REUTERSSprengstoff und Zünder für Montenegro und die Türkei, aber keine Waffen für das syrische Regime an Bord: Das ist das bisherige Ergebnis der Untersuchung des Frachters "Atlantic Cruiser" im türkischen Hafen Iskenderun. Die Überprüfung wird allerdings noch einige Tage in Anspruch nehmen.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...828877,00.html
Ich wünsche täglich dreimal informiert zu werden, was da passiert.
So, jetzt haben SPONs findige und niemals unkreative Redakteure und Journalisten 1-2 Tage Zeit, phantasiereiche Erklärungen dafür zu präsentieren, wie es dem bösen und trickreichen "Schlächter" Assad gelang, die Waffenladung des Schiffes verschwinden zu lassen.
Bevor man das nächste Mal kopfüber und völlig kritisch auf Schwachsinn der syrischen Opposition aufspringt und sich lächerlich macht sollte man die eigene Logik bemühen. Dann wäre aufgefallen, dass Syriens Unterstützer Iran und Russland a) keine Probleme haben, völlig öffentlich Waffen an Assad zu liefern und b) die notwendige Kriegsmarine zu haben, ihre Frachtschiffe zu schützen.
Es tut mir leid, aber ich finde diesen Artikel noch konfuser als den ersten vor ein paar Tagen - Redaktion geschlossen und alle Fragen offen.
1. Syrien sollte/wollte das Schiff gar nicht anlaufen, sagen die Verantwortlichen. Von wem aber ist dann der "syrische Zielhafen Tartus" "ursprünglich geplant" worden? Und aus welchem "System" ist der dann "noch am Freitag" gelöscht worden?
2. Das "weltweit gebrauchte Ortungssystem AIS" wird, wenn ich es recht verstanden habe, vom Internet-Portal marinetraffic.com ausgewertet, und von dort beziehen der Spiegel und die syrischen Rebellen ihre Informationen. Ist AIS nun die Signalisierung, die das Schiff hätte verwenden müssen, oder war das von ihm benutzte "andere System" das richtige?
3. Was ist rätselhaft daran, dass das Schiff den nächsten Hafen auf seiner Route anlief, um die Ladung überprüfen zu lassen? Wenn, mal angenommen, die Ladung OK ist, macht es keinen Sinn, sie ohne Rücksicht auf Verluste sofort überprüfen zu lassen. Da gibt es schliesslich Kunden, die auf ihre Lieferung warten.
4. Wäre es nicht informativer, statt tief besorgt von "größeren Mengen Sprengstoff und Zündern" zu raunen, die das Schiff geladen habe, klar mitzuteilen, dass es sich dabei um "seismographische Sprengkapseln für die Öl- und Gassuche" handelt, wie zumindest die "Junge Welt" meldet?
5. Die "obenauf liegende Schicht der Ladung" bestehe aus "Kabeltrommeln und riesigen Blechkisten für ein Kraftwerksprojekt in Syrien" - sagt wer? Die Schiffslogistiker wohl nicht, weil die ja, laut Bericht, Syrien gar nicht anlaufen wollten.
Um noch einmal die "Junge Welt" zu zitieren, die von dieser Aussage nichts weiss: "Im syrischen Tartus sollten Teile für ein Thermalkraftwerk entladen werden."
6. Anonyme türkische Zeitungen meinen, das Schiff hätte "zur Kennzeichnung von Gefahrengut eine rote Flagge an Bord hissen müssen". Gilt die deklarierte Ladung denn als Gefahrengut? Stimmt die Aussage mit der roten Fahne? Lässt sich das nicht überprüfen? Nicht einmal bei einem Artikel, der ja irgendwie die journalistische Ehre des Spiegels retten soll?
7. Dass die Ladung den Deklarationen entspricht, "davon gehe ich aus, aber weiß es nicht genau." - Sagt wer?
8. Wieso hätte ein Anlegen in einem zyprischen Hafen gegen das EU-Waffenembargo verstossen?
9. Darf ich auf einen weiteren Artikel hoffen, der die Geschichte wenigstens etwas nachvollziehbarer macht?
10. Nicht ein einziger Kommentar? Keiner von den vielen Lesern, die den ersten Artikel kommentiert haben, weiss zu diesem etwas zu sagen? Kann das sein? Oder hat SpOn ALLE bislang eingegangenen Kommentare 'zensiert'? Kann das sein?
Das ist aber auch überraschend, aber wenn man tatsächlich noch ein paar Tage benötigt, um die Waffen zu finden, wird ganz sicher etwas auftauchen.
Das Ganze stinkt zum Himmel.
Festzuhalten ist, das die FSA offensichtlich auf falschen Verdacht hin ein normales Handelsschiff angreifen wollte.
Und der Spiegel hat wirklich eine großartige Rolle gespielt - erst lässt man sich zu kostenloser Propagande im Sinne der FSA überreden, und jetzt ist man zum Zusehen gezwungen, während irgendeine staatliche Schattenorganisation zwischen Berlin und Ankara die zu findenden Waffen platziert.
Geradezu peinlich schlecht inszeniert.
Sorry, aber woher nehmen Sie diese Zahl? Der Tagescharterpreis eines solchen Schiffes belaeuft sich, je nach Zustand, Alter und Aussstattung eher auf 80.000 -120.000 USD ohne Treibstoff, Versicherung und Fee's.
Fuer 10.000 USD/ Tag koennen Sie eine 30m Motoryacht, ohne Treibstoff, Verpflegung, Fee's und Trinkgeld fuer die Crew mieten.
[QUOTE=jtanner;10055513]Es tut mir leid, aber ich finde diesen Artikel noch konfuser als den ersten vor ein paar Tagen - Redaktion geschlossen und alle Fragen offen.QUOTE]
Ich gebe Ihnen Recht. Der Artikel scheint wie ein hilfloser Versuch journalistisch in eine traditionell gut abgeschottete Thematik einzudringen. Die Schipping-Industrie. Nun, an Bord jedes kommerziellen Schiffes ist ein VDR (Voyage Data Recorder) vorgeschrieben. Dies ist ein Equivalent zur Black Box in Flugzeugen. Dort sollte unzweifelhaft nachvollziehbar sein wo sich das Schiff wann befand. Auch etwaige Stops zwecks Umladen auf hoher See sind dort verzeichnet. Das Tracking Signal fuer marinetraffic ist ein Tool fuer Reeder, Broker, Versicherer und Kunde um permanent die Koordinaten des Frachters einsehen zun koennen. Dies u.a. um die Logistik ab Einlaufen Zielhafen bzw loeschen der Ladung ohne Zeitverzoegerung organisieren zu koennen. Generell ist die Shipping Industrie ein undursichtiges Gewerbe. Abgeschottet gegen Aussenstehende und in jeder Reederei, Brokerage und lokalen Offices mit den "ausgebufftesten" Anwaelten besetzt. Durch das "vermieten" der Schiffe an Broker ueberall auf der Welt, sowie die Ladung von Fracht fuer die unterschiedlichsten Laender ist die rechtliche Beurteilung dieser Geschaefte aeusserst schwierig. Spannende Story. Mal sehen was als naechstes kommt.