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Attacke auf Verlage: Wie*Amazon den Buchmarkt erobern will

Amazon startet eine Großoffensive. Bisher hatte das Versandunternehmen*nur Händler im Visier - jetzt funkt*es auch Verlagen ins Geschäft. Immer mehr Autoren*veröffentlichen ihre Bücher direkt über das Online-Kaufhaus, sie werden angelockt von mehr Geld und mehr Mitsprache.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...792364,00.html
  1. #90

    Titel

    Diejenigen hier, die den Einkauf beim örtlichen Buchhändler favorisieren, finden meine uneingeschränkte Zustimmung. Der Romantiker in mir will auch nicht auf Bücher aus Papier verzichten, auch nicht darauf, vor einem Regal zu stehen und Buchrücken zu betrachten, eines hier und eines dort herauszuziehen, Vergleiche anzustellen und sich am Anblick der bunten Vielfalt zu erfreuen. Ganz zu schweigen von den "Spuren", sowohl den persönlichen (Flecken, die Erinnerungen sein können), als auch den inhaltlichen (wie dieses zu jenem Buch sich verhält und wie ich diese zur Zeit des Lesens zueinander in Bezug gesetzt habe).

    Allerdings mußte ich in den vergangenen Jahren immer häufiger feststellen, daß die schiere Auswahl des Angebots, auf das man praktisch sofort zugreifen kann (2-3 Tage Lieferzeit ist die Regel bei Amazon, auch bei "ungewöhnlichen" Artikeln, z.B. Fachbüchern, die eher kleine Lesezirkel ansprechen), auch mich mehr und mehr zu einem virtuellen Kunden gemacht hat. Bei den großen Buchhandlungen hier kann es schon mal 10 Tage dauern (was Fachliteratur betrifft, natürlich nicht Belletristik).

    So bleibt es eine zweischneidige Angelegenheit, denn ich befürchte auch, wie Viele hier, daß eine Monopolstellung, bzw. ein Markt, den sich schließlich 3, 4 große Onlineanbieter teilen, zu Verflachung, Einseitigkeit und möglicherweise auch Schlimmerem (eingeschränkte Meinungsfreiheit/vielfalt) führen wird.

    Der historisch denkende Realist in mir meint allerdings, daß eine solche Entwicklung, wie sie einige hier beschreiben und gut heißen, also die Abschaffung der Verlage, vielleicht des Buches überhaupt zugunsten des E-Books, zweifelsohne eintreten wird. Leider.

    Und dann schreibt einer ein Buch darüber, wie das war, damals. Als man noch mit Papier in den Händen am Kamin saß. Das wird dann als "historischer Roman" verkauft, per Download...

    Gruß, g
  2. #91

    den europäischen Markt im Auge

    Zitat von eine-Meinung-unter-Vielen Beitrag anzeigen
    ... was die Vielfalt betrifft. Ich unterstelle Ihnen, Sie meinen mit Vielfalt nicht nur Menge sondern auch Pluralität und Meinungsvielfalt.

    Wenn man in Amerika die Werke betrachtet, die auf einem Index gelandet sind oder geschwärzte Stellen haben müssen (teilweise wissenschaftliche oder philosophische Arbeiten), kann man bei einem amerikanischen Medien-Großkonzern, der Veröffentlichungen steuern kann, nicht von gesicherter Meinungsvielfalt ausgehen. Es ist eher eine politische, vielleicht religiös beeinflußte Zensur zu befürchten, die sich schleichend entwickeln kann.

    Ich hoffe, ein ausreichend starker Wettbewerb unter den "Verlagen" kann so etwas abwenden. Aber können wir dessen sicher sein? Ich glaube nicht.
    Ich hatte eher den europäischen Markt im Auge, und ein wenig Hoffnung hege ich schon, dass diese Buchpreise, die ja eigentlich durch Printausgaben, Transport und weiteres entstehen, durch ebooks sinken können. Das könnte das Lesen erheblich verbilligen. Mir sind natürlich 1 Million ebook-Leser eines Werkes natürlich lieber, als 100.000 Leser einer Printausgabe.
    Bei solchen Relationen dürfte die digitale Fassung auch gerne mal ein Viertel kosten, ohne dass Autoren und Verlage weniger verdienen.
  3. #92

    klein

    Zitat von garmour Beitrag anzeigen

    Allerdings mußte ich in den vergangenen Jahren immer häufiger feststellen, daß die schiere Auswahl des Angebots, auf das man praktisch sofort zugreifen kann (2-3 Tage Lieferzeit ist die Regel bei Amazon, auch bei "ungewöhnlichen" Artikeln, z.B. Fachbüchern, die eher kleine Lesezirkel ansprechen), auch mich mehr und mehr zu einem virtuellen Kunden gemacht hat. Bei den großen Buchhandlungen hier kann es schon mal 10 Tage dauern (was Fachliteratur betrifft, natürlich nicht Belletristik).
    Ein Tip: in einem solchen Fall nicht in eine große, sondern eine kleine Buchhandlung gehen.
    Eine kleine unabhängige Buchhandlung, kaum größer als mein Wohnzimmer, ist meine Anlaufstelle bei solchen Sachen.

    Ich brauchte neulich ein Fachbuch, das nirgends mehr aufzutreiben war, teilweise als vergriffen gemeldet wurde.
    "Das wollen wir doch erst mal sehen", meinte die Buchhändlerin und forschte bei etlichen Grossisten nach. Als sie dort nicht fündig wurde, griff sie zum Telefon und rief den Verlag an, fragte sich durch, bis sie den Zuständigen an der Strippe hatte - und einen Tag später hatte ich mein Buch.

    Solchen Service werden Sie in den großen Buchhandelsketten nicht finden, bei Online-Händlern schon gar nicht.
  4. #93

    englische Bücher

    Ich persönlich bin bis jetzt großer Fan von Amazon gewesen, was vor allem daran liegt dass ich gerne englische Bücher lese. In den normalen Buchhandlungen findet sich meistens sowieso nur ein kleiner Bereich mit den bekannten Autoren, aber eher unbekannte oder neue Sachen kann man dort gar nicht kaufen. Und wenn sich mal ein englisches Buch findet, das man kaufen möchte, ist es bei Amazon immer noch 2-3 Euro billiger als im Laden. Also warum sollte ich für solche Anschaffungen in eine Buchhandlung gehen? In Buchhandlungen kaufe ich eigentlich nur noch Bücher, die gerade im Angebot sind und dadurch wirklich sehr billig.

    Und dass ich Bücher lieber in Englisch als in Deutsch lese liegt auch schlichtweg am Preis. Zum Beispiel kostet ein englisches Taschenbuch von der "A Song of Ice and Fire" Serie (George R. R. Martin) gerade mal 5,95 (zumindest als ich sie mir gekauft habe), in der deutschen Übersetzung wurden daraus zwei Taschenbücher für je 12,95 gemacht. Da frägt man sich doch was das bitte soll...
  5. #94

    Es geht um den Inhalt.

    Zitat von ympertrymon Beitrag anzeigen
    @ Atermortuus: Herrlich inkompetent, Ihr Beitrag. Verlage sind keine Großhändler. Großhändler (bzw. Zwischenhändler oder auch einfach Vertriebsunternehmen) sind Unternehmen wie LIBRI oder KNV, die Bücher einlagern und an die Buchhandlungen liefern. Wenn Amazon selbst Bücher bei den Verlagen einkauft und anbietet, ist letztlich auch Amazon - gemessen an den verkauften Mengen - genau genommen ein Großhändler.

    Ihre Einlassung, Verlag würden nichts produzieren, ist ebenso lächerlich. Sie sichten und beurteilen Manuskripte, investieren viel Zeit und Arbeit in Lektorat, Satz/Gestaltung und Produktion (auch E-Book-Produktion benötigt Fachwissen und Manpower) und tragen das wirtschaftliche Risiko. Was Ihrer Ignoranz entgangen sein dürfte: Letztlich arbeitet Amazon hier als genau der Verlag, den Sie so abschätzig beurteilen. Nur, dass sie selbst der eigene Vertrieb sind und sie somit Kosten sparen - was dann u.U. dem Autor zugute kommt.

    @ blob123y: Es ist in der Tat traurig, wenn Autoren von Verlagen - vornehm gesprochen - ausgenutzt werden. Deshalb warnt man auch seit Ewigkeiten vor sogenannten Druckkostenzuschussverlagen, die sich vom Autor bezahlen lassen und am Vertrieb kein Interesse mehr haben. Was aber auch Sie übersehen: Ein Verlag kann nur dann Bücher veröffentlichen, wenn er wirtschaftlich überlebt. Genauso wie Amazon. Also wird auch Amazon keine Arbeit in Manuskripte investieren, die keine Erfolgsaussichten bieten. Was man auch deutlich daran erkennt, dass zunächst v.a. Erfolgsautoren abgezogen werden und Amazon z.B. bei der Kindle-Ausgabe von Harry Potter wiederum als marktbeherrschender Händler profitiert.
    Ich stimme Ihnen insofern zu, als dass man sich nicht anmaßen sollte, über Verlage pauschal zu urteilen. Gleichwohl muss ich feststellen, dass Amazon heute über eines der weltweit größten Vertriebs- und Logistikzentren verfügt, dessen Kernkompetenz, die des Online-Händlers, längst vielseitiger wurde. Verlage haben es schlichtweg über Jahre hinweg versäumt, für das Internet bzw. technische Errungenschaften - Stichwort: E-Reader - vernünftige Modelle zu entwickeln.

    Hinzu kommt die Tatsache, dass in gewisserweise allenthalben die Arroganz jener Verlage thematisiert wird. Ich finde es gerade zu fortschrittlich, dass Neueinstiger durch Amazon selbst die Möglichkeit haben, ihr Buch zu verlegen.

    Und trotzdem bin ich der Meinung, dass Amazon zunehmend zu einer Marktgröße anschwillt, die früher oder später marktwirtschaftliche Prinzipien angreifen wird. Deswegen, liebe Verleger, an eurer Vertriebsstruktur muss sich etwas ändern. Denn selbst ich als junger Bursche möchte das konventionelle Buch auch in Zukunft nicht missen. Ich nutze viel und gerne meinen E-Reader, dennoch ist ein reales Buch für mich ein Genussgut. Ich liebe es meine gesammelten und gelesenen Bücher im Regal zu sehen und bei Bedarf "Etwas" in der Hand zu haben. Das muss freilich nicht bedeuten, dass man gewisse Bücher nicht auch oder ausschließlich als E-Book liest. Ein Anfang wäre, zunächst vernünftige, nachvollziehbare und im Vergleich zur Print-Ausgabe erheblich preiswertere Modelle zu entwickeln. Denn es kann nicht sein, dass die E-Book-Fassung nahezu genauso viel kostet, wie die Print-Fassung. Nicht zuletzt sollte die Buchpreisbindung in dieser Sache gelockert werden.
  6. #95

    -

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Amazon startet eine Großoffensive. Bisher hatte das Versandunternehmen*nur Händler im Visier - jetzt funkt*es auch Verlagen ins Geschäft. Immer mehr Autoren*veröffentlichen ihre Bücher direkt über das Online-Kaufhaus, sie werden angelockt von mehr Geld und mehr Mitsprache.
    Einen sehr guten und treffenden Kommentar zu dem Thema gibt es hier. Das hätte ich der alten Tante Zeit nicht zugetraut.
  7. #96

    Das e-book schafft Chancengleichheit

    >Heute kann jedes Buch fast ohne Kosten als eBook angeboten werden wenn die Plattform dafür bereit steht. Ab einem gewissen Kundeninteresse kann dann eine gedruckte Version nachgeschoben werden.<

    Schön wäre es ja, doch nahezu sämtliche Beiträge in diesem
    Forum sehen Verlage entschieden zu idealistisch.

    Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, die mit der Herstellung von Büchern Gewinne erzielen. Oder auch nicht.

    Bestseller entstehen gewöhnlich nicht durch durch ein Buch entstandenes Leserinteresse. Dieses Interesse wird mehr oder weniger systematisch aufgebaut.

    Wenn es sich um literarische Texte handelt, spielen die Position eines Titels im Verlagsprogramm sowie das Zusammenspiel der Akteure im "Literaturbetrieb" die Hauptrollen.

    Generell: Jeder Verlag konzentriert seine Werbung und seine Pressearbeit auf sogenannte Spitzentitel, d.h. jene Bücher, die er in großer Auflage druckt und in den Buchhandel drückt. Der Buchhandel spielt dabei gern mit. Was er nach spätestens sechs Monaten nicht verkauft hat, schickt er an den Verlag zurück. Der klassische Verlag trägt ein erhebliches Risiko.

    Die finanzielle Kraft kleiner und mittelgroßer Verlage reicht nicht aus, um einen Titel bekannt zu machen. Wo das geschieht, ist es eine Weisse Schwalbe wie "Kalteis".

    Die große Zahl jährlicher Neuerscheinungen resultiert aus dem Umstand, dass "midlist titel" in immer geringeren Auflagen Leser finden. Um ihre Umsatzzahlen zu erzielen, drucken Verlage erheblich mehr verschiedene Titel als noch vor zwanzig Jahren.

    Die vier gro0en Filialisten hierzulande kaufen meist nur noch die Programme der A- und B-Verlage ein - wobei sie die Regalflächen, auf denen sie Titel anbieten, vielfach an den Verlag vermieten.

    Die Verlagsbranche und der Buchhandel haben sich so erheblich von ihren ehemals idealistischen Ansprüchen entfernt, dass Amazon mit seinen e-books keinen Schaden mehr anrichten wird.

    Problematisch wird für die e-book wie für die Titel der Book on demand Drucker, dass eine Vielzahl unerheblicher Titel einen unübersehbaren Markt schaffen wird, in dem Leser jene Bücher, die sie interessieren könnten, schlicht und einfach nicht mehr findet. Das schaffen die grossen Buchkaufhäuser, jedenfalls was die Produktion kleiner und mittelgroßer Verlage betrifft, auch für das gebundene Buch.
    Dennoch schafft das e-book endlich die Demokratisierung des Autorenberufs: jeder, der will, kann endlich veröffentlichen. (Dass keiner sein Produkt finden wird, ist auch höchst demokratisch.)


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