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Attac und die Krise: High Noon für die Hedgefonds-Hasser

Alarm schlagen ist ihr Geschäft: Ungezügelter Kapitalismus werde die Welt ins Unglück reißen, die Finanzwelt gehöre hart reguliert, warnen Globalisierungskritiker seit Jahren. Doch jetzt, da diese Sätze Allgemeingut sind, hadern sie trotzdem mit ihrer Rolle - ein Besuch bei der Basis von Attac.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...626491,00.html
  1. #1

    Das liegt daran

    dass in Deutschland jeder glaubt und es auch anscheinend annimmt, dass die die kritisieren auch die Lösungen liefern müssten. Mir war schon immer schleierhaft warum das so sein soll.
    gebt denen von Attac das Geld derer die momentan in der Pflicht sind und die Machtbefugnisse und das Thema Ohnmacht hat sich schnell erledigt.

    Wetten?
  2. #2

    Attac: Interner Lernprozess, neue Situation und Institutionalisierung

    Ich finde den Artikel interessant und würde gerne ein paar Punkte hinzufügen, die vielleicht manches erklären können.

    (a) Bei seiner Gründung verstand sich Attac als Plattform für eine Vielfalt - und das interne politische Spektrum war gerade nach dem raschen Zuwachs im Jahr 2001 (nach Genua)wahrscheinlich viel breiter als heute. Eine Einheit in der Vielfalt (bei Attac gilt intern das 100prozentige Konsensprinzip) bedeutet harte Konflikte und diese sind vor allem da, wenn eine Bewegung erfolgreich und in den Medien präsent ist. Mit den Konflikten verkleinert sich die Vielfalt - es ist bei fast allen Organisationen so. Zusätzlich findet ein interner Lernprozess statt, bei dem eine gewisse Radikalität aufgegeben wird, zugünsten des Konsenses.

    (b) Attac war ein Katalysator wichtiger Veränderungen im Bundestag. An der "Gründung" der Linken haben sich relativ viele Attac Mitglieder beteiligt. Die Kandidatur der Geschäftsführerin von Attac bei den Linken bestätigt diesen Eindruck. Sven Giegold kandidiert hingegen bei den Grünen - und was überraschend ist: Er plädiert für eine Ampel-Koalition in Deutschland bzw. er betrachtet diese Option als die einzig realistische.
    Die Stimmen von Attac sitzen im Bundestag und zwingen die anderen Parteien zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit dem Thema soziale Gerechtigkeit. Genauso wie die Grünen damals: Heute hat fast jede Partei ein mehr oder weniger ausgeprägtes ökologisches Profil.

    (c) Das politische System schutzt sich gegen soziale Bewegungen in zwei Art und Weisen: (i) indem man sie ausgrenzt (und Attac hatte lange Zeit keinen guten Stand bei Politik und Medien: "Die Extremisten!"); (b) indem man sie oder ihre Inhalte vereinnahmt und institutionalisiert (s. Gründung der Umweltministerien in den 80ern), was die soziale Bewegungen delegitimiert, denn die Politik vermittelt den Eindruck, alles unter Kontrolle zu haben.

    Beste Grüße
    Davide Brocchi
    Köln
  3. #3

    Boah

    Anstatt ihre Schüler das Durchbrechen von Polizeiketten und das "richtige" Verhalten bei Sitzblockaden üben zu lassen, sollten die Waldorfschulen lieber mal einen praxisnahen Wirtschaftsunterricht einführen, wo man die ganz grundlegenden Dinge über das alltägliche Wirtschaften lernt. Z. B. "Was ist ein Dispokredit", "Was ist die SCHUFA", "Richtiges Verhalten bei Zahlungsverzug und drohender Überschuldung", etc. Das würde einigen die Vorstellung nehmen, das "Wirtschaft" etwas per se Böses ist, das mit aller Macht bekämpft werden muß.

    Aber in den Verdacht, sinnvolles zu lehren, sind die Waldorf-Schulen ja noch nie geraten...
  4. #4

    Attac & Co.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Alarm schlagen ist ihr Geschäft: Ungezügelter Kapitalismus werde die Welt ins Unglück reißen, die Finanzwelt gehöre hart reguliert, warnen Globalisierungskritiker seit Jahren. Doch jetzt, da diese Sätze Allgemeingut sind, hadern sie trotzdem mit ihrer Rolle - ein Besuch bei der Basis von Attac.

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...626491,00.html
    Fassen wir zusammen: Attac hat keinen blassen Dunst, wie auf die Wirtschaftskrise zu reagieren ist, worauf der Autor kübelweise Häme auf Attac ausgießt. Aber was unterscheidet Attac in dem Punkt "hat keinen blassen Dunst" bitte von der Jungen Union oder Goldmann Sachs?
  5. #5

    Kein Wunder...

    ...Attac hat seit dem Ende der 90er Jahre wesentlich zur Herausbildung einer fundierten und dezidierten Kapitalismuskritik (jenseits der Klassenkampf-Rhetorik der 68er) in Medien und Öffentlichkeit beigetragen.

    Dass man jetzt durch die schlagartige "Vergesellschaftung" von eigenen Forderungen überrollt wird ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern im Gegenteil des Erfolgs.

    Dass Attac in diesem Umfeld seine neue Rolle erst wieder definieren muss, ist nur normal. Im günstigsten Fall hat sich die Bewegung am Ende selbst obsolet gemacht !
  6. #6

    Finanzmärkte stärker regulieren?

    Die Ursache der Krise ist zweifelsfrei die Sozialpolitik unter Bill Clinton. Er hat Banken dazu gezwungen Subprime-Kredite auszugeben, damit sich jeder ein Eigenheim kaufen kann. Er hat damals sogar richtig vorausgesagt, dass dadurch das Wirtschaftswachstum angeregt wird, leider vergaß er zu erwähnen, dass die Blase mal platzen wird. Eine Teilschuld trifft natürlich auch die Menschen, die diese Kredite in Anspruch genommen haben. Das sind aber nicht Banker und Manager gewesen, sondern Menschen aus der Unterschicht. Dass die Hypothekenbanken diesen Mist, den sie produzieren mussten, hübsch verpackt weiterverkauft haben, kann man ihnen wohl kaum vorwerfen. Jeder hätte so gehandelt. Weitere Krisen dieser Art kann man in Zukunft nur durch komplette Liberalisierung der Finanzmärkte verhindern, damit Politiker die Wirtschaft nicht erneut aus wahltaktischen Gründen (persönliche Macht) ruinieren können.
  7. #7

    China

    wo man den "ungezügelten" Kapitalismus und seine Auswirkungen genau studieren kann. China hat es geschafft, innerhalb der letzten 20 Jahre den Anteil der Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze lebten von 60% auf unter 10% zu drücken, gleichzeitig zur Werkbank der Welt zu werden und gleichzeitig zum wichtigsten Konsumenten von Industriegütern (insbesondere aus Deutschland) aufzusteigen. Der Weg: Weg mit dem Sozialismus, rein mit dem Kapitalismus. Der Einzelne weiß am Besten, was gut für ihn selber ist. Das ist die Leitlinie der Marktwirtschaft. Und genau das will Attrac wieder abschaffen. Die Chinesen haben es kapiert. Kapitalismus macht wohlhabend.

    "Kontrolle" als ob es das vor der Krise nicht gegeben hätte. Gerade der Finanzmarkt ist so scharf kontrolliert und reglementiert wie wohl nur Gefängnisse kontrolliert werden. Folge: Plötzlich machen alle das Gleiche, der Spielraum, der noch bleibt muß exzessiv ausgenutzt werden, damit man eine Chance im Wettbewerb hat. Resultat: Jeder geht davon aus, daß alles sicher sei. Wenn sich dann zeigt, das die Kontrolleure auch nicht mehr wissen als die Kontrollierten geht plötzlich eine ganze Branche in die Binsen. "Mehr Kontrolle" aber gerne, wenn gleichzeitig die Kontrolleure auch die Haftung übernehmen. Kein Wort davon bei Attrac. Die Antwort muß lauten: Mehr Vielfalt, mehr Freiheit, mehr Verantwortung.

    "Mehr Reichensteuer" Aber natürlich, das Geld liegt da irgendwo unter dem Sofa. Nur her damit.
    Ist aber falsch. Das Geld liegt in der Masse in mittelständischen Unternehmen. Wenn jetzt davon 5% abgezweigt werden, dann geht es dort an die Substanz. Mit anderen Worten: Der Staat muß noch mehr Aufgaben der Wirtschaft übernehmen, als er es jetzt schon tut. Eine Anleitung zum Verschwenden und Verprassen ist das. Kein Wort davon bei Attrac, dafür aber die "Wirtschaftsspezialistin", die in Waldorfschulen ihre Propaganda und Halbwahrheiten vor den Unschuldigtsten von allen sät.

    Keine Arbeit für die Chinesen? Nun gut, dann eben Grenzen dicht. Was geht uns deren Hunger an.
    Betriebsschließungen und noch mehr Verschwendung durch den Staat, dann bitte sehr "Reichensteuer". Als ob von diesem Geld auch nur ein Cent bei den Armen ankäme.

    Attrac kann man vergessen. Konservative gestrige, die ans Ruder wollen. Antworten haben andere.
  8. #8

    Wirklich traurig...

    dass es heutzutage noch solche naive Gutmenschen-Organisationen wie Attac überhaupt gibt, die an der gesellschaftlichen Realität kilometerweise vorbeischrammen und allerhöchstens in den 68ern (wie wir nun durch die Ohnesorg-Umstände wissen, selbst da nicht mehr) eine gewisse Legitimierung gehabt haben. Die Globalisierung findet bereits seit Jahrzehnten statt und ist sowohl ein nützlicher, als auch notwendiger Vorgang auf dem Weg zu einer Weltgemeinschaft. Das Internet und dessen Kommunikationsmöglichkeiten lassen schon heute alte Vorstellungen von abgeschotteten Nationalstaaten wie ein Modell aus grauer Vorzeit erscheinen.

    Wenn ich schon "Aktionsakademie" lese, wundert es mich, was diese Menschen überhaupt bezwecken und frage mich, ob sie sich in ihrer Organisationsstruktur tatsächlich noch so sehr von den von ihnen bekämpften Institutionen (bsp. des Staates) unterscheiden oder sie schon selbst zu ach so bösen "Konzernen" geworden sind. Zu Attac, Antifa, Greenpeace und Co. kann wohl begründet folgendes gesagt werden:

    Sie versuchen Ängste der Bevölkerung zu schüren, um ihrerseits Publicity und dadurch auch Geld zu bekommen und so ihre am Ende doch recht sinnentlehrten Aktionen zu finanzieren und szene- bzw. mediengerecht darzustellen. Wer dies bezweifelt schaue sich einfach mal die Beiträge dieser Organisationen an. Dort gibt es kaum einen, in dem auf Mahnungen, Prophezeiungen und Angstmacherei verzichtet wird. Sollte dann ein Teil der Vorhersagen tatsächlich eintreten, wird dies natürlich so verkauft, als habe die Organisation die Wahrheit für sich gepachtet (wie im Ausgangsartikel im Bezug auf die Finanzkrise).

    Durch einseitige Berichterstattung (auf den jeweiligen Internet-Seiten oder in jeweiligen internen Zeitschriften) werden die Mitglieder aufgehetzt, bei der Stange und auf Kurs gehalten. Dies alles teilweise dann noch mit eigenen, natürlich einseitigen, wissenschaftlichen "Studien" untermauert, wie es bei GreenPeace bisweilen der Fall ist.

    Dass solche einseitigen Geschäftsmodelle auf Dauer keine Zukunft haben werden, dürfte durch das Internet bedingt sein, wo sich die Menschen mehrdimensionaler mit einem Thema befassen können und so vielleicht am Ende zu der Erkenntnis gelangen, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, wie es solche Gruppen oftmals zu vermitteln versuchen. Problem ist allerdings, dass viele ihrer Mitglieder diese Erkenntnis nicht erlangen können/wollen, da sie sich schon zu sehr in ihren Kommunen und ihrer Ideologie abgespaltet haben und die Propaganda übermächtig geworden ist, was die im Artikel erwähnte Ernährung aus Mülltonnen als Protest gegen das Geld-System eindrucksvoll klarmacht.

    Wer Kapitalismus abschaffen will, sollte zuallererst solche "Bündnisse" und Organisationen abschaffen, die lediglich durch Panikmache, Aufhetzung gegen den Staat, äußerst einseitige Kampagnen und Verunsicherung der Normalbürger auf sich aufmerksam machen. Die größte Katastrophe für solche Organisationen wäre es wohl, wenn sie politisch tatsächlich Gewicht hätten und aufgrund der größeren Verantwortung, die von ihnen vertretenen Ansichten auch von anderen Seiten aus betrachten müssten.
    Auch bei ihnen zeigt sich nunmal: Wahrheit ist äußerst relativ! Und die eigene Wahrheit lässt sich mit Angst, Prophezeiungen und Mahnungen wesentlich besser unters Volk bringen. Dieses Prinzip nutzten bereits die USA nach 911 unter Bush...
  9. #9

    Mehr davon

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Alarm schlagen ist ihr Geschäft: Ungezügelter Kapitalismus werde die Welt ins Unglück reißen, die Finanzwelt gehöre hart reguliert, warnen Globalisierungskritiker seit Jahren. Doch jetzt, da diese Sätze Allgemeingut sind, hadern sie trotzdem mit ihrer Rolle - ein Besuch bei der Basis von Attac.

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...626491,00.html
    Die Behauptung, daß sie gerade jetzt richtig liegen ist barer Unsinn.
    Trotz harter Kontrollen ist das Finanzdesaster eingetreten. Der Glaube an die Allwissenheit der Kontrolleure, der Rating Agenturen und der Notenbanken hat das Desaster erst herbeigeführt. Die Vorstellung, man könne Wirtschaft, Risiko und Kapitalströme planen und regulieren steht dahinter. Der alte Irrglaube an die totale Macht. Das ist schon immer schief gegangen. So auch diesmal.

    Attracs Antwort: Mehr davon.


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