Mit aufwendiger Anreicherung wird der Anteil von Uran-235 für die Brennelemente der Kraftwerke auf rund vier Prozent erhöht. Abgebrannte Brennstäbe enthalten immer noch einen gewissen Teil Uran-235, den man in der Wiederaufarbeitung herausholen will.
Zudem ist im Kernreaktor aus dem „nutzlosen“ Uran-238 des Brennelements teilweise Plutonium entstanden, was die Aufarbeitung zusätzlich lohnend macht. Denn Plutonium kann ebenfalls für neue Brennstäbe eingesetzt werden – und für Waffen.
Eine Wiederaufarbeitung sei auch in Bezug auf Atommüll interessant, sagt Kugeler. „Durch das Verfahren werden genau die Isotope entfernt, die relativ stark und lange strahlen.“ Übrig blieben Cäsium und Strontium, die jedoch nach einigen 100 Jahren abgeklungen seien. Die übrigen „Langzeitstrahler“ seien nur schwach. „Das erleichtert die Suche nach einem geeigneten Endlager.“
Allerdings gibt es auch starke Widersprüche gegen die Technik. Nach wie vor ist der Aufwand so groß, dass neue Brennstäbe aus Natururan billiger sind als jene aus der Wiederaufarbeitung.
Außerdem entsteht mengenmäßig viel mehr Atommüll, wenn die Brennstäbe aufgeschnitten und weitere Gegenstände kontaminiert werden. Zudem gehen die radioaktiven Substanzen in Lösungen, die schwieriger zu handhaben sind als Festkörper.
Und trotz aller Vorkehrungen sind Wiederaufarbeitungsanlagen nicht völlig dicht. Über Luft und Abwässer gelangt Radioaktivität in die Umwelt.
Aus diesen Gründen wurden die Bauarbeiten für eine deutsche Anlage im bayerischen Wackersdorf Ende der 80er Jahre eingestellt.