nicht ,wie so viele,alle über einen Kamm scheren......
    ADHS-ADS AufmerksamkeitsDefizit(Hyperaktivitäts)Störung
    Haben alle Schulverweigerer ADHS? Werden Kinder mit ADHS nicht eher mit Retalin ruhig gestellt und die Hersteller freut´s?


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