Attacke auf Verlage: Wie*Amazon den Buchmarkt erobern will

Amazon startet eine Großoffensive. Bisher hatte das Versandunternehmen*nur Händler im Visier - jetzt funkt*es auch Verlagen ins Geschäft. Immer mehr Autoren*veröffentlichen ihre Bücher direkt über das Online-Kaufhaus, sie werden angelockt von mehr Geld und mehr Mitsprache.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...792364,00.html
  1. #40

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    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Amazon startet eine Großoffensive. Bisher hatte das Versandunternehmen*nur Händler im Visier - jetzt funkt*es auch Verlagen ins Geschäft. Immer mehr Autoren*veröffentlichen ihre Bücher direkt über das Online-Kaufhaus, sie werden angelockt von mehr Geld und mehr Mitsprache.

    http://www.spiegel.de/kultur/literat...792364,00.html
    Wenn es für Autoren wirklich einfacher und lohnender ist, ihrer Werke direkt über Amazon zu publizieren und zu vertreiben, warum sollten sie es dann nicht tun?

    Was eine gewisse Monopolstellung des Versandhandels betrifft, da schießt sich der Buchhandel teils selbst ins Bein. Gerade auf dem "platten Land" finden sich in Buchhandlungen meist nur noch ein paar Kochbücher und vielleicht eine Hand voll aktueller Bestseller. Für den restlichen Bedarf des Lesers heißt es: "Das können wir ihnen bestellen." Ja, danke, das kann ich inzwischen auch selbst, und dafür muss ich nicht ein einziges Mal vor die Tür. Wozu ist eine Buchhandlung gut, in der es außer Kochbüchern nichts zu erstöbern und zum Probelesen gibt? Allenfalls zum Weinen über den Untergang einer Kultur.
  2. #41

    Übersetzungsfehler

    Zitat von Daniel 1956 Beitrag anzeigen
    "...sowie das erst vergangene Woche gelaunchte 47North (Science-Fiction, Horror, Kultromane)."

    Schrecklich, dieses Denglish! Scheußlich! Nach Lektüre dieses Artikels überaus schlecht gelaunt!...Könnt Ihr denn kein deutsch mehr?
    Mein Eindruck ist offen gestanden, dass SPON sich gelegentlich ganz einfach bei der ausländischen Presse bedient und dabei schlecht übersetzt. Oder mögen die vielleicht indische Leihschreiber haben? Das ist mir heute schon einmal aufgefallen, als der erste Satz eines Artikels hieß "Gestartet hat alles mit..." Genau genommen werden auf Deutsch nur Maschinen oder Rennen gestartet. Artikel, Ereignisse oder Geschichten "beginnen" im allgemeinen. Oder sie "fangen an". "Everything started with..." ist eher eine englische Annäherung an einen Anfang und so ist es ja wohl auch mit den gelaunchten Firmen.

    Ob Amazon das wohl in den von Ihnen gelaunchten Romanen bereinigt hätte oder startet da gerade eine Zeit des unfreiwilligen Esperanto?
  3. #42

    Keine Titel mehr auf dem Markt

    Die Sorgfalt im Lektorat lässt aber scheinbar auch zunehmend nach, gleiches gilt für sprachlich überzeugende Übersetzungen. Bei Verlagen mit einem Schwerpunkt im Massengeschäft ist manchmal von einem Lektorat fast gar nichts mehr wahrzunehmen.

    Falls der Zeitpunkt einmal erreicht sein sollte, zu dem ein vielfältig strukturierter Medienmarkt nicht mehr existiert, werden vielleicht auch einige derer, die ihn jetzt gerade für nutzlos oder überflüssig erklären, einen echten Verlust bemerken. Bis dahin können sie ja den Weg von Marktführern zu Monopolisten frenetisch bejubeln.

    Bis in die Neunziger Jahre hinein hat nur eine verschwindend kleine Anzahl Menschen den Siegeszug des Internets vorhergesehen. Ein Großteil von Prognosen, gerade sozialer und technischer Entwicklungen, erwies sich in der Realität als Unsinn. Ebensolcher Unsinn sind Aussagen wie
    Drucken auf Papier ist genauso anachronistisch wie das meißeln von Buchstaben in Steinplatten - eben Geschichte. Gibt es hier einen, der noch glaubt, das in 20 Jahren noch irgend jemand so etwas wie "Papier" zu Hause hat?
    Ob man die Prognose in Form einer rhetorischen Frage stellt oder eine Entwicklung die sich in kaum mehr als einem Jahrzehnt vollzogen hat, mit der Antike zu vergleichen versucht, Unsinn bleibt Unsinn. Was aber auch nicht erstaunt, wenn man von Medien-, Buch- und Schriftgeschichte offensichtlich weitgehend unberührt geblieben ist.

    Über steinerne Inschriften können wir uns übrigens austauschen, weil diese immerhin einen Zeitraum von mehreren Tausend Jahren in einer Form überstanden haben, die bis heute ein Lesen der Texte ermöglicht. Wie die Welt nach weiteren Jahrtausenden aussehen wird, keiner von uns weiss es. Es besteht zumindest eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass etwa eine römische Inschrift auch dann noch lesbar sein wird. Während wiederum praktisch alles, was wir derzeit elektronischen Formaten oder auch Papier anvertrauen ganz einfach nicht mehr existieren könnte.
  4. #43

    lorem ipsum

    Zitat von PZF85J Beitrag anzeigen
    das künstliche Kartell (Buchpreisbindung) in Deutschland den Amazonleuten etwas schwerer machen wird.
    Da sehe ich kein Problem für amazon - sofernb es sich um neue Werke handelt.
    amazon tritt als Verlag auf. Damit gelten die Bestimmungen des Gesetzes für amazon. Und? Da die dann ohnehin als Monopol vertreiben, haben dann in der Tat alle Bücher denselben Preis. Sogar ganz ohne Gesetz.
    Was man von einem Monopolisten auf dem Buchmarkt hält (egal ob nun als Autor oder als Konsument), steht auf einem ganz anderen Blatt. Eine Weile wird das Vorteile bieten. Eine Weile...
  5. #44

    Nur noch Leser und Autor...

    ...Jeder Autor kann mit seinem Server sein e-book verkaufen, im Eigenverlag - Amazon überflüssig, keine Buchpakete mehr, keine abgeholzten Wälder - und keine vollgerammelten Regale mit Büchern, die doch keiner mehr liest. Eine (verschlafene) Industrie verschwindet vollständig, dafür kommt ein neues Geschäftsmodell. Und sollte die Machtkonzentration zu groß werden bei Amazon - dann gibt´s halt wieder ein neues Geschäftsmodell.
  6. #45

    Lesen ohne Lektor

    Zitat von Atermortuus Beitrag anzeigen
    ... Wissen wird zu Papier gebracht und unter das Volk gebracht. Das Vokk wurde größer und es wurde die Druckerpresse erfunden. Diese Waren teuer und auch die Verteilung des Produktes "Buch" wurde komplizierter - die Geburtsstunde ........
    Sie wissen offenbar nicht, was ein (Buch-)Verlag ist bzw. was der genau macht und was dessen Part bei Herstellung eines Buches (allgemeiner: einer Publikation) ist/war. Und das würde ich gar nicht mal Ihnen vorwerfen (etwa als Bildungslücke), sondern es ist vielmehr ein Zeichen, dass die Zeiten sich in der Verlagsbranche bereits so sehr geändert haben, dass der Beruf des Lektors für viele heute in etwa so exotisch ist wie der des Sattlers.

    Jedenfalls war die "Verteilung des Produktes Buch", wie Sie es nennen, von je her Aufgabe des Buchhandels, nicht die des Verlages. (Wobei der natürlich eine Vertriebsabteilung hat.) Und der größte Buchhändler heißt seit langem Amazon. Auch das Drucken ist nicht das Kerngeschäft von Verlagen (auch wenn die früher manchmal eine eigene Druckerei hatten); das machen die Druckereien, die in der Regel unabhängige Unternehmen sind. Nach Ihrer Argumentation müssten also (Groß-)Buchhändler und Druckereien verschwinden, nicht die Verlage.

    Verlagen sollten eigentlich: Buchprogramme gestalten, Autoren betreuen, deren Manuskripte lektorieren. Man kann ihnen vorwerfen, dass sie das immer mehr vernachlässigt haben. Aber Amazon wird das erst recht nicht tun. Lesen heißt auf Lateinisch legere, und daher stammt auch das Wort Lektor. Ob der Leser ohne Lektor wirklich besser dran ist, wage ich zu bezweifeln.
  7. #46

    ... immer noch keiner...

    Zitat von Emil Peisker Beitrag anzeigen
    Ihre Befürchtungen werden nicht eintreffen.
    Die Verlage hatten mal eine Funktion in der Vergangenheit. Sie traten dem Autor gegenüber in "Vorlage" bei den Kosten für die Bucherstellung. Alle anderen Seiten der Dienstleistung eines Verlages, wie Lektorat oder Marketing kamen später.

    Allerdings nutzen die Verlage die Buchpreisbindung nicht primär um den Autoren ein auskömmliches Einkommen zu garantieren, sondern um Ihre Gewinnmargen vor allzu preiswerten Wettbewerbern zu schützen.

    Wer behauptet hier mit Belegen, dass Amazon kein vernünftiges Lektorat hinbekommt?

    Das sind Leistungen von einzelnen Fachleuten und die kann Amazon sicherlich in ausreichender Zahl bekommen.

    Und Marketing?

    Die Reichweite von Amazon schlägt jeden anderen Verlag.

    Es gab früher mal den Großhandel bei Unterhaltungselektronik. Sie stellten die Verteiler als Schnittstelle zwischen dem Hersteller und dem Einzelhandel dar.

    Als dann ein Kölner Großhandelsmitarbeiter auf die Idee kam, einen Einzelhandel zu betreiben, der direkt beim Hersteller einkaufte und den Großhandel überflüssig machte, gab es einige Jahre viel Geschrei.

    Letztlich hatte Saturn, so hieß der Laden des Rebells Waffenschmidt, als erster in Deutschland die Zeichen der Zeit erkannt.

    Heute ist es so normal wie Zähneputzen, bei Saturn und dem Klon, Mediamarkt, einzukaufen.

    Die stehen unter Druck der Internethändler, die keinen großen Aufwand an Personal und Immobilien betreiben müssen.

    Wie diese Gefecht ausgeht, man beachte den Abgang des Metrochefs Cordes, der das Internetgeschäft verschlief, werden die nächsten 10 Jahre zeigen.

    Und auch Amazon wird nicht ohne Wettbewerb bleiben.

    Also freuen wir uns für die Autoren und für die Leser, die mit mehr als mit weniger Vielfalt rechnen können.
    Was Sie dabei geflissentlich übersehen: Ein identischer Laptop kostet z.B. beim Mediamarkt heute mehr als beim kleinen PC-Händler um die Ecke, der dazu sogar noch eine eigene Werkstatt betreibt.

    @ qwertzuiop: Bei einem E-Book tritt der Verlag (oder Amazon oder der Autor im Selbstverlag) sehr wohl in Vorleistung. Lektorat/Korrekturen, Satz/Layout und die programmiertechnisch ansprechende Umsetzung verursachen sehr wohl Kosten - wenn auch weniger als ein gedrucktes Buch. Weshalb übrigens die Startauflagen in den vergangenen Jahren zwecks Risikominimierung immer kleiner geworden sind.

    @ KarlRad: Kann nur zustimmen.

    @ syracusa: dito.

    Und von wegen künstliches Kartell will Buchpreisbindung erhalten für völlig überteuerte Produkte: Ein Roman mit 500 Seiten für 7,95 oder 8,95 im VK - bitte mal anhand der Zahlen von KarlRad und einem Angebot aus einer normalen Offset-Druckerei nachkalkulieren. Keiner derjenigen, die in diesem Forum auf die Verlagsbranche schimpfen, würde dieses Risiko freiwillig eingehen. Was das Verschlafen neuer Trends angeht - in der Tat, hier sollten sich viele Verlage wohl wirklich etwas mehr bewegen...
  8. #47

    Sehe ich nicht so

    Zitat von G. Donner-Wetter Beitrag anzeigen
    Die Gefahr steckt nicht in der Entwicklung des Mediums Buch, sondern im Verlust an Pluralität durch Konzentration auf einige Mediengiganten.
    Es wird ein Verlagesterben einsetzten mit dem Effekt daß die thematische und ideologische Bandbreite schrumpfen wird. Wer weiß.....
    In den 50er Jahren war bei uns Literatur staatlich zensiert, z.B. Bücher von Henry Miller. Hätte es damals Internet gegeben wären solche Verbote unwirksam gewesen. Heute sieht man das bei Computerspielen, die der staatlichen Zensur zum Opfer fallen. Kann man trotzdem kriegen. Sollte sich z.B. Amazon entscheiden wegen innenpolitischem Druck in den USA , keine Bücher über Evolution zu veröffentlichen, ist die Welt groß genug um sie woanders herzukriegen.

    Zensur funktioniert nicht mehr im Internetzeitalter. Gerade bei kulturellen Produkten können Monopole leicht umgangen werden.
  9. #48

    Schön, dass Sie Apple anführen ...

    Zitat von BarackAttack Beitrag anzeigen
    ... Wenn ein iOS-Entwickler eine App in den App Store stellen will, kann er das ganz einfach für 99 $ / Jahr tun ohne jede Widerrede, es sei denn seine App verstößt vehement gegen die Richtlinien. ..
    ... weil genau Apple das so im allgemeinen nicht handhabt. Es gibt eine Reihe von Beispielen, bei denen Apple von seiner Marktmacht Gebrauch machte, und Apps, die nicht in das willkürlich gewählte Apple Weltbild oder Marketinginteresse passten, geblockt hat. Beispiel der Web-Browser Opera, um mal was ganz Harmloses zu nennen, wer Lust hat zu googlen erhält mehr Beispiele.

    Also, warum sollten ähnlich marktbeherrschende "Verlage" sich zurückhalten, ihre Marktpositon zu "missbrauchen"?
  10. #49

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    Zitat von riegsee Beitrag anzeigen
    Wozu brauchen wir noch bezahlte Autoren und Bücher und Zeitschriften und und und - egal ob Papier oder Ebook.
    Nicht jeder, der schreiben kann, kann auch schreiben...