Auffällige Jugendliche: Wohin mit wilden Schülern?

Nina BraunMichael, 12, gilt als auffällig. Er prügelt sich oft, hat eine lange Reise durch den Jugendhilfe-Dschungel hinter sich. Als er seinen Lehrern zu anstrengend wird, schließen sie ihn vom Unterricht aus. Dabei müssen in Deutschland alle Kinder gemeinsam lernen - doch viele Schulen sind überfordert.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...814149,00.html
  1. #90

    Tja...

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    ... indem sie, statt ihn in ihre Klasse zu intergrieren, völlig egoistisch ihrer „Leistung“ (vulgo: Vorbereitung der Management-Karriere) huldigen.
    ... das wäre an sich nichts Verwerfliches...

    Zur Vorbereitung ihrer Management-Karriere wollen sie sich vielleicht mit so einem unsozialen Kram wie Lesen, Schreiben, Rechnen beschäftigen...

    Alles mit dem im 6. Schuljahr vorgefassten Ziel, später mal die Ausgebeuteten zu schurigeln...
  2. #91

    Und an welcher Schule...

    Zitat von Akkin Beitrag anzeigen
    Den Schüler der alle anderen nervte, einschließlich mich, den warf ich aus der Klasse raus und so konnten wenigsten die anderen etwas lernen.
    ---lernen Sie denn die Schüler? Nur, damit ich das(s) weis(ß).
    Danke. Früher lehrte ich Mathematik, heute leere ich Mülltonnen...
  3. #92

    In den Schulen fehlen oft Strukturen und regelmäßige Abläufe für ADHS-Kinder

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Kinder brauchen sowohl geistigen Input wie auch körperliche Anstrengung um ausgeglichen zu sein. Ganz zu schweigen von Regeln, Disziplin (d.h. auch geregelten Tagesablauf und feste Essenszeiten) und der nötigen Aufmerksamkeit durch Eltern und Erziehungsberechtigten.
    Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: ADHS-Kinder brauchen einen geregelten Tagesablauf – zu Hause und in der Schule. Diese Voraussetzungen sind - nicht nur bei ADHS-Kindern - in vielen Familien nicht mehr gegeben.

    Spätestens in der weiterführenden Schule sind diese Voraussetzungen gar nicht mehr gegeben.

    ADHS-Kinder brauchen gleichmäßige Tagesabläufe, täglich wiederkehrende Rituale und feste in ihrem Verhalten konsequente Bezugspersonen. Einen solchen äußeren Rahmen und eine/n ständig anwesende Klassenlehrer/in kann bestenfalls die Grundschule bieten. Feste Rahmenbedingungen und Abläufe bedeuten für ein ADHS-Kind Verlässlichkeit und Sicherheit. Ein Kind, das sich sicher fühlt, wird allmählich seine Unruhe ablegen.

    Spätestens in der Sekundarstufe, insbesondere am Gymnasium, ist das nicht mehr möglich. Allein der Fachlehrerwechsel nach fast jeder Stunde bedeutet eine Überforderung für das ADHS-Kind, denn bestenfalls unterrichtet der Klassenlehrer zwei Fächer in einer Klasse und ist dadurch vielleicht 2 Stunden am Tag anwesend. Ansonsten unterrichten wechselnde Fachlehrer (das können 8 bis 10 sein) teilweise in wechselnden Fachräumen. Jeder Lehrer hat eine andere Art, die Klasse bzw. dieses spezielle Kind zu unterrichten, es anzusprechen, zu loben, zu maßregeln. Oft stellt jeder Lehrer für seinen Unterricht eigene Regeln auf und zeigt sich bei Nichteinhaltung der Regeln mehr oder weniger konsequent.

    Ständiger Wechsel der Personen, der Fachräume und damit der Sitznachbarn, überfordert das ADHS-Kind, bei dem eine Reizüberflutung einsetzt und sein Wahrnehmungsvermögen auf das Wesentliche, nämlich den Unterricht, beeinträchtigt.

    Hilfe könnte eine ständig anwesende Bezugsperson, also die ständige Anwesenheit eines Sonderpädagogen, bieten. Dieser könnte dazu beitragen, die Aufmerksamkeit des Kindes auf seine Arbeit zu fokussieren bzw. er könnte in kritischen Situationen mit dem Kind kurzzeitig den Raum verlassen.

    Sonderpädagogische Unterstützung wird jedoch nur für maximal für 3 Std./Wo. gewährt.
    Zu solchen Rahmenbedingungen kann die Inklusion verhaltensauffälliger Schüler nicht funktionieren und es ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt, über „Abschiebung“ zu reden, wenn allein gelassene Lehrer es nicht schaffen, den größten Teil der Woche mit 25 bis 30 Schülern incl. ADHS-Kind Unterricht und Erziehung unter einen Hut zu bringen.

    Eltern sind damit zu Hause oft mit ein bis zwei Kindern schon überfordert.
  4. #93

    danke für Ihren Beitrag

    Zitat von RogerRabit1962 Beitrag anzeigen
    Ohne es zu wollen, haben Sie hier die Steilvorlage geliefert.

    Wäre ein ´Hallo Fritz, schön dass du hier bist, aber würdest du dich auf der Blindenschule nicht besser fühlen?´ nicht angebrachter?

    Diese Gleichmachereibeschulung bringt niemandem etwas, das sage ich hier ganz konkret als betroffener Vater eines Behinderten.

    Anhand des Blindenbeispiels wird das am deutlichsten.

    Möchten Sie nun 29 der 30 Schüler am Gymnasium die Brailleschrift beibringen oder möchten Sie die Tafel abschaffen, oder glauben Sie im Ernst, dass einer der normalen Schüler eine Chance gegen ein Memory im Tasten mit dem Blinden hätte oder eine Partie Schach ohne Brett?

    Sie können nun Blindenlehrer in jede Berufsschule, Dorfschule und jedes Gymnasium schicken und rundtouren lassen, oder Sie besinnen Sich irgendwann auf den Punkt, welches Stärken der Blinden sind, und wie man da Schulunterricht organisiert.
    In meiner 2. Heimat Khon Kaen (Thailand), gibt es eine Schule für Blinde, eine für taube, eine taubstumme und mit Sicherheit auch eine für verhalteneauffälige (weiß ich aber nicht so genau). Was mir aber nicht bekannt ist eine für ADHS. Gibt es scheinbar nicht. Warum?
    Klassenstärken bis zu 50 Schülern, Schuluniform, Lehrerhelfer (keine Sozio/ Phisologen) woran liegts?
  5. #94

    Theorie vs Realität

    Ab einem gewissen Alter kann man sich offensichtlich nicht mehr erinnern, wie es in der Schule wirklich zu geht. Realität ist: Selbst verhaltensunauffällige Kinder werden teilweise in der Pubertät zu kleinen Monstern. Da wird jeder gemobbt, der irgendwie "anders" ist, geistig, körperlich oder sozial. Das läuft nicht wie im Berufsleben, wo sich der Mitarbeiter schon gemobbt fühlt, wenn der Chef nicht grüßt. Schlägereien auf dem Pausenhof kommen täglich vor, auch in wohlbehüteten Gymnasien außerhalb von Problembezirken. Die Kinder selbst empfinden das alles meist als normal und würden nie auf den Gedanken kommen, dass das Beschimpfen des Klassenbesten als Streber schon Mobbing ist.
    Im Laufe meines Schülerdaseins hatte ich einige "verhaltensauffällige" Mitschüler, die mich entfernt an den beschriebenen Michael erinnern. Oft verbrachten Klassenlehrer ganze Schulstunden damit, Probleme des Schülers mit anderen Schülern und umgekehrt mit der ganzen Klasse auszudiskutieren. Gebracht hat das nie etwas. Die Schüler haben sicher von der Integration profitiert, am Ende irgendwie ihr Abi geschafft und vielleicht sind sogar am Ende noch respektable Akademiker aus ihnen geworden. Aber sie haben anderen Schülern und auch einigen Lehrern das Leben schwer gemacht. Insbesondere bei aggressivem Verhalten hört die Toleranz auf, egal ob das Kind nun geistig behindert ist oder einfach nur von Grund auf verdorben.

    Hier glaubt doch niemand ernsthaft die Geschichte, der Junge würde sich nur wehren, weil er von den anderen provoziert wird?! Deswegen wird bestimmt kein Kind von der Schule ausgeschlossen; da muss schon erheblich mehr vorgefallen sein, was die Eltern natürlich nicht gern zugeben. Das heißt nicht, dass diesen Kindern das Abitur verwehrt werden soll, aber wenn eine Schule ein Kind ausschließt, hat das meistens gute Gründe und dann muss es eben auf anderen Wegen seine Bildung erhalten.
  6. #95

    ...

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Sehen Sie sich erst einmal die Sonderschulen a la Camphill an, in denen geistig und schwer körperlich behinderte Kinder ihren Abschluss in kleinen Klassen (ca. 6 Schüler) in einem sehr behüteten Umfeld machen können bevor sie von abschieben und vergessen sprechen.

    Interessierte Eltern werden ihre Kinder lieber dorthin bringen, wo sie weder gehänselt noch überfordert werden und sich die Lehrer auch noch genügend Zeit für sie nehmen können.
    Hierzulande immer sehr beliebt: Jede psychologische Diagnose, gleich welcher Art, wird mit geistiger Behinderung gleichgesetzt. Ab in die Förderschule mit denen. Neuigkeit: Man kann eine ganze Reihe von psychischen "Störungen", "abweichenden" Charakterzügen und "unnormalen" Verhaltensweisen haben und trotzdem eine normalen IQ, oft sogar einen über Durchschnitt. Konformismus führt nicht umsonst in die Mittelmäßigkeit. Aber dieser Einheitsbrei ist wahrscheinlich alles, was diese Gesellschaft will. Eine brave Herde Schafe, bloß keinen, der irgendwie aus der Rolle fällt. An dem dürfen die Schafe dann ihre überschüssigen Agressionen abbauen.
  7. #96

    ADHS ist ein Vorteil fuer die Kinder

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Michael, 12, gilt als auffällig. Er prügelt sich oft, hat eine lange Reise durch den Jugendhilfe-Dschungel hinter sich. Als er seinen Lehrern zu anstrengend wird, schließen sie ihn vom Unterricht aus. Dabei müssen in Deutschland alle Kinder gemeinsam lernen - doch viele Schulen sind überfordert.

    Auffällige Jugendliche: Wohin mit wilden Schülern? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    sie bekommen Hilfe (freundliche Benotung) die andere nicht bekommen. Einige Eltern versuchen Kindern daher diesen Status zu besorgen. Ja und die wirklich ADHS stoeren noch dazu. 1. Ziel muss sein die "normalen" zu foerdern ...
  8. #97

    Als Gymnasiallehrer

    Zitat von isses_so Beitrag anzeigen
    Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: ADHS-Kinder brauchen einen geregelten Tagesablauf – zu Hause und in der Schule. Diese Voraussetzungen sind - nicht nur bei ADHS-Kindern - in vielen Familien nicht mehr gegeben.

    Spätestens in der weiterführenden Schule sind diese Voraussetzungen gar nicht mehr gegeben.

    ADHS-Kinder brauchen gleichmäßige Tagesabläufe, täglich wiederkehrende Rituale und feste in ihrem Verhalten konsequente Bezugspersonen. Einen solchen äußeren Rahmen und eine/n ständig anwesende Klassenlehrer/in kann bestenfalls die Grundschule bieten. Feste Rahmenbedingungen und Abläufe bedeuten für ein ADHS-Kind Verlässlichkeit und Sicherheit. Ein Kind, das sich sicher fühlt, wird allmählich seine Unruhe ablegen.

    Spätestens in der Sekundarstufe, insbesondere am Gymnasium, ist das nicht mehr möglich. Allein der Fachlehrerwechsel nach fast jeder Stunde bedeutet eine Überforderung für das ADHS-Kind, denn bestenfalls unterrichtet der Klassenlehrer zwei Fächer in einer Klasse und ist dadurch vielleicht 2 Stunden am Tag anwesend. Ansonsten unterrichten wechselnde Fachlehrer (das können 8 bis 10 sein) teilweise in wechselnden Fachräumen. Jeder Lehrer hat eine andere Art, die Klasse bzw. dieses spezielle Kind zu unterrichten, es anzusprechen, zu loben, zu maßregeln. Oft stellt jeder Lehrer für seinen Unterricht eigene Regeln auf und zeigt sich bei Nichteinhaltung der Regeln mehr oder weniger konsequent.

    Ständiger Wechsel der Personen, der Fachräume und damit der Sitznachbarn, überfordert das ADHS-Kind, bei dem eine Reizüberflutung einsetzt und sein Wahrnehmungsvermögen auf das Wesentliche, nämlich den Unterricht, beeinträchtigt.

    Hilfe könnte eine ständig anwesende Bezugsperson, also die ständige Anwesenheit eines Sonderpädagogen, bieten. Dieser könnte dazu beitragen, die Aufmerksamkeit des Kindes auf seine Arbeit zu fokussieren bzw. er könnte in kritischen Situationen mit dem Kind kurzzeitig den Raum verlassen.

    Sonderpädagogische Unterstützung wird jedoch nur für maximal für 3 Std./Wo. gewährt.
    Zu solchen Rahmenbedingungen kann die Inklusion verhaltensauffälliger Schüler nicht funktionieren und es ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt, über „Abschiebung“ zu reden, wenn allein gelassene Lehrer es nicht schaffen, den größten Teil der Woche mit 25 bis 30 Schülern incl. ADHS-Kind Unterricht und Erziehung unter einen Hut zu bringen.

    Eltern sind damit zu Hause oft mit ein bis zwei Kindern schon überfordert.

    kann ich Ihnen in fast allem beipflichten!
  9. #98

    Tatsächlich

    Zitat von 2wwk Beitrag anzeigen
    sie bekommen Hilfe (freundliche Benotung) die andere nicht bekommen. Einige Eltern versuchen Kindern daher diesen Status zu besorgen. Ja und die wirklich ADHS stoeren noch dazu. 1. Ziel muss sein die "normalen" zu foerdern ...
    bekommen die Kinder bei uns keine freundlicheren Noten. Aber Sie sprechen einen wichtigen Punkt an - und der ist brutal. Es gibt tatsächlich Eltern, die bei jedem ihrer Kinder, das kurz überdreht, diese Diagnose vom Arzt will. Und es gibt auch viele Ärzte, die diese Diagnose sofort stellen. Da werden Kinder sehr schnell mit Ritalin vollgedröhnt - es gibt bis heute keine erwiesene Diagnose, dass dieses Mittel irgendwie hilft. Es stellt ruhig und hat Nebenwirkungen. Aber ob es irgendwie hilft weiss kein Mensch. Diese Diagnose ist oft ein großes Problem...
  10. #99

    Zitat von dr.jennings Beitrag anzeigen
    Was kommt als nächstes?
    Inclusiose: Eine durch Stoffwechselstörungen hervorgerufene, zwanghafte Neurose, deren häufigstes Symptom das Zitieren von imaginären sogenannten „Studien“ ist. Im Anfangsstadium treten die imaginären Studien einzeln oder in kleinen Clustern auf, beim Fortschreiten der Krankheit werden es „viele“, „unzählige“ oder gar „alle“. Während dieser Phase ist das Infektionsrisiko bei Personen, die sich im gleichen Diskurs befinden und dem Erkrankten geistig nahestehen, durch unbedachtes Kopieren und Nachplappern von Argumenten ohne Realitätsfilter am größten. Ein besonders hohes Infektionsrisiko besteht bei ungeschütztem beruflichem Verkehr mit infizierten Berufungskommission.